Costa Brava

Gibt's hier eigentlich auch schöne Ecken, die nicht jeder kennt? Sie werden staunen, wie viele...

Discos, Fast-Food-Restaurants, Spielhöllen, Lichtreklame - auf den ersten Blick wirkt Lloret de Mar wie eine Billigversion von Las Vegas: die ganze Stadt eine gigantische Vergnügungs-maschine. Und tatsächlich gilt Lloret als Inbegriff für Sauf- und Fummeltourismus von Jugendlichen.

Sollen sie doch in Lloret ihren Spaß haben. An meinem Lieblingsort Tamariu, etwa 40 Kilometer weiter nördlich, würden sie sich eh nur langweilen: 89 Einwohner, keine Disco, kurz nach Mitternacht gehen hier die Lichter aus. Eine von Felsen und Pinienwäldern gerahmte Bucht, der helle Sandstrand kaum 200 Meter breit, das Meer gesprenkelt von bunten Fischerbooten, die hinter der Badezone auf den Wellen schaukeln. Wenn es an der Costa Brava, dieser 200 Kilometer langen, jährlich von knapp vier Millionen Touristen besuchten Küste im Nordosten Spaniens, noch Orte gibt, die das Wort idyllisch verdienen, dann dieser. Vielleicht nicht gerade im Hochsommer, aber in der Nebensaison, im Mai oder September.

Ein wenig quirliger, aber dabei noch immer angenehm sind die etwas größeren Orte Llafranc und Calella de Palafrugell in den benachbarten Buchten, zwei beziehungsweise vier Kilometer südlich. Llafranc hat wie Tamariu nur einen einzigen Strand, doch mehr Bars, Cafés und Geschäfte. Calella erstreckt sich über mehrere kleine, geschwungene Sandbuchten, die von einer Promenade gesäumt werden.

Von Tamariu nach Llafranc dauert es gut anderthalb abwechslungsreiche Stunden: dichter Wald, saftig-grüne Lichtungen, Felsen und immer wieder grandiose Ausblicke aufs Meer. Und der unbeschwerliche Küstenweg zwischen Llafranc und Calella ist perfekt für einen romantischen Abend-spaziergang. Aber dann gibt es noch einen Ort, der quasi außer Konkurrenz läuft: Cadaqués, fast am nördlichsten Zipfel der Costa Brava gelegen. Schon von weitem leuchten die weiß getünchten Häuser der Heimat Salvador Dalís.

Unsere Favoriten

Idylle am FlussBesalú: Knapp 30 Kilometer südwestlich von Figueres im Landesinneren versteckt sich der Bilderbuchort Besalú. Ein Stück pures Mittelalter! Seit 1966 steht das 2100-Einwohner-Städtchen komplett unter Denkmalschutz. Wahrzeichen und allgegenwärtiges Postkartenmotiv: die im 11. Jahrhundert errichtete Brücke Pont Fortificat. Das Besondere: Sie hat in der Mitte einen Knick, weil man nur so die Felsen im Fluss Riu Fluvià als Fundament nutzen konnte. Im ehemaligen Judenviertel El Call lässt sich ein Badehaus besichtigen (das einzige in dieser Art in Spanien). Schöner Abschluss: eine Einkehr im Restaurant "Pont Vell" direkt an der Brücke (siehe Tipps Restaurants).

Fisch mit Meerblick"Tragamar", Calella de Palafrugell: Tagliatelle mit Algen, Carpaccio vom Tunfisch - klingt etwas anders als die typische Fischküche an der Costa Brava. Den großen, vom Fußboden über Tische und Stühle ganz in Holz gehaltenen Speisesaal schmücken schöne Schwarz-Weiß-Fotografien; das Publikum ist jung und modisch gestylt. Es gibt in Calella keinen besseren Platz für einen lauschigen Sommerabend als auf der Terrasse dieses direkt am Strand gelegenen In-Lokals (Platja del Canadell, Tel. 615189).

Schöne Badeplätze Canyelles: hübsche Buchten, zwischen Tossa und Lloret gelegen, umrahmt von Felsen und Wald. Gutes Ziel für einen Tagesausflug, viele Familien. Platja del Codolar, Tossa de Mar: winziger Badefleck unterhalb der Altstadt, eine ruhige Alternative zum Trubel des Hauptstrandes von Tossa. Grobkörniger Sand. Nur eine Strandbude, keine Musik, viele Schnorchler. Tamariu: Wenn morgens die Sonne hinter dem Felsen hervorkriecht und in der noch menschenleeren Bucht das Licht anknipst, fällt es schwer, einem Bad vor dem Frühstück zu widerstehen. Aber selbst wenn sich der nicht einmal 200 Meter lange Strand füllt, bleibt er ein angenehmer Platz zum Entspannen. Sa Riera: ehemaliger Geheimtipp unweit von Begur, der inzwischen leider keiner mehr ist. An dem hellen, nur 300 Meter breiten Sandstreifen mit viel Wald im Hintergrund lässt es sich aber noch immer gut aushalten. Cala Montgó: größere Bucht, nicht weit von L'Escala. Feiner Sand, viele Familien, für Kinder ideal, denn es geht - fast wie an der Ostsee - sehr flach ins Wasser. Platja Sant Pere de Pescador: ein fast sechseinhalb Kilometer langer Strand mit puderzuckerfeinem Sand.

