Billiger telefonieren im Urlaub

Am 30. Juni trat ein neues EU-Gesetz in Kraft: Für Roaming-Gebühren gelten künftig Höchstgrenzen. Trotzdem bleibt Telefonieren per Handy im Ausland ein kostspieliger Spaß. Worauf Sie achten sollten, damit es nicht zu teuer wird.

Anfang Juni einigten sich die EU-Minister auf eine neue Höchstgrenze für Handygespräche innerhalb der Europäischen Union: Netzbetreiber dürfen künftig maximal 49 Cent pro Minute berechnen. Dieser Preis versteht sich netto, das heißt, inklusive der deutschen Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent werden bis zu 58,31 Cent pro Minute fällig. Wird man im Ausland angerufen, muss man weiterhin selbst einen Teil der Gebühren übernehmen - künftig aber nur noch bis maximal 24 Cent netto pro Minute (28,56 Cent inklusive Mehrwertsteuer). Zurzeit sind Tarife von mehr als einem Euro pro Minute üblich; einige Anbieter haben ihre Gebühren allerdings schon vor Inkrafttreten der Neuregelung gesenkt.

Die Verordnung tritt am 30. Juni in Kraft, die Netzbetreiber haben dann einen Monat Zeit, um ihre Tarife umzustellen. In den kommenden zwei Jahren sollen die Gebühren weiter schrittweise abgesenkt werden. Die angepeilte Obergrenze für Gespräche: 43 Cent für abgehende bzw. 19 Cent für entgegengenommene Anrufe.

Natürlich gelten diese Tarife nur innerhalb der EU; wer auf die Seychellen oder nach Australien fliegt, profitiert nicht davon. Zum Glück gibt es Tricks, mit denen Sie - egal ob in Dänemark oder in der Dominikanischen Republik - immer Gebühren sparen können:

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Wichtige Einstellungen

Damit Sie mit Ihrem Handy im Ausland telefonieren können, muss es auf "International Roaming" eingestellt sein. Werfen Sie vor der Abreise einen Blick in die Liste der Roaming-Partner Ihres Netzbetreibers. So können Sie den billigsten Anbieter herausfinden. Im Ausland angekommen, müssen Sie Ihr Handy dann nur noch manuell in dieses Netz einwählen. Achtung: Vergessen Sie nicht, wenn Sie aus dem Urlaub zurück sind, die Einstellung wieder rückgängig zu machen.

Kostenfresser Mailbox

Vor dem Urlaubsantritt sollten Sie unbedingt Ihre Mailbox umstellen: Werden Sie nämlich angerufen und sind nicht erreichbar, fallen für jeden Anruf sowohl die Umleitungs-Gebühren für den Anruf ins Ausland und die Kosten für die Umleitung auf die Mailbox an. Tipp: Richten Sie eine absolute Rufumleitung ein! Hierfür sollten Sie in die Bedienungsanleitung Ihres Handys schauen, da die übliche "bedingte" Rufumleitung Anrufe erst ins Ausland und dann zurück auf die Mailbox leitet, was wiederum Mehrkosten verursacht.

Wollen Sie hingegen stets erreichbar sein, sollten Sie die Umleitung auf Ihre Handy-Mailbox gänzlich deaktivieren. So entstehen keine Kosten, wenn Sie einen Anruf einmal nicht entgegennehmen.

Übrigens: Auch ein Anruf der eigenen Mailbox wird als Auslandsgespräch gewertet. Um die Mailbox abzuhören, brauchen Sie Ihre Geheimnummer. Falls Sie diese vergessen haben, sollten Sie sich vor Reiseantritt eine neue geben lassen.

Netz manuell anwählen

Mobilfunknetze machen nicht vor den Landesgrenzen halt. Wer in Grenznähe zu Deutschland unterwegs ist, sollte die automatische Netzwahl ausschalten und sich manuell in das Netz des eigenen Mobilfunkanbieters einwählen. Das sendet in den Nachbarländern auch noch einige Kilometer hinter dem Schlagbaum. Umgekehrt kann das auch gelten; wer auf Sylt telefoniert, landet mit etwas Pech im dänischen Mobilfunknetz.

Partnernetze nutzen Bei den meisten Mobilfunk-Anbietern sind die Roaming-Konditionen ziemlich übersichtlich. Üblich sind einheitliche Tarifmodelle für ganze Ländergruppen. Die Kunden müssen sich also nicht bei jedem Grenzübertritt auf andere Minutenpreise einstellen. Viele Anbieter kooperieren mit ausländischen Partnernetzen, in denen die Tarife vergleichsweise niedrig sind. In diesem Fall lohnt es sich, die automatische Netzwahl im Handy abzuschalten und das Partnernetz per manueller Voreinstellung zu bestimmen. Details können die Nutzer auf der Internet-Seite ihres Anbieters oder bei der Service-Hotline erfahren. Der Kundendienst kann auch prüfen, ob die Mobilfunkkarte für ankommende und abgehende Gespräche im Ausland frei geschaltet ist. Bei Prepaid-Karten von Discountern kann es Einschränkungen geben.

