VG-Wort Pixel

Euböa Die geheime Insel Griechenlands

Euböa: Euböas Ostküste
© Jens Schwarz / Brigitte
Griechische Inseln gibt’s wie Sand am Meer, und BRIGITTE-Autorin Annette Rübesamen kennt viele davon. Euböa aber, das sich nordöstlich von Athen ins Meer streckt, hat sie überrascht.

Der schönste Platz der Welt, sagt Efi

Ohne Efi läge ich jetzt nicht auf dem Bauch hier oben in den Bergen in Euböas wildem Osten, an eine Felsklippe gepresst, und guckte in den Abgrund. Ins Nichts. Hunderte Meter Steilküste unter mir: das ägäische Meer, blau geriffelt bis zum Horizont. In kleinen Wellen schwappt es an einen winzigen Kiesstrand. Und dann kommt der Nebel. Wie an einer Schnur gezogen steigt er vom Wasser hoch zu uns, verschlingt das Meer, hüllt uns in feuchtes, zartes Grau, als wäre alles nur ein Traum gewesen. "Normalerweise kann man hier bis zum Berg Athos auf Chalkidiki sehen", seufzt Efi. "Es ist der schönste Platz der Welt. Ich komme her, sooft ich kann."

Euböa: Felsklippe
Poleposition Unter sich sieht Autorin Annette Rübesamen (im roten Shirt) nur noch Wellen. Efi hat sie an ihren Lieblingsplatz geführt
© Jens Schwarz / Brigitte

Efi – Efthymia – Papadopoulou ist 35, Griechischlehrerin für Kinder mit besonderen Bedürfnissen und Triathletin. Gestern hat sie mich auf der Straße angesprochen, in Kymi, dem Städtchen, das auf einem Bergsattel über dem Meer sitzt. Einfach so, während ich zwischen rot gedeckten Häusern mit schmiedeeisernen Balkons herumspazierte und neugierig in Toreinfahrten und Gärten spähte. "Möchtest du auch unsere wunderschöne Natur kennenlernen?", fragte sie. "Sie hat eine besondere Energie!" Efi trug Laufklamotten, hatte die langen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengewurstelt und ein offenes Lächeln. Schon waren wir für den nächsten Morgen verabredet.

Efi brachte ihren Kumpel Jorgos mit, einen Nachtportier und Lebenskünstler, und gemeinsam stiegen wir in die karstigen Küstenberge hoch. Wir wanderten an Erdbeerbäumen vorbei, einsamen Ziegenställen und distelartigen Pflanzen, aus denen, wie Jorgos erzählte, die Inselfrauen früher Kerzendocht gewannen. Es duftete nach wildem Thymian. Wir begegneten niemandem, nur ein Raubvogel zog seine Kreise über uns. "Euböas Natur macht uns zu besseren Menschen", sagte Efi, als wir im Schatten einer Riesenplatane getrocknete Feigen aßen. "Spürst du es schon?"

Dieses "Euböa"-Gefühl

Einiges spüre ich, seit ich auf Euböa bin. Schönste Inselferienlaune, dazu eine Art fiebrige Entdeckerinnenstimmung. Denn Euböa – Evia, wie die Einheimischen sagen – ist die ganz große Überraschung. Die griechische Insel, die keine sein will. Die Sporaden und Kykladen, die ich früher bereist habe, schwimmen klein und übersichtlich im Meer. Euböa dagegen, das die Form eines Seepferdchens hat, drängt sich über ihre 175 Kilometer so dicht ans Festland, dass man hie und da hinüberschwimmen könnte. Trotzdem hat der Massentourismus den Sprung über die Meerenge bisher nicht geschafft.

Euböa ist die ganz große Überraschung

Ein Glück: Statt internationalem Partyvolk auf knatternden Rollern kurven hier nur ein paar Leute aus Athen herum, die Ferienhäuser besitzen. In den Kaffeehäusern ist Lounge-Musik ein nie gehörtes Fremdwort, dafür flackern Neonröhren über Vitrinen voller Zuckergebäck. Feten am Strand? Fehlanzeige. Einmal habe ich nicht weit von Kymi an einem Strandkiosk eine Limo getrunken. Tagsüber. In der Nähe hatten ein paar Studenten Zelte aufgeschlagen. Es blies lebhaft, und wir sprachen über das Wetter. "Ab Oktober wird es kalt hier", sagte der junge Typ vom Kiosk. "Richtig kalt. Hast du die Schneestangen am Straßenrand gesehen?" – hatte ich nicht.

