Erfahrungsbericht vom Ballermann

Millionen Touristen waren schon da und auch Bym.de-Leserin Maren wollte es einmal ausprobieren: Mit ihrer Schwester machte sie sich auf nach Mallorca - zum Ballermann. Was sie erlebt hat, erzählt sie euch hier

Tag 1: Palma und der Ballermann

Der Urlaub startet um 2 Uhr in der Nacht mit meiner älteren Schwester und mit einer schrecklichen Erkenntnis: "Mein Personalausweis ist nicht da!!!" Nach kurzem Grübeln und Nachvollziehen der letzten Partynächte, wurde mir schnell klar, dass sich das vermisste Dokument noch im Portmonaie meines Freundes befinden muss. Dieser wird anschließend zuerst vergeblich über das Handy kontaktiert und schließlich über Festnetz wachgeklingelt. Im Eiltempo werden die letzten Sachen zusammengekramt und der Koffer mit viel Gewalt geschlossen. Der Umweg zu meinem Personalausweis nimmt uns wichtige nicht einkalkulierte Zeit, die wir eigentlich zum Flughafen nach Hannover bräuchten. Bekleidet mit dünnen Röckchen in der kürzesten Variante und bis zu den Knien hochgezogenen Strümpfen, sprinten wir frierend zum Auto. Das Outfit ist sorgsam ausgewählt, denn für zwei Tage Mallorca haben wir unsere Klamotten in einen Handgepäck-tauglichen Koffer gequetscht und somit war dort kein Platz für lange Hosen, die später nicht mehr benötigt werden. Bei späteren 35 ° wären diese auch gänzlich ungünstig gewesen.

Komischer Geruch im Flugzeug

Palma de Mallorca

Bereits im Flugzeug machen wir die ersten Bekanntschaften mit den typischen Mallorca-Freaks. Ein Singsang dröhnt uns beim Einsteigen entgegen. Innerhalb kürzester Zeit sind wir in der Lage sämtliche Hits auswendig mitzusingen. Später stellt sich heraus, dass genau diese Songs in jeglichen Lokalitäten am Ballermann in Endlosschleife hoch und runter gedudelt werden.

In Mallorca angekommen schlägt uns schon die Hitze entgegen, obwohl es gerade mal halb 8 Uhr morgens ist. Unser Hotel befindet sich zwischen dem "Bierkönig" und einigen anderen Kneipen, liegt jedoch direkt am Strand. Vom Fenster lassen sich noch die letzten Schnapsleichen vom Vorabend auf dem Strandsand sichten. Auf dem Weg zur Bushaltestelle nach Palma begegnen wir weiteren betrunkenen Touristen bei denen es sich nicht 100% ausmachen lässt, ob diese immer noch oder schon wieder am feiern sind.

Die Busfahrt nach Palma ist holprig und lang und verdammt warm. Aber der Weg hat sich gelohnt, denn Palma ist eine super schöne Stadt. Da wir direkt morgens vom Hotel aufgebrochen sind, ist es noch nicht so sehr von Touristen überfüllt. Den Rest des Vormittags verbringen wir also mit Sightseeing und überaus erfolgreichem Shopping. Uns faszinieren die ganzen kleinen Gassen und die kleinen Innenhöfe der Gebäude. Überall wimmelt es von kleinen Geschäften und Cafés und wir sind uns einig: "Hier würden wir direkt wohnen bleiben". Auch wenn wir nur zwei Tage hier sind beschließen wir all unseren Freunden Postkarten zu schicken. Nachdem wir einen riesigen Stapel besorgt haben, machen wir es uns in einem kleinen Cafe bequem und kritzeln neidisch-machende Dinge und kleine Palmen und Sonnen darauf.

Die Altstadt von Palma de Mallorca

Irgendwann wird es uns zu warm. Die ungewohnte Hitze lässt uns ganz schummrig im Kopf werden und wir brechen wieder auf. Der Bus zurück ist mittlerweile total überfüllt und riecht unangenehm nach Benzin. Man könnte auch sagen, es stinkt bestialisch. Völlig wirr im Kopf und mit dem ersten schlimmen Sonnenbrand kaufen wir erst einmal zwei 5-Liter Kanister Wasser und schmuggeln sie mit ins Hotelzimmer. Den einen leeren wir innerhalb einer Stunde und nach einer kalten Dusche geht es uns schon wieder viel besser. Die heißen Nachmittagsstunden überbrücken wir am Hotelpool unter Palmen. Schafft man es an zwei Tagen braune Beine zu bekommen? Die freie Zeit nutzen wir uns eine 1 cm dicke Sonnencremeschicht Schutzfaktor 35 sorgfältig aufzutragen (diese Sorte, die so zähflüssig ist, das man den weißen Film auf der Haut zum verderben nicht wieder weggewischt bekommt). Mit diesem Schutzüberzug laufen wir zum überfüllten Strand und nehmen unser erstes Bad im Meer.

Den Abend nutzen wir um uns den "Ballermann 6" anzuschauen. Leider war es eher enttäuschend: Eine kleine Strandbar, wovon es bestimmt noch 10 weitere gibt, mit dem einzigen Unterschied das auf dem Dach eine "6" steht. Das Publikum hat ungefähr ein Durchschnittsalter von 35 Jahren, die Männer mit weißem Bierbauch, welchen sie auch ungeniert über die Badehose schwabbeln lassen und auch die Frauen sollten erstmal lernen, dass weniger manchmal mehr ist. Denn knusprigbraune runzelige Frauen im String OHNE Bikinioberteil, dafür aber mit umso mehr verlaufener Schminke im Gesicht, will nämlich NIEMAND SEHEN!!! Die Musik lässt ebenfalls zu wünschen übrig, aber wir beschließen: "Wenn man schon mal da ist, muss das auch richtig gemacht werden". Also bestellen wir uns zusammen einen Liter Sangria mit langen Strohhalmen und lassen uns damit Fotografieren. Ein Beweisfoto muss natürlich sein.

