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Cookinseln - Tipps für eine traumhafte Reise

Cookinseln: Kleine Insel umringt von türkisblauem Wasser
© BlueOrange Studio / Shutterstock
Es ist nicht nötig, genau zu wissen, wo die Cookinseln liegen. Auf jeden Fall weit weg. Aber wer seinen Traum vom perfekten Südsee-Idyll wahr werden lassen will, sollte mal nach Rarotonga fahren. Und wird garantiert nicht enttäuscht ...

Der Moment, der das Herz weit macht

Auf diesen Inseln spielt immer irgendwo jemand Ukulele: am Strand, vor dem Supermarkt, neben der Kirche, auf einer Veranda vor einem Haus in Bonbonfarben, in der Hotellobby und sogar am Flughafen. Inmitten des Gepäckbandes in der Ankunftshalle sitzt auf einem Podest Jake Numanga, 79, und begrüßt seit 40 Jahren die ankommenden Tourist*innen mit sanft wellendem Singsang, der sich wie ein großes weiches Tuch über meinen gesamten Aufenthalt auf den Cookinseln legen wird.

Denn auf den Cookinseln singt immerzu jemand vom Meer, den Frauen, den Blumen, dem Leben, der Liebe. Vom Duft der Hibiskus- und Frangipaniblüten, die sich die Frauen am Morgen als Kränze in die Haare flechten. Von den blendend weißen Stränden und den türkisblauen Lagunen, den tropisch üppig grünen Bergen im Inland, den Früchten, die einem wie im Schlaraffenland quasi direkt in den Mund wachsen: Mangos, Bananen, Passionsfrüchte, Kokosnüsse, Avocados, Guaven. Rarotonga ist eine von einem Korallenriff umgebene Vulkan-Insel, die größte der 15 Inseln des Archipels, von denen zwölf bewohnt sind, und sie war für mich ein Ort, an den ich eigentlich nicht reisen wollte: eine Fototapete, vor der ich zu Hause träume, aber deren Wirklichkeit höchstwahrscheinlich nur enttäuscht. Das war, bevor ich nur drei Stunden nach der Anreise (die anderthalb Tage dauerte) in einer weißen Holzkirche saß und der Pastor alle Gäste bat, in die Mitte zu treten, um zusammen mit den Einheimischen ein Lied zu singen, abwechselnd auf Englisch und Cook-Islands-Maori.

Cookinseln: Eine volle Kirche
Volle Kirche Christlicher Gottesdienst in Avarua - der Glaube spielt auf den Inseln eine große Rolle
© ChameleonsEye / Shutterstock

Da stand ich also zwischen den Frauen mit den riesigen Strohhüten und duftenden Kränzen im Haar, den Männern in den bunten Hawaii-Hemden, las den Text von einer Tafel ab und sang mit ihnen in einer mir fremden Sprache, und es war ein Moment, der das Herz weit macht und einen seltsam anfasst. Willkommen im Südsee-Klischee, dachte ich. Obwohl es gerade regnete und das Meer sein berühmtes Blau verschluckt hatte.

Die Menschen und die Hunde - alles Freigeister

Das Meer ist auf Rarotonga allgegenwärtig. Umfährt man die Insel auf der 32 Kilometer langen Ringstraße, dann taucht es hinter jeder Ecke auf. Laut rauscht es gegen den Riffsaum und ist der Geräuschteppich, auf dem sich alle anderen Klänge ausbreiten: das Knattern der Motorräder, das Knistern und Stöhnen der sich im Wind biegenden Kokospalmen, das Kläffen der umherwandernden Hundecliquen, die sich am Morgen zusammen ins Meer werfen, wenn der Strand noch einsam ist. Jeder Hund gehört zu irgendeinem Haus und trägt ein Halsband, aber am Tag sind sie wie eine wilde Bande Teenager, die ihr eigenes Ding machen und erst bei anbrechender Dunkelheit wieder nach Hause kommen. "Freigeister wie wir", sagt Onkel Jimmy, der Touristen auf dem Fahrrad seine Insel zeigt. Er trägt eine Machete im Gürtel, schlägt mit ihr eine Kokosnuss entzwei und füttert ein Hausschwein, das in einer Kuhle neben einem Litschibaum liegt. Unser Weg über die Insel führt vorbei an flachen weißen oder pastellbunten Holzhäusern, auf deren Rasenflächen sich die Gräber der Vorfahren verteilen und ab und zu auch ein paar rostige Autoleichen. "Natürlich wollen wir unsere Toten nahe bei uns haben", sagte Onkel Jimmy. "Nur wer keinen Vorgarten hat, muss nach seinem Tod leider auf den Friedhof neben dem Flughafen ausweichen."

