Neuwagen: Der Duft fürs Auto

Von unserem Lieblingsparfüm darf's gern ein bisschen mehr sein, aber der Duft in unserem Auto sollte möglichst neutral sein. Wie der typische Neuwagengeruch kreiert wird.

Wer mag schon unangenehm ausdünstende Kunststoffteile, Leder, das nach Fischöl riecht, oder Fußmatten, die eine Duftnote von Zwiebeln umweht? Damit unsere Nase ruhen kann, sind in der Auto-Entwicklung Spezialisten gefragt, die sich durch aufwändige Testverfahren schnuppern und einen unaufdringlichen Duft entwickeln.

Sie stecken ihre Nase überall rein: Olfaktorik-Experten beschäftigen sich mit dem Erforschen von Düften. Ein Wissen, das in der Autoentwicklung immer wichtiger wird. Mehrköpfige "Nasenteams" sind im Auto-Innenraum störenden Gerüchen auf der Spur.

Rund 500 verschiedene Bauteile aus dem Fahrzeuginnenraum muss ein Expertenteam mit dem "Messgerät Nase" pro Modell analysieren. Ziel ist ein geruchneutrales Auto, in dem sich der Fahrer wohlfühlt. "Wir verbringen heutzutage im Auto so viel Zeit, dass die sinnliche Wahrnehmung immer wichtiger wird", sagt Heiko Lüßmann-Geiger, Leiter des Nasenteams bei Audi.

Tank fast leer fahren oder nicht?

Eine Knoblauchfahne ist tabu

Lüßmann-Geigers Nasenteam tritt täglich morgens um 11 Uhr zur besten "Geruchszeit" an, um Materialien für die Innenräume von Neuwagen zu testen. Handcreme und Parfüm müssen die Tester zu Hause lassen, eine Knochlauchfahne ist tabu, Raucher finden erst gar nicht den Weg ins Team. Nichts darf den Geruchssinn irritieren: Die Experten sollen schließlich jegliches Material, das verbaut werden soll, "unter die Nase nehmen" - von der Gummidichtung über die Holz-Zierleiste oder Türverkleidung bis zum Lederbezug der Sitze.

Dafür wird aus jedem Bauteil zuerst ein Stück herausgeschnitten. Gut verschlossen in einem Einweckglas mit geruchloser Dichtung wandert die Probe dann zwei Stunden lang in einen 80 Grad Celsius heißen Ofen. Genau diese Innenraum-Temperatur kann ein Auto entwickeln, wenn es in der prallen Sonne steht. Nach dem Erhitzen hebt reihum jeder Prüfer den Deckel leicht an, riecht kurz in den Spalt zwischen Glas und Deckel hinein, verschließt das Glas wieder und reicht es schnell weiter zur nächsten Nase, damit kein großer Temperaturunterschied entsteht.

Ohne Riechpause geht gar nichts

Jeder Prüfer notiert verdeckt seine Benotung auf einer Skala von 1 (geruchslos) bis 6 (unerträglich) auf einen Zettel. Hier ist auch Raum für Notizen: Ist der Geruch muffig, fischig, brennend, beißend? Aus den Benotungen wird dann ein Durchschnittswert ermittelt. "Geruchstests lassen sich allerdings nicht im Akkord durchführen", so Lüßmann-Geiger. Nach fünf bis sechs Tests brauchen die Nasen erst einmal eine Riechpause von ein bis zwei Stunden.

Am Ende der Testreihen steht im Idealfall eine dezente Mischung, die einen angenehmen Neuwagengeruch ergibt. Duftnoten wie "frisch" oder "blumig" - also eine Art Duft-Design - entwickelt das Nasenteam jedoch nicht, denn: "Es gibt keinen Duft, der allen Kunden gleich gut gefällt. Was der eine als sehr angenehm empfindet, kann der andere nicht riechen."

Text: Antje Heidböhmer

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