Highlights in Südtirol: 30 Lieblingsplätze, die du gesehen haben musst

30 Lieblingsplätze in Südtirol: Wellness und Action, Knödel und Carpaccio, Bauernhof und Designhotel: BRIGITTE-Redakteurin Anja Haegele kennt die besten Adressen und schönsten Fleckchen.

Schon als Kind war ich jeden Sommer in Südtirol

Als Kind fuhr ich mit meinen Eltern jedes Jahr nach Südtirol in die Ferien. Wandern, immer im Herbst, immer nach Dorf Tirol bei Meran. Hirzer, Spronser Seen, Waalwege ... Jedes Jahr dieselben Touren, und ich gestehe: Ich habe es gehasst.

Als junge Erwachsene machte ich dann nach längerer Abstinenz dort einen Boxenstopp, ich war auf dem Weg Richtung Adria. Und habe mich schockverliebt. Seitdem fahre ich, mittlerweile mit meinen Kindern, so oft es geht nach Bozen oder Bruneck, nach Alta Badia oder ins Vinschgau, sehe, wie sich Südtirol verändert, wie modern es geworden ist – ohne seine Traditionalität aufzugeben.

Nirgendwo sonst finde ich so viel so eng beieinander: Gletscher und Palmen, wegweisende Architektur und ländliche Idylle, Knödel und Haute Cuisine, köstlichen Wein sowieso. Hier verrate ich meine Lieblingsplätze:

Hotels in Südtirol: Traumhaft schlafen

1. Feuerstein

Als Reiseredakteurin habe ich schon viele tolle Hotels auf der ganzen Welt gesehen, aber hier habe ich echt mal wieder gestaunt. Für Familien ist das Resort südlich des Brennerpasses ein Paradies: modernes, wirklich schönes Design mit viel Holz und kräftigen Farben und trotzdem total praktisch – von den Familien kuschel- oder Kinder-Stockbetten bis zu den riesigen Schränken. Das Essen ist exquisit, im Schwimmbad gibt es zwei Mega-Rutschen, ein eigener Badesee mit Floß lockt den Nachwuchs aber auch ins Freie. Die Betreuung ist top organisiert, und neben Tischtennisplatten, Spielscheune und einer Sporthalle für die Großen gehört auch ein Matschepampe-Raum (ja, mit Sand und Wasserpumpen!) nebst Plastikklamotten zum Ausleihen für die Kleinen sowie ein wunderschönes Mal-Atelier zum Resort. Und was machen die Eltern, während sie die Kids bestens versorgt wissen? Ins traumhafte Spa gehen zum Beispiel. Oder auf der Terrasse Kaffee trinken und die mächtigen Berge rundum bewundern. DZ/VP zur Nutzung mit zwei Kindern ab 395 Euro (Brenner, Pflersch 185, Tel. 04 72/77 01 26, www.feuerstein.info).

2. Niedermairhof

Selten habe ich mich spontan so wohl gefühlt wie bei Kathrin und Helmuth Mayr in Bruneck! Aus einem 700 Jahre alten Gebäude, das in seiner Geschichte schon Bauernhof, Gasthof und Selbstversorgerhaus für Schulklassen war, haben die beiden ein zauberhaftes B&B gemacht. Mit einem Mix aus uralten Möbeln, moderner Kunst, Designerstücken und vielen kleinen, liebevollen Details – von den Badezimmerkacheln bis zu den Lichtschaltern. Meine Highlights sind die Nachttischlampen aus alten Milchkännchen und die Selbstbedienerbar aus einem alten Wäscheschrank. Acht Suiten gibt es, benannt nach den Flurstücken der Familie, und einen gemütlichen Aufenthaltsraum im Dachgeschoss. DZ/F ab 152 Euro. (Bruneck, Herzog-Diet-Straße 1, Tel. 348/247 67 61, www.nmhof.it).