Cookinseln: Foto von einem typischen Haus auf der Insel
Südsee pur Farben, die einfach gute Laune machen
© Rach V / Shutterstock

Dann bremst er plötzlich abrupt vor einem Baum mit eher unscheinbaren Früchten. Die grün-warzige Noni-Frucht ist laut Jimmy ein wahres Wundermittel. Reibt man sich ihren Saft, der riecht wie ein zu selten gereinigter Mülleimer, auf die Haut, bleibe man zumindest äußerlich ewig jung, sagt er. "Schau dir unsere Frauen an, das sind doch die schönsten der Welt. In jedem Alter." Georgina Williams ist so eine Cook-Frau: schön, selbstbewusst, geschäftstüchtig, charmant, kreativ und willensstark. Sie sitzt in ihrem himmelblauen Atelier in Rarotongas Minihauptstadt Avarua, in dem sie Stoffe bemalt und daraus Kleider designt, und ist wie die meisten Frauen auf den Inseln vieles gleichzeitig. Sie war Model, Tänzerin und Leiterin der traditionellen Cook-Islands-Tanzgruppe, mit der sie um die Welt reiste. Sie ist Künstlerin, Modedesignerin, Mutter, Farmerin, Ehefrau und Friedensrichterin.

Viele junge Leute zieht es weg aus Rarotonga

Rarotonga mit seinen 13 000 Einwohnern und gefühlt doppelt so vielen frei laufenden Hühnern habe die Gemütlichkeit und dieses Heile-Welt-Gefühl verloren, das sie noch aus ihrer Kindheit kannte, sagt sie. "Wir sind stolze Menschen. Aber Palmen, Zitrusplantagen, Tarofelder, Gärten und kleine Dörfer sind für viele nicht mehr die Zukunft. Die Jungen ziehen zum Arbeiten weg nach Neuseeland, und wenn sie zurückkommen, dann bringen sie zu viel von dem Leben aus Auckland oder Wellington mit. Zu viel Drogen, Unruhe, Respektlosigkeit: Hier beginnt meine Arbeit als Friedensrichterin." Ab und zu lässt Georgina jemanden in das lokale Gefängnis einsperren, das mit seinen Baracken von außen aussieht wie ein Hostel und in dessen Gefängnisshop Ukulelen verkauft werden. Aber das sei immer das letzte Mittel. "Besser ist es, den Kindern zu zeigen, was mir selbst schon früh beigebracht wurde", sagt sie. "Achtung vor der Familie und der Tradition." Und am besten könne man das immer noch in den örtlichen Hula-Tanzgruppen lernen.

Wer seine Familie und seine Insel ehren will, der beherrscht schon als Kind perfekt den bebenden Hüftschwung unter dem Rock aus Gras und weiß, wie man die Arme und Hände so dreht, dass sie mit der minimalsten Haltungsänderung die alten Geschichten der Vorfahren erzählen. "Es ist wichtig, dass dieses Wissen nicht verloren geht", sagt Georgina.

Cookinseln: Meer und im Hintergrund Berge
Wildes Grün Die Berge sind vulkanischen Ursprungs und von dichtem Wald überwuchert
© iPics / Shutterstock

Das alte Wissen auf andere Weise weitergeben will auch Georginas beste Freundin seit Kindertagen, Minar Puroto Henderson, die inmitten eines verwunschenen Gartens lebt und hier Essen nach traditionellen Rezepten veranstaltet, die mittlerweile weltweit als Geheimtipp gelten. 14 Gänge umfasst das Plantagen-Dinner, das sie in ihrer Küche tagelang vorbereitet. Auch Minar war Model, heiratete einen chinesischen Koch in Neuseeland, arbeitete 15 Jahre mit ihm zusammen, ließ sich scheiden, kehrte zurück, traf Louis Enoka, den sie noch aus der Schule kannte. Und weil beide nicht so gerne ausgehen, aber trotzdem neugierig auf Menschen sind, holen sie zwei- bis dreimal im Monat die Welt zu sich nach Hause. Bis zu 26 Menschen sitzen dann zusammen an dem langen Esstisch auf der Veranda, sechs Monate im Voraus muss mittlerweile gebucht werden. Die Sitzordnung macht Louis. Er ist der Menschenkenner, der die nebeneinander setzt, die sich im normalen Leben nicht treffen würden. Einen Regierungschef aus dem Südpazifik neben eine Rucksacktouristin aus England, einen Botschafter neben einen Sternekoch, einen Cook-Islander neben einen Prinzen aus Europa.

