Anne Thorp: Königin der Maori-Küche

Sie nimmt die Gastfreundschaft der Maori wörtlich und kreiert kulinarische Events der Extraklasse. Bei BRIGITTE.de verrät Anne Thorp drei ihrer Rezepte und erzählt von ihrem köstlichen Leben am anderen Ende der Welt.

Köstlichkeiten mit Aussicht: Anne Thorp in ihrem Haus am Pakiri Beach


In Neuseeland ist sie die "Queen of Maori Cuisine". Schon als Neunjährige hat sie für ihre ganze Familie gekocht, heute besitzt Anne Thorp Häuser in Auckland und am Pakiri Beach, wo ihre Kochshow "Kai Ora" gedreht wird. Hier veranstaltet sie auch ihre kulinarischen Events, die von erstklassigen Musikern begleitet werden.

"Kai Ora" bedeutet so viel wie "gesundes Essen, gesundes Leben". Darauf legt die Mutter zweier Kinder allergrößten Wert. "Kai Ora" heißt auch Anne Thorps erstes Kochbuch, das im Mai 2009 erscheint.

BRIGITTE.de: Was zeichnet die Maori-Küche aus?

Anne Thorp: Unsere Art zu kochen ist einfach und gesund: Traditionell haben wir unser Essen im Boden zubereitet, im "Hangi", einem Erdofen. Erst nach der Kolonialisierung fingen wir an, unser Essen im Topf zu kochen. Wir sind ein Volk der Jäger, wir essen Wildschwein und allerlei Vögel. Die Küstenstämme bevorzugen Meeresfrüchte, etwa die Meeresschnecke Paua, Langusten, Muscheln und Fische. Wir haben auch schon immer Beeren, Kawa-Kawa-Wurzeln und Blätter gegessen, etwa vom Horopitobusch. Auch die Acker-Gänsedistel, die wir Puha nennen, ist für uns ein erstklassiges Lebensmittel.

BRIGITTE.de: Was muss ich beachten, wenn ich ein richtig leckeres Maori-Essen kochen will?

Anne Thorp: Das Wichtigste sind frische, hochwertige Lebensmittel. In Neuseeland haben wir Glück: Jeder kann aus dem Meer holen, was er will - so lange er ein Boot oder einen Freund mit Boot hat. Und wir produzieren sehr gute, organische Lebensmittel. Deshalb ist unsere wichtigste Zutat Salz. Wenn die Qualität der Lebensmittel hoch ist, braucht man nicht viel mehr.

BRIGITTE.de: Woher kommt eigentlich Ihre Leidenschaft fürs Kochen?

Anne Thorp: Ich habe für meine Familie gekocht, seit ich neun Jahre alt war - für mindestens zehn Leute. Als älteste Tochter musste ich auch waschen, Rasen mähen und mich um meine Geschwister kümmern, da meine Mutter immer kurz nach der Geburt wieder zu arbeiten anfing. Aber nach dem Essen in lauter zufriedene, strahlende Gesichter zu blicken, hat mich schon als Mädchen sehr stolz gemacht. Ich koche schon mein ganzes Leben lang, aber meine Leidenschaft gehört den Menschen. Bei allem, was ich tue, sind sie das Wichtigste. Deshalb stehe ich bei meinen Events auch nicht in der Küche, sondern bin bei meinen Gästen. Ich liebe es, dafür zu sorgen, dass sie sich rundum wohl fühlen. Bei den Maori gibt es das Konzept "manaakitanga". Es bedeutet Gastfreundschaft, im Sinne von "Großzügigkeit des Geistes".

BRIGITTE.de: Aber war das nicht eine schwierige Aufgabe für ein kleines Mädchen, eine ganze Familie zu versorgen? Konnten Sie überhaupt zur Schule gehen?

Anne Thorp: Ja, es war schwierig, aber ich konnte zum Glück zur Schule und später sogar auf die Uni gehen.

Haus am Pakiri Beach

BRIGITTE.de: Stimmt es, dass Sie zu Hause 90 Leute bewirten können?

Anne Thorp: Ja. Ich liebe es, nette Leute in einer schönen Umgebung bei toller Musik zu bewirten. Deshalb habe ich in meinen beiden Häusern die ideale Umgebung für exklusive Feste geschaffen. Von meinem Strandhaus am Pakiri Beach blickt man über den Pazifik, das Wasser ist kristallklar und in den weißen Dünen wiegen sich die P?hutukawa-Bäume. Das Haus habe ich mit meinem Mann Fred so konzipiert, dass wir 90 Gäste einladen können. Wir haben eine Profiküche und alle Räume haben Glasfronten, die sich zur Seite schieben lassen. Hier habe ich schon für U2 und die Neville Brothers gekocht, für Politiker, Staatsanwälte, Generäle, Familie und Freunde. Auch in meinem Haus in Auckland kann ich 90 Gäste verköstigen, hier essen wir immer draußen im Garten. Meine Koch-Show wird in beiden Häusern gedreht.