3. Telfnerhof

Diese Adresse wollte ich eigentlich für mich behalten. Die Familie Oberrauch hat nämlich nur ein einziges Ferienhaus – und das muss man verflixt lange im Voraus reservieren. Wir waren bereits vier Mal mit den Kindern dort und haben für nächsten Sommer schon gebucht, deshalb springe ich über meinen Schatten und verrate Ihnen meinen allerliebsten Platz in ganz Südtirol: Die Hollywoodschaukel auf dem "Telfnerhof" mit Blick übers Eisacktal aufs Schlern-Massiv. Außerdem ist Martha die herzlichste und großzügigste Gastgeberin, die man sich nur vorstellen kann (Holundersirup zur Begrüßung, jeden Tag mehr frische Milch, als man trinken kann, im Bauerngarten darf man sich selbst bedienen ...), und die Kinder lieben es, dem Sepp im Stall oder bei all dem zur Hand zu gehen, was auf einem Bauernhof so zu tun ist. Das baubiologische Holz-Ferienhaus ist modernschlicht, aber urgemütlich. Wir werden auf jeden Fall weiter in Verdings, auf 1000 Metern über dem Meer urlauben. Und vielleicht geben Sie mir beim nächsten Mal ja die Klinke in die Hand. Ferienhaus ab 100 Euro/Nacht (Verdings 1, Tel. 04 72/54 51 50, www.telfnerhof.it oder über www.roterhahn.it)

4. Praitladhof

Ferien auf dem Bauernhof sind in Südtirol ganz einfach zu buchen – alle Bauernhöfe, die Unterkünfte anbieten, haben sich im "Roten Hahn" organisiert; online oder im Katalog findet sich in fast jeder Preisklasse und für jeden Geschmack das Passende. Etwa der Praitladhof in Lana, südlich von Meran. Familie Gruber betreibt neben ihrem Obstanbau drei schicke Ferienwohnungen, von zweien der Söhne, die praktischerweise Tischler und Zimmermann sind, größtenteils selbst erbaut. Viel Holz, sanfte Farben, und morgens richtet Bäuerin Barbara liebevoll das Frühstück im Gastraum. Während die Kinder damit beschäftigt sind, Kaninchen zu streicheln, Meerschweinchen zu füttern oder Federball zu spielen, sitze ich auf der Terrasse, blicke über Blumenbeete und Apfelbäume und erhole mich bestens. Wohnung ab 80 Euro/Nacht (Lana, Kirchweg 38a, Tel. 04 73/56 42 68, www.praitladhof.it oder über www.roterhahn.it).

5. Gasthof zum Riesen

Neun Zimmer gibt es im "Riesen", keines gleicht dem anderen. Die Möbel darin sind jahrzehnte-, wenn nicht jahrhundertealt und schlicht kombiniert mit blütenweißer Wäsche, viel Holz und altmodischen Tapeten. Das Haus aus dem 16. Jahrhundert wurde in seiner Geschichte meist von Frauen geführt, zurzeit ist es Alexandra Dell’Agnolo, die es mithilfe ihrer Architekten-Schwester behutsam renoviert hat: zu einem Ort wie aus der Zeit gefallen, in einem Dorf, weit weg von den Touristenströmen – perfekt zum Abschalten. DZ/F ab 140 Euro (Tarsch im Vinschgau, Karpoforusweg 1, Tel. 04 73/72 00 81, www.zumriesen.it).

6. Residence Fink

Wie zu Hause sollen die Gäste sich in den zwölf Wohnungen der Bozener Residenz fühlen – was ziemlich schwierig ist: Wer wohnt denn zu Hause schon derart zentral in einer der malerischsten Altstädte Europas und das noch mit Blick auf den Rosengarten, der im Abendlicht glüht? In schlicht, aber elegant gestalteten Appartements, mit viel Licht, viel Weiß, viel Holz, wunderschönen Dielenböden, alten Holzdecken – und viel Platz. In einer der Wohnungen kommen tatsächlich bis zu 8 Personen unter! DZ ab 110 Euro, zum Frühstücken (15 Euro p. P.) geht, wer möchte, einfach ins Erdgeschoss ins "Gasthaus Fink" (Bozen, Mustergasse 9, Tel. 04 71/09 50 91, www.residence-fink.it).

