Ammersee, Chiemsee, Eibsee: Vom Glück, ein Bayer zu sein

Die Seen Oberbayerns haben einen besonderen Charme - sie machen uns staunen, weil wir von ihrer schlichten Schönheit so ergriffen sind. Sie machen uns kichern, weil wir begeistert in ihnen herumplanschen. Sie machen uns philosophisch, weil wir an ihren Ufern die Natur so lieben lernen.

Die Münchner sind zu beneiden. Sie haben ihre Biergärten, sie haben die Alpen vor der Haustür, sie haben den Föhn, der ihnen außer Kopfweh den berühmten weiß-blauen Himmel beschert, wenn es dem Wetterbericht nach eigentlich regnen sollte. Und dann haben sie auch noch ihre Seen. 69 Stück rund um München verteilt, große und kleine, wohl bekannte und bescheiden versteckte, Touristenattraktionen und so genannte Geheimtipps. Jeder Münchner hat seinen Lieblingssee. Ich mag gleich drei besonders gern - die Maler-Seen. Am Kochelsee hat Franz Marc gewohnt und gemalt, am Walchensee Lovis Corinth, am Staffelsee Wassily Kandinsky mit der Malerin Gabriele Münter. Drei nahe beieinander liegende Seen zu jeder mit einem ganz eigenen Charakter.

Der Walchensee

Der Walchensee liegt dunkel und abgründig zwischen bewaldeten Ufern. Über seine Tiefe kursieren die abenteuerlichsten Gerüchte - an manchen Stellen sollen es 300 Meter sein. Der Kochelsee bringt es nur auf ungefähr 60 Meter. Er liegt wie ein blaues blitzendes Auge inmitten von Wiesen und Dörfern. Sein Wasser ist sehr kalt, auch in heißen Sommern wird es kaum wärmer als 17 Grad. Dafür ist der dritte im Bund, der Staffelsee, der wärmste von allen bayerischen Seen, Durchschnitts-temperatur 25 Grad. Er ist mir besonders lieb, schon wie er so still daliegt, eingebettet in Wiesen und Hügel, das grüne Ufer weithin naturbelassen mit Schilf und Seerosenfeldern. Das Wasser - so warm und weich, geheimnisvoll goldschimmerndes Moorwasser.

Ein Sommer, in dem ich nicht in dem weichen Wasser, das so gesund sein soll, gebadet habe, ist ein verlorener Sommer. Ach, ich sitze in einem kleinen Ruderboot und rudere gemächlich von einer der sieben Inseln zur anderen, ich träume und schaue den blauen Prachtlibellen nach, die über dem Schilf tanzen. Friedlich ist es hier, trotz der an heißen Wochenenden von Geschrei und Getose erfüllten Strandbäder. Kühe auf den Weiden, hinter den Ufern große, stille Moore, im Schilf leben Rohrdommel und Eisvogel. Und weil sie beim Brüten nicht gestört werden sollen, dürfen keine Motorboote knattern über den himmlisch ruhigen See.

Ammersee - ländlich

"Bauernsee" nannte man ihn früher. Das war despektierlich gemeint, lebten hier doch nur arme Schweine, Fischer und Bauern. Ihnen verdanken wir, dass dieser See überall zugänglich ist. Keine Villenzäune - dafür eine kilometerlange Promenade und seichte Badestellen an einem der saubersten Seen Oberbayerns.

Baden: Vielerorts ist das Wasser nur knietief. Nostalgische Strandbäder in Riederau und Herrsching, in Utting mit einem Sprungturm aus Holz. Ein wenig abgeschieden liegt und schwimmt es sich beim Park des Künstlerhauses Gasteiger in Holzhausen.

Sport & Spaß: 42 Kilometer sind es rund um den See, in Etappen besonders empfehlenswert: Start bei der Künstlersiedlung in Stegen (Biergarten im "Seehaus Schreyegg", Tel. 081 43/80 86), Tee trinken in Schondorf ("Villa am See", Tel. 081 92/99 96 89) und Mittag essen in Utting (Biergarten der "Alten Villa", Tel. 088 06/617). Nach einem Bad im nostalgischen Strandbad geht es per Dampfer zurück. Tel. 081 43/940 21). Ruder-, Tret-, Elektro- und Segelboote mietet man in Schondorf und Utting, Surfbretter in Herrsching und Dießen.

Übernachtung: Komfortabel, mit guter Küche und direkt an der Promenade: "Ammersee-Hotel", Tel. 081 52/ 968 70, Fax 53 74, www.ammersee-hotel.de. Gediegen: "Hotel Maurerhansl", Tel. 088 07/922 90, Fax 92 29 33, www.diessen.net/maurerhansl.

Gut essen: Italienisches in Herrsching auf der Terrasse des "Seespitz da Mario" (Tel. 081 52/14 86), Spanisches im "La Bodega" (Tel. 081 52/42 86), Bayerisches im "Landgasthof Mühlfeld-Bräu" (Tel. 081 52/55 78), Französisches im "Seehaus" (Tel. 088 07/73 00).

Sehenswert: Rokoko-Interieur und Starkbier lohnen die 177 Meter Anstieg zum Kloster Andechs (etwa eine Stunde ab Herrsching). Gut zu wissen: keine Selbstbedienungshektik im ruhigen Biergarten des Klostergasthofs (Tel. 081 52/930 90).

Infos: Verkehrsbüro Herrsching, Am Bahnhofspl. 3, 82211 Herrsching, Tel. 081 52/52 27, Fax 405 19.

