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Urlaub in der Champagne Das große Prickeln

Champagne: Weinhänge mit grünen Weinpflanzen und bläulich-gräulichem Himmel. Im Vordergrund ist ein grauer Metallzaun zu sehen
© barmalini / Shutterstock
Champagner, herrlich! Was bei uns als edles Festtagsgetränk gilt, gehört in Frankreich zum Alltag. Das und vieles mehr erfuhr Annette Rübesamen bei ihrer Tour durch die Champagne – und ließ ordentlich die Korken knallen.

Abends sitze ich mit Madame Sophie in ihrem Garten in Epernay. Eine warme Julinacht unter Kirschbäumen, Sophie hat Couscous-Salat gemacht. Die herrschaftliche Villa liegt im Dunkeln, und während Sophie von ihrer Familie erzählt, Winzer:innen in siebter Generation, lässt sie die Korken ploppen. Wir essen und trinken und reden. Silberketten klingeln am Hals meiner Gastgeberin, die mit Wallekleid und langen Locken eher Janis Joplin ähnelt als meiner Vorstellung von einer 60-jährigen Champagner-Winzerin.

Champagner hilft gegen Depessionen!

Sophie könnte mich jetzt mit Fachwissen bombardieren – Assemblage, Dosage, Perlage. Tut sie aber nicht. "Plaisir, plaisir, plaisir!", ruft sie stattdessen in die Nacht. "Champagner ist Vergnügen! Genuss! Mit Freunden, der Familie oder allein." Ob ich weiß, dass er gegen Depressionen wirkt? "Wegen seiner Mineralpartikel. Das ist medizinisch nachgewiesen!" Darauf einen Schluck "Authentique", Jahrgang 2004!

Ich liebe Champagner, seine feinen Bläschen, den hefigen Duft. Leider gilt er in Deutschland als Luxus, weil er teurer ist als Sekt, Prosecco und andere Schaumweine, wird kaum für mindere Anlässe als die eigene Hochzeit entkorkt. Dann nippen wir mit gespitztem Mündchen respektvoll am Kelch. In Frankreich, heißt es, sei man da entspannter. Trinke Champagner mit der Nachbarschaft, zum Essen, gern aus geräumigen Weißweingläsern. Das wollte ich mir ansehen, in der Champagne, der Heimat des großen Prickelns.

Nur was in diesem genau abgegrenzten Anbaugebiet hergestellt wird, darf sich Champagner nennen. Es liegt zwischen Belgien und Paris, ist so groß wie Las Vegas und verteilt sich auf mehrere Unterregionen. Die Weinberge von Sophie Signolle-Gonet gehören zum Gebiet Côte des Blancs im Département Marne. Und Sophie ist der beste Beweis für die These vom lässigen französischen Umgang mit Schampus: "Weißt du, was ich trinke, wenn ich richtig durstig bin?", fragt sie. "Champagner-Schorle!" Ich bin schockiert. "Fifty-fifty mit Mineralwasser gespritzt. Erfrischt ausgezeichnet. Und das Aroma bleibt erhalten."

Hier wird Champagner sogar an einem schnöden Montag ausgeschenkt

Schon Reims, wo ich gestartet war, hatte lässig geperlt: Die größte Stadt der Champagne wurde im Ersten Weltkrieg stark zerstört und erwuchs aus den Trümmern geradlinig und beinahe ein wenig zu sachlich, stünde nicht mittendrin die gotische Kathedrale, in der fast alle französischen Könige gekrönt wurden. Ich hatte den Kopf in den Nacken gelegt, und mir war schwindelig geworden, so licht und gewaltig strebte die Kirche dem Himmel entgegen. Draußen, vor den Brasserien und Cafés, saßen Paare, Menschen mit Einkaufstüten. Kellnerinnen und Kellner eilten von Tisch zu Tisch und füllten spitz zulaufende Flûtes. Mit Champagner. An einem normalen Montag! Als ich das am nächsten Morgen Christine erzählte, lachte sie: "Warum nicht? Champagner gehört bei uns dazu. Schon als Kind bekam ich immer einen Fingerbreit."