Euböa: Marmari
Ankunft In Marmari legen die Fähren aus Athen an. Die tösende Hauptstadt ist hier nur noch eine ferne Erinnerung
© Jens Schwarz / Brigitte

Euböa ist eine Insel, auf der die halbe Welt Platz gefunden hat: kühle, waldige Hochebenen im skandinavischen Stil, schroffe Bergketten wie im Wilden Kaiser, karibische Buchten mit smaragdgrünem Schillerwasser. Ganz unten im Süden durchquerte ich sogar eine Art nordafrikanische Wüste, so ergreifend karg und einsam war die Küste dort. Ich war gerade erst im Hafen von Marmari von der Fähre gerumpelt. Ganz still war es im Ort. Auf der Mole parkten ein paar verbeulte Autos. Die Besitzer saßen auf Campingstühlen und hielten Angeln ins glasklare Meer. Ein einsamer Katamaran unter englischer Flagge schaukelte auf dem Wasser; die Crew hatte sich im Schatten einer Persenning ausgestreckt und hielt Mittagsschlaf, so wie zwei Ecken weiter eine Ziegenherde unter einem gewaltigen Oleander. Ein Pope aß Teigkringel aus einer Papiertüte. Athen, auf der anderen Seite der Meerenge gelegen, war nur noch eine ferne Erinnerung.

Auf einem dünnen Sträßchen kurvte ich über schrundige, leere Bergrücken dem Cavo d’Oro entgegen, dem südöstlichen Inselende. Der Wind arbeitete sich an den trockenen Felsfalten ab, darüber drehten sich riesige Windräder. Staubpisten führten zu schattenlosen Stränden. Ich sog süßen Macchiaduft in die Nase. Die Nachbarinsel Andros lag im Mittagsdunst, durch die Meeresstraße dazwischen zogen Tanker, Symbole für Griechenlands maritime Dominanz in der Welt. Ich hingegen zockelte einem einsamen Laster hinterher, der hoch mit Strohballen bepackt war. Wo wollte er hin, hier im Nichts. Irgendwann blieb er mitten auf der Straße stehen. Ein Männlein mit einem Muli tauchte auf; das Tier wurde mit Stroh beladen und verschwand schwankend auf einem Saumpfad.

Euböa: Wasserfall
Zufallsfund Diesen Badeplatz samt Wasserfall entdeckte unsere Autorin am Fluss Potami.
© Jens Schwarz / Brigitte

Zehn Minuten später saß ich im Bikini unter einem Wasserfall und überlegte, ob nicht vielleicht auch Euböa, die nach Kreta zweitgrößte Insel Griechenlands, in die Kategorie "einsame Insel" fällt. Das grüne Flusstal war in der kargen Steinwelt aufgetaucht wie eine Oase in der Sahara. Eiskalt sprudelte der Bach zwischen Findlingen hindurch in eine Gumpe. Linden filterten das Sonnenlicht und in der Luft standen tintenblaue Libellen. Im Wasser schwammen Oleanderblüten, als hätte eine Bade-Therapeutin sie hineingestreut. Da war aber niemand. Ich hatte die ganze Herrlichkeit für mich allein.