Die Lagune schillert in allen Türkistönen

Das Land, auf dem sie leben, auf dem das Gemüse, die Früchte, die Kräuter und die Blüten für ihre Dinner wachsen, gehört ihrer Familie seit Generationen. So wie auf den Inseln jeder Familie nach über tausendjährigen Regeln der Maori, die die Cooks von Samoa und Tahiti aus besiedelten, ihr angestammtes Land vom Strand über das fruchtbare flache Land bis hinauf zu steilen Hängen der Berge gehört. Ein Verkauf ist ausgeschlossen. Land wird nur innerhalb der Familie weitergegeben und darf maximal 60 Jahre verpachtet werden. Das hat bisher auch verhindert, dass die Küste mit riesigen Hotels zugebaut wird.

160 000 Besucher kommen jährlich auf die Cookinseln, die meisten nur nach Rarotonga. Aber weil die in allen unwahrscheinlichsten Türkistönen schillernde Lagune der 45 Flugminuten entfernten Aitutaki-Insel als die schönste der Welt gilt, fliegen die meisten für einen Tagesausflug hinüber, fahren mit einem Boot hinaus und schnorcheln durch dieses unwirkliche Blau mit Dickkopf-Stachelmakrelen, Drücker-, Lipp-, Trompetenfischen und Riffbarschen, schwimmen zwischen Riesenmuscheln und Wasserschildkröten, legen sich in den Sand einer der menschenleeren Mini-Inseln, lassen sich vom warmen Wasser umspülen und steigen abends mit salzverkrusteter Haut wieder in das Flugzeug nach Rarotonga.

Gute Sicht Die winzige Maschine aus Aitutaki 
Gute Sicht Die winzige Maschine aus Aitutaki 
© ChameleonsEye / Shutterstock

Dann atmet Aitutaki wieder jene Ruhe, die mir das Gefühl vermittelt, auf einem atemberaubenden kleinen Fliegenschiss am Rand der Welt zu sitzen. Um sechs Uhr am nächsten Morgen steige ich die Stufen von meinem Strandbungalow hinab und nehme eines der roten Kajaks, die an "meinem" perfekten menschenleeren Strand liegen. Ich fliege in ruhigem Tempo über einen Korallenteppich durch die Lagune, ab und zu springt ein Fisch vor mir hoch. Und dann schiebt sich plötzlich die Sonne durch das noch wolkige Morgengrau, die Welt unter meinem Kajak und um mich herum wird mit einem Schlag bunt wie eine Walt-Disney-Produktion. Und ich bin ein winziger Fleck in einer Wirklichkeit gewordenen Fototapete.

Beatrix' Tipps für Rarotonga 

HINKOMMEN

Air New Zealand fliegt von Deutschland über London nach Los Angeles (Flugdauer ca. 10 Stunden) und von dort jeweils samstags kurz vor Mitternacht weiter nach Rarotonga (weitere ca. 10 Stunden). In Los Angeles müssen die Passagiere durch die US-Immigration, das Gepäck muss neu aufgegeben werden. Ankunft in Rarotonga ist sonntags gegen 6 Uhr morgens Ortszeit. Der Rückflug startet in Rarotonga freitags gegen 22 Uhr. Tickets ca. 1450 Euro (www.airnewzealand.de).

ÜBERNACHTEN

Hotelzimmer auf den Cookinseln liegen grundsätzlich im höheren Preissegment. Aber viele Einheimische vermieten Häuser und Strandhütten über Home-Away oder Airbnb, hier bekommt man Ferienhäuser auch ab ca. 100 Euro oder eine kleine Strandhütte wie die "Twin Waters – Vaimaanga Beach Bach" schon für ca. 73 Euro pro Nacht.

Te Vakaroa Villas. Direkt am Muri Beach mit seiner flachen Lagune, drei Villen mit Pool und jeweils zwei Ferienwohnungen mit eigener Terrasse bzw. Balkon. Die Apartments mit Küchenzeile sind großzügig und geschmackvoll eingerichtet, morgens wird ein tolles Frühstück vorbeigebracht, Kajaks und Schnorchelausrüstung gehören zum Service. Wohnung mit einem oder zwei Schlafzimmern plus Frühstück ab ca. 350 Euro (Muri, Main Road Muri Beach, Tel. 550 20, www.tevakaroavillas.com).