Altstadt-Adresse: Mitten in Bozen logieren – in der "Residence Fink" (Tipp 6)

7. Hotel Pfösl

Ehrenwort: Besser als von der Terrasse des "Pfösl" kann man das Alpenglühen nicht beobachten! Latemar, Rosengarten und Schlern breiten sich wie eine Panoramaleinwand direkt gegenüber aus, nur ein Haus, dekorativ zwischen Tannen gelegen, steht denen, die fotografieren wollen, im Bild. Die Schwestern Brigitte und Eva Zelger, die das Hotel bei Deutschnofen südlich von Meran führen, lächeln deshalb nur verständnisvoll, wenn die Gäste beim Abendessen das Besteck fallen lassen und rausrennen. Ihr leuchtend rotes Heimkino ist einfach zu faszinierend. Wobei das "Pfösl" selbst kaum weniger spektakulär ist: Mit viel Holz und einem stimmigen Konzept wurde der Gasthof der Eltern in ein feines Naturhotel verwandelt, wo es an der Bar statt "Aperol" oder Cola, ökologischen Ersatz gibt. Der Infinitypool (mit Latemar-Blick) ist für mich der schönste der Alpen, das Frühstück mit vielen überraschenden und feinen Produkten eine kleine Sensation, und mit dem Aktivitätsprogramm, das täglich Wanderungen, Radtouren oder Kochkurse anbietet, wird keinem langweilig. DZ/VP ab 278 Euro (Deutschnofen, Schwarzenbach 2, Tel. 04 71/61 65 37, www.pfoesl.it).

Alleinlage Zum "Hotel Pfösl" gehören drei brandneue Waldchalets am Hang (Tipp 7)

Restaurants in Südtirol: Köstlich essen

8. Oberraut

Auf 1240 Metern sitzt man in der gotischen Holzstube an weiß gedeckten Tischen und genießt Gerichte, die aus hofeigenem Rindfleisch, Getreide und Gemüse zubereitet werden, etwa Jungrinds-Gulasch mit Knödeln (16,50 Euro). Eine große Auswahl Südtiroler Weine wird auch glasweise ausgeschenkt. Wer die Fahrt bergab durch den dichten Fichtenwald scheut, bleibt in einem der hübschen, schlichten Zimmer über Nacht. DZ/F ab 90 Euro (Bruneck, Amaten 1, Tel. 04 74/55 99 77, www.oberraut.it).

9. Gelateria Pradetto

Ein Ausflug nach Brixen ohne ein Eis von "Pradetto"? Undenkbar! Es gibt nur ein gutes Dutzend Sorten, die aber gehören zum Besten, was ich je an Eis gegessen habe: Erdbeere ist zum Niederknien, aber auch die Rum-Rosinen in "Malaga" und das intensive Schoko-Eis haben Suchtpotenzial. Kein Wunder, dass meist eine Schlange vor dem winzigen Laden steht. Alle Sorten werden aus frischer Milch ohne Farbstoffe, künstliche Aromen oder Stabilisatoren hergestellt, weshalb die Kugeln recht schnell schmelzen. Man sollte also nicht zu viel bestellen ... Lieber wiederkommen! (Brixen, Große Lauben 1)

In Brixen gibt es das beste Eis weit und breit (Tipp 9)

10. Schnalshuberhof

Hoch über Algund und dem Etschtal liegt Oberplars. Für Flachland-Menschen ist die Autofahrt hier hinauf, über steile Gassen zwischen engen Mauern, schon ein kleines Abenteuer. Aber sie lohnt sich – lauschiger als in der weinumrankten Laube vom "Schnalshuberhof" kann man kaum sitzen (obwohl auch die denkmalgeschützte Fichtenstube sehr gemütlich ist!). Familie Pinggera serviert eigenen Wein und selbst gebrannten Marillenschnaps zur bäuerlichen Kost, die vom Salat über den Weißkohl fürs (wirklich sensationelle!) Sauerkraut bis zu Spargel aus dem eigenen Garten stammt. Es gibt Schlutzkrapfen, so was wie die Südtiroler Ravioli, und hausgemachte Knödel, dazu ein Gulasch (16 Euro), das seinesgleichen sucht. Unbedingt reservieren! (Algund, Oberplars 2, Tel. 04 73/44 73 24)