Im Bergstädtchen Kymi tanzt der Bär (fast)

Verglichen mit Euböas Süden tanzt im Bergstädtchen Kymi der Bär. Auf der Platia hocken die Alten unter Maulbeerbäumen bei "Elliniko Kaffe" und „Tavli“, eine Art "Backgammon". Athenerinnen im Ferienmodus flanieren an ihnen vorbei, leicht zu erkennen an Strohhüten und schicken Ethno-Strandtaschen. Auch die Bankerin Tina Lambrou mit der Miu-Miu-Brille im dunklen Lockenkopf ist aus der Hauptstadt und verbringt die Sommerferien immer in Kymi. Allerdings nicht unten am Strand, sondern auf ihrem Grundstück, zwischen 500 Feigenbäumen, an denen die besonders zarthäutigen, aromatischen Kymi-Feigen reifen. Im August werden sie von Tina, ihrem Mann Costas, der von Euböa stammt, den erwachsenen Söhnen und anderen Helfern gepflückt, aufgeklappt, getrocknet und nach traditioneller Art mit der eigenen Süße als Klebstoff paarweise zusammengepappt. So halten sie ewig und können in die ganze Welt verkauft werden.

"Kumilio" haben die Lambrous ihr Unternehmen genannt; das Headquarter ist ein Gartenhäuschen unter einem gewaltigen Walnussbaum, in dem die Zikaden sägen. "Klar, für die Touristen sind die stillen, idyllischen Dörfer auf Euböa schön", räumt Tina ein und reicht mir ein Löffelchen mit einer in Sirup eingelegten Minifeige. "Aber die jungen Leute gehen alle weg von hier. Das ist ein Problem für die Insel." Mit der wiederbelebten Feigenkonservierung wollen Tina und Costas zeigen, dass man auch mit Traditionellem Zukunft gestalten kann. "Wir gehen mit gutem Beispiel voran!", sagt Tina. Als Nächstes wollen sie ein verfallenes altes Haus in ein richtiges Produktionszentrum verwandeln.

Euböa: Feigenernte
Warte noch ein Weilchen ... Noch sind die Feigen nicht reif
© Jens Schwarz / Brigitte

Am nächsten Tag fahre ich nach Norden weiter und wechsele die Küsten – von Ost nach West. Schraube mich erst durch die wilde Bergwelt des Dyrfis-Massivs und ins schattige Bergstädtchen Steni hoch, wo sich Athener Stadtflüchtige unter Platanen von der Sommerhitze erholen. In der rustikalen Taverne über dem Fluss bestelle ich Tomatensalat und "Tiropita", knusprig frittierten Feta-Pie, der auf einem Brett herangeschleppt wird und einen halben Meter lang ist. Dann senkt sich das Bergland zur Westküste ab, und es ist, als rollte ich in eine Welt pastellfarbener Weichheit hinein: Olivenhaine und lichte Pinienwälder wogen dem Meer entgegen. Beim Dörfchen Rovies lege ich mich an den Strand, das Wasser gluckert glasklar und freundlich über die Kiesel. Mal wieder niemand da. Hier will ich bleiben.

Ein Landhotel in Nordeuböa

Eine prima Idee, findet Marina Valli, in deren kleinem Landhotel ich mich einquartiere. Die gebürtige Athenerin liebt Nordeuböa: "Es ist mein großes Glück", sagt sie, als wir auf der Terrasse stehen und aufs Meer schauen, das pudrig-blau im Abendlicht liegt, dahinter die verblassende Silhouette der Festlandsberge. Dann erzählt sie eine komplizierte, sehr griechische Familiengeschichte, in der Ägypten vorkommt, außerdem viel Mittelmeer und ein 1000-Hektar-Grundbesitz hier bei Rovies, von dem immerhin noch 35 Hektar übrig sind. Auf denen baut sie mit ihrem Mann Stefanos Bio-Oliven an.

Euböa: Oliven und Öl
Stärkung Früchte und Öl aus Marina Vallis Olivenhain
© Jens Schwarz / Brigitte

Unter den knorrigen Bäumen könnte ich jetzt wunderbar ein paar Tage verdösen. Aber Marina schickt mich am nächsten Morgen wieder los. Zu einer Sehenswürdigkeit: "Ein sehr besonderer Platz", sagt sie, "in einer Viertelstunde sind Sie da. Fahren Sie einfach nur den Berg hoch."

