Kindersitze: Welche sind sicher?

Autoverkehr ist gefährlich - besonders für die Kleinen. Deshalb sind Kindersitze Pflicht. Doch wie soll man in dem Sitz-Überangebot den Durchblick behalten? Und um wie viel besser sind Sitze für 300 Euro als für 80? Wir sprachen mit Jürgen Tewes, Kindersitzexperte der Stiftung Warentest.

BRIGITTE.de: Herr Tewes, Sie haben Hunderte Kindersitze untersucht. Können Sie in zwei Sätzen sagen, was ich denn nun beachten muss, wenn ich einen kaufe?

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Jürgen Tewes: Ja. Orientieren Sie sich an Verbrauchertests. Und dann nehmen Sie zum Kauf das Kind mit und das Auto.

BRIGITTE.de: Ich dachte, die sind alle gleich.

Jürgen Tewes: Meinen Sie Kinder oder Autos?

BRIGITTE.de: Beides.

Jürgen Tewes: Nein, absolut nicht. Ihr Kind muss sich in dem Sitz wohl fühlen, er muss bequem sein und Spielraum geben. Die Kopfstützen, der Seitenaufprallschutz und die Gurte dürfen nicht drücken, aber auch nicht zu groß sein. Erst wenn Sie Ihr Kind in dem Sitz sehen, wissen Sie, ob die Proportionen stimmen. Und nicht jeder Sitz passt in jedes Auto. Zum Beispiel die Isofix-Sitze haben ein Untergestell, das fest ins Auto montiert werden muss - der Sitz wird dann jedesmal eingerastet. Das klappt nicht überall. Und auch bei einfacheren Sitzen: Testen Sie, wie gut die sich befestigen lassen. Sie dürfen nicht wackeln.

BRIGITTE.de: Es gibt ja auch richtig teure Sitze für um die 300 Euro - ist denn teurer sicherer.

Jürgen Tewes: Ja und nein. Je komplizierter die Konstruktion, desto höher der Preis. Sprich: Die teuren Isofix-Sitze wachsen mit, können flexibel verstellt werden, haben ein festes Untergestell und einen Stützfuß. Das kostet natürlich, weil es aufwändiger ist als ein einfacher Sitz. Generell kriegen Sie aber auch für um die 100 Euro einen guten Sitz. Nur bei extrem billigen haben wir Mängel festgestellt.

BRIGITTE.de: Wenn ich sparen will, kaufe ich also lieber einen Gebrauchten?

Jürgen Tewes: Bloß nicht! Oder nur, wenn Sie den Vorbesitzer kennen. Denn wenn der Sitz schon mal einen Unfall hatte, kann die Struktur verbogen sein oder die Gurte sind überdehnt. Das merken Sie beim Kauf nicht.

BRIGITTE.de: Heißt das, wenn ich einen Unfall hatte, ist der Sitz nicht mehr sicher?

Jürgen Tewes: Ja, das kann sein. Am besten schicken Sie ihn zum Hersteller, der prüft das. Das ist übrigens eine Versicherungsleistung und gehört zum Unfallschaden.

BRIGITTE.de: Es gibt ja immer Diskussionen, ob das Kind denn nun vorne oder hinten sitzen soll im Auto.

Jürgen Tewes: Eigentlich macht das keinen großen Unterschied. Nur: Wenn Sie eine Babyschale vorne haben, in der das Kind rückwärtig sitzt, ist es ganz wichtig, dass der Beifahrer-Airbag abgeschaltet ist. Bei den größeren Kindern kann der Airbag bleiben, aber rücken Sie den Beifahrersitz so weit wie möglich nach hinten, das gibt zusätzliche Sicherheit.

BRIGITTE.de: Apropos Babyschale: Wie lange kann ich mein Kind denn darin mitnehmen?

Jürgen Tewes: So lange wie möglich. Denn bei Babys ist die Nackenmuskulatur sehr schwach ausgeprägt. Durch das rückwärtige Sitzen wird das Kind bei einem Unfall in die Schale gedrückt und nicht nach vorne geschleudert wie sonst.

BRIGITTE.de: Und nach der Babyschale?

Jürgen Tewes: Dann kommt meistens ein mitwachsender Sitz. Hier ist es wichtig, dass Sie die Größe regelmäßig dem Kind anpassen. Dazu gehört es, den Sitz breiter zu machen, die Kopfstützen raus zu ziehen und die Gurte höher zu stellen.

BRIGITTE.de: Wenn ich nun den richtigen Sitz gefunden und gekauft habe, was muss ich beim Angurten des Kindes beachten?

Jürgen Tewes: Lassen Sie die Gurte immer hörbar einrasten und ziehen Sie dann noch mal kräftig dran. Besonders bei den so genannten Hosenträgergurten, die das Kind längs halten statt quer, gilt: Sie müssen eng anliegen! Ziehen Sie Ihrem Kind also den Skianzug aus - da wäre zu viel Spielraum im Fall der Fälle. Und schließlich: Schnallen Sie den Sitz auch dann fest, wenn kein Kind drin sitzt - sonst fliegt er bei einem Unfall durchs Auto.

Interview: Helene Endres
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