E10-Debakel: Fünf Gründe, die gegen Biosprit sprechen

Nur zehn Prozent der Deutschen wollen den neuen Biosprit E10 laut einer ARD-Umfrage tanken, die Mehrheit ist dafür, dass er wieder vom Markt genommen wird. Gut so, meint BRIGITTE-Redakteurin Beate Koma. Denn der Umwelt bringt der Kraftstoff gar nichts.

1. Biosprit fördert Monokulturen

"Bio" ist der neue Sprit keinesfalls. Er wird zwar aus Pflanzen wie Mais, Weizen und Zuckerrüben gewonnen, doch die werden in Monokulturen mit Hilfe großer Mengen Kunstdünger und Pestiziden erzeugt. Das belastet Böden und Grundwasser. Wirklich neu ist der sogenannte Biosprit auch nicht: Bislang wird dem herkömmlichen Benzin ohnehin fünf Prozent Bioethanol beigemischt. Nun sollte dieser Anteil verdoppelt werden.

2. Biosprit lässt CO2-Ausstoß nicht sinken

Der Biosprit soll helfen, CO2 und Öl einzusparen. Doch die Umweltbilanzen, die bislang vorliegen, sprechen eher dagegen. Man muss zum Beispiel berücksichtigen, wie viel Energie zum Erzeugen der Pflanzen und des Düngers nötig ist und wie viel Klimagase dabei frei werden. Rechnet man alles zusammen, kommt man, wenn überhaupt, auf winzige Einspareffekte. Schon das Aufziehen von Leichtlaufreifen bringt mehr Ersparnis, sagen Verkehrsexperten. Ganz zu schweigen von Start- und Stopp-Automatik, sparsameren Motoren und einem Tempolimit auf Autobahnen. Doch die Autoindustrie forciert den Biosprit: Das ist einfacher und billiger als in neue Technologien zu investieren.

3. Biosprit frisst Anbauflächen

Ob der Biosprit dazu führt, dass in Entwicklungsländern noch mehr Regenwälder abgeholzt und Flächen umgewandelt werden, die man eigentlich zum Anbau von Nahrungsmitteln braucht, ist unklar. Zurzeit stammen zwar 90 Prozent des Biosprits in der EU aus heimischer Produktion. Strenge Gesetze sollen Raubbau außerdem verhindern. Doch absehbar ist, dass die Anbauflächen bei uns bald nicht mehr ausreichen. Und Gesetze zum Schutz von Regenwäldern werden erfahrungsgemäß häufig umgangen.

Eine von Umweltverbänden in Auftrag gegebene Studie kommt zum Ergebnis: Bis zum Jahr 2020 könnte eine Fläche von der Größe Bayerns von solchen "indirekten Landnutzungsänderungen" betroffen sein.

4. Biosprit ist teuer

Biotreibstoff ist eine der teuersten Methoden zum Klimaschutz. Um eine Tonne CO2 einzusparen, so haben Experten von der Universität Kassel berechnet, müssen 300 Euro investiert werden. Dazu kommt, dass eine steigende Biosprit-Nachfrage die sowieso schon hohen Lebensmittelpreise weiter in die Höhe treiben würde. Die Folge: neue Hungerkatastrophen in Entwicklungsländern.

5. Biosprit ist nicht alternativlos

Das Argument, eine EU-Richtlinie schreibe den neuen Sprit vor, stimmt nicht. Die EU fordert lediglich, dass bis zum Jahr 2020 im Verkehr 10 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen stammen soll. Wann genau und wie die Richtlinie umgesetzt wird, bleibt jedem Land überlassen. Man könnte die 10 Prozent auch durch Elektro- oder Hybridautos und Solartankstellen erreichen. Oder durch Autos, die mit Biogas betankt werden. Die Bundesregierung könnte den E10-Beschluss sofort rückgängig machen und nach Alternativen suchen.

Für Verbraucher bleibt der Rat: Wenn Sie kein E10 tanken, können Sie den Politikern signalisieren, dass Sie gegen diese unsinnige Einführung sind. Viel wichtiger aber ist es, beim Autokauf auf leichtere und sparsamere Modelle zu setzen.

Text: Beate Koma Foto: iStockphoto

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Beate Koma
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