Auf dem Weg stelle ich mir vor, wie schrecklich zugebaut diese lichte, weich geschwungene Küste sein könnte. Mit Funparks, Golfplätzen, Jachthäfen. Aber in Euböas Nordwesten ist es bei entspannten Fischerörtchen geblieben. Und beim Kloster Agios Georgios – Marinas Empfehlung. Die Anlage mit ihrem Türmchen und den Balkons, in einem grünen Hochtal versteckt, ist die ideale Attraktion für diese Stille: ein Innenhof voller Blumentöpfe, durch den die verbliebenen drei Nonnen zum Gebet in die dunkle Kirche huschen. Mehrstimmiger Sprechgesang dringt nach außen und Weihrauch. Ich sitze unter Weinranken, habe Wasser und Fruchtgelee angeboten bekommen, schaue aufs Meer und fühle mich ungewöhnlich spirituell. Wieso vergessen wir eigentlich ständig, dass es zum Urlaubsglück immer nur ganz wenig braucht?

Zum Schluss noch ein bisschen Insel-Hopping

Eine kleine Schifffahrt zum Beispiel. Von der HalbinselLichada zu den kleinen Inselchen, die davor im Meer schwimmen. Am Ruder steht, mit wehendem Haar, Giota Michailidou, 27 Jahre alt. Früher war sie Kapitänin auf großen Fähren. Jetzt steuert sie das Bade-Boot in den Archipel der sieben Lichaden, wie die vulkanischen Felstupfen inmitten blaugrün funkelnden Wassers heißen. "Unsere Malediven", sagt sie stolz. "Oder auch Seychellen!" Ganz meine Meinung: Es muss ja nicht jede griechische Insel wie eine griechische Insel sein.

Annettes Tipps für die Insel Euböa

HINKOMMEN & RUMKOMMEN
Je nachdem, ob man in den Süden oder den Norden Euböas will, empfehlen sich die Flughäfen Athen (Tickets ab ca. 170 Euro) oder Thessaloniki (Tickets ab ca. 220 Euro), zum Beispiel mit Aegean Airlines (aegeanair.com) und dann ein Leihwagen, z. B. von Hertz (hertz.com, eine Woche ab ca. 200 Euro). Vom Athener Flughafen sind es nur 25 Kilometer nach Rafina, wo die Fähre ins südeuböische Marmari ablegt (Fahrtzeit: 1 Stunde). Im Norden Euböas setzt man in nur 20 Minuten vom kleinen Hafen Agiokambos aufs Festland nach Glyfa über. Auf der Insel selbst ist ein Auto unumgänglich.

ÜBERNACHTEN
Eleonas Agrotouristic Hotel. In sanften Terrakotta-Tönen ruht das kleine Hotel von Stefanos und Marina Valli in den Olivenhainen über der Küste. Die Zimmer, licht und liebevoll eingerichtet, haben alle einen Balkon mit Meerblick. Aber auch auf der Terrasse, im Garten unter den Bäumen lässt es sich wunderbar aushalten. Und Marina ist eine äußerst charmante und inspirierende Gastgeberin. DZ/F ab 75 Euro (Rovies, Tel. 22 27 07 16 19, eleonashotel.com)

Marmari Bay Hotel. Genau die richtige Adresse, um nach der Anreise erst mal auszuspannen. Die griechisch-italienische Familie, die das große Ferienhotel mit einfachen Zimmern und 20-Meter-Pool betreibt, verbreitet herzliche Stimmung und wirft abends den Pizzaofen an. DZ/F ab 60 Euro (Marmari, Tel. 22 24 03 13 012, marmaribay.gr)

Archontiko Boutique Hotel. Frau Maria pflegt drei Leidenschaften: gründliches Putzen, Dekorieren sowie das liebevolle Umsorgen ihrer Gäste, die sie schon zum Frühstück mit Gemüsequiches und Zimtjoghurt verwöhnt. Purismus sieht anders aus, aber wer will schon auf kahlen Wänden insistieren, wenn man vom Zimmerbalkon bis zur Nachbarinsel Skyros sehen kann. DZ/F ab 60 Euro (Kymi, Athinon 14, Tel. 22 22 02 38 96, arxontikokimis.gr)

