Die perfekte Sandwelle

Surfen in der Oberpfalz? Na klar! Unsere Bym-Mitarbeiterin Antonia hat es ausprobiert und den Monte Kaolino zum Sandboarden bestiegen.

Viel zu früh halte ich nach ihm Ausschau. Als er dann zu meiner Rechten auftaucht, bin ich irritiert über das nie zuvor Gesehene. Klar, der Monte Kaolino in der Oberpfalz ist ja auch die größte künstliche Sanddüne in Europa. Ein etwa 150 Meter hoher Fremdkörper aus 32 Millionen Tonnen Quarzsand - und Wahrzeichen der bayrischen Stadt Hirschau. Dichter, dunkler Nadelwald säumt den Berg, was an die Rocky Mountains erinnert.

Nachdem mein Freund und ich unser Gepäck in einer urigen Familienpension gelassen haben, machen wir uns auf, den Monte zu erklimmen. Der Sand ist so weich, fein und kühl wie am Meeresstrand. Doch Gipfelstürmer sind wir wahrhaftig nicht. Der Aufstieg entpuppt sich als ziemlich mühsam, trotz des Halteseils und der Fußabdrücke unserer Vorgänger. Ich ärgere mich, dass ich meine Sonnenbrille und etwas zu Trinken vergessen habe. Zum Glück bin ich schwindelfrei.

Die perfekte Sandwelle

Piste für Skifans und Sandboarder

Oben angekommen schütteln wir den Sand aus unseren Schuhen, setzen uns hin und schauen entspannt nach unten. Am Fuße des Monte Kaolino hat sich ein kleiner Freizeitpark angesiedelt. Es gibt ein beheiztes Freibad mit niedlichen, blauweißen Umkleidekabinen, einen gepflegten, ruhigen Campingplatz, ein Volleyballfeld und einen Liegestrand. Außerdem kann man Trekkingräder mieten.

Doch die Hauptattraktion ist natürlich der Monte Kaolino. Er wird zur Piste für Skifans und Sandboarder aus ganz Deutschland, die keine Lust haben, auf den Winter zu warten. Bei gutem Wetter sausen die Gäste schon Mal in Bikini und Badehose ins Tal. Eine Sprungschanze und Slalomstangen locken fortgeschrittene Sportler. Hoch auf die Kuppe gelangt man in kleinen Schiffchen mit einem Skilift, der ein bisschen wie eine Achterbahn aussieht. Weil das Angebot bei Besuchern jeden Alters so beliebt ist, wird die Freizeitanlage erweitert. Eine Sommerrodelbahn soll im kommenden Jahr gebaut werden. Die Sanddüne lässt Hirschau - eigentlich ein Städtchen wie jedes andere - zum Unikat werden. Dabei besteht der Monte aus Abfall. Der Quarzsand ist ein Nebenprodukt des Kaolinabbaus in der Region. Kaolin braucht man für die Herstellung von Porzellan und Papier.

40 Prozent Gefälle

Die cleveren Bewohner von Hirschau entschlossen sich, den Berg zu nutzen. Sie gründeten im Jahr 1956 den Skiclub Monte Kaolino. Heute ist die Düne Schauplatz der Sandboarding Weltmeisterschaft und der Europameisterschaft im Sandski.

Mein Freund und ich hatten eigentlich vor, uns eine Ausrüstung zu leihen und uns das erste Mal im Leben auf die Bretter zu stellen. Doch als wir die Abfahrt inspizieren, finden wir die Idee gar nicht mehr gut. Bei rund 40 Prozent Gefälle eignet sich die Piste nicht für eine Jungfernfahrt. So beginnen wir barfuss und schaukelnd wie zwei Wüstenkamele den Abstieg.

In der nahe gelegenen Gaststätte "Monte - Klause" begnügen wir uns damit, ein Bananensplit zu essen und den waschechten bayrischen Jungs zuzuhören, die im Freibad herumalbern.

Text und Bilder: Antonia
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