BRIGITTE.de: Stört Sie das nicht?

Anne Thorp: Nein, es war ja meine Idee, "Kai Ora" zu Hause zu drehen, weil mein Zuhause mein Wesen am besten widerspiegelt. Es ist fantastisch, schöne Räume zu haben, um Gäste einzuladen zu können, Spaß zu haben und köstlich zu essen.


Interview: Susanne Arndt

Zur Foto-Show

Rezept: Flusskrebse mit Mais und Melone

  • 2 frische Flusskrebsschwänze in der Schale; alternativ: weißer, fester Fisch, Krabben oder Muscheln
  • 2 Stängel Zitronengras
  • 2 Maiskolben mit Blättern
  • 1?2 Cantaloupe
  • 1 Frühlingszwiebel
  • 2 Teelöffel frisch gehackter Ingwer
  • 1 Chili, gehackt
  • Saft einer Limone oder Limette

Dieses Gericht ist Sommer pur – und steckt voller Antioxidantien und Omega-3-Fettsäuren.

Die Maiskolben in ihren Blättern für zehn Minuten in den heißen Ofen schieben. Die Krebsschwänze mit dem zerbrochenen Zitronengras im Dampfkochtopf für 8 Minuten garen. Die abgekühlten Krebsschwänze aus dem Panzer lösen. In Stücke schneiden. Die Maiskolben schälen und die Maiskörner ablösen. Zu den Krebsschwänzen hinzugeben. Melone in mundgerechte Stücke schneiden und zusammen mit dem Ingwer, der Frühlingszwiebel und dem Chili zugeben.

Limonensaft über die Krebse geben und mit nativem Olivenöl beträufeln.

Rezept: Kürbis-Süßkartoffelsuppe mit Muscheln

  • 750 Gramm Herzmuscheln, fein gehackt
  • 1 große Zwiebel, gewürfelt
  • 2 große Knoblauchzehen, gehackt
  • 1?4 Tasse natives Olivenöl
  • 2 Tassen blanchierter Kürbis, gewürfelt
  • 2 Tassen blanchierte Süßkartoffel, gewürfelt
  • ca. 1 Liter Hühnerbrühe
  • Petersilie

Zwiebel und Knoblauch in etwas Öl glasig dünsten. Blanchierte Kürbis- und Süßkartoffelwürfel hinzufügen; warme Hühnerbrühe nach und nach mit der Schöpfkelle zugeben. Zum Kochen bringen. Gehackte Muscheln zugeben. Nach Belieben abschmecken.

Mit reichlich Petersilie garnieren.

Tipp: Die Muscheln erst ganz am Schluss hinzufügen, damit sie nicht zerkochen.

Mit warmem Ciabatta servieren.

Rezept: Puy-Linsen

  • 2 Tassen Puy-Linsen
  • 6 Tassen Hühnerbrühe
  • 1?4 Tasse extra natives Olivenöl
  • 1 Fenchelknolle, fein gehackt
  • 3 Schalotten, grob gehackt
  • 2 Knoblauchzehen, grob gehackt
  • 2 Lorbeerblätter
  • 1 große Karotte, fein gehackt
  • 1 große Zwiebel, fein gehackt
  • 2 Teelöffel Sellerie, fein gehackt
  • 1 Tasse Dicke Bohnen (Saubohnen, Pferdebohnen)
  • 1?2 Glas Rotwein
  • 1 Handvoll glatte Petersilie, fein gehackt
  • Salz und Pfeffer

Puy-Linsen aus Frankreich sind nahrhaft und gesund - köstlich dazu schmeckt zum Beispiel Schweinebauch.

Die Hühnerbrühe zum Kochen bringen. Linsen und Lorbeerblätter hinzugeben, 20 bis 25 Minuten köcheln lassen. Abgießen. Öl in der Pfanne erhitzen, darin Zwiebeln, Karotten, Fenchel, Schalotten, Selerie und Knoblauch langsam schmoren. Wein zugießen, Lorbeerblätter entfernen. Erst die abgegossenen Linsen, zum Schluss die Bohnen zugeben, die nur erwärmt werden müssen.

Mit Schweinebauch, gedünstetem Seebarsch oder Snapper servieren.

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