Kymi Palace. Das erste Haus am Platz und das neueste Werk der Familie Spanos, die in Kymi zu den Tourismuspionieren zählt und sich persönlich um alles kümmert. Riesige Zimmer, viel Platz auf den Terrassen, klares und modernes Design – und das Meer ist gleich auf der anderen Seite der Straße. DZ/F ab 85 Euro (Paralia Kymis, Tel. 22 22 02 25 00, kymipalace.gr)

Thermae Sylla Spa Wellness Hotel. Wo sich mit Sicherheit die alten Römer und vielleicht sogar Herkules höchstpersönlich im heißen Thermalwasser aalten, verbreitet heute das frisch aufgehübschte Belle-Époque-Hotel einen Hauch von griechischem Baden-Baden. Knochen und Muskeln profitieren vom Heilwasser in Pools und Anwendungen; die Lage direkt am Meer und die luxuriöse Sonnenbade-Plattform direkt auf dem Wasser setzt die richtige Dosis Griechenland-Charme obendrauf. DZ/F ab 168 Euro (Edipsos, Possidonos 2, Tel. 22 26 06 01 00, thermaesylla.gr)

GENIESSEN
Taverna.
 Tische unter der Weinlaube direkt am Strand, ein Schwalbennest über dem Handwaschbecken und der Chef, der mir frisch gegrillte Sardinen, dicke Scheiben Brot, eingelegte Oliven und ein Krüglein Retsina auf den Tisch stellte. Wollte ich alles, was ich an Griechenland liebe, in ein Lokal packen: Es käme diese namenlose Taverne dabei heraus (Potami Platanistou, Tel. 22 24 02 23 27).

Farotaverna Skyros. Es lohnt sich, die Strandpromenade in Kymi bis zum Ende zu marschieren, auf der Terrasse vom "Skyros" Platz zu nehmen und Küchenchefin Drosia Gerantoni einfach machen zu lassen: Ob Tagliatelle mit Thunfisch-Senf-Weißwein-Soße (11,50 Euro), würzige Fischfrikadellen, Salat aus roten Bohnen – Drosia kann’s einfach. Und zum Nachtisch: Honig mit eingelegten Zuckerfrüchten (Paralia Kymi, Tel. 22 22 02 26 24).

I Anatoli Koutelos. Tina und Costas Lambrou von der Feigenmanufaktur schwören auf diese Fischtaverne direkt am Hafenkai vom Kymis Ortsteil Platana, in der man auch drinnen sehr gemütlich sitzt – draußen ist es oft windig. Frischerer Fisch als hier ist schwer zu kriegen. Am besten in der Vitrine aussuchen und dann auf den Grill werfen lassen. Spezialität des Hauses: Spaghetti mit frischem Kymi-Hummer – kostet 70 Euro pro Kilo Lobster, reicht aber für vier Personen (Kymi-Platana, Tel. 22 22 07 12 72).

To Astro. Nach einem Tag am Kiesstrand von Limni fühlte sich die frische Kühle unter den Platanen und am rauschenden Fluss herrlich an. Ich aß, umgeben von Großfamilien an langen Tischen, "Gemista" (gefüllte Paprikaschoten, 4,50 Euro) und einen mit grobem Salz gegrillten Fisch und fühlte mich sehr griechisch (Limni, Katounia, Tel. 22 27 03 14 87).

To Akrogiali Margomenos. Die perfekte Location für meinen letzten Abend auf Euböa: Der Tisch stand direkt im Strandkies, das Meer färbte sich in Sonnenuntergangsfarben, und Georgios, der Chef, tischte auf: knusprig frittierte Zucchini (4,50 Euro), gegrillten Oktopus (10 Euro) und gegrillte Seebrasse. Ganz einfach und sehr gut. Irgendwann gingen die Lampions in den Bäumen an, und in der Bar nebenan fing die Band zu spielen an. Euböa kann einem dem Abschied ganz schön schwermachen (Edipsos, Agios Nikolaos, Tel. 22 26 02 26 70).

ERLEBEN
Agios Demetrios.
 Die frühchristliche Natursteinkirche duckt sich unter eine Riesenplatane – und fast wäre ich daran vorbeigefahren. In der Pizzeria gegenüber gab es den Schlüssel und damit den Eintritt in eine Glaubenswelt voller Fresken, riesiger Lüster und pinker Kunstblumen auf einer Wachstuchdecke. Ich liebe diese wohnliche Note in orthodoxen Kirchen (Chania bei Avlonari, an der Hauptstraße).