ÜbernachtenGirona: Die Hauptstadt der Region Costa Brava gehört zu den Orten mit der höchsten Lebensqualität in Spanien. Sehenswert: die von der Moderne fast völlig verschonte Altstadt, die malerische Häuserzeile am Fluss Onyar. Boutiquen, nette Cafés (z.B. "L'Arcada", Rambla de la Llibertat 38, mit Tapas, Pizza), Eisdielen (z.B. "Gelateria La Xixonenca", C/Argentería 8).

Charme alter Zeiten"Hotel Diana", Tossa de Mar: Besser kann ein Hotel kaum liegen. Der vordere Eingang geht zur Promenade, der hintere direkt auf die Plaza. Das "Diana" ist Pendeltür zwischen Stadtleben und Strand und wunderschön dazu. Schließlich waren es Schüler des katalanischen Architekten Antoni Gaudí, die es Mitte des 19. Jahrhunderts entwarfen. Mit typisch geschwungenen Linien, Spiegeln, Marmor und Buntglas. DZ/F 70 bis 150 Euro (Plaça d'Espanya 6, Tel./Fax 341886).

Ein Stück MittelalterPals: Im Altstadtviertel Barri Vell - Wehrturm, eine imposante Mauer und Sandsteinhäuser, die so einheitlich und perfekt restauriert worden sind, dass alles fast wie eine Kulisse für Filme über das Mittelalter aussieht. Und so ist der Ort mit seinen von Blumen geschmückten Gassen mehr Museum als echte Stadt. In der Nebensaison am Vormittag hat man Pals fast für sich allein; aber vorher sollte man gefrühstückt haben, denn die wenigen Lokale öffnen erst am frühen Nachmittag.

Besuch beim großen MeisterDalí: Das Museum in Figueres, sein Wohnhaus in Port Lligat bei Cadaqués und schließlich das Schloss in Púbol, das der Meister seiner Muse Gala schenkte - sie bilden das so genannte surrealistische Dreieck. Es komplett abzupilgern wird wohl nur absolute Salvador-Dalí-Fans reizen. Lohnenswert ist in jedem Fall ein Abstecher nach Figueres, wo Dalí 1904 geboren wurde. Das verspielte Teatre-Museu Dalí ist mehr Erlebnispark als klassischer Kunsttempel. Wer von Cadaqués aus einen Abstecher nach Port Lligat machen möchte, sollte wissen, dass man den Besuch im Haus des exzentrischen Künstlers immer telefonisch anmelden muss - sonst wartet man stundenlang vor Ort (Teatre-Museu Dalí, Plaça Gala-Salvador Dalí 5, Figueres, Tel. 677500, Hauptsaison täglich, Eintritt: 9 Euro. / Casa-Museu Salvador Dalí, Portlligat, Tel. 251015, Eintritt: 8 Euro. / Casa-Museu Castell Gala Dalí, Púbol, Tel. 488655, Eintritt: 5,50 Euro. Info: www.salvador-dali.org).

Die besten Tipps

„Hotel Hostalillo“, Tamariu: Morgens im Bademantel zum Schwimmen an den Strand. Danach Frühstück auf einem Logenplatz über der Bucht. Und nachts auf dem Balkon bei Rotwein und Kerzenlicht das Meer rauschen hören - wer sich hier einquartiert, ist definitiv im Urlaub angekommen. Auch Halb- und Vollpension. DZ/F je nach Saison ab 80 Euro (Bellavista 22, Tel. 620228, Fax 620184, www.hotelhostalillo.com).

„Hotel Duran“, Figueres: Die Hotelszene in Figueres zeichnet sich vor allem durch Funktionalität aus; Häuser mit Charme sucht man hier vergeblich. Eine kleine Ausnahme: das "Hotel Duran". Das Traditionshaus von 1855 schreckt zwar mit trister Außenfassade - doch drinnen findet sich noch der Glanz aus den Zeiten, als die Gäste in Kutschen vorfuhren. Ein imposanter Speisesaal zum Beispiel mit prunkvollen Kronleuchtern. Oder ein Kellergewölbe mit uriger Weinschänke, in der man auf Holzbänken vor großen Eichenfässern sitzt. DZ/F 59 Euro (Lasauca 5, Tel. 501250, Fax 502609, www.hotelduran.com).