Champagne: die Rückansicht einer großen französischen Kathedrale aus beigen Stein, grauem Dach und vielen spitzen Türmchen
Seit 1991 gehört die Kathedrale von Reims zum UNESCO-Welterbe.
© MaxMaximovPhotography / Shutterstock

Christine ist Gästeführerin bei Taittinger, einem der berühmten Champagnerhäuser. Wie alle großen Maisons in Reims hat Taittinger kilometerlange Kellergänge in den weichen Kreideboden der Stadt gegraben, in denen Abermillionen Champagnerflaschen reifen. Zwölf Meter stieg ich mit Christine in die klamme, feuchte Tiefe hinab und wanderte im Schummerlicht durch schlauchartige Höhlen. Christines hohe Absätze klackerten. Die Flaschen steckten kopfüber in hölzernen Pulten, damit sich die Hefe im Flaschenhals absetzen kann, und reckten uns grün schimmernde Glasböden entgegen. Oben im Salon schenkte mir Christine vom "Comtes de Champagne" ein, zehn Jahre in den Kellergruften gereift. Profis schmecken Zitronentorte, karamellisierte Grapefruit und süße Lakritze heraus. Ich nahm nichts davon wahr, nur große Herrlichkeit, goldenen Glanz, Verheißung und eine Art Glück. Es schmeckte fantastisch. "Nun", sagte Christine, "es ist ja auch unser Bester."

Die Welt des Champagners ist groß, komplex und voller Regeln. Zu Rebsorten, Böden, Reifezeiten und geheimnisvollen Vorgängen wie "Rütteln" und "Degorgieren", also dem Entfernen der Hefe aus dem Flaschenhals, gibt es Literatur zuhauf. Ich finde, es darf einem auch schmecken, wenn man von alledem nichts weiß. Da ein gewisses Grundverständnis aber den Genuss steigert, hole ich mir die Basics bei Romain Garza in Epernay. Romain war Polizist, bevor er einen alten Renault Estafette liebevoll restaurierte und auf Vintage-Touren für Gäste umsattelte. In dem ehemaligen Rettungswagen ruckeln wir auf steilen Schottersträßchen durch die Chardonnay-Weinberge der Côte des Blancs. Romain reicht mir Schautaufeln zu Rebsorten und Geschmacksnuancen und erklärt, warum Champagner so gut ist.

Am Nachmittag gibt es Champagner und Mürbeteigkekse

"Normaler Sekt prickelt, weil die Kohlensäure in großen Tanks in den Wein gepresst wird. Für Champagner wird der Wein erst in Flaschen abgefüllt und dann mit Hefe und Zucker versetzt. Die bringen eine natürliche Gärung in Gang, die mindestens 15 Monate dauert. Das macht ihn so kostbar und elegant." Wir haben die Autofenster heruntergekurbelt, schaukeln durch ein grünes Meer aus wogenden Weinbergen. Im Talgrund schlängelt sich die Marne. In den blank geputzten Dörfchen befindet sich, den Schildern nach zu urteilen, in jedem Bauernhaus eine kleine Kellerei.

"Kommt hin", bestätigt Romain. "Es gibt ungefähr 16 000 Champagner-Winzerinnen und -Winzer. Dazu etwa 300 große Maisons, die zwei Drittel der Produktion ausmachen und fast den ganzen Export." Später machen wir Pause: Romain klappt den Picknickkorb auf, und ich darf, wie einst Napoleon im Feldlager, den Korken eines Champagnerfläschchens mit dem Säbel wegschlagen. Es klappt auf Anhieb, und während Romain den Korken zwischen den Rebstöcken sucht, lasse ich es in die Gläser sprudeln und wundere mich, wie gut das zusammenpasst: Champagner und Mürbeteigkekse, nachmittags um vier im besonnten Weinberg.

Champagne: Weinhänge mit grünen Weinpflanzen und bläulich-gräulichem Himmel. Im Vordergrund ist ein grauer Metallzaun zu sehen
© barmalini / Shutterstock

Epernay und die Nachbardörfer Aÿ und Hautvillers sind das Epizentrum des Schampus-Erlebnistourismus. Durch Hautvillers’ schnuckelige Gassen schnurren abgedunkelte Limousinen zu Moët & Chandon, dem großen Maison, das sich die ehemalige Benediktinerabtei von Hautvillers zugelegt hat und hinter glyzinienüberrankten Mauern exklusive Events abhält. Für Fußvolk wie mich ist immerhin die kleine romanische Abteikirche zugänglich. Aus unsichtbaren Lautsprechern perlt Musik von Bach, und ich reihe mich in die Schlange der Besucher:innen ein, die sich ehrfurchtsvoll der schwarzen Grabplatte vor dem Altar nähert, unter der 1715 Dom Pérignon bestattet wurde. Der Mönch wird als Erfinder des Champagners verehrt, weil er die Flaschengärung mitentwickelte – und auf die Idee mit den Cuvées kam. Dem Verschnitt von Grundweinen verschiedener Rebsorten, Lagen, sogar Jahrgänge, woraus sich außerordentliche Champagner ergeben, wenn man im richtigen Verhältnis mischt.

