Sind Camper bessere Menschen?

Das könnte sehr gut sein! Hier erklärt Autorin Idikó Kürthy, welche Startschwierigkeiten sie mit dem Camperleben hatte und was es doch darüber noch alles zu lernen gibt!

Ich erlitt ein frühes Trauma. Ich war zehn, steckte voller Tatendrang und war bereit, in tiefster Wildnis, mit nichts als einem Zeltdach über dem Kopf und einem Kuscheltier im Arm, über mich selbst hinauszuwachsen. Eilig wurde in der Nachbarschaft ein winziges Zelt für mich ausgeliehen und im Garten zwischen Apfel- und Quittenbaum aufgebaut. Es war noch weit vor Mitternacht, als ich, beschämt und von Angstfantasien gepeinigt, die der Dunkelheit des hinteren Teils des Gartens entsprangen, in die Sicherheit meines Elternhauses und unter meine geblümte Frottee-Bettwäsche zurückkehrte.

Ich ahnte bereits damals, dass mir mehrere entscheidende Eigenschaften zum erfüllenden Campen fehlen. Ich war schon immer eine, die lieber blieb als ging, hatte stets unerträgliches Heimweh und erträgliches Fernweh.

Camping - das Gegenteil von Luxus 

Meine Freundin Bettina hat ein ganzes, großartiges Buch für diejenigen geschrieben, die sich gerne durch die weite Welt treiben lassen. "Tietjen auf Tour – Warum Camping mich glücklich macht". Die Expertin versucht, mir geduldig wie einem Analphabeten das Abc, den Zauber des Reisens mit Wohnmobil, in ihrem Fall einem ziemlich alten, selbst ausgebauten Fiat Ducato, nahezubringen. "Camper sind Individualisten, sie ziehen gerne weiter, sind Entdecker und nicht allzu empfindlich, was Hygiene angeht", sagt Bettina Tietjen, die in ihrem Camping-Gepäck lediglich auf die unbedingte Anwesenheit einer Reisetoilette namens Porta Potti besteht. Und nein, das ist keine Bezeichnung, die vier lustigen Campern bei fünf Promille eingefallen ist, sondern der offizielle Name des Produkts. Wieder was gelernt.

Bettina sagt: "Für mich ist Camping das genaue Gegenteil von Luxus. Es bedeutet Erholung von dem, was ich sonst wie selbstverständlich um mich habe. Es tut gut, all die Dinge, die ich glaube zu brauchen, eine Zeit lang hinter mir zu lassen. Das schenkt mir das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit. Ich nehme nur das Nötigste mit, schminke mich wochenlang nicht, habe wenig Klamotten dabei, koche auf dem Gaskocher und bin den ganzen Tag draußen."

Heute hier, morgen dort 

Ich lerne von Bettina, dass man die schönsten Campingplätze an der Côte d’Azur zwischen Toulon und Nizza findet und die am besten im Frühjahr oder Herbst ansteuert. Camping-Anfängern empfiehlt sie eine gut geplante Tour im Miet-Wohnmobil in eine Schönwetterregion, da eine Woche Regen bei klammen 13 Grad zu einer nachhaltigen Vermiesung der Laune und vorzeitigem Abbruch des Abenteuer-Urlaubs führen könne. Andererseits kann man natürlich auch einfach aufbrechen, weiterfahren und die Sonne suchen gehen. "Heute hier, morgen dort", sagt Bettina, "das muss man mögen."

Wahnsinn: Mini-Wohnwagen verwandelt sich in kleines Haus

Ich persönlich bin ja am liebsten heute hier und morgen immer noch hier. Aber ein kleines bisschen neugierig bin ich schon geworden, auf das mobile Reisen. Vielleicht gelingt es mir, meine frühkindliche Prägung abzuschütteln und mich wild und mutig in ein Camper-Abenteuer mit Gaskocher, Hängematte und Solardusche zu stürzen? Vielleicht im nächsten Frühjahr. Dann weiß ich auch schon, was ich mir zu Weihnachten wünsche. Eine Porta Potti.  

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BRIGITTE 24/2019

Wer hier schreibt:

Idikó Kürthy
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