11. Miil/Kränzelgärten

Franz Graf Pfeil hat sein mehrfach prämiertes Weingut Kränzelhof um die Kränzelgärten und das Gourmetrestaurant "Miil" erweitert. Erstere sind eine traumhaft bepflanzte 20 000-Quadratmeter-Anlage, sieben Gärten voll alter Bäume, duftender Blumen und moderne Kunstinstallationen sowie mehreren Labyrinthen und Irrgärten (Eintritt 8 Euro). Im "Miil", der alten Mühle, erfreut Othmar Raich seine Gäste mit dem Besten aus der Region – ganz modern interpretiert. Die Karte wird nach Marktlage täglich neu geschrieben: Hauptgerichte wie "Passeirer Kitz" gefüllt mit Bärlauch und Spargel gibt es ab 18 Euro, das Mehrgang-Probiermenü für 75 Euro. Danach hätte ich mich gern für ein paar Stunden nebenan im Labyrinth verirrt, in der Hoffnung, dann noch mal essen zu können (Tscherms, Gampenstr. 1, Tel. 04 73/56 37 33, www.miil.it).

Die Kränzelgärten in Tscherms stecken voller Kunst und Überraschungen. Und Pflanzen gibt‘s natürlich auch (Tipp 11)

12. Tschötsch Alm

Der Schlern gilt als mythischer Berg Südtirols, für mich hat sein Anblick etwas Erhebendes. Deshalb liebe ich die Seiser Alm, mit 57 Quadratkilometern die größte Hochalm Europas: Nirgends hat man den Schlern besser im Blick als von hier aus, und auch wenn es rund um die Seilbahn Compatsch recht touristisch zugeht, sind die üppigen Wildblumenwiesen, die man schon nach kurzen Wanderungen erreicht, Idylle pur. Und nicht zuletzt gibt es auf der Seiser Alm wunderbare Hütten, zum Beispiel die neue "Tschötsch Alm": Mit Holz und rauem Stein hat die Familie Jaider den aktuellen Alpenchic perfekt umgesetzt – und das Essen ist köstlich: ob Risotto mit Latschenkiefer und Hirschsalami (11,50 Euro) oder frisch gemachte Buchweizenknödel mit zweierlei Kraut (11,50) bis zu à la minute bereiteten Topfenknödeln mit Nugat (ca. 7 Euro). Und der Schlern-Blick könnte nicht besser sein (Seiser Alm, Puflatsch, ca. 10 Minuten Aufstieg von der Seilbahn Compatsch, Tel. 320/066 14 25 www.tschoetschalm.com).

Oh! Von der Seilbahn zur "Tschötsch Alm" geht man nur zehn Minuten (Tipp 12)

13. Gostner Schwaige

Der Klassiker unter den Gourmet-Almhütten, aber so schön, dass ich ihn trotzdem allen ans Herz legen will, die noch nicht dort waren (alle anderen kommen sowieso wieder ...). Franz Mulser, der unter anderem im Münchner Sternerestaurant "Tantris" gelernt hat, steht hier in Krachlederner und Trachtenhemd in der winzigen Küche und kocht köstlich-verfeinerte Hausmannskost wie Ossobuco vom Milchferkel (ca. 22 Euro) oder karamellisierten Kaiserschmarrn mit Wiesenblüten (ca. 15 Euro). Und der Platz am blühenden Hang, zwischen Kuhweide und Kinderspielplatz ist auch großartig (Seiser Alm, Saltriastr. 13, ca. 20 Minuten Wanderung ab der Seilbahn Compatsch, Tel. 347/836 81 54, www.aussergost.com).

14. Thaler Bar

Was für ein lässiger Platz für einen eiskalten Aperol Spritz am Nachmittag! Die "Thaler Bar" liegt im obersten Geschoss des Bozener Parfümerie-Kaufhauses Thaler – und der Blick über die Dächer der Stadt und den Dom ist ganz großes Kino (Bozen, Lauben 69, www.thaler.bz.it).