Chiemsee - riesig

So groß und so weit, dass die Einheimischen "bayerisches Meer" sagen. Auf einer Insel hat sich Ludwig II. ein Schloss errichten lassen - den Postkartenblick auf Alpen und Chiemsee durchkreuzen heutzutage die weißen Dreiecke unzähliger Segelboote.

Baden: Vom Strandbad bei Seebruck im Norden hat man den schönsten Blick auf das Alpenpanorama, besonders lauschig ist es am Schafwaschener Winkel in Rimsting. Bei Regen: "Erlebnisbad Prienavera" (Tel. 080 51/60 95 70, www.prienavera.de) in Prien.

Sport & Spaß: Segler und Surfer, Ruderer und Tretbootfahrer finden ihr Glück vor allem in Prien, Bernau, Gstadt-Gollenhausen und Seebruck; Ballonfahrer treffen sich u. a. in Bernau (Tel. 080 51/43 81, www.ballonfahrtunternehmen.de"), Drachen- und Gleitschirmflieger bekommen Auskunft bei der Bergbahn Kampenwand (Tel. 080 52/44 11, www.kampenwand.de"). Golfer spielen auf dem 18-Loch-Platz bei Chieming (Tel. 086 69/75 57), Reitertreff mit Neun-Loch-Golfplatz auf Gut Ising zwischen Seebruck und Chieming (siehe gleichnamiges Hotel). Die Seerunde (68 km) samt Alpenpanorama dreht man am besten per Rad.

Fraueninsel

Übernachten: Elegant in ehemaliger Jugendstilvilla an der Seepromenade: "Hotel Luitpold", Tel. 080 51/60 91 00, Fax 60 91 75, www.luitpold-am-see.de. Fürstlich, aber oft ausgebucht: "Schloßhotel Herrenchiemsee", Tel. 080 51/15 09, Fax 621 01, www.schlosshotel-herrenchiemsee.com. Familiär auf der Fraueninsel: "Zur Linde", Tel. 080 54/903 66, Fax 72 99, www.inselhotel-zurlinde.de.

Gut essen: Fisch in Breitbrunn: "Landhaus Eggstätt" (080 56/896). Mit Panoramablick in Seebruck: "Malerwinkel" (Tel. 086 67/888 00). Deftiges auf der Fraueninsel "Inselwirt" (Tel. 080 54/630). Erlebnisgastronomie mit bayerischer Tradition und Bierbadewanne am Schiffsanleger in Bernau-Felden. "Badehaus" (Tel. 080 51/97 03 00).

Sehenswert: Prächtig wie Versailles ist Herrenchiemsee, per Schiff geht es ab Prien zum Schloss mit seinen Parkanlagen, Wasserspielen und der fast 100 Meter langen Spiegelgalerie. Ein Spaziergang wert: Fraueninsel mit Kloster, Bauerngärten, Fischräuchereien und tausendjähriger Linde.

Infos: Website der Chiemsee-Schifffahrt: www.chiemsee-schifffahrt.de. Bayern-Tourismus Line: www.btl.de.

Eibsee - romantisch

Der Eibsee

Eine Naturkatastrophe: Von der Zugspitze bricht ein Felsbrocken ab und staut in tausend Meter Höhe das Schmelzwasser auf. Wann, weiß niemand zu sagen. Da liegt er nun, der Eibsee - ein Kleinod für Wanderer, zwischen dunkelgrünem Tannenwald und steilen Bergen.

Baden: Nur selten bringt es das Wasser des hoch gelegenen, bis zu 33 Meter tiefen Sees auf mehr als 20 Grad. Am Nordufer gibt es einen sehr schönen FKK-Strand.

Sport & Spaß: Segeln, rudern, surfen (Bootsverleih beim "Eibsee-Hotel") sowie Ballonfahrten (Tel. 08 821/14 25). Geführte Bergwanderungen (Tel. 088 21/828 42), im Herbst auch kostenlose Angebote (Info: Kurverwaltung). Seeumrundung mit Zugspitzblick in knapp zwei Stunden. Besonders empfehlenswert: Tageswanderung durch die wild tosende Höllentalklamm zur Höllentalangerhütte (von Mai bis Oktober, wasserdichte Kleidung mitnehmen).

Übernachten: Allein am Seeufer steht das "Eibsee-Hotel", mit Hallenbad und Tennisplätzen, Tel. 088 21/988 10, Fax 825 85, www.eibsee-hotel.de. Ebenso einsam und für sich allein liegt das "Hotel am Badersee", Tel. 088 21/82 10, Fax 82 12 92, www.hotelambadersee.de (Achtung: im August geschlossen). Schönheitsfarm und Hallenbad gibt es im Sporthotel "Waxenstein", Tel. 088 21/98 40, Fax 84 01, www.waxenstein.de.

Gut essen: Bayerisch und direkt am See im Berggasthof "Eibsee-Alm" (Tel. 088 21/824 11). Grillspezialitäten und Fisch in der "Taverne im Eibsee-Hotel", feiner im Hotel "Waxenstein" in Grainau (siehe Übernachten).

Sehenswert: Attraktion Nummer eins ist die Zugspitzrundreise: vom Bahnhof Eibsee mit der Zahnradbahn zum Schneefernerhaus, von dort mit der Seilbahn zum Gipfel (Tel. 088 21/79 70). An Sommerwochenenden herrscht hier Hochbetrieb.

Infos: Kurverwaltung Grainau, Tel. 088 21/98 18 50, Fax 98 18 55, www.grainau.de

Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.