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Traumurlaub Urlaub auf den Malediven – für 58 Euro die Nacht

Malediven: Malediven Ansicht von oben
© Jonas Wresch
Bunte Fische, weißer Sand, türkisfarbenes Meer – die Malediven sind ein Sehnsuchtsort. Und wer den mal live erleben möchte, kann statt im Luxusresort auch auf Einheimischen-Inseln einchecken. Andrea Hacke war für uns in beiden Welten zu Gast.

Inhaltsverzeichnis

Die erste Aktion unserer beiden Piloten im Wasserflugzeug der "Trans Maldivian Airways": Sie streifen ihre Flipflops ab. Barfuß und im Shorts-Kurzarmhemd-Lässig-Look starten sie den 45-Minuten-Flug von der maledivischen Hauptstadt Malé, wo die internationalen Maschinen landen, Richtung Norden. Wir wollen nach Dhigali, einem schlanken Fleckchen im Raa-Atoll. Erst seit 2017 ist es eine Hotel-Insel, ein Luxus-Hideaway für Reisende aus aller Welt. Früher, bevor ein Geschäftsmann das Land für 50 Jahre von der Regierung gepachtet hat, gab es hier nur Sand und Dschungel.

"Hast du je was Schöneres gesehen?"

Fotograf Jonas und ich sitzen in der ersten Reihe hinter dem Cockpit, vor uns hängt ein kleiner Ventilator, der gegen die 35-Grad-Hitze anbraust, dann geht’s in die Luft, mit zwölf Gästen an Bord. Alle, die vorab schon panisch Tabletten gegen Übelkeit eingeworfen haben, atmen auf – es wackelt gar nicht.

Kaum oben, blicke ich im Indischen Ozean auf die ersten der insgesamt 1200 Inseln der Malediven: größere und kleinere türkisfarbene Kreise, wie mit einem dicken Pinsel ins Blau getupft. Etwa 160 werden touristisch genutzt, auf 200 weiteren leben Einheimische. "Hast du je was Schöneres gesehen?", ruft der Co-Pilot mir zu und grinst. Er kennt die Antwort.

Auf Dhigali empfangen uns am Steg gleich elf winkende Angestellte. Ein fensterloses Wägelchen mit E-Motor bringt uns zu den gebuchten Strandvillen – wegen der Koffer. Normalerweise geht man hier zu Fuß, neben gepflegtem Grün und auf Sandwegen, die jeden Morgen gefegt werden. Die vielen Vögel klingen so nah, als würden sie neben mir sitzen. In einer Palme sehe ich neben den Kokosnüssen eine Fledermaus abhängen. "Der Spaziergang vom östlichen zum westlichen Zipfel der Insel dauert nur 15 Minuten", erzählt uns Kate, die am Steuer sitzt, und ich merke, dass es mich entspannt, wenn die Welt so überschaubar wird.

Vor der Terrasse mein eigenes Stück Meer

Meine Villa ist im Zen-Design eingerichtet, was hier sehr gut herpasst, runtergekühlt, und sie überrascht mich im Bad mit offenem Dach. Vor der Terrasse liegt mein eigenes Stück Strand mit Meer-Badewanne. Dahinter beginnt gleich das Riff. Holt mich nicht raus – ich bin ein Star!

Malediven: Unterwasserwelt mit Korallen und Clownsfischen
Findet Nemo! – Vor dem Bungalow Nr. 615 auf Dhigali wohnen die Clownfische
© Jonas Wresch

Schnorcheln, überhaupt Wassersport und Ausflüge auf dem Meer, um zum Beispiel Delfine zu sehen, sind die Haupt-Freizeitbeschäftigungen auf allen Malediven-Inseln. Wir leihen uns Equipment, schwimmen rechts um Dhigali herum und sind bald umgeben von dicken Red Snappern, sehen Fischschwärme unter uns und hören das "Krap Krap", wenn sie an den Steinen knuspern. Und dann taucht auch noch eine große Schildkröte neben uns auf. Ich grinse so breit, dass mir Salzwasser in den Mund läuft.

Das zweite Highlight hier ist ein Date mit dem Sunset an der Sandbank vor der "Haali Bar": Hier leuchtet die Sonne noch kurz vorm Verschwinden so tief gelb, als wären hinter den Wölkchen Leuchten aufgebaut. Ein rosa Strahlenkranz entfaltet sich über den Himmel. Wir sitzen auf großen Kissen im Sand, trinken Cocktails, und ein bisschen hat das Ganze was von "Die Truman Show", diesem Film, in dem für den nichts ahnenden Helden eine komplette Welt erschaffen wurde. Dhigali ist der wahr gewordene Malediven-Traum.