15. Berghütte Oberholz

Tatsächlich habe ich noch nie eine spektakulärere gesehen! Mitten im Welterbe Dolomiten, auf 2096 Metern, ragen drei spitz zulaufende Panoramafenster wie kleine Hütten aus Lärchenholz in den Hang, der Großteil des Gebäudes allerdings ist im Berg verbaut, sodass es, obwohl recht groß, in der Landschaft kaum stört. Im Innenraum, der mit seinen unzähligen Streben aus Fichtenholz der Fensterform folgt und in stubenartige Nischen unterteilt ist, sitzt man herrlich luftig. Trotzdem sind die Plätze in der ersten Reihe, auf denen man sich wie auf einer Picknick decke am Hang fühlt, natürlich am schönsten. Eine große Panoramaterrasse gibt es auch, und das Essen (z. B. Risotto von der Obereggener Latschenkiefer mit Büffelmozzarella und Geräuchertem vom Rind, 12,50 Euro) ist vorzüglich. Fast ein bisschen schade, dass es hier, zu Füßen des Latemar, so viele tolle Wanderwege gibt. Ich hätte auch gut den ganzen Tag bleiben können! (Obereggen, einen kurzen Fußweg von der Bergstation des Sessellifts "Oberholz", man kann von Obereggen aber auch hinauf wandern; Tel. 04 71/61 82 99, www.oberholz.com)

(R)Aussicht Die "Oberholz-Hütte" am Latemar wurde in den Berg gebaut – mit großen Fenstern (Tipp 15)

16. Goldene Traube

Lokale Weine, Steaks und Burger (ab 10 Euro) im fancy Alpenchic. Die "Goldene Traube" in Tramin ist auch wegen des köstlichen Geruchs, den der nagelneue Holzkohlegrill verbreitet, ein Hotspot im Süden. Und versprochen: Es schmeckt so gut, wie es duftet (Tramin, Julius-von-Payer-Str. 2, Tel. 04 71/86 01 64, www.goldene-traube.it).

Shoppen in Südtirol: Das gibt's nur hier!

17. Acherer

Hier gibt es filigrane Blumensträuße und die wohl besten Törtchen, Pralinen und Macarons Südtirols – wie edle Schmuckstücke ausgestellt in puristischen Vitrinen. Für Patissier Andreas Acherer und seine Freundin, Floristin Barbara Strondl war die Zusammenführung ihrer beiden Handwerke eine logische Kombination: Beide machen glücklich – was übrigens auch für die traditionellen Backwaren (Croissants, Hefekuchen und Gebäck) zutrifft, die Acherer für den täglichen Bedarf anbietet (Bruneck, Stadtgasse 8, www.acherer.com).

Süßes "Einmal alles, bitte!" möchte man in Acherers Patisserie in Bruneck bestellen – so appetitlich sehen die Törtchen aus (Tipp 17)

18. Pur Südtirol

Dürfte ich während eines Südtirol-Urlaubs nur einen einzigen Laden betreten, wäre es dieser. Alle Produkte sind aus der Region, von allerbester Qualität und wunderbar schlicht verpackt: Speck, Käse, Früchte und Gemüse, Butter, Marmelade, Brot, Wein, Nudeln, Kosmetik, Bücher, Souvenirs und Geschenke – am liebsten würde ich alles kaufen! Die Läden – in Bozen, Bruneck und Lana gibt es kleinere Filialen – sind großzügig gestaltet, die Ware liegt statt in Regalen in Kisten aus hellem Apfelholz. Ein kleines Bistro gehört an allen Standorten dazu (Meran, Freiheitsstr. 35, www.pursuedtirol.com).

19. Zilla

Ach, Handtaschen! Diejenigen, die Sylvia Pichler für ihr Label "Zilla" herstellt, gibt es in London, New York und Tokio – aber aus Lokalstolz auch in etlichen hippen Südtiroler Boutiquen und natürlich im Bozener Stammhaus. Ungewöhnliche Looks, z. B. Knitteroptik an riesigen Shoppern, laminiertes Leder für Handtaschen oder eine glitzernde Folie aus Stahl für Geldbeutel, bestimmen die Kollektion. Das perfekte Souvenir zum Sich-Beschenken also (Bozen, Edisonstr. 15, www.zilla.it).

