Alternative Antriebe: Energiewende auf Rädern

Mit Hybrid- und Elektromotoren setzen die Autohersteller auf alternative Antriebe. Was sind die Vorteile? Für wen lohnt sich das? Acht Fragen zur nahen Zukunft des Autos.

Was ist so besonders an Hybrid- und Elektroautos?

Kann Strom tanken, ist aber kein Elektroauto: Der Volvo V60, von BRIGITTE-Redakteurin Barbara Voigt vorab getestet, kommt 2012 als erster Diesel-Plug-in-Hybrid.

Der niedrigere CO2-Ausstoß - ein Vorteil für die Umwelt, vorausgesetzt, die Autos mit den alternativen Antrieben sind nicht zu groß und zu schwer. Hybride haben einen Benzin- oder Dieselmotor, der von einem Elektromotor unterstützt wird. Elektroautos können größere Strecken ausschließlich elektrisch fahren.

Wie viele Autos mit alternativen Antrieben gibt es schon?

Von 42 Millionen Pkw auf Deutschlands Straßen haben derzeit 37 200 einen Hybridantrieb wie Toyota Prius, Lexus CT 200h oder Honda Jazz. Daneben sind 2300 Elektroautos unterwegs wie Mitsubishi i-Miev, Citroën C-Zero oder Peugeot iOn. Anfang 2012 folgen Nissan Leaf und der E-Smart (Daimler).

Für wen sind die alternativen Antriebe geeignet?

Für alle, die hauptsächlich kurze Strecken zurücklegen - nach Umfragen sind 80 Prozent der Autofahrer am Tag weniger als 60 Kilometer unterwegs. Höhere Reichweiten machen auch kaum Sinn, weil sie Preis und Energieverbrauch stark erhöhen würden. Pioniergeist sollten Käufer mitbringen: Es gibt wenig Erfahrung mit E-Mobilen, und Fragen nach technischen Problemen oder Lebensdauer der Batterie können noch nicht genau beantwortet werden.

Kann man mit alternativen Antrieben Geld sparen?

Nein. Elektro- und Hybridautos sind in der Anschaffung wesentlich teurer als vergleichbare Modelle mit herkömmlichem Antrieb. So zahlt man für den Elektro-Kleinwagen C-Zero von Citroën immerhin 35 165 Euro, für einen vergleichbaren C1 mit Benzinmotor nur 11 770 Euro. Ursache ist die aufwändige Produktion der Hochleistungsbatterie, die wesentlich mehr Energie speichern muss als normale Akkus. Zwar kostet Strom weniger als Diesel und Benzin, und Hybride verbrauchen weniger Sprit, doch der höhere Kaufpreis wird dadurch im Laufe eines Autolebens nicht wettgemacht.

Wie groß sind die Vorteile für die Umwelt?

Elektroautos sind leise (man hört lediglich das Abrollgeräusch der Reifen), und sie sind emissionsfrei. Doch ob sie in der Gesamtbilanz tatsächlich Klimagase einsparen, hängt von der Stromquelle ab. Wird der Strom ausschließlich durch Sonne, Wasser oder Wind erzeugt, ist der Umweltvorteil beträchtlich. Stammt er dagegen aus dem derzeitigen deutschen "Strommix" (Kohle plus Gas plus Atom plus regenerativ), ergibt sich insgesamt keine Kohlendioxid-Ersparnis im Vergleich zu effizienten Autos mit Verbrennungsmotor.

Gibt es für alternative Antriebe einen Zuschuss vom Staat?

Momentan gilt in Deutschland für E-Mobile (nicht für Hybride) eine fünfjährige Kfz-Steuerbefreiung. Andere Vorteile wie kostenlose City-Parkplätze sind in der Diskussion. Hohe Kaufprämien, wie es sie in etlichen Ländern gibt (in Dänemark etwa bis zu 17 500 Euro pro Pkw), lehnt die Bundesregierung bislang ab. Sie unterstützt vor allem Forschung und Entwicklung.

Wo und wie wird getankt?

Hybridautos tanken ganz normal Diesel oder Benzin, Elektroautos müssen mit Strom aufgeladen werden, meist nach etwa 100 Kilometern. An normalen Steck- dosen dauert das zwischen vier und zwölf Stunden. An speziellen Ladestationen geht’s schneller, doch die teure Anschaffung lohnt sich für Tankstellen (noch) nicht. Ein flächendeckendes öffentliches E-Tankstellennetz wird es wohl in absehbarer Zeit nicht geben. Elektrofans sollten daher möglichst eine Garage oder einen Carport mit geeigneter Stromleitung und Steckdose haben. Und einen aufgeschlossenen Arbeitgeber, der eine Lademöglichkeit auf dem Firmenparkplatz zur Verfügung stellt.

Wo kann man alternative Antriebe ausprobieren?

Hier eine kleine Auswahl von Carsharing-Projekten bzw. Leihstationen, die einige Autos mit Hybrid- bzw. Elektromotor anbieten:

• "Flinkster", Carsharing-Service der Deutschen Bahn: In Hamburg, Berlin, Frankfurt, Saarbrücken, Darmstadt und Aachen stehen E-Flitzer bereit; in Berlin auch Plug-in-Hybride. Preisbeispiel für Darmstadt: ab 1,90 Euro/Stunde plus 17 Cent/km.

• Pilotprojekt in Hamburg von Greenpeace Energy mit Carsharing-Anbieter Cambio: Mitsubishi i-Miev (100 Prozent Öko-Strom) für 1,90 Euro/Stunde plus 32 Cent/km.

• Europcar: vermietet den Opel Ampera (E-Auto mit verlängerter Reichweite).

Text: Beate Koma; fachliche Beratung: Gerd Lottsiepen (ökologischer Verkehrsclub VCD)

Wer hier schreibt:

Beate Koma
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Guten Morgen, Welt!

Guten Morgen, Welt!

Wir servieren euch täglich Trends, Top-Stories und kuriose Netzfundstücke zum Frühstück!

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.