Kloster Agios Georgios Ilion. Wie ein Schlosshotel liegt das Kloster hoch über dem Meer in einem grünen Tal mit Balkönchen, Türmchen und Sprossenfenstern. Die drei Nonnen, die hier noch leben, freuen sich über Besuch. In der Kirche gibt es silberne Votivgaben zu sehen, am schönsten aber fand ich die in jeder Hinsicht weltabgewandte, stille Stimmung (Straße Edipsos-Limni, oberhalb des Dorfes Ilia).

Heiße Quellen von Edipsos. Das bis zu 70 Grad heiße Thermalwasser sprudelt nicht nur im Fünfsternehotel „Thermae Sylla Spa“ in die Pools, sondern auch über die Felskliffs am Strand, wo es sich in natürlichen kleinen Becken sammelt. Und zur Abkühlung danach geht’s ins Meer (Edipsos, Makedonomachon).

Adventure Evia. Die Guides von Adventure Evia kennen Osteuböa wie ihre Westentasche, sprechen perfekt Englisch und führen begeistert über die schönsten Wege – z. B. zu den Geheimtipp-Stränden Mili, Vithouri oder Petali (Tel. 69 87 71 77 13, adventureevia.gr).

DIE SCHÖNSTEN STRÄNDE
Ellinika Beach.
 Der perfekte Dreiklang an der Nordostküste: ein schmaler Sandstrand unter Pinien, türkisfarbenes Wasser und auf dem vorgelagerten Inselchen eine Kirche.

Lichaden. Das flache, grüne Mini-Archipel vor Euböas Nordwestküste sieht aus, als wären’s die Malediven. Lichadonisia ist die größte der Inseln. Vom Festland fahren regelmäßig Boote hinüber; im Ticket inbegriffen ist das Baden in der Sandbucht mit Sonnenschirmen, Strandbar und kristallklarem Wasser. Wer’s ruhiger mag, wandert zu versteckten kleinen Sandbuchten weiter (Bootsverbindung von Kavos aus).

Badeplatz am Fluss Potami. Wenn es mal nicht das Meer sein soll: Am Flüsschen Potami im äußersten Inselsüden kann man sich in Gumpen oder unter dem Wasserfall erfrischen und danach auf großen Findlingen zum Trocknen ausstrecken (an der Straße Karyston – Platanistos, unten im Tal, gleich hinter der Brücke hinter der Haarnadelkurve).

EINKAUFEN
To Bakaliko.
 Hier habe ich mir die Taschen für zu Hause gefüllt – mit Thymianhonig, Sesamstangen, getrockneten Bergkräutern und ein bisschen Olivenöl. Auch hübsche Armbänder hätte es gegeben (Edipsos, Vizantinon Aftokratoron 14).

Avalona. In dieser großartigen Konditorei, die von einem Frauen-Kollektiv geführt wird, gibt es die Kymi-Feigen von Tina Lambrou in allen Variationen. Außerdem körbeweise Mürbteigkekse und Schokoplätzchen, weiß gepuderte Kourabiedes und kandierte Orangenschale sowie Tabletts mit saftigen zuckerglänzendem Baklava (Chania-Avlonarion, an der Hauptstraße).

WENN ICH DAS GEWUSST HÄTTE
Wäre mir klar gewesen, dass es auf Euböa kaum schicke kleine Mitbringsel-Boutiquen gibt, dann hätte ich (noch) mehr getrocknete Feigen, Ouzo und Thymianhonig eingekauft.

TELEFON
Die Ländervorwahl von Griechenland ist 00 30.

Hast du Lust, mehr zum Thema zu lesen und dich mit anderen Frauen darüber auszutauschen? Dann schau im "Reise-Forum" der BRIGITTE-Community vorbei!

Holt euch die BRIGITTE als Abo - mit vielen Vorteilen. Hier könnt ihr sie direkt bestellen.

11/2021 Brigitte

Mehr zum Thema