„Hotel Casamar“, Llafranc: Natürlich kann man in Llafranc direkt am Strand wohnen. Ruhiger und dabei ein bisschen familiär geht es aber hier oben zu, hoch über der Bucht. Wer keines der 20 Zimmer mehr bekommen hat, sollte sich beim Wandern auf dem direkt am Hotel entlangführenden Cami de Ronda wenigstens eine kleine Pause mit einem frisch gepressten Orangensaft gönnen - natürlich auf der Terrasse, von der man einen wunderbaren Blick auf den Strand von Llafranc hat. DZ/F ab 66 Euro (Del Nero 3, Tel. 300104, Fax 610651).

„Hotel Mas de Torrent“, Torrent: Eine Viertelstunde zu den Stränden und wenige Kilometer vom mittelalterlichen Pals entfernt liegt dieses gediegene Landhotel, dessen Mauern aus dem 18. Jahrhundert stammen. Kaminzimmer, Spitzenrestaurant, Tennis- und vier Golfplätze - aber der Inbegriff von Luxus sind wohl die sieben Suiten im Garten: jede mit eigenem beheiztem Pool. (Leider gibt sich das Publikum manchmal entsprechend snobistisch.) DZ/F 280 Euro (Tel. 303292, Fax 303293, www.mastorrent.com).

"Hotel El Far", Palafrugell: Urlaub im Leuchtturm ist ja nicht ganz neu. Hier die Variante: Urlaub neben dem Leuchtturm - in einem aus dem 18. Jahrhundert stammenden Gästehaus, das zur Einsiedelei Sant Sebastiá gehörte und zum Luxushotel umgebaut wurde. Lobby, Zimmer, Restaurant: alles stilvoll und edel. DZ/F ab 210 Euro (Platja de Llafranc, Tel. 301639, Fax 304328, www.elfar.net).

„Hotel Bellmirall“, Girona: Egal, wo man sich in der Stadt eingebucht hat: Spätestens, wenn man bei einem Besuch der Altstadt plötzlich an diesem Hotel vorbeikommt, stößt man einen Seufzer aus: Warum bloß ist man nicht hier abgestiegen? Das "Bellmirall", nur wenige Meter von der Kathedrale entfernt, fügt sich mit seinem historischen Gemäuer perfekt in die Umgebung. Sieben zauberhafte, völlig unterschiedlich gestaltete Zimmer mit Natursteinwänden. Der 84-jährige Besitzer Isidre Vicens ist Maler und nutzt das Hotel als Ausstellungsraum. Die Preise: moderat! DZ/F 56, Dreibettzimmer 75 Euro (Bellmirall 3, Tel. 204009).

Restaurants

„Es Dofí“, Tamariu:Tamariu ist ein winziger Ort, aber wer will, kann dennoch eine Woche lang jeden Tag woanders essen. Doch wozu? Das am hinteren Ende der kleinen Promenade gelegene Restaurant „Es Dofí“ (deutsch: der Delfin) ist eh nicht zu toppen. Ob für den Kaffee am Nachmittag, eine Tostada zwischendurch (Tipp: die mit den Anchoas) oder das komplette Menü am Abend - hier fühlt man sich stets zur richtigen Zeit am richtigen Ort. (Tel. 620043, Cala Truela Pintor).

„Pont Vell“, Besalú: Das kleine Städtchen Besalú wird täglich von vielen Reisebussen angefahren. Eigentlich ein idealer Ort für Touri-Abfütterungsstationen. Doch wenn man die Brücke, das Wahrzeichen der Stadt, überquert hat, erwartet einen - gleich links - kein Fast-Food, sondern: das Restaurant "Pont Vell". Auf drei Ebenen lässt sich in dem alten Gemäuer schlemmen, am schönsten auf der Terrasse unter dem Brückenbogen aus dem 11. Jahrhundert, mit Blick auf den Fluss. Hier kann man nichts verkehrt machen. (Pont Vell 24, Tel. 591027).

Cafés, Bars

"El Pirata", Tossa de Mar: Nette kleine Bar am Ende der Carrer Portal, direkt unterhalb der Burgmauer. Tagsüber lässt sich in den bequemen Korbsesseln bei einem Milchkaffee entspannen. Abends verwandelt sich das Café in eine Bar mit Rockmusik. Dann sitzt man am besten auf der kleinen Terrasse an der dem Meer zugewandten Seite. Dort kann man Musik und Wellen lauschen. (Portal 30, 11 Uhr morgens bis 3 Uhr nachts).