Seit zehn Jahren dürfen auch die Einheimischen Zimmer vermieten

Vor genau 50 Jahren, als im Land der Tourismus begann, ging’s deutlich bodenständiger zu: Auf Kurumba, der ersten Hotel- und der von Malé aus nahe gelegensten Insel, gab es nur simple Hütten aus Palmwedeln, weder Strom noch fließend Wasser. Dort machte Urlaub, wer das Abenteuer suchte oder im Herzen ein Hippie war. Mit der Zeit kamen dann immer mehr Gäste mit immer exklusiveren Wünschen, und die Malediven ereilte das Schicksal vieler Traumziele: Aus Easy Going wurde Super-Luxus.

Vor etwa zehn Jahren erlaubte die Regierung den Einheimischen, auf ihren Inseln Ferienzimmer zu vermieten und so ein anderes Klientel anzuziehen: Backpacker, Studierende, Lebenskünstler:innen. Seitdem können Gäste auch wieder die ursprünglichen Malediven erleben. Das wollen wir uns ansehen, fliegen zurück nach Malé und nehmen dort erst das Schnellboot nach Kuramathi im Baa-Atoll – das Resort ist der direkte Nachbar der Einheimischen-Insel Rasdhoo. Die Fahrt dauert anderthalb Stunden, und WLAN und Klimaanlage funktionieren hier besser als in der Deutschen Bahn. Von Kuramathi bringt uns ein kleines Motorboot in zehn Minuten ans Ziel.

Malediven: Riffhai schwimmt über weißem Sand
Riffgenossen – Schnorchelrunde mit Hai gefällig?
© Jonas Wresch

In dem kleinen Hafen gibt es nur vier bunte Fischerboote, auf denen der Fang des Tages sortiert wird. Ansonsten sehen wir niemanden. Als wir einen der Männer fragen, warum alle Straßen leer sind, kommt als Antwort: "Ramadan". Erst jetzt fällt mir wieder ein, dass wir uns in einem muslimischen Land befinden. Sechsmal am Tag ruft auf Rasdhoo der Muezzin aus der Moschee, der Verkauf von Alkohol ist verboten, und als ich später doch eine einheimische Frau sehe, ist diese bis auf einen Augenschlitz verschleiert. Aber sie fährt Motorroller und winkt mir beim Vorbeifahren zu, obwohl ich Shirt und kurzen Rock trage. Wunderbar tolerant!

Doppelzimmer für 58 Euro - und echtes Leben gratis dazu

Wir laufen durch Sandstraßen, vorbei an Steinhäusern, gestrichen in unauffälligem Weiß, Grau oder Beige. Herausgeputzt ist hier erst mal nichts. Ich sehe ein paar Ruinen, aufgestapelte Matratzen, zwei Funktürme. Man könnte das Dorfbild mit etwas Farbe leicht verschönern, mehr Pflanzen hinstellen, die Straßen mit Cafés zum Leben erwecken, doch falls hier mal eine Wand farbenfroh leuchtet oder neben einer Tür eine Bougainvillea wächst, kann man davon ausgehen: Zimmer zu vermieten. Die Menschen hier machen es ihren Gästen schöner als sich selbst.

Vor dem Hotel "Club Gabbiano" in erster Reihe zum Meer lernen wir den Chef kennen: Ali Sifaaz, vor 33 Jahren auf Rasdhoo geboren. Als es hier mit dem Tourismus losging, hat er das Hotel eröffnet – bis heute holt er seine Gäste meist persönlich am Flughafen ab. Der Mann mit den langen Locken lacht viel und zeigt uns den "Bikini Beach" direkt neben dem Haus – man hat sich auch hier auf westliche Wünsche eingestellt. Die Menschen, die bei Ali wohnen, sind junge Familien, verliebte Pärchen, Alternative. Im Hotel gibt es auch eine Rooftop-Bar mit mega Aussicht, nur stehen hier im Regal wegen des Alkoholverbots Flaschen mit buntem Sirup – um immerhin das Wasser aufzupeppen.

Malediven: Strand auf den Malediven
Nehmt Platz! – Von der Rooftop-Bar des Hotels "Club Gabbiano" auf Rasdhoo hat man eine postkartenreife Aussicht
© Jonas Wresch

Wir stiefeln weiter am Strand entlang, nach ein paar Minuten sehe ich zwei junge Frauen auf Sonnenliegen sitzen: Krankenschwester Laura und Sozialarbeiterin Sara aus Spanien, Bilbao, um genau zu sein. Beide sind überzeugt vom Urlaub jenseits der Luxus-Resorts. Die Leute auf Rasdhoo seien offener, laden einen zum Essen ein, alles ist relaxed. "Was habe ich von einer Wasservilla, in der ich eh nur schlafe?", sagt Sara. Auf Rasdhoo zahlen die beiden für eine Nacht im Doppelzimmer 58 Euro. Es war ihr Traum, einmal auf den Malediven zu sein, auch wenn sie sich hier zum Teil von Tütensuppen ernähren. Ein Dinner bei den Einheimischen, Kartoffeln mit Tintenfisch zum Beispiel, kostet nur zehn Euro, aber das wollen die beiden nicht jeden Tag ausgeben.