Zu Besuch bei den jungen Wilden

Heute ist Dom Pérignon eine Champagnermarke, die zu Moët & Chandon gehört. Insgesamt wird so viel produziert – man munkelt von 30 Millionen Flaschen im Jahr –, dass sie, wie alle großen Maisons, Trauben zukaufen muss. Auch von der Côte de Bar. Das Gebiet liegt ganz im Süden der Champagne; fast zwei Stunden fahren wir durch flache Ebenen, wo sich Rüben- und Kartoffelfelder bis zum Horizont ziehen. Dahinter beginnt das Land sich wieder zu wellen, wird zu Hügeln, auf denen sich Weinberge mit Wald und Sonnenblumenfeldern abwechseln. Kirchtürme spitzen hervor, Traktoren tuckern, Dorfhäuser tragen lavendelblau lackierte Fensterläden. In Neuville-sur-Seine springen Schulbuben in Badehose in den Fluss. Ein Typ in Baggyshorts kommt auf dem Mountainbike die Dorfstraße heruntergesaust. Vor einem hellen Natursteinhaus bremst er ab, öffnet das Gittertor und winkt mir zu. "Willst du was verkosten? Komm rein!"

Mit seinen sonnengebleichten Zotteln sieht der 33-jährige Raphaël von der "Domaine de Bichery" nach Surfbrett und Flaschenbier aus, kommt aber gerade aus dem Weinberg, wo er Blattwerk gekürzt hat. Hannah, seine flachsblonde Frau, bittet an ein Tischchen zwischen Fliederbusch und Sandkiste, in der die beiden Kinder spielen. Hannah ist Ostfriesin und "mit Fürst Metternich aufgewachsen", wie sie erzählt. Raphaël hat sie kennengelernt, als sie bei der Weinlese geholfen hat. Die Piconnets gehören zu den jungen Wilden der Branche, die in ihren kleinen Betrieben nur die eigenen Trauben verarbeiten, auf Charakter und Nachhaltigkeit achten, nach neuen Wegen suchen. Ein wachsendes Phänomen im Prickel-Business und hier im Süden, in der weniger schillernden Aube, besonders präsent. Acht Hektar Weinberg bestellt Raphaël für seine Domaine, alle nach Bio-Grundsätzen. Viel mehr als 15 000 Flaschen pro Jahr will er auch bei weiter wachsendem Erfolg nicht abfüllen. "Nur so bleiben wir unabhängig und haben Spaß!", sagt er. Spaß haben heißt für ihn, im geerbten Häuschen der Großeltern einen kleinen Verkostungsraum einzurichten, mit anderen Jungwinzer:innen Auftritte zu planen und wenn es geschneit hat, auf Skiern den steilen Pinot-Noir-Weinberg runterzuwedeln.

Champagne: eine Gasse aus Fachwerkhäusern mit Kopfsteinpflaster und blauem Himmel.
In den Gassen von Troyes fühlt sich Annette Rübesamen besonders wohl.
© Oliver Hoffmann / Shutterstock

Mir gefällt es hier im Süden, wo die kleinen, weniger prominenten Betriebe zu Hause sind, wo die Landschaft etwas Mittelalterliches hat und ich mich geborgen fühle. Auch Troyes, die größte Stadt hier, hat etwas Behagliches mit den vielen Fachwerkhäusern, die sich mit ihren haubenartig über die Fassaden gezogenen Dächern aneinanderdrücken wie alte Damen. Abends füllen sich die Gassen und gepflasterten Innenhöfe mit Menschen; es summt und brummt vor vielen kleinen Restaurants. Ich finde einen Platz in der "Bar à Manger", nur fünf Tische und ein netter, bärtiger Typ, der sich als Koch, Sommelier und Kellner in Personalunion herausstellt. Ich nehme die gegrillten Salatherzen mit Makrele als Vorspeise, danach auf der Haut gebratenes Huhn mit neuen Kartoffeln. Was ich trinken möchte? Was für eine Frage! Das, was hier alle trinken: Champagner!

Annettes Reisetipps für die Champagne

Hinkommen und Rumkommen

Am besten mit dem Zug nach Reims (ab Frankfurt knapp 4 Stunden, Ticket für Hin- und Rückfahrtkarte ab ca. 70 Euro). Für die Fahrt in die kleinen Weindörfer ist dann ein Leihwagen unabdingbar.