"La Bella Lola", Calella de Palafrugell: Wenn eine Kneipe "Die fesche Lola" heißt, dann klingt das nach Musik, und so ist es: "La Bella Lola" ist eine typische Habaneras-Bar. Habaneras, das sind melancholische Lieder, die Seefahrer und zurückgekehrte Auswanderer aus der Karibik nach Spanien mitbrachten. Damit auch Touristen die Stücke über Sehnsucht und Heimweh mitsingen können, sind die Texte auf Papiertischdecken gedruckt. Dazu trinkt man Cremat, einen flambierten Cocktail aus Rum, Zucker, Kaffee, Zitronenschale und Zimt. Den gibt’s auch zum Mitnehmen (Plaça de St. Pere 4, Tel. 615279).

"Bar Cap de Creus", Cadaqués : Eigentlich kurios: eine Art Irish Pub am östlichsten Punkt des spanischen Festlandes, am Cap de Creus. Laute Folk-Musik als Kontrast zur Stille der weiten Landschaft. Nach einer kurzen Gewöhnungsphase fühlt man sich geborgen wie in einer urigen Berghütte, lässt sich Kuchen oder Spaghetti Bolognese schmecken – und wenn man nicht mehr mit dem Auto zurückmüsste, könnte man hier beim Maltwhiskey ganz prima versacken (Tel. 199005).

Extratouren

Begur: Viele Besucher zieht es nur nach Begur, um zu den umliegenden Buchten Sa Riera, Aiguafreda und Sa Tuna zu gelangen. Dabei lohnt auch der Ort selbst einen Ausflug. Das historische Zentrum rund um die Plaça de la Vila ist hübsch, aber kein Ausstellungsstück wie im Nachbarort Pals, sondern lebendig. Auf einem Plateau gelegen, ist Begur überdies ein natürlicher Aussichtspunkt, von dem man bis nach Roses sehen kann.

Kathedrale Girona: Girona wird wegen seiner 23 Gotteshäuser auch Stadt der Kirchen genannt; die bedeutendste erhebt sich als wuchtiger Bau über der Altstadt: die Kathedrale. Begonnen wurde mit dem Bau im 14. Jahrhundert, bis zur Fertigstellung dauerte es dann noch einmal 400 Jahre. Das Innere wartet mit einer spektakulären Besonderheit auf: Statt der üblichen drei gibt es nur ein einziges Schiff von 23 Meter Breite; es ist das größte gotische Kirchengewölbe der Welt.

Keramik: Beste Adresse für Keramikfans: das Örtchen La Bisbal (zwischen Girona und Palafrugell), wo sich in der Carrer l’Aigüeta ein Geschäft an das nächste reiht.

Wandern: Einwöchige Wanderung von S’Ageró über La Fosca nach Calella de Palafrugell, Llafranc und Sant Sebastiá bis nach Pals. Preis: ab 419 Euro, inklusive Halbpension, Gepäcktransport (www.iberotours.de).

Radfahren: Achttägige Radtour durch die Region Garrotxa, auf dem "bicicarril", einer stillgelegten Bahnstrecke zum Mittelmeer, nach Begur, L’Escala. Start: in Olot, nordwestlich von Girona. Preis: ab 495 Euro, inklusive Halbpension, Rad, Karten (www.vuelta.de).

Infos für die Reise

So kommen Sie hin: Iberia fliegt von sieben deutschen Flughäfen nach Barcelona, zum Teil mehrmals täglich. Preise: ab etwa 200 Euro, Last-Minute-Angebote ab 130 Euro. Infos und Buchung unter 01803/000613 (9 Cent/Minute) oder www.iberia.de. Der Flughafen von Girona wird überwiegend von Charter-Gesellschaften, z.B. Hapag-Lloyd, angesteuert. Lektüre: Ausführliche Infos im Urlaubshandbuch "Costa Brava" (Reise Know-How, 12,50 Euro) und im Band „Katalonien“ (Michael Müller Verlag, 15,90 Euro). Tipps, Tourenplaner und Karten in "Costa Brava" (Merian-live, 7,95 Euro). Richtig verbunden: Vorwahl von Deutschland aus 0034/972. Gut informiert: Spanisches Fremdenverkehrsamt, Myliusstr. 14, 60323 Frankfurt/ Main, Tel. 069/725038, Fax 069/ 725055, www.tourspain.es sowie www.costabrava.org.

Text: Uwe Rasche; Fotos: Sabine Wenzel
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