"Tourist go Home"! Darum haben die Südeuropäer genug von uns

Proteste gegen Touristen in Südeuropa

Barcelona, Mallorca, Venedig, Lissabon: Unter den Einheimischen wächst der Widerstand gegen die Urlauberflut.

Wir erleben es selbst: Die Strände, Städte und Sehenswürdigkeiten rund ums quellen über vor Touristen. Menschenmassen stehen Schlange vor den Sehenswürdigkeiten, Kreuzfahrt-Gruppen durchpflügen die Altstädte, und an den Stränden wird’s immer enger.

Reisen ist billig geworden – und ehemals beliebte Urlaubsländer wie die Türkei oder Ägypten sind für viele Urlauber aus Sicherheitsgründen nicht mehr attraktiv. Und so verteilen sich immer mehr Menschen auf immer weniger Urlaubsländer - die ja nur aus unserer Sicht  "Urlaubsländer" sind. Die Einheimischen nennen sie ihr Zuhause.

Unsere Reisen beeinträchtigen das Leben der Einheimischen

Die Folgen unserer Reiselust: Die stetig wachsende Zahl an Ferienwohnungen sorgt vor allem in den Innenstädten für eine Verknappung des Wohnraums und für rasant steigende Mieten. Müllberge und Lärmbelästigung nehmen zu, Supermärkte und Restaurants werden in  Touristenfallen umfunktioniert, und die Straßen werden von Mietwagen, Bussen und - wie auf - von Radfahrer-Rudeln verstopft. Hinzu kommt: Die wenigsten Einheimischen profitieren vom Tourismus - die Löhne im Dienstleistungssektor sind niedrig.

Für viele Einheimische werden die Zustände zunehmend unerträglich, in diesem Sommer gingen mehr und mehr auf die Barrikaden. Und auch die Politik beginnt, Maßnahmen gegen den Ausverkauf zu entwickeln.

Mallorca:  "Tourists=Terrorists"

In Palma de Mallorca wurden Parolen wie „Tourist go Home - Refugees Welcome“ oder "Tourists=Terrorists" an die Hauswände gesprüht, Hunderte wurden in diesem Sommer mit Protest-Aufklebern versehen: „Dieses Auto ist zu viel“ oder „Tourismus tötet Mallorca“. In Mallorcas Hauptstadt wird inzwischen regelmäßig gegen den Tourismus demonstriert. Mitglieder der Initiative "Ciutat per qui l'habita" ("Die Stadt für die Bewohner") klebten Zettel mit der Aufschrift "geschlossen" an die Tür des Tourismusministeriums. Neue Gesetze werden auf den Weg gebracht, die  zum Ziel haben, die Zahl der Übernachtungsplätze und Mietwagen auf den Balearen zu begrenzen.

Barcelona: "Dein Luxustrip - mein tägliches Unglück"

In ist der Widerstand besonders groß. „Fuck Tourism“ ist dort zu lesen oder "Dein Luxustrip - mein tägliches Unglück“. Vermummte stellten sich kürzlich einem Touristenbus in den Weg und besprühten ihn mit Parolen wie "Der Tourismus tötet die Stadtviertel". Vergangene Woche versammelten sich Barcelonier am Strand und hielten Banner hoch, die das Verbot von Ferienwohnungen forderten. Es wurde auch gegen die vielen betrunkenen Touristen in den Wohnvierteln protestiert.

Venedig: Die Einwohner fliehen

Erst kürzlich demonstrierten rund 2000 Einwohner gegen den Ausverkauf ihrer Stadt. Dabei leben in Venedig nur noch rund  55.000 Menschen – in den 50er Jahren waren es noch mehr als dreimal so viel. Mit jährlich rund 20 Millionen Touristen leidet die kleine Stadt besonders stark unter dem Urlauber-Ansturm. Durch Vermieter wie Airbnb steigen die Mieten rasant und der Andrang riesiger Kreuzfahrtschiffe sorgt nicht nur für die schnelle Zerstörung der alten Fundamente durch den Wellengang, die Landgänger lassen statt Geld vor allem Müllberge zurück. Bereits 2014 gab es einen Vorstoß für ein Verbot der lärmenden Rollkoffer, der aber am Widerstand der Hoteliers scheiterte. Zuletzt stimmten 98,7 Prozent der Venezianer dafür, die Zahl der Kreuzfahrtschiffe zu begrenzen – wahrscheinlich ohne Folgen.

Dubrovnik: Mit Kameras gegen den Ansturm

Dubrovnik hat in seiner Altstadt Kameras zur Personenzählung installiert und will den Zustrom bei Bedarf künftig verlangsamen oder ganz stoppen.

Lissabon: "Wir wollen euren Müll nicht"

Auch in Lissabon schlägt die Stimmung gegen Urlauber um. Initiativen wie "Aqui mora gente" ("Hier wohnen Menschen") kämpfen gegen den Müll und die vielen Partygänger in der Altstadt.

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