20. Paradeis Alois Lageder

Ein fabelhafter Ort für alle, die Wein und Kunst lieben! Der Winzer Alois Lageder ist einer der wichtigsten Südtirols, biodynamischer Vor- und kunstliebender Querdenker. Im wunderbar lichten Weingut sind Auftragsinstallationen zeitgenössischer Größen wie Rosemarie Trockel und Matt Mullican zu bestaunen, und man kann zuhören, wie die besten Rotweine bei der Reifung von einer extrem langsamen Version von Bachs "Sechstem Brandenburgischen Konzert" beschallt werden. Zum Gut gehört auch die Vineria "Paradeis", im idyllischen Innenhof des Renaissance-Palazzo "Casòn Hirschprunn" gelegen, wo es nach Zitronen und Jasmin duftet. Dort kann man bei einer Kleinigkeit zu essen, ausgiebig die Weine probieren – und natürlich kaufen. Und wer schon einmal bis hierher, in den äußersten Süden Südtirols gefahren ist, sollte am besten auch gleich noch eine Führung durch die Keller planen. Jeweils dienstags und donnerstags um 14.30 Uhr (Margreid, Casón Hirschprunn Str. 1, Tel. 04 71/80 95 80, www.aloislageder.eu).

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21. Bergbauwelt Schneeberg

800 Jahre lang wurde am obersten Ende des Ridnauntals, immerhin 2000 Meter über dem Meer, zunächst Blei und Silber, später dann auch Zink abgebaut. 1985 wurde das Bergwerk geschlossen und bald danach für Besucher*innen zugänglich gemacht, die hier ein zur Gänze erhaltenes und im Prinzip funktionstüchtiges Werk besichtigen können. Ich liebe solche Industriedenkmäler: In Bergmann-Schutzkleidung fahren wir in den Stollen ein, wo echte Anlagen in Betrieb gesetzt werden. Die Schwerstarbeit, die Knappen hier im Dunkeln, bei Gestank und ohrenbetäubendem Lärm geleistet haben, ist bestens nachvollziehbar. Wieder draußen am Licht dürfen Kinder selbst nach Erz schlagen oder kleine Halbedelsteine aus einem Bach sieben. Und ich kaufe mir im Shop eine hübsche und absolut bezahlbare Granatkette – aus Steinen, die in den Bächen des Ridnauntals bis heute sehr regelmäßig gefunden werden. Führungen ab 10 Euro (Ridnaun, Maiern 48, www.bergbaumuseum.it).

22. Partschinser Wasserfall

Hier war ich schon als kleines Mädchen mit meiner Oma, und bis heute kann ich am schönsten Wasserfall Südtirols stundenlang stehen, zusehen und zuhören: der Gischt, dem dröhnenden Tosen, den kleinen Regenbogen, die sich bilden, wenn das Licht in Myriaden feinster Wassertröpfchen gebrochen wird. 97 Meter stürzt der Zielbach in die Tiefe, zur Schneeschmelze im Frühsommer sind es rund 10 000 Liter Wasser, die pro Sekunde vorbeirauschen. Von Partschins zum Wasserfall geht man etwa 1 1/2 Stunden, der Weg ist gut ausgeschildert. Dort angekommen, lässt es sich auf großen Findlingen schön sitzen und picknicken.

23. Churburg

Ich freue mich immer wieder darüber, dass der Churer Bischof Heinrich von Montfort seine Burg vor über 750 Jahren weitab der heutigen Touristenzentren bauen ließ. Denn so ist sie, abgeschieden im Matschertal gelegen, bis heute eine Art Geheimtipp, obwohl sie aus einem Märchenfilm stammen könnte: Türme, Zinnen, rot-weiße Fensterläden. Seit 1504 gehört sie den Grafen von Trapp, die im Sommer noch immer dort wohnen. Zum Glück lassen sie Besucher*innen ein, denn vor allem die Waffenkammer mit mehr als 50 vollständig erhaltenen Rüstungen, einem geharnischten Pferd, Streitäxten und Armbrüsten ist eine Schau! Eintritt 10 Euro (Schluderns, Churburg 1, www.churburg.com).

