Das Elsass genießen

Elsass - ein Schlaraffenland: Zünftige Gasthäuser und Trödelläden, herrliches Essen und exzellente Weine. Und das für wenig Geld.

Geschafft! Zwischen Granitbrocken und grünen Wiesen liegt die Ferme Auberge Lac du Forlet. Drei Stunden lang sind wir durch das Munstertal gewandert. Immer bergauf. Die Holztür knarrt. Innen rot-weiße Tischdecken, der Kachelofen knistert, das frisch gebackene Brot duftet. Wir bestellen das Tagesmenü: überbackene Zwiebelsuppe, Entