Frauen und Autos - wie wir kriegen, was wir wollen

Wir haben mit einer Auto-Designerin und einer Psychologin über Technik und Träume gesprochen - und die Vergleichbarkeit von Hüten und Autos.

Brigitte Roser, 47, ist Diplom-Psychologin. Seit 1994 berät und trainiert sie Unternehmen und Führungskräfte in den Bereichen Führung, Konfliktmanagement und Team-Entwicklung.

BRIGITTE: Frau Roser, dieser schicke Porsche vor dem Haus - ist das Ihrer?

BRIGITTE ROSER: Ja. Schönes Auto, oder? Freut mich, dass Sie so positiv darauf reagieren. Viele macht er eher aggressiv.

BRIGITTE: Wieso das?

BRIGITTE ROSER: Porsche polarisiert stark. Er hat das Image "Angeberauto". Aber ich habe mich nun mal in dieses Auto verliebt.

BRIGITTE: Was ließ Sie denn schwach werden?

BRIGITTE ROSER: Seine Schönheit! Ein Auto muss gut aussehen, das ist für mich sehr wichtig. Und der Porsche Boxter hat einfach eine verführerische, fast erotische Form: rund und griffig wie ein schöner Hintern. Außerdem macht das Fahren damit unglaublichen Spaß. Und bei der Probefahrt habe ich gespürt, dass ich mich in diesem Auto extrem sicher fühle. Über das Image habe ich da nicht eine Sekunde lang nachgedacht.

BRIGITTE: Männer tun das scheinbar schon. Laut Umfragen erwarten sie sich von einer Automarke vor allem Prestige.

MANUELA JOOSTEN: O ja. Für viele Männer ist das Auto immer noch ein Statussymbol. Aber als Hersteller beobachten wir, dass auch mehr und mehr Frauen schnelle und schöne Autos wollen. Und mal ehrlich: Eine Frau in einem Sportwagen wirkt doch auch sehr attraktiv!

BRIGITTE: Die Realität sieht aber anders aus: Eine Studie zeigte, dass 55 Prozent aller Frauen Kleinwagen fahren. Und dass sie vor allem preiswerte Autos mit geringem Verbrauch wollen. Ähnlich pragmatisch sind sie bei auch bei Handys oder Computern. Das hört sich nicht besonders glamourös an . . .

BRIGITTE ROSER: Ich denke, wenn es um Technik geht, wollen wir Frauen einfach Produkte, die uns genau das liefern, was wir in der aktuellen Lebenssituation brauchen, und nicht automatisch das innovativste oder prestigeträchtigste Modell. Ich brauche zum Beispiel derzeit kein Handy, das Fotos macht, dafür habe ich eine Kamera, die das besser kann. Anders ist es mit dem Porsche: Den wollte und konnte ich mir genau jetzt, mit 47, leisten. Weil ich das Gefühl hatte, in dieser Lebensphase passt dieses Auto zu mir. Das habe ich mir jetzt verdient. Ich genieße es deshalb auch, mich dafür mal so richtig aufzubrezeln, mit Sonnenbrille, Tuch im Haar, offenem Verdeck. Früher, als ich für unseren Garten ständig Pflanzen herumkutschierte, war das anders: Da brauchte ich vor allem einen großen Kofferraum. Und fuhr einen Peugeot. Ich war genauso zufrieden. Es ist wie mit Hüten: Du wählst den, der zu dir und deiner Stimmung passt.

<antwort name="JOOSTEN">Stimmt. Obwohl es bei mir genau andersrum war: Erst wollte ich Spaß und Tempo, da musste es der schnelle Sportwagen sein. Heute fahre ich oft weite Strecken und erwarte, dass der Wagen sparsam ist. Ein Auto muss zum Lebensgefühl passen, ich glaube, da sind sich die meisten Frauen einig.</antwort> <antwort name="ROSER">Andere Erwartungen sind dagegen gar nicht so typisch Frau, wie man meinen könnte. Zum Beispiel Sicherheit. Da heißt es ja immer: Das wollen nur Frauen. Männer wollen PS. So ein Quatsch! In Gesprächen habe ich gemerkt: Männern ist Sicherheit genauso wichtig! Sie nennen sie nur anders, weil sie nicht wollen, dass es nach Traktor klingt. Bei denen heißt das "Technikkompetenz". Und wenn man fragt, was sie damit meinen, sagen sie: "Na ja, ABS, Airbag und so." Sie wollen also dasselbe.</antwort>

Manuela Joosten, 42, arbeitet bei Volkswagen. Dort gestaltet die Diplom- Textildesignerin seit 1994 Farben und Material ("Color and Trim") der Innenausstattung von Autos.