24. Laas

Was haben die neue U-Bahn-Station am Ground Zero in New York, das Schillerdenkmal am Dresdner Albertplatz und das Portal von Schloss Tirol gemeinsam? Sie wurden alle aus Laaser Marmor gebaut. Das reinweiße, feinkörnige Gestein hat den kleinen Ort im Vinschgau weltberühmt gemacht. In Laas selbst sind sogar die Bürgersteige marmorgepflastert – aber nicht etwa aus Prunksucht, sondern weil die kleinen Steine hierfür übrig blieben, als nach dem Zweiten Weltkrieg mehr als 80 000 Marmorkreuze für US-Soldatenfriedhöfe bestellt wurden. Bis heute wird der Laaser Marmor in zwei Brüchen, teils über, teils unter Tage abgebaut; der höchste Stollen liegt in 2228 Meter Höhe. Besichtigt werden dürfen sie aus Sicherheitsgründen nicht, im Sommer gibt es aber mehrmals pro Woche Führungen durch den Ort, die Schule für Steinbearbeitung und das Marmorwerk (www.marmorfuehrung.com).

25. Schloss Trauttmansdorff

Die botanischen Gärten des Schlosses oberhalb von Meran sind die schönsten Italiens, wenn nicht gar Europas. Zumindest sind sie die schönsten, die ich je gesehen habe. Auf zwölf Hektar in feinster Hanglage mit Traumblick Richtung Vinschgau werden mehr als 80 Landschaften gezeigt: Lotosblumen wachsen hier ebenso wie Wüstenkakteen, duftende Blüten und der nördlichste Olivenhain Italiens. Planen Sie für den Besuch möglichst einen ganzen Tag ein, denn im Schloss, einem ehemaligen Feriensitz von Kaiserin Sisi, ist das ebenso unterhaltsame wie informative "Touriseum" untergebracht, das mit viel Ironie durch Südtirols 200jährige Tourismusgeschichte führt. Eintritt 14 Euro (Meran, St. Valentinstr. 51a, www.trauttmansdorff.it, www.touriseum.it).

26. Völser Weiher

Hier verbrachte Arthur Schnitzler viele Sommer. Der Wiener Dramatiker liebte es, am Ufer zu sitzen und auf den Schlern zu schauen, der wie ein anthrazit glitzernder Monolith über dem See steht. Angeblich hat Schnitzler hier nie gebadet – was, wenn es denn stimmt, ein kapitaler Fehler gewesen wäre. Das Wasser ist so weich, wie es nur ein Moorsee sein kann, drum herum stehen dunkle Tannen, Libellen schwirren und trotz unzähliger (zumeist einheimischer) Badegäste blühen jeden Sommer die Seerosen. Ein Bergbach speist den Weiher, weshalb er selbst bei größter Hitze angenehm frisch ist. Für mich gibt es kaum etwas Schöneres, als an heißen Nachmittagen auf einem der großen Holzstege zu sitzen, mit einem "Hugo” vom kleinen Kiosk in der Hand, der Dorfjugend beim Show-Springen zuzusehen und dann selbst drei oder vier große Runden um die winzige Weiherinsel zu schwimmen.

Der Völser Weiher ist selbst bei großer Hitze angenehm frisch (Tipp 26)

27. Schloss Runkelstein

Hoch auf einem Felsen am Eingang des Sarntals thront das Schloss mit Burggraben, Falltor, Wehrgängen und Zinnen. Innen beherbergt es den größten, aus dem Mittelalter erhaltenen, profanen Freskenzyklus der Welt – weshalb Runkelstein auch "Bilderburg" genannt wird. Zu sehen sind da Ritterturniere, Bärenjagden und frivole Feste. Dazu, als eine Art mittelalterlicher Schwarz-Weiß-Comic, die Liebesgeschichte von Tristan und Isolde. Eintritt 8 Euro (Bozen, St. Anton 15, www.runkelstein.info).