Zum Abschluss gucken wir uns auch noch Kuramathi an, die größte touristische Insel weit und breit. Nach dem verschlafenen Rasdhoo wirkt es dort schon in der vollen Empfangshalle, als ginge es gleich auf ein Kreuzfahrtschiff. Nach dem Einchecken in den zugegeben großartigen Wasserbungalow verziehe ich mich zum Schnorcheln ans Riff. Erst beobachte ich bunte Korallen, dann schwimmt tatsächlich ein Hai an mir vorbei. Mein Mut ist schlagartig weg; ich bin verdammt froh, dass der Ein-Meter-Oschi mich so wenig beachtet wie einen öden Stein. Flott zurück zum Steg!

Malediven: Malediven Strand
Ein Träumchen – Selbst auf der gut besuchten Hotel-Insel Kuramathi finden sich paradiesisch leere Ecken
© Jonas Wresch

Ich sehe rüber nach Rasdhoo und bin froh, da gewesen zu sein. Es braucht im Paradies auch ein Stück Normalität.

Andreas Reisetipps für die Malediven

Hinkommen

Die Flüge sind aktuell teuer, gute Angebote hat Turkish Airlines, die Malé von zwölf deutschen Städten aus anfliegen. Z. B. Hamburg–Istanbul–Malé, Flugzeit: 14 Stunden, ab 1273 Euro; bei 2 Zwischenstopps ab 816 Euro. Von Malé geht es dann per Boot oder Wasserflugzeug auf die jeweilige Insel (turkishairlines.com).

Resort-Inseln

Dhigali. Ein 5-Sterne-Resort, in dem vom Essen bis zu den dick gepolsterten Sonnenliegen alles top ist. Die 180 Villen am Strand und überm Wasser nehmen gefühlt nicht mehr Raum als das üppige Grün ein. Nur mit "Premium-All-Inclusive"-Paket buchbar – Mahlzeiten, Getränke, Aktivitäten, Ausflüge (z. B. die Delfin-Cruise) sind inkludiert (DZ/Nacht ab 451 Euro, dhigali.com; für alle hier genannten Resort-Inseln bietet TUI Pauschalreisen an).

Kuramathi. 21 Bars und Restaurants, 350 "Beach Villas" und sehr schicke "Water Villas": Auf Kuramathi ist schon mehr Betrieb, auch Familien besuchen das 4-Sterne-Resort gern. Anziehungspunkte sind u. a. das große Sportangebot, der Infinitypool, das Eco-Center, in dem eine Meeresbiologin informiert – und ein 300 Jahre alter Banyan Tree, in dem man herumlaufen kann (z. B. "Superior Beach Villa"/Nacht/VP ab 383 Euro, kuramathi.com).

Übernachten & Genießen auf der Einheimischen-Insel Rasdhoo

Club Gabbiano. Herzlich geführtes Hotel direkt am Strand. Mit Restaurant und Rooftop-Bar. Einfache, geräumige Zimmer. Es gibt auch Studios mit Terrasse zum Meer. Buchbar vor Ort: Jet Ski, Banana Boat, Wasserski, Stand-up-Paddling, Fun Tube u.a. (DZ/F ab 85 Euro, clubgabbiano.com).

Rasdu View Inn. Gute 3-Sterne-Zimmer, Frühstück wird in der Gemeinschafts-Lounge serviert (DZ/F ab 58 Euro, rasduviewinn.com).

Tranquila Maldives. Klimatisierte Zimmer, schöne Draußen-Lounge – traumhaft am Privatstrand mit Liegen und Day Bed. Wer ankommt, erhält eine "Welcome Tour" über die Insel (DZ/F ab ca. 103 Euro, tranquilamaldives.findyourhtl.com).

Tranqui Ristorante. Tische unter Palmen am Strand, gekocht wird italienisch – von Caterina aus Genua. Z. B. selbst gemachte Pasta mit Walnusssoße für ca. 9 Euro (Fannumiskithu Goalhi).

Ristorante Tramonto. Das Restaurant im "Club Gabbiano" (l.) bietet indisch-maledivische Küche (z. B. Butter Chicken für ca. 12 Euro) und Mega-Aussicht (clubgabbiano.com).

Gut zu wissen

Besser nicht zu Ramadanzeiten auf die Einheimischen-Inseln reisen – dann ist tagsüber so gut wie gar nichts los.

Lieber nur biologisch abbaubare Sonnencreme verwenden, um nicht zur Korallenbleiche beizutragen.

Auf Rasdhoo herrscht Alkoholverbot. Wer allerdings Ausflüge bucht, kann unterwegs mit kleinen Ausnahmen rechnen ...

Brigitte

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