Übernachten

La Demeure des Sacres. Hinter der Art-déco-Fassade des Stadthauses bei der Kathedrale hat Céline Songy vier elegante Gästezimmer eingerichtet: Parkettböden, feine Polstersessel, Designerlampen. Dazu ein gemütlicher Salon und ein Garten mit Kletterrosen. Zum Frühstück gibt’s den mit rosa Champagner verfeinerten Weichkäse Chaource. DZ/F ab 185 Euro (Reims, Rue Libergier 29, Tel. 679 06 80 68, la-demeure-des-sacres.com).

Villa Signolle. Glänzendes Eichenparkett, hohe Sprossentüren, fein geputztes Silber und alte Spiegel ... Sophie Signolle-Gonet macht nicht nur großartige Champagner, sie ist auch eine prima Gastgeberin. Im Garten kann man sich durch ihren Keller verkosten, und zum Frühstück serviert sie hausgemachte Kirschmarmelade. DZ/F inkl. Degustation 280 Euro (Epernay, Avenue de Champagne, Tel. 326 54 39 29, gonet.fr).

La Chevalée. Frisch designte Gästezimmer im alten Gemäuer; vom Pool und dem Blick auf die Weingärten vermag man sich kaum loszureißen. Ob man noch ein Gläschen trinken sollte? Oder doch lieber mit den hauseigenen E-Bikes los? Genau so müssen sich Ferien in der Champagne anfühlen. DZ/F ab 125 Euro (Hautvillers, Rue Henri Martin 53, Tel. 326 51 52 24, champagne-fedyk-chambres-hotes-hautvillers.com).

Les Demoiselles a Essoyes. Herzlich geführtes Hotel oberhalb des Renoir-Dorfes Essoyes. Einfache Zimmer, schlichtes Frühstück, doch abends wird aufgekocht. Schöner Blick aufs Dorf und die Weinberge der Côte de Bar! DZ/F ab 82 Euro (Essoyes, Rue Pierre Renoir 1, Tel. 325 29 08 59, les-demoiselles-essoyes.fr).

Maison M. Die reizende Michelle Meunier hat eine Backsteinvilla am Canal du Trévois in ein charmantes B&B umgewandelt: großzügige Zimmer in schönen Farben, dazu ein parkähnlicher Garten. DZ/F ab 120 Euro (Troyes, Quai La Fontaine 3, Tel. 325 46 30 97, maisonmtroyes.com).

Geniessen

Café du Palais. Meine neue Lieblingsbrasserie! Üppig im Jugendstil dekoriert; mittags sitzt man zwischen Jurist:innen aus dem Justizpalast gegenüber, stärkt sich mit aufgetürmtem "Salade du Jour" (18 Euro) und vielleicht noch einer "Île Flottante" (Eischneenocken auf Creme) zum Dessert. Draußen gleiten moderne Trams vorbei, die vorn wie Champagnerkelche geformt sind (Reims, Place Myron Herrick, cafedupalais.fr).

La Garde Champètre. Ein Hoch auf Juan Sanchez, den Exil-Kubaner, der sich dieses hinreißende Restaurant mit großem Gemüsegarten und Volleyballfeld ausgedacht hat! Im lässigen Loft-Ambiente einer ehemaligen Bahnhofshalle gibt’s Thunfisch-Tatar mit Kombucha-Gelee, geräucherte Entenbrust mit Saubohnen – und eine Champagnerkarte mit 100 Posten. Sechs-Gänge-Menü ab 38 Euro (Gyé-sur-Seine, Route des Riceys 50, Tel. 325 96 00 06, legardechampetre.fr).

Champagne De Barfontarc. "Prickelndes Picknick in den Weinbergen" bietet diese Kooperative an. In meinem Korb steckten feine Salate, Gläschen mit Pastete, Käse, Gebäck, dazu eine Flasche Schampus. Muss vorbestellt werden; 30 Euro p. P. (Baroville, Rue de Bar-Sur-Aube 18, Tel. 325 27 07 09, champagne-barfontarc.com).

Bar à Manger. Fünf Tische, eine Speisekarte mit nur sechs Posten, der perfekte Mix aus Tradition, lokalen Zutaten und leichthändiger Kreativität. Unvergesslich: der gegrillte Pfirsich mit Olivenöl und Granola-Karamell zum Dessert für 7 Euro (Troyes, Cour du Mortier d’Or, Tel. 953 18 45 31).

Aux Crieurs de Vin. Vorn bestens sortierter Naturwein- und Champagnerladen, hinten lässiges Bistro im Vintage-Look. Es gibt Grüne-Bohnen-Salat mit Grapefruit und Mandeln (8 Euro) oder die Innereien-Spezialität Andouillettes (19 Euro), dazu jede Menge offene Weine, die täglich wechseln (Troyes, Place Jean Jaurès 4, Tel. 325 40 01 01, auxcrieursdevin.fr).