Calling-Card

Calling-Cards lohnen sich vor allem für Gespräche vom Handy ins Festnetz. Sie funktionieren für jedes Telefon, das auf Tonwahl eingestellt werden kann, egal ob Privatanschluss, Handy oder Telefonzelle. Sie bekommen die Calling-Cards bequem am Kiosk, in Bahnhof-Shops oder im Internet. Einen Überblick über die Internet-Anbieter gibt’s zum Beispiel bei Tariftip.de. Und so funktionieren sie: Man wählt zuerst eine kostenlose Einwahlnummer, gibt die Nummer auf der Karte ein und wählt anschließend die gewünschte Rufnummer. Das Plastikkärtchen dient als Merkhilfe für Einwahl- und Kartennummer.

Tipp: Achten Sie darauf, dass Ihre Calling-Card eine Karte des fremden Netzes ist, dann sparen Sie den Roaming-Zuschlag. Vorsicht: Achten Sie beim Kauf aufs Kleingedruckte! Bei manchen Anbietern kommen Aufschläge wie Einwahlgebühren hinzu. Ein seriöser Calling-Card-Anbieter gibt Ihnen Auskunft darüber, ob sich die Karte in einem bestimmten Land für Sie lohnt.

Prepaid-Card: Nur lohnend für Vieltelefonierer

Mit einer Auslands-Prepaid-Karte (am besten vor Ort besorgen) können Sie die Roaming-Kosten umgehen. Außerdem sind ankommende Gespräche für Sie kostenlos. Allerdings kosten die Karten auch zwischen 49 und 99 Euro. Es lohnt sich also nur, wenn Sie wirklich viel aus dem Ausland telefonieren. Achtung: Prepaid-Cards funktionieren nur, wenn Sie ein Handy mit Vertrag besitzen. Prepaid-Karten-Handys haben eine eingebaute SIM-Lock-Sperre. Informationen zum sparsamen Telefonieren mit einem Prepaid-Karten-Handy finden Sie auf den Seiten der Anbieter.

Für Grüße meist am günstigsten: SMS

Urlaubsgrüße vom Handy schicken Sie am günstigsten via SMS. Kurzmitteilungen sind fast immer erheblich billiger als jedes noch so kurze Telefonat. Wer eine Prepaid-Karte besitzt, muss sich erst informieren, ob und in welchem Land er Nachrichten verschicken kann.

Vorsorge gegen Handy-Diebstahl

Teuer kann's werden, wenn Ihr Handy im Urlaub gestohlen wird. Notieren Sie sich die wichtigsten Nummern und bewahren Sie diese separat vom Handy auf: Die Notrufnummer des jeweiligen Anbieters, die eigene Handynummer, das Kennwort oder die Geheimzahl, die Seriennummer des Geräts (Imei-Nummer) und die Nummer der SIM-Karte. Diese Daten werden vom Anbieter und der Polizei umgehend benötigt.

Die Imei-Nummer ist deshalb wichtig, damit der Dieb das Gerät nicht mithilfe einer anderen Karte nutzen kann. Um sie auf dem Display abzulesen, muss der Tastencode Stern - Raute - null - zwei - Raute eingegeben werden. Die Nummer besteht immer aus 15 Ziffern. Ansonsten ist die Nummer hinter dem Akku des Geräts ablesbar. Tipp: Viele Geräte lassen sich so einstellen, dass sie nur mit der eingelegten SIM-Karte funktionieren. Der Besitzer verpasst dem Gerät quasi eine SIM-Sperre. So gesichert, ist das Handy für den Dieb wertlos.

Weitere Tipps

Vergessen Sie nicht, Ihr Aufladegerät mitzunehmen. Auch einen Universal-Adapter sollten Sie im Gepäck haben.

Im Handy-Adressbuch werden Telefonnummern am besten im internationalen Format gespeichert. Das "+" ersetzt dabei die aus dem Festnetz gewohnte 00 für Auslandsgespräche. Es lässt sich bei allen Mobiltelefonen durch längeres Drücken der '0' eingeben. Dann folgt der Länder-Code. Deutsche Anschlüsse beginnen zum Beispiel mit +49. Anschließend werden die Ortsvorwahl ohne 0 und die Rufnummer eingegeben. So lassen sich die Nummern auch vom Ausland aus problemlos anrufen. Übrigens: Der Notruf 112 funktioniert mit allen Handys innerhalb der EU und in der Schweiz.

Direkt zu den Ausland-Services der vier deutschen Netzanbieter

Hier kommen Sie auf den Auslands-Service der deutschen Anbieter:

T-Mobile

Vodafone

E-Plus

O2

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