BRIGITTE: Eines verwirrt uns trotzdem noch an Ihrer Lebensgefühl-Theorie, Frau Roser: In der Studie haben 62 Prozent der Frauen angegeben, sie möchten ein "unauffälliges" Auto. Befinden die sich alle in der Phase "Mauerblümchen"?

ROSER: Man kann da jedenfalls ganz interessante Parallelen zum Berufsleben ziehen: Im Job geht es auch oft darum, selbstbewusst zu dem zu stehen, was man erreicht hat, und das auch nach außen zu zeigen. Ich erlebe aber oft, wie schwer es gerade Frauen fällt, sich hinzustellen und laut zu sagen: "Ich bin gut, und ich bin stolz darauf!" Wenn ich mich nun für ein bestimmtes Auto entscheide, ist das ja auch ein Statement über mich, meinen Lebensstil, mein Einkommen. Die Frage ist, ob ich mir dieses Statement zutraue.

BRIGITTE: Männer tun sich mit so einer Entscheidung wohl noch leichter. . .

JOOSTEN: Einspruch. Ich glaube, die meisten Frauen entscheiden sich für bescheidenere Autos, weil etwas Teureres einfach nicht im Budget drin ist. Und da sie oft leider immer noch weniger verdienen als Männer, wählen sie dann eben auch häufig das günstigere Auto. Mausgrau muss das aber nicht sein. Den Cross Polo etwa wollen vor allem die Frauen in Orange. Eine Farbe wie ein bunter Hut.

BRIGITTE: Wie reagieren Sie denn als Designerin auf solche Wünsche? Laut Schätzungen von Unternehmensberatern entscheiden Frauen schließlich über immerhin 80 Prozent des Konsums.

JOOSTEN: Was Frauen wollen, wird tatsächlich für viele Unternehmen wichtiger. Ganz gleich, ob es um Autos, Computer oder Fernseher geht. Denn die Zahl der Käuferinnen und Entscheiderinnen wird steigen. Nicht nur, weil es immer mehr Single-Haushalte gibt, in denen tatsächlich die Frau allein bestimmt. Sondern auch, weil in Familien immer öfter die Frauen sagen, wo's langgeht. Wir Designer haben das schon länger im Hinterkopf und versuchen es in unsere Entwürfe einfließen zu lassen. Ein reines Frauenauto würden wir zwar nie designen, wir entwerfen immer für gemischte Zielgruppen und sind auch ein gemischtes Team. Aber einigen unserer letzten Entwürfe merkt man schon an, dass sie die Anforderungen von Frauen gut erfüllen.

BRIGITTE: Zum Beispiel?

JOOSTEN: Frauen sitzen gern hoch, weil sie auf einen guten Überblick Wert legen. Deshalb bevorzugen viele einen Geländewagen. Wir haben deshalb jetzt den Tiguan entwickelt, der genau diesen Vorteil bietet - dabei aber etwas wendiger ist als ein klassischer Geländewagen. Der wird nicht nur bei Männern gut ankommen, sondern auch bei Frauen.

BRIGITTE: Und wieso wird er nicht explizit als Frauenauto beworben?

JOOSTEN: Erst mal, weil wir, wie gesagt, grundsätzlich nur für gemischte Zielgruppen entwerfen. Außerdem würde so eine Vermarktung ausgerechnet bei den Frauen gar nicht gut ankommen. Frauen wollen ja auch keine Frauenhandys oder -laptops - womöglich noch in Rosa! Wenn ich als Designerin die Bedürfnisse von Frauen berücksichtigen will, muss ich das schon subtiler machen. Eine Ablage für Handtaschen etwa verkaufe ich besser als Laptop-Taschen-Ablage. Das spricht Männer und Frauen an.