Einkaufen

Pascal Caffet. Wie Juwelen glänzen die Macarons, Himbeer-Charlottes, Eclairs und Profiteroles, von Schokoladen und Pralinen ganz zu schweigen. Allein das Gucken macht glücklich (Troyes, Rue de la Monnaie 2, maison-caffet.com).

Les Modettes. Elisabeth Bonnaillie macht die hübschesten Kettchen, Armbänder und Anhänger – zart und fein wie Champagnerperlen. Ab 10 Euro (Troyes, Rue de la Monnaie 27).

Prieuré de Viverie. Kunst und Champagner wollte Vincent Grandpierre zusammenbringen, kaufte eine ehemalige Benediktinerabtei und brachte sie mithilfe von Eisen, Holz und Naturstein in Form. Drum herum baut er Reben für seine Champagner an. Wer zu Verkostung und Einkauf vorbeischaut (Flasche ab 18,50 Euro) kann auch seine expressionistischen Gemälde besichtigen (Viviers-sur-Artaut, Allée du Prieuré, prieuredeviverie.fr).

Erleben

Notre-Dame de Reims. An der gotischen Kathedrale konnte ich mich kaum sattsehen: erst der Skulpturenrausch an der Fassade, dann innen die Buntglasfenster von Marc Chagall und Imi Knöbel. Auf einem Fenster im Westschiff ist der Heilige Johann am Champagner-Rüttelpult abgebildet (Reims, Place du Cardinal Luçon).

Taittinger. Das geführte Abtauchen in Reims‘ Unterwelt, die schon von den Römern angelegten Kreidegänge, wo heute die Flaschen lagern, ist toll. Danach Degustation im Salon. Preis je nach Art der Degustation ab 27 Euro (Reims, Place Saint Nicaise 9, Tel. 326 85 84 33, taittinger.fr).

Pressoria. Nagelneue Champagner-Erlebniswelt. Ich schnüffelte Bodendüfte, griff in virtuelle Traubenkisten und erschnupperte an Glaskolben die Essenz von Chardonnay und Pinot Noir. Am schönsten war der dunkle Raum, an dessen Wänden Millionen goldener Perlen aufstiegen, schäumend und prickelnd. Ich fühlte mich, als säße ich in einem Champagnerkelch. Eintritt 16 Euro (Aÿ-Champagne, Boulevard Pierre Cheval 11, pressoria.com).

My Vintage Tour. Romain Garzas Weinberg-Touren im Vintage-Bus gibt es mit und ohne Kellereibesuch und auf Wunsch auch zum Sunset. Ab 42 Euro (Epernay, Tel. 664 33 93 84, myvintagetourcompany.com).

Centre Culturel Renoir. Pierre-Auguste Renoir verbrachte seine Sommer in der Champagne – er liebte das Licht. Und die Modelle waren viel billiger als in Paris. Das Wohnhaus samt Atelier in Essoyes erzählt viel über das Familienleben des Impressionisten. Im Centre Culturel gibt es außerdem eine Dauerausstellung. Eintritt 12 Euro (Essoyes, Place de la Mairie 9, renoir-essoyes.fr).

Domaine de Bichery. Die "Indie"-Kellerei von Raphaël und Hannah lohnt einen Besuch nicht nur wegen Raphaëls vollmundigen Champagnern, sondern weil hier vom Bio-Ansatz bis hin zur entzückenden Degustationsstube einfach alles so unglaublich "sympa" ist, wie man in Frankreich sagt (Neuville-sur-Seine, Gran Rue 92, domainedebichery.com).

Radtour. Mit dem E-Bike sauste ich auch die steileren Weinberge zwischen Epernay und Hautvillers hoch. Das Tourismus-Office von Hautvillers organisiert unterschiedlich lange Radtouren inkl. Ortsführung und Tasting. Ab 38 Euro (Hautvillers, Place de la République, tourisme-hautvillers.com).

Wenn ich das gewusst hätte

Wer in Deutschland Champagner kleiner, unabhängiger Betriebe kosten möchte, tut sich schwer. Zum Glück gibt’s Nicola Neumann und ihre Champagner-Boutique mit Tagesbar in München: Sie bietet eine exzellente Auswahl (ab 17 Euro), die man sonst nie finden würde. Bestellen kann man im hervorragend gestalteten Onlineshop (champagne-characters.com).

Telefon

Die Vorwahl für Frankreich ist 00 33, dann die angegebene Telefonnummer. Wer von Frankreich aus anruft, wählt vorweg eine Null.

Brigitte

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