VW Amarok: Die mit dem Wolf fahren

Volkswagen schickt mit dem VW Amarok ein Allround-Talent an den Start, das bei uns bislang eher wenig gefragt ist. Fragt sich, wie lange noch.

Ein Pickup wie der VW Amarok ist rundum job- und hobbytauglich.

Der erste Pickup, der durch mein Leben fuhr, transportierte ein Elefantenbaby auf der Ladefläche. Wilderer hatten seine Mutter erschossen, und nun brachten es Nationalpark-Ranger in eine Aufzuchtstation. Das war vor 20 Jahren in Kenia.

Den Pickup hatte ich dort im Namen des Artenschutz-Vereins "Rettet die Elefanten Afrikas e.V." übergeben. Noch heute ist er im Einsatz, ähnlich kampferprobt wie jenes Exemplar, mit dem Clint Eastwood alias Robert Kincaid in „Die Brücken am Fluss“ durch Iowa rumpelte. Das war der zweite Pickup, der mich beeindruckte - weil mir kein anderer Wagen eingefallen wäre, der so perfekt zum unrasierten Charme des Fotografen-Nomaden gepasst hätte.

Jahre später und einen halben Kontinent weiter südlich dann die dritte Begegnung. In Argentinien präsentiert VW Nutzfahrzeuge seinen neuen VW Amarok, den etwas anderen Pickup, der Mini-Lastern aus USA und Japan Konkurrenz soll. Als Klassenbester sozusagen: größter Innenraum der mittelgroßen Pickups, eine 1,62 Meter breite und fast ebenso lange Ladefläche plus Anhängerkupplung für 2,8 Tonnen, ein 163 PS starker Motor, der noch nicht mal acht Liter Diesel schluckt, dazu eine schnörkellose Bilderbuch-Karosserie, durchaus robust, aber trotzdem nicht macho und fast schon ein wenig elegant.

Das ausgefeilte Design der drei unterschiedlichen Ausstattungslinien des VW Amarok ist Programm. Dieser Pickup soll nicht nur hart arbeiten irgendwo zwischen Wald und Werkstatt, sondern als Lifestyle-Variante auch in der Freizeit was hermachen.

Gruppenbild mit VW Amarok: die "Scorpions" und BRIGITTE-Redakteurin Barbara Voigt

Camping-Ausrüstung? Möbel- Auktion? Golfbags, Kiteboards, Reitzeug? Schlagzeug, Bass und Synthesizer für den nächsten Band-Auftritt? Immer her damit. Über die niedrige Ladeklappe lässt sich auf der offenen Pritsche alles problemlos verstauen. Getauft wurde das gute Stück auf den Namen "Amarok" – "Wolf" in der Sprache der grönländischen Inuit, in romanischer Übersetzung auch: "Er liebt den Fels."

Das passt. Auf der Testpiste in Patagonien bewältige ich im VW Amarok mit Allrad- Antrieb selbst einen Anstieg von 45 Grad, komme ohne Aussetzer durch einen knietiefen Fluss, passiere so riesige Schlaglöcher, dass ein Rad in der Luft hängt, und auf rutschigsteiler Schotterpiste übernimmt der vollautomatische Bergabfahrassistent, gibt Gas und bremst von ganz allein. Zitterpartien? Nicht in diesem Auto, das sich problemlos und komfortabel fährt wie ein Golf. Chapeau.

Erster Härtetest für den VW Amarok war die Rallye Dakar 2010. Da hatte ihn Rudolf Schenker von den „Scorpions“ als Begleitfahrzeug 1500 Kilometer weit durch die Pampa gesteuert. Ich frage ihn nach seinen Eindrücken. Auch er denkt, dass der Amarok keineswegs reine Männersache ist. Weil er das bietet, was Frauen mögen: "Understatement mit sehr viel Kraft - aber bei vernünftigem Fahrstil nur wenig Verbrauch." Außerdem, so der Autor von "Rock your life", wollten Frauen heute doch vor allem eins: "Unabhängigkeit - genau die ist bei so einem Wagen garantiert. Und wenn du mal mit jemandem unbeobachtet bleiben willst: Mit dem VW Amarok kommst du überall hin, wo andere nicht mehr hinkommen."

Wind of change? Noch ist der Pickup zumindest in Europa eine relativ seltene Spezies. Aber wer hätte mal gedacht, dass in perfekt gepflasterten Stadtvierteln so viele geländegängige SUVs unterwegs sein würden? Warum sollte es da nicht hip sein, mit einem Allround-Talent wie dem VW Amarok vorzufahren? Auch ein Beitrag zur Artenvielfalt - selbst ohne Elefanten auf der Ladefläche.

INFO: Der VW Amarok ist als fünfsitziger DoubleCab 5,25m lang, 1,94m breit und 1,83 m hoch. Er hat einen 163 PS starken Dieselmotor; wahlweise mit Hinterradantrieb, mit zuschaltbarem oder permanentem Allradantrieb. Sein Spitzentempo liegt bei 180 km/h, er verbraucht je nach Modell ab 7,6 l/100 km (CO2: ab 199 g/km). Preis: ab etwa 29 000 Euro.

Text: Barbara Voigt
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