Ein Wochenende in Budapest

Budapest wird auch das "Paris des Ostens" genannt. Wir haben der europäischen Trend-Metropole einen Besuch abgestattet und tolle Impressionen und Tipps für ein verlängertes Wochenende mitgebracht.

Eindrucksvoll thront der Burgpalast oberhalb der Donau.

"Budapest ist wie Paris, nur ohne Parfüm", so beschreiben die Budapester ihre Heimatstadt. Ziemlich treffend. Denn die osteuropäische Trendmetropole kann durchaus mit der großen Schwester an der Seine mithalten: wunderschöne alte Gebäude, malerische Altstadtgassen mit kleinen Boutiquen und ein breiter Fluss (die Donau), der die Stadt in der Mitte teilt und zum entspannten Feierabend-Drink auf einem der vielen Schiffe einlädt.

Und doch ist Budapest anders: Hier und da bröckelnde Häuserfassaden, die an den vergangenen Sozialismus erinnern, laute und holprige U-Bahnen, unschlagbar günstiges und gutes Essen und vor allem: Nichts zu spüren von der typischen Pariser Überheblichkeit und Schickeria.

Wir haben die besten Tipps für ein verlängertes Wochenende für euch gesammelt und tolle Impressionen aus der ungarischen Hauptstadt mitgebracht.

Nostalgie: Retrock Deluxe

Willkommen bei Alice im Wunderland. Zwischen Kronleuchtern, verschnörkelten Tischchen, alten Koffern und rosa Schweinchen hängen die neuesten Entwürfe bekannter ungarischer Jungdesigner. Zum Beispiel Kleider (circa 160 Euro) und Shorts (circa 590 Euro) von Je suis belle, dem Kreativ-Duo Dévényi Dalma Alma und Kiss Tibor. Ganz besondere Schätze sind in der Glasvitrine im zweiten Stock versteckt: aufgehübschte Flohmarktfundstücke, wie Ketten oder Broschen aus Glas (10 bis 20 Euro). Dazu passen nostalgische Schminktäschchen und feine Gürtel aus Leder (Henszlmann Imre utca 1, 5. Bezirk, Mo-Fr 10.30-19.30 Uhr, Sa 10.30-15.30 Uhr, www.retrock.com).

Stylisch Turnen: Tisza

Das Label Tisza ist die Hassliebe der Ungarn. Zu Zeiten des Sozialismus gab es nur diese eine Sportmarke im ganzen Land. Wettbewerbe fanden nicht in der Marktwirtschaft, sondern lediglich in den Turnhallen statt. Und die füllten sich im blau-rot-weißen-Einheitsbrei. Beim verzweifelten Versuch, sich von anderen abzuheben, malten sich viele Schüler mit Filzstiften "Adidas"-Streifen auf die Schuhe und schmissen sie nach der Wende schnell in die Ecke.

Doch dann begannen alle, die treue Marke zu vermissen und in Budapest eröffnete der erste Flagshipstore. Die Mützen, Kappen, Taschen, Schuhe und Schlüsselbänder werden immer noch in Ungarn hergestellt - aber jetzt in allen möglichen Farben (Károly körút 1, 7. Bezirk, 10-19 Uhr, Sa 9-13 Uhr, www.tiszacipo.com)

Funky Fundgrube: Látomás

Durchatmen, ruhig bleiben und unbedingt viel Zeit mitbringen. Die Boutique bietet einen breiten Durchschnitt durch Ungarns junge Designszene. Neben renommierten Labels wie Kati Nadasdi haben hier auch unbekannte Modemacher eine Plattform. In den letzten acht Jahren hat sich eine Menge zusammen gesammelt: Retrotaschen, bunte Ohrringe aus Filz, Silber und Knete, Armreife, Kleider und Röcke. Besonders schön sind die knallbunten Stricktaschen von Anikò Piry (ab 20 Euro). Und die Second Hand-Abteilung hat vor kurzem - wie könnte es anders sein - eine eigene Etage bekommen (Dohány utca 20, 7. Bezirk, Mo-Fr 11-19 Uhr, Sa 11-16 Uhr, www.latomas.hu).