Manuia Beach Resort. Sandwege führen von den 24 Bungalows, fünf davon direkt am Wasser, durch einen tropischen Garten direkt zum Poolbereich mit Restaurant und dem großartigen Manuia Beach. Einen besseren Ort für den Sonnenuntergang gibt es kaum. Das Resort bietet tagsüber kostenlose Aktivitäten (Blumenkränze flechten, Inselrundfahrten, Schnorchelkurse, Ukulele-Unterricht ...). DZ/F ab ca. 200 Euro (Arorangi, Main Rd. Inave, Tel. 224 61, www.manuia.co.ck).

Pacific Resort Aitutaki. Die meisten Gäste kommen nur für eine Nacht, die 27 Luxusbungalows in einem üppigen Garten sind ein "Einmal im Leben"-Erlebnis. Dieses Hotel mit seinen Wahnsinnsstränden ist teuer, aber wer hier einen Sonnenuntergang in seiner privaten Strandhängematte genossen hat, weiß, dass dies unvergesslich ist. DZ/F ab ca. 660 Euro (Aitutaki, Amuri Sports Field, Tel. 317 20, www.pacificresort.com).

GENIESSEN

Muri Night Market. Viermal in der Woche kann man hier an einfachen Ständen Souvenirs kaufen, aber vor allem hervorragend und preiswert essen. Viele Familien bieten hausgemachte Speisen an, ab ca. drei Euro (Muri, Ngatangiia District, So, Di bis Do ab 17.30 Uhr).

Mooring Fish Cafe. Kleines Restaurant mit simplen Außentischen, die Menschen stehen Schlange wegen der leckeren, fangfrischen Fischgerichte. Sonntags pilgern Großfamilien nach der Kirche dorthin. Hauptgerichte ab ca. 13 Euro (Muri, Avana Fishing Club, www.themooringfishcaferaro.com).

Koru Café. Frühstück, Lunch, Kuchen, Dinner: Das Café ist rund um die Uhr geöffnet. Allein die Adresse ist schon einen Besuch wert: "Auf dem Weg nach Ootu Beach" – denn auf Aitutaki kann man sich nicht verlaufen. Frühstück ab 3,50 Euro (Aitutaki, www.korucafe.biz).

ERLEBEN

Progressive Dinner. Eine tolle Möglichkeit, lokales Essen und Maori-Familien kennenzulernen. Drei Gänge werden von unterschiedlichen Gastgebern serviert, man fährt zusammen mit einem Kleinbus von Haus zu Haus, probiert polynesische Gerichte, hört Familiengeschichten und singt zusammen Insellieder. 60 Euro für Erwachsene, Mo und Do (Cook Islands Tours, Tel. 206 39, www.cookislandstours.co.ck).

Storytellers Eco Cycle Tour. Unbedingt die Fahrradtour mit Onkel Jimmy buchen. Er ist ein wandelndes Lexikon, was Flora und Fauna angeht, und erzählt witzig. Es gibt Touren in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, sie enden alle mit einem gemeinsamen Lunch. Ab 47 Euro (Arorangi, Tel. 23450, www.storytellers.co.ck).

The Vaka Lagoon Cruise. Auf einem 21 Meter langen polynesischen Katamaran verbringt man Stunden mit Schnorcheln und Schwimmen vor den kleinen Inseln vor Aitutaki. Mit dabei eine kleine Band, und mittags gibt’s Barbecue. Ticket 75 Euro (www.thevakacruise.com).

Dinner bei Minar und Louis. Das Dinner im "Plantation House" kann leider nicht im Voraus gebucht werden. Am besten an der Hotelrezeption oder beim Tourismusbüro nachfragen, dort erfährt man Daten und ob es noch freie Plätze gibt.

UNBEDINGT MITNEHMEN

Sehr leichte Regenjacke, denn es regnet immer wieder und dann auch heftig bei gleichzeitig schwülen Temperaturen.

UNBEDINGT MIT ZURÜCKBRINGEN

Die schwarzen Perlen vom Manihiki-Atoll im Norden der Inseln! Aus ihnen gefertigten Schmuck in allen Qualitäts- und Preislagen verkauft z. B. Farm Direct Pearls (Rarotonga, Harbour House, gegenüber Avatiu Harbour).

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