Böse Mitbringsel

Ein Armband aus Koralle, Schnitzerei aus Elfenbein oder die Tasche aus Krokoleder - was Ihnen in fernen Ländern als schönes Souvenir angeboten wird, kann Sie daheim in Schwierigkeiten bringen. Worauf Sie deshalb beim Andenkenkauf achten sollten.

Ein Elefantenfuß als Sitzhocker, eine Gorillahand als Aschenbecher, Schuhe aus Pythonhaut oder Handtaschen aus Krokoleder - was aussieht wie die perfide Trophäensammlung eines postkolonialen Safarigängers, gehört zur ständigen Ausstellung im Zollmuseum in der Hamburger Speicherstadt. Und die ist weitaus mehr als eine Anhäufung von Absurditäten: ob Elfenbeischnitzerei, ausgestopfter Kaiman oder Nashornpulver - all diese Dinge wurden und werden an der Grenze beschlagnahmt, weil die Einfuhr nach Deutschland ohne entsprechende Papiere verboten ist. Auch der illegale Handel mit lebenden exotischen Tieren und Pflanzen ist neben Drogen-, Alkohol- und Zigarettenschmuggel eine Goldgrube für international tätige Geschäftemacher: Jährlich werden rund 20- bis 30 000 Exemplare allein am Frankfurter Flughafen entdeckt und beschlagnahmt - das reicht vom Affen in der Reisetasche bis zum Papagei im Whiskykarton.

Weltweites Artensterben

Die Konsequenz: Laut Statistik sterben jährlich 27 000 Tier- und Pflanzenarten aus. Neben dem professionellen Schmuggel trägt auch der Kauf von exotischen Souvenirs einen erheblichen Teil zum weltweiten Artensterben bei. Dabei sind es nicht nur die spektakulären Mitbringsel, für die immer noch Tiere sterben müssen - kein normaler Tourist läuft heute lächelnd mit einem ausgestopften Tiger unterm Arm am Zöllner vorbei. Dass Elfenbeinprodukte auf dem Index stehen, weiß man inzwischen als erfahrener Reisender, dass Krokodil- und Schlangenlederprodukte tabu sind, eigentlich ebenso.

Trotzdem reizt es so manchen, wenigstens bei sich selbst eine winzige Ausnahme zu machen - beim Tauchgang ein Stück Korallenriff mitzunehmen oder eine kleine elfenbeinerne Schnitzerei zu erwerben, kann doch nicht so schlimm sein. Ist es in der Summe aber schon: Gerade die Deutschen sind an der Ausplünderung der Natur in den Urlaubsländern beteilig, so die Aktionsgemeinschaft Artenschutz.

Unwissenheit schützt nicht

Auch als ahnungsloser Tourist kann man sich strafbar machen. Das schöne Korallenarmband, der Schmuck aus Schildpatt, sogar die selbst gefundene Muschel können einem unter Umständen bei der Rückkehr ins Heimatland vom Zollbeamten abgenommen werden, weil der Besitz gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen verstößt. Elfenbein, Korallen, ausgestopfte Tiere, Felle, Häute, Muscheln und Schnecken stehen dabei ganz oben auf der schwarzen Liste. Und ohne die nötigen Einfuhrpapiere drohen Bußgelder bis zu 50 000 Euro, in besonders schweren Fällen sogar Gefängnis.

Das Washingtoner Abkommen

Um den Ausverkauf der Natur und ihre weltweite Zerstörung zu verhindern, wurde bereits 1973 das "Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen" - kurz "Washingtoner Artenschutzabkommen" (WA) geschlossen. Inzwischen haben es mehr als 150 Staaten unterzeichnet, stehen rund 8000 Tier- und 40.000 Pflanzenarten - je nach Gefährdungsgrad - unter Schutz. Ein- und Ausfuhr sind bis auf strenge Ausnahmen verboten. Deutschland ist dem Abkommen 1976 beigetreten. Trotzdem wird weiterhin versucht, illegal Handel zu treiben, und die Chance, auf Reisen ausgestopfte Tiere und dergleichen angeboten zu bekommen, ist groß. Auf Auskünfte beim Kauf kann man sich nicht verlassen, ebenso wenig auf Zertifikate, die die Händler gern mit anbieten. Und letztlich hat auch kaum jemand die Liste des Artenschutzabkommens im Kopf. Um kein Risiko einzugehen heißt es deshalb: Hände weg von exotischen Souvenirs, vor allem ausgestopften Tieren oder aus Tierteilen hergestellten Waren. Dazu zählen vor allem:

Schnitzereien aus Elfenbein, Taschen, Schuhe, Gürtel etc. aus Elefan-ten-, Schlangen- oder Krokoleder. Nashornprodukte: vor allem Hörner, oder das Pulver vom Nashorn. Schildkröten – vor allen Seeschildkröten und deren Erzeugnisse aus Schildpatt (Kämme, Schmuck, Sonnenbrillen). Exotische Felle. Lebende oder ausgestopfte Vögel. Krokodile, Kaimane und Schlangen unterliegen beinahe einem totalen Einfuhrverbot. Steinkorallen, Dörnchenkorallen, schwarze Korallen - auch am Strand gefundene Teile sollten liegen bleiben. Das gilt auch für Muschel- und Schneckenschalen. Vorsicht bei Schmuck, Korallen-Armbänder, etc. Auch bei Pflanzen, vor allem bei Orchideen und Kakteen sollte man lieber auf den Kauf verzichten. Produkte aus Rosenholz, afrikanischem Teakholz und Eisenholz stehen ebenfalls auf dem Index. Tipp: Kaufen Sie statt dessen landestypische Textilien, Keramik, Glasarbeiten.

Uta Bangert
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