Kultursammelsurium: Szimpla Kert

Die Fassaden in Budapests Straßen sind noch nicht alle renoviert. Erstmal kamen die Wohnungen und großen Innenhöfe dran, die sich hinter den Häuserfronten verstecken. Und hier gibt es viel zu entdecken. Zum Beispiel die alte Stahlfabrik im Bezirk Elisabethstadt. Was vor vier Jahren halblegal begann, hat sich zu Budapests beliebtestem Club gemausert. Vor roten Fabrikziegeln stehen Stühle, Sessel und Tische aus dem Second-Hand-Laden. Einmal die Woche werden Konzerte und ab dem Frühjahr auch Flohmärkte organisiert. Wenn das Wetter gut ist, kann man draußen im "Kert", also Garten sitzen. Und im Sommer gibt es dort ein Kino, das "Kertmozi", mit einer Leinwand aus alten Industriestoffen (Kazinczy utca 14, 7. Bezirk, täglich 12-2 Uhr).

Oldschool feiern: die Szóda-Bar

Als "Kávézó und mulató" bezeichnet sich die Szóda-Bar. Kávézó bedeutet schlicht Café. Mulató stand in den 70ern für "Unterhaltung" und klingt genauso liebenswert und fehl am Platz, wie ein begeistertes "knorke" aus Papas Mund. Die Café-Bar ist komplett im 70er-Jahre-Stil eingerichtet, japanische Mangas ersetzen die Tapete und auf den Fensterbänken reihen sich die Soda-Flaschen aneinander, denn - was wäre Ungarn ohne das prickelnde Wasser? Der Erfinder István Ányos Jedlik, ein Benedektinermönch, gründete 1841 die erste Sodafabrik. Der Legende nach, um den unheimlich starken ungarischen Wein zu verdünnen. Noch heute gibt es lustige Mischgetränke, die sich "kleiner Hausmeister" oder "Vizehausmeister" nennen (Wesselényi utca 18, 7. Bezirk, www.szoda.com)

Schicke Bohnen: das Restaurant Menza

Wer seine neuen Klamotten ordentlich ausführen will, sollte abends einen Drink am Liszt-Platz nehmen. In dem großen und offenen Restaurant Menza treffen futuristische Formen und 70er-Tapeten auf traditionelle Leckereien. Von der Karte kann man blind bestellen. Ob ungarische Bohnensuppe (circa 3 Euro) oder Nudeln mit Frischkäse (circa 6 Euro) - hier schmeckt einfach alles. Unbedingt probieren: Desserts, wie Hüttenkäseteigbällchen mit Erdbeermarmelade und Sahne (circa 3 Euro), denn die Ungarn sind Könige der Mehlspeisen. Als die Habsburger Budapest 1686 von den Türken befreiten, haben sie nicht nur viele schöne barocke Häuser, sondern auch ihre Vorliebe für süßen Naschkram in Budapest hinterlassen (Liszt Ferenc tér 2, täglich 12-24 Uhr, www.menza.co.hu).).

Kinderschokolade auf Ungarisch: die Große Markthalle

Danach sind alle Ungarn süchtig: Pöttyös - kleine, mit Frischkäse gefüllte Schokoriegel, die es schon bei Oma gab. Seit neuestem versucht die Marke auch andere Länder zu infizieren und expandiert nach Österreich. Wer nicht warten möchte, bis der Süßkram in unseren Supermärkten gelandet ist, besucht am besten die Markthalle am Ende der Fußgängerzone, rund um die Váci utca. In dem Gebäude von 1896 gibt es alles, was das ungarische Herz begehrt: Gänseleber, frisches Gemüse, Unicum Schnaps und Paprika in allen erdenklichen Variationen, also frisch, getrocknet, als Pulver und in verschiedenen Schärfegraden. Auf drei Geschossen tummeln sich über 180 Geschäfte, Stände, Bistros und ein Supermarkt. Im Keller gibt es Fisch, frisch geangelt aus großen Aquarien (Vámház körút 1–3, Mo 6-17 Uhr, Di-Fr von 6-18 Uhr, Sa 6-14 Uhr).

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