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BRIGITTE-Probefahrt: Mercedes CLC


Von vorn sieht das neue Sportcoupé der normalen Limousine zum Verwechseln ähnlich. Aber dann kommt das Hinterteil...

Der Verführer

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Was will ich eigentlich - eine wilde Affäre oder Familie mit Kindern, frage ich mich bei der Probefahrt im neuen Mercedes CLC. Denn der hat einiges mit einem heißen Lover gemein: Knackiges Hinterteil, sportliches Fahrwerk, rasanter Sound - mit Familie hat das Sportcoupé nicht viel am Hut. Dafür steht eher die C-Klasse Limousine, die technisch weitgehend mit dem CLC identisch ist.

Der CLC sieht von vorn der Limousine zum Verwechseln ähnlich. Erst von hinten zeigt er sein wahres Gesicht: Das verkürzte Heck wirkt sportlicher als bei der Limousine. Konsequenzen für sein Innenleben: Die hinteren Seitenfenster sind recht klein. So sieht man trotz Blick über die Schulter beim Abbiegen und Überholen nicht viel. In den Kofferraum passen nur zwei kleine Koffer, bei mehr Gepäck kann man die Rücksitze umklappen. Sonst haben dort maximal zwei Mitfahrer Platz. Sind sie groß, müssen sie jedoch den Kopf einziehen.

Aber für eine Affäre reichen die Vordersitze: Im Cockpit schmeichelt der Liebhaber mit cognac-braunem Leder, Edelholz-Zierteilen, Panorama-Glasdach - und Technik, die mich begeistert: Ich stecke eine briefmarkengroße SD-Karte mit meiner Lieblingsmusik ins Radio. Jetzt kann ich mehrere hundert Songs nach meinem Geschmack hören - ohne Werbung und Nachrichten.

Für meine Probefahrt in Österreich habe ich das Modell mit dem stärksten Motor gewählt: Den CLC 350. Er hat 272 PS, ist von Null auf 100 in 6,3 Sekunden und schafft 250 km/h. Damit ziehe ich auf der Autobahn problemlos an den "Großen" vorbei - leider nur bis Tempo 130, dem österreichischen Limit. Der CLC röhrt dabei ein bisschen, aber nicht prollig laut. Er ist etwas härter gefedert. Ich spüre deutlich die Unebenheiten auf der Fahrbahn, sitze aber trotzdem sehr bequem. Die neu entwickelte Direktlenkung finde ich prima. Auf der Autobahn geht sie etwas schwerer und das Auto kommt dadurch nicht so leicht ins Schlingern. In Kurven und beim Einparken dreht sich das Lenkrad fast von allein.

Ende der Probefahrt. Müsste ich jetzt spontan eine Entscheidung treffen, wäre klar: Der CLC hat mich verführt, ich würde mich auf eine Affäre mit ihm einlassen. Aber diese Frage stellt sich leider nicht wirklich: Mercedes möchte seinen Testwagen unbedingt wiederhaben.

Den CLC gibt es ab 28 113 Euro. Zur Wahl stehen zwei Dieselmotoren (122 und 152 PS) und vier Benziner (143 bis 272 PS). Der kleine Diesel verbraucht 5,8 Liter im Durchschnitt und hat einen CO2-Ausstoß von 152 g/km.

Ein Artikel aus der BRIGITTE 16/08 Text: Franziska Märtig

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