Weltberühmt: der Ballermann 6

In diesem leicht beschwipsten Zustand diskutieren wir darüber, wie man am besten einen Sommerhit landet und möglichst viel Geld damit verdient. Unsere Analyse sah in etwa so aus:

1. Es muss eine Melodie sein, die jeder kennt. 2. In dem Text muss mindestens einmal das Wort "Saufen", "Strand" oder "Sonne/Sommer" vorkommen. 3. Der Refrain muss aus "Lalala" oder "Dadada" oder auch "Ohooohooohoooo" enden. So das wirklich JEDER das Lied mitsingen kann ohne den Text zu kennen.

Diese Einschätzung ist übrigens äußerst realitätsnah, was wir in den Diskos und Kneipen daran erkannten, dass bei den Lalalala-Stellen eines Liedes die allgemeine Lautstärke enorm anschwoll und abebbte sobald der normale Liedtext wieder einsetzte. Und im Optimalfall noch 4. Der Sommerhit sollte sich zu einem After-Ski-Hit umfunktionieren lassen, so dass man auch noch im Winter Geld damit absahnt.

Nach diesem Erlebnis testen wir das restliche Nightlife-Angebot. Im "Megapark" ist das Publikum schon sehr viel jünger und wir stellen fest, das wir offensichtlich, die einzigen weiblichen Besucher dieses Abends sind. Dies führt sogleich zu unserer zweiten Urlaubsliste und zwar die Hitlist der "Häufigsten Anmachsprüche":

Demnach auf Platz 4: (nachdem wir fragten ob jemand uns mal zusammen fotografiert) "Oh, kann ich gleich noch eins mit meiner Kamera machen?" Platz 3: "Seid ihr Zwillinge?" Platz 2: "Wir woll'n die Möpse sehen, wir woll'n die Möpse sehen!!" und definitiv auf Platz 1: "Seid ihr heute erst angekommen?" Das Rätsel um Platz 1 lösen wir verhältnismäßig schnell - da wir eher zu den helleren Hauttypen gehören, wo weder 3 Tage noch 3 Wochen zum gewünschten Erfolg führen, gehen natürlich alle davon aus, dass wir noch nicht so lange da sein können.

Wir stellten also fest, dass am Ballermann nie Pause ist. Schon vormittags um elf gibt es in einigen Locations eine Stunde Freibier und anschließend vielleicht noch eine Schaumparty, weiter geht es mit einer Stunde Gratis-Sangria oder einer Gogo-Show. Partywütige kommen hier sicherlich auf ihre Kosten.

Tag 2: Strandtag

Strandtag

Heute gehen wir an den Strand. Um uns in das Touristenbild harmonisch einzufügen kaufen wir uns bunte Luftmatratzen, Sonnenbrillen und ein seltsames Strand-Ballspiel, welches sich unter allen Leuten hier anscheinend allgemeiner Beliebtheit erfreut. Wir paddeln also stundenlang im Wasser hin und her und lassen uns wieder zurück zum Strand treiben, sonnen uns den ganzen Tag und testen sogar das Strand-Ballspiel. Leider stellen wir nach kurzer Zeit unsere Talentlosigkeit fest, was allerdings nicht sonderlich schlimm ist, denn unsere Strandnachbarn stellen sich nicht viel geschickter an. Und selbst wenn man den Ball mal zu weit ins Meer schießt, kommt mit Sicherheit von irgendwoher ein anderer.

An Abend Nummer zwei testen wir den "Bierkönig". Hier machen wir uns besonders das "Komische Menschen machen komischen Sachen – Fotografieren" zum Hobby. Eine häufige Erscheinung am Ballermann sind definitiv Sportvereine. Die reisen gleich in einer großen Gruppe an und lassen sich dafür extra T-Shirts bedrucken.

Tag 3: Abreise

Immer volle Gläser: Partynächte auf Mallorca

Der Urlaub endet, wie er begonnen hatte. Der Wake-Up-Service vom Hotel ruft leider nicht in unserem Zimmer an sondern bei unserem verwirrten Zimmernachbarn, was zur Folge hat, dass wir viel zu spät erwachen. Unser Zeitgefühl sagt, dass es sicher schon später als 7 Uhr ist und anhand des Fernsehprogramms und der Bildzeitung ermitteln wir geschockt ungefähr 8 Uhr. Hektisch kramen wir alles zusammen, rasen zum Empfang und lassen uns ein Taxi bestellen, denn der Bus ist schon lange weg. Unseren Flieger erreichen wir trotzdem gerade noch so, denn stressige Situationen sind wir schon erprobt.

Rückblickend kann man sagen, zwei Tage Playa de Palma können durchaus amüsant sein. Mit dem Bus kommt man von dort aus überall hin und auch das Ballermann-Feeling muss man mal erlebt haben. Dennoch sollte man bei einem längeren Mallorcaaufenthalt nicht unbedingt Playa de Palma als Urlaubsort wählen. Lieber nur einen Tag das verrückte Treiben dort erleben und den Rest der Zeit die kleinen Orte auf der Insel besuchen. Denn außer dem Ballermann hat Mallorca noch jede Menge mehr zu bieten, was wir in einem zweiten Urlaub dort herausfanden. Doch das gehört nicht mehr in diesen Urlaubsbericht...

Text Maren Gödecke
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