Immer wieder nach Riga

Vor ihrem sechswöchigen Aufenthalt in Lettland ahnte Simone nicht, dass dieses Land sie verzaubern würde. Doch nach ihrem Praktikum in der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Riga war sie sich sicher: Von diesem Land will sie noch viel mehr sehen

Ankommen

Rathausplatz in Riga

Das Abenteuer Lettland begann für mich am 15. August 2005. An diesem Tag wurden wir am Flughafen in Riga abgeholt und fuhren zu unserem Mentor. Es regnete in Strömen und ich war mir nicht sicher, ob ich wirklich sechs Wochen in diesem Land verbringen wollte. Doch je näher wir der Innenstadt kamen, desto schöner wurden die Häuser und auch die Landschaft sah nicht mehr ganz so trostlos aus. Bei unserem Gastgeber angekommen, wurden wir sehr freundlich empfangen und als wir am Nachmittag zum ersten Mal in die Stadt gingen, riss sogar der Himmel auf. Es wurde merklich wärmer - und das sollte sich auch in den nächsten sechs Wochen nicht mehr ändern.

Armut ist hier etwas anderes

Freiheitsdenkmal im Nebel von Riga

Die lettische Hansestadt Riga, direkt am Meer gelegen, ist eine wunderschöne Stadt - das wurde mir schon am ersten Tag klar. Doch nicht nur architektonisch hält Riga viele Sehenswürdigkeiten bereit, auch die Lebensverhältnisse sind im deutschen Vergleich wesentlich günstiger. Dadurch können wir uns als Touristen zwar viel mehr leisten. Doch die weit verbreitete Armut ist sehr erschreckend und allgegenwärtig. Mir war bewusst, dass es den Leuten bei weitem nicht so gut geht wie uns in Deutschland. Dass es jedoch so schlimm ist, hätte ich nicht gedacht.

Die Wohnung, in der ich sechs Wochen lang wohnen sollte, lag etwas außerhalb und war sehr schlicht. Sie war jedoch wesentlich besser als ich es vom ersten Eindruck des Hauses erwartet hatte. Das Badezimmer allerdings war der absolute Horror - ich konnte mich während der gesamten Zeit nicht daran gewöhnen.

Wie vom Zuckerbäcker: Die russisch-orthodoxe Kathedrale in Riga

Die Deutsche Evangelisch-Lutherische Kirche Lettlands, die während des Praktikums quasi mein Arbeitgeber war, umfasst etwa 250 Mitglieder. Rund 100 von ihnen leben in Riga, die restlichen Mitglieder sind über das ganze Land verstreut.

Gottesdienste überall

Ein Haus in der Alberta Iela, Rigas Jugendstilstraße

So konnte ich viel von Lettland bereisen und sehen. Gottesdienste wurden nicht nur in Riga, sondern auch in den Städten Dobele, Valmiera, Liepaja und Daugavpils gefeiert.

Während meines Aufenthaltes habe ich nicht nur in der Gemeinde gearbeitet, sondern durfte auch an Empfängen teilnehmen und somit das kontrastreiche Leben der Deutschen im Ausland kennenlernen. Gerade in Riga ist die Promidichte recht hoch, und ich konnte viele wichtige Leute treffen. Besonders zu solchen Gelegenheiten war der Kontrast von Arm und Reich stark zu spüren - erschreckend, aber auch eine äußerst interessante Erfahrung für mich.

Von der Kirche zum Museum und zurück

Blick auf den Dom in Riga

Der Höhepunkt meines Praktikums war dann der 17. September 2005. An diesem Tag wurde der Dom Riga offiziell an die Kirche zurückgegeben. Seitdem ist er kein Museum mehr, sondern wieder eine Kirche. Ein wichtiger Tag - und wieder ein Tag, der meine Abreise näher rücken ließ, mein Praktikum ging langsam zuende.

In den sechs Wochen, die ich in Lettland verbrachte, ist eine Menge passiert. Ich habe viel erlebt, mehr als sich so schnell erzählen lässt. Eines aber weiß ich ganz bestimmt: Ich werde auf jeden Fall nach Riga zurückkommen, denn die Stadt und das Land lassen mich so schnell nicht wieder los.

Text und Fotos Simone Behm
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