Burgenland Schloss Runkelstein liegt malerisch am Eingang des Sarntals (Tipp 27)

28. Südtiroler Archäologiemuseum

Der berühmteste Südtiroler der Welt, noch vor den Bergsteiger-Legenden Reinhold Messner und Luis Trenker ist "Ötzi", der Mann aus dem Eis. Hier ruht er in einer Kühlzelle, zu betrachten durch ein kleines Fenster aus Panzerglas. Selbst bei meinem dritten Besuch fand ich das Archäologiemuseum, dessen Ausstellung stets dem neuesten Stand der Ötzi-Forschung angepasst wird, noch hochinteressant. Weniger wegen der Mumie selbst, sondern wegen ihrer Ausrüstungsgegenstände, die uns so viel über das Leben in der Steinzeit erzählen. Dieses Mal durfte ich mit meinen Söhnen an einer Kinderführung teilnehmen. Während die sich vor allem für Ötzis Waffen interessierten, lernte ich viel über Ernährung und Medizin von vor 5300 Jahren und war sehr stolz, als ich es nach vielen vergeblichen Versuchen endlich schaffte, mit Feuerstein und Zunderschwamm eine kleine Flamme zu produzieren (Bozen, Museumstr. 43, www.iceman.it).

29. MMM Firmian

Bronzene Tempelwesen aus Nepal und Tibet sowie Ausstellungsstücke aus der Geschichte des Alpinismus, in einer mehr als 1000 Jahre alten Tiroler Burg, deren Ruine dank cleverer zeitgenössischer Architektur wieder gangbar gemacht wurde. Das ist – kurz gefasst – das "Messner Mountain Museum Firmian" auf Schloss Sigmundskron, mit dem Reinhold Messner sein MMM-Projekt startete. Heute gehören fünf weitere spektakuläre Locations dazu, aber allen, die nur eine besuchen wollen, empfehle ich diese. Die Stimmung hier oben, hoch über der Etsch ist magisch, und in der riesigen Burganlage können Kinder nach Herzenslust toben. Außerdem ist Sigmundskron einer der Herzschlagsorte der Südtiroler Autonomiebewegung: Hier versammelten sich am 17. November 1957 fast 35 000 Menschen und skandierten "Los von Trient!". Auch dazu gibt es eine kleine Ausstellung, die mich dankbar macht, dass das "Südtirol-Problem" zum Vorteil aller so mustergültig gelöst wurde. Eintritt 12 Euro (Bozen, Sigmundskronerstr. 53, www.messner-mountainmuseum.it).

30. Bletterbachschlucht

"Wäre die Erdgeschichte ein Jahr, die Bletterbachschlucht wäre zwischen dem 9. und 11. Dezember entstanden. Und der Mensch wäre am Silvestertag, gegen 18 Uhr dazugekommen", erklärt die Führerin, bevor wir, vorbei an roten Porphyrwänden, in die Schlucht hinabsteigen. Seit der letzten Eiszeit vor 15 000 Jahren hat sich der Bach unterhalb des Weißhorns auf einer Länge von acht Kilometern bis zu 400 Meter tief in die Landschaft gegraben und dabei den Aufbau der Erd- und Gesteinsschichten freigelegt. Während unserer Wanderung bestaunen wir, was im Laufe von 280 Millionen Jahren entstanden ist: Vulkangestein, zu schneeweißem Dolomit versteinerter Meeresgrund, jede Menge Fossilien sowie Dino-Spuren. Ehrfürchtig klettern wir zwei Stunden über Geröll, bevor wir am Ende der Schlucht über einen steilen Pfad wieder aufsteigen und auf der "Laneralm" köstliche Kasnocken (8 Euro) genießen. Macht schließlich Hunger, so ein Ausflug in die Vergangenheit (Aldein, Lerch 40, www.bletterbach.info).

Telefon

Italien hat die Landesvorwahl 00 39. Die erste 0 der Ortsvorwahl bleibt auch bei Anrufen aus dem Ausland erhalten.

Mehr Infos gibt's unter www.suedtirol.info

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BRIGITTE 13/2019

Wer hier schreibt:

Anja Haegele
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