Kroatien-Tipps: Das sind die absoluten Highlights!

Für BRIGITTE WOMAN-Autorin Tania Kibermanis war Jugoslawien das Paradies ihrer Kindheit. 30 Jahre später reiste sie wieder hin und ließ sich von einem Land begeistern, das jetzt Kroatien heißt.

Kroatien: Das blaue Leuchten

Meine Erinnerung an Familienferien heißt Jugoslawien. Seitdem ich fünf Jahre alt war, fuhr ich mit meinen Eltern jeden Sommer schaukelige Stunden lang über den Autoput gen Süden ins heutige Kroatien. Wir wohnten in rumpeligen Pensionen mit fies gemusterten Tapeten, hatten Bäder aus kreischorangefarbenem Plastik und schliefen in klapprigen Betten. Es gab jeden Tag Cevapcici, und im steinigen Meer bin ich, nachdem ich mich geweigert hatte, die Badeschuhe aus starrem Plastik anzuziehen, in einen Seeigel getreten. Die Stacheln musste meine Mutter mühselig und fluchend einzeln mit einer Pinzette aus meinem Fuß ziehen.

SOMMERGLÜCK Still ist es auf den Landstraßen, in der Altstadt und vor der Kathedrale von Šibenik

Mit über 30 Jahre alten Erinnerungen sitze ich nun im Mietwagen - und erkenne nichts mehr wieder. Fotografin Anne und ich düsen durch den Süden Kroatiens. Über karstige, struppig bewachsene Berge, die aussehen wie schlafende Ungetüme, auf deren Rücken wir am Meer entlangbalancieren. Der Ostblock-Muff hat sich längst verzogen, die Häuser in ihrer liebevollen Poliertheit könnten genauso gut in Süddeutschland stehen statt in dieser Gegend, die Dalmatien heißt. Nur das hypnotisch blaue Meer, auf das ich mich als Kind nach endloser Autofahrt so sehr gefreut hatte, das ist immer noch da und funkelt uns verheißungsvoll entgegen.

Šibenik ist wie Italien ohne Pose

An einer Meerenge, bewacht von winzigen Inselchen und umschlungen von zwei Landzungen, auf denen mächtige Festungen thronen, stapelt sich das fast tausend Jahre alte Städtchen Šibenik wie ein Amphitheater. Hinter der Häuserfront an der belebten Hafenpromenade, an der sich säuberlich ein Restaurant ans nächste reiht und Schiffe gemütlich im Wasser dümpeln, betreten wir verschlungene Gässchen, eine verwunschene Welt. Still ist es hier, nur unsere eigenen Schritte hallen zwischen den Mauern, völlig autofrei geht es steil bergauf. Über Hunderte von Treppen, vorbei an lauschigen Winkeln mit plätschernden Brunnen und durch handtuchschmale steinerne Gänge, bei denen wir uns fragen, wie man hier wohl einen Kühlschrank ins Eigenheim hievt, während wir uns schon mit unseren Koffern auf dem Weg ins Hotel mühsam abschleppen.

Hinter jeder labyrinthischen Biegung ein kleines Café, eine schnuckelige Bar oder ein Lädchen mit feinem Allerlei. Die Cafés sind voll besetzt, es wird gequatscht und flaniert, aus einer Bar perlt sommerleichter Jazz. Šibenik ist wie Italien ohne Pose - ein bisschen ruhiger, ein Tickchen langsamer und ganz ohne Bling-Bling.

Rund um die Fassade der bombastischen blitzweißen Kathedrale des heiligen Jakob aus dem 16. Jahrhundert, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, prangt ein Fries aus 73 Köpfen, an dem mir gut gefällt, dass hier neben männlichen Würdenträgern auch Bäuerinnen, Bürgersfrauen und Kinder vertreten sind, ebenso wie manches Haustier. Doch ein weltlicherer Grund zieht heute Touristen an:

In Šibeniks konsequenter Mittelalterlichkeit wurden diverse Szenen aus "Game of Thrones" gedreht.

FILMKULISSE Am Fluss Krka versuchte Winnetou, Frauen und Kinder vor Schurken zu retten. Heute planschen Urlauber in dem klaren Nass am Wasserfall Skradinski buk

Im Nationalpark Krka bin ich wieder 6 Jahre alt

Am Tag darauf stolpern wir in die nächste Filmkulisse. Wir reiten mit Winnetou und Iltschi durch die Prärie, genauer: Wir fahren durch den Nationalpark Krka, in dem viele unvergessliche Momente der Karl-May-Streifen entstanden sind. Und als unser Boot durch schroffe Canyons über den Krka-Fluss gleitet und wir schon langsam die mächtigen Wasserfälle tosen hören, mischen sich in meinem Kopf die vielen Bilder aus "Der Ölprinz". Am Chinla River versuchte Winnetou, Frauen und Kinder vor bösen Schurken zu retten - genau hier zerschellt sein Floß dramatisch.

Plötzlich bin ich wieder sechs Jahre alt und will wie damals nichts lieber als in diesem rauschenden Spektakel planschen. Wir staksen also barfuß zwischen Familien und Schulklassen durchs eisige Gewässer. Auf schmalen Holzstegen wandern wir später an alten Mühlen vorbei, treppauf durch dichten Bewuchs, um in einer Postkarte zu stehen: türkisfarbener Fluss, tiefgrüne Bäume, blitzweiße Felsen und darüber fluffige Wölkchen in Goldblau.

Eine Weinprobe darf auf keinen Fall fehlen ...

Am Himmel grummelt es, die Berge zeichnen sich scharf vom schwarzen Horizont ab. Wir schaffen es gerade noch bis zum Auto, dann kübelt es Ladungen von Wasser auf die trockene Landschaft. Im donnernden Gewitter verfahren wir uns gnadenlos, landen dafür aber in einem von der Zeit vergessenen, winzigen und namenlosen Strandbad mit bunten Badehäuschen; und auf einmal lässt sich auch die Sonne wieder blicken.

Erst Stunden später erreichen wir endlich unser Ziel: das Weingut "Baraka". Das unscheinbare Natursteinhaus liegt direkt an einer einsamen Landstraße, seit 2010 baut Filip Baraka hier Wein an. Die Babić-Trauben, die am besten auf dem kargen dalmatischen Boden gedeihen, wachsen in säuberlichen Reihen hinter dem Anwesen in der inzwischen wieder glutheißen Sonne. Schon beim ersten Glas unserer Weinprobe stellen Anne und ich fest, dass wir wohl über dasselbe neurologische Synapsengeflecht verfügen: Geruch und Geschmack zünden bei uns beiden ein knallbuntes Assoziationsfeuerwerk, über das Filip laut lachend den Kopf schüttelt. Der erste Rotwein schmeckt seidig und blau, der zweite so, wie die Ledersitze eines alten Jaguar riechen. Und spätestens beim dritten Wein ist auch Filip voll dabei. Als ich sage, dieser Wein ist männlich, ergänzt er: "Aber ein Mann mit Hut. Ein Gentleman, kein Macho!" Anne lacht: "Und er trägt ein gemustertes Halstuch." 

Ich mag übrigens den "Barone" am liebsten, der schmeckt wie eine Katze, die auf einer alten Steinmauer in der Sonne döst. Als wir uns verabschieden, sagt Filip: "Kommt wieder und bringt bitte nächstes Mal unbedingt was von euren Drogen mit!"

Primošten besticht durch seine Pieksauberkeit

Am nächsten Morgen fahren wir nach Primošten, einem Städtchen wie ein aus den Fluten aufgetauchtes Atlantis, nur durch einen schmalen Deich mit der Küste verbunden und mittendrin im aquamarin glitzernden Meer. Dieses frisch gewaschene Türkis ist so über die Maßen herrlich, dass wir einfach mal schnell reinhopsen müssen.

Primošten besticht durch seine fast unwirkliche Pieksauberkeit. Kein Krümelchen auf dem Boden, selbst das Obst auf dem Markt sieht aus wie poliert. Und weil es nur eine halbe Stunde dauert, die kleine Stadt komplett zu umrunden, wagen wir uns danach über abenteuerlichste Schotterpisten zum Wallfahrtsort mit der niegelnagelneuen schwarzen Madonna von Loreto, einem Pilgerziel hoch über den Weinbergen für die vielen Katholiken im Land. Hier hat man den allerbesten Ausblick über Svilan, Lukvenjak, Barilac und unzählige weitere Inselchen in der Adria - manche nur so groß wie ein Vorgarten und unbewohnt. Und ganz hinten am goldblauen Horizont winkt Italien.

KOSTPROBE Absolute Köstlichkeiten bekommt man in dem Restaurant "Fort Barone"

Heute zeigt sich das Wetter mal von seiner charmantesten Seite, die Sonne strahlt ohne Unterlass. Wir gondeln gemütlich zurück nach Šibenik, nicht ohne noch mal am Strand haltzumachen - er ist ja schließlich so gut wie überall.

Vor lauter Entschleunigung müssen wir dann plötzlich zusehen, dass wir noch pünktlich ins Sternerestaurant "Pelegrini" in Šibenik kommen, wo wir - mit Sand in den Haaren und rot verbrannten Nasen - so fein dinieren, dass es wirklich ein Ereignis ist: Bedienung von rechts, großes Tamtam bei jedem Gang, kunstvollste Kompositionen aus traditioneller und moderner Küche, unglaublicher Wein. Die Sonne lässt sich furios hinter die Kathedrale sinken, während über den weiß steinernen Vorplatz verliebte Paare flanieren und ein paar Kinder Fußball spielen.

In manchen Momenten springen mich Kindheitsrinnerungen an

Das Jugoslawien meiner Kindheit finde ich nicht wieder. Die Schrabbeligkeit des Ostens ist nicht nur in den Unterkünften, sondern auch in den Städtchen komplett verschwunden. Doch in manchen Momenten springen mich Erinnerungen an. Der Geruch von gebratenem Fleisch an den kleinen Strandbuden, an den Straßenständen die handballgroßen Tomaten und riesigen Melonen, die ich als Kind gar nicht tragen konnte, die zerzausten Berge und immer wieder das blau glitzernde Meer - das alles fühlt sich an wie früher.

Unseren letzten Tag verbringen wir vor allem auf dem Wasser. Mit einem kleinen Motorboot und einem Skipper schaukeln wir zuerst zur Festung St. Nikola, die nur vom Meer aus zugänglich ist. Das Salz und die Jahre haben dem trutzigen Bau schwer zugesetzt, drinnen haben sich schon Tropfsteingewächse gebildet, und in den grün überwucherten Winkeln nisten Vögel. Es ist ein Spielplatz für abenteuerliche Gedanken, und meine kleine Schwäche für Orte mit bizarrer Schönheit kommt hier voll auf ihre Kosten. In den Gewölben finden im Sommer halblegale Partys statt, auch in Höhlen und Bunkern auf dem gegenüberliegenden Festland, in denen ich schon als Kind staunend herumgeklettert bin.

BOOTSTOUR Der letzte Tag wird auf dem Wasser verbracht. Es geht zur Festung St. Nikola, die nur vom Meer aus zugänglich ist

Unser Bootsmann steuert zu den Mini-Inselchen im Šibeniker Archipel; zuerst nach Zlarin, wo wir durch die autofreien Gassen bummeln, uns im winzigen Korallenmuseum mit reizenden Armbändchen aus handgeschnitzten Korallen eindecken und am Straßenrand von alten Frauen selbst gepresste Öle kaufen, von denen allein das Olivenöl so lecker ist, dass man es direkt als Drink nehmen möchte. In Dalmatien sagt man, eine Nonne mit Tasche bringe Glück - und wir begegnen gleich mehreren davon, die Umhängetaschen oder gefüllte Plastiktüten mit sich herumtragen.

Zum Schluss machen wir noch einen Abstecher auf die winzigste aller Inseln, nach Prvić. Bis auf die leise Brandung ist es ganz still, wir liegen auf den warmen Steinen der Hafenmole, die Füße im kristallklaren Wasser, bis sich die Sonne in leuchtend roter Robe für heute empfiehlt und es schon wieder Zeit wird für den ersten Wein. Eines weiß ich ganz genau: Das nächste Mal dauert es garantiert keine 30 Jahre, bis ich wiederkomme.

Tanias Kraotien-Tipps

HINKOMMEN

Croatia Airlines fliegt nach Split (ab ca. 150 Euro, croatiaairlines.com). Per Mietwagen braucht man etwa eine Stunde bis Šibenik.

EINLESEN

Der liebevoll-rotzige Roman "DARKROOM" der kroatischen Schriftstellerin Rujana Jeger erzählt in kunstvollen Miniaturen und tagebuchartigen Schnipseln von der Generation X in Ex-Jugoslawien: zwischen Clubs und Bürgerkrieg, Drogen, Sex und der aufreibenden Suche nach der eigenen Identität.

ÜBERNACHTEN

Life Palace Das entzückende Boutique-Hotel liegt mitten in der autofreien Altstadt von Šibenik. Liebevoll restaurierter Palast aus dem 15. Jahrhundert, 17 Zimmer im Barockstil, große Terrasse. DZ/F ab ca. 108 Euro, hotel-lifepalace.hr

King Kresimir In der Lobby gehen orangefarbene Samtsofas und antike Sammelsurien eine feurige Stil-Allianz ein. Die Zimmer sehr schlicht und modern gehalten, spektakulär die Suite mit Jacuzzi auf der privaten Dachterrasse mit Blick über die Stadt. DZ/F ab ca. 75 Euro, hotel-kingkresimir.com

Hotel Maestral Die Mini-Insel Prvić ist nur eine halbstündige Bootsfahrt von Šibenik entfernt - hier winken absolute Ruhe und glasklares Wasser. Man logiert in puristischem Mobiliar und kann im Bett das Meer branden hören. DZ ab ca. 90 Euro, hotelmaestral.com

ESSEN & TRINKEN

PELEGRINI: Sterneküche an der Šibeniker Kathedrale - die Menüs sind wie üppige Opern. Besonders gut: der Oktopus! Vier-Gänge-Menü ca. 77 Euro, pelegrini.hr

FORT BARONE: Ausschließlich lokale Produkte, großartige Schinken- Käse-Platte, hausgemachtes salziges Pistazieneis, barone.hr

BADEN & SHOPPEN

STRÄNDE Das klarste Wasser FIndet man an der KÜste vor Primošten, allerdings ist es deshalb so überirdisch türkis, weil man beim Baden statt über Sand auf schroffem Gestein in die Fluten waten muss. Nicht ganz so spektakulär, aber dafür gemütlicher schwimmt es sich am Šibeniker Stadtstrand Banj mit einer Postkartenaussicht auf die Altstadt und einer kleinen Infrastruktur aus Bars und Liegestuhlverleih.

SOUVENIRS Futuristische Mode kroatischer Designer gibt es bei "Charlie Design" in Šibenik; verwegene, teils asymmetrische, dabei aber durchaus tragbare Kreationen aus Leder und Chiffon - und das nur in Schwarz, Weiß, Silber oder Blau, charlie-design.hr

Auf der Insel Zlarin und auf den lokalen Obst- und Gemüsemärkten gibt es hochwertige selbst gepresste Oliven-, Rosmarin- und andere Kräuteröle für kleines Geld am Straßenrand. Die alten Damen, die sie herstellen, freuen sich über Käufer, und gleichzeitig hat man ein super Mitbringsel.

Ein Artikel aus BRIGITTE Woman

Brigitte WOMAN 5/2019

Wer hier schreibt:

Tania Kibermanis
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