BRIGITTE: Und wie kriege ich dann meinen Partner rum, dass wir uns ein formschönes Stauraumwunder für die ganze Familie kaufen - obwohl er unbedingt den unhandlichen Riesenschlitten will?

ROSER: Am leichtesten wäre es natürlich, Sie haben die Möglichkeit, sich Ihr Traumauto allein zu kaufen. Falls nicht, ist es ganz klar eine Verhandlungssituation zwischen zwei gleichberechtigten Parteien. Das wird Ihr gemeinsames Auto von Ihrem gemeinsamen Geld, quasi ein Wagen für die ganze Familie. Da müssen Sie sich eben zusammensetzen, meinetwegen auch mit den Kindern, und einen Kompromiss aushandeln.

BRIGITTE: Sie sind der Führungskräfte-Coach. Dann geben Sie uns mal ein paar Tipps zum erfolgreichen Manipulieren!

ROSER: Manipulieren ist nicht meine Sache, wenn es heißt, dass man etwas hintenherum durchmogelt. Besser wäre: klar zu dem stehen, was Sie wollen. Sich bloß nicht rechtfertigen oder sich bescheidener machen, als Sie sind. Man sollte einfach sagen: Das will ich, aus diesem Grund, so profitieren wir gemeinsam davon.

BRIGITTE: Und dann? Erst mal diskutieren, bis die Fetzen fliegen?

ROSER: Warum nicht? Mein Mann und ich machen auch gern eine Liste mit den einzelnen Argumenten. Also zum Beispiel "Design" contra "Spritverbrauch". Oft muss man ja nur erkennen, worauf man notfalls verzichten könnte. So finden wir meist eine Lösung. Allein würde ich mich natürlich schneller entscheiden. Aber es geht bei solchen gemeinsamen Entscheidungsprozessen ja auch um die Entwicklung des Modells Partnerschaft: Wie gehen Frauen und Männer heutzutage gemeinsam mit Geld oder Lebensentscheidungen um? Wo und wie wohnen wir, wie viele Kinder haben wir, was schaffen wir an? Darum geht es. Auch beim Kauf von Computern oder Autos. Hier muss man Lösungen finden und sollte sich dafür auch Zeit nehmen.

BRIGITTE: Angenommen, wir wissen endlich, was wir wollen, haben uns sogar schon für ein bestimmtes Modell entschieden. Die schwerste Prüfung steht trotzdem noch bevor: der Fachverkäufer. . .

JOOSTER: Als Frau kann man da schon Gruseliges erleben. Als ich neulich einen Satellitenempfänger kaufen wollte, habe ich wohl irgendein falsches Wort benutzt. Der Verkäufer hat mich von der Sekunde an nicht mehr ernst genommen. Ich habe dann sofort das Geschäft gewechselt . . .

ROSER: Als ich mein Auto kaufen wollte, hat der Händler konsequent nur meinen Mann angerufen - obwohl es um mein Auto und mein Geld ging! Viele gehen einfach noch von der traditionellen Rollenverteilung aus: Der Mann bezahlt, die Frau sucht die Polsterfarbe aus. Das nervt!

BRIGITTE: Wie hätten Sie ihn denn gern, den perfekten Autohändler?

JOOSTER: Am liebsten so wie den in meinem Heimatort Bayreuth: Der war stets freundlich zur ganzen Familie. Und als ich als 19-Jährige begeistert vor diesem tollen Lancia stand, hat er einfach gesagt: "Mensch, Manu, willst du mal fahren?" Verkäufer müssen lernen, uns Frauen als Kundinnen ernst zu nehmen. Egal, wie wir auftreten. Wir sind schon jetzt wichtig. Aber wir werden in Zukunft noch wichtiger!

Gespräch: Kristina Maroldt, Barbara Voigt Foto: Dreamstime.com, Andrea Diefenbach BRIGITTE Heft 20/07

Wer hier schreibt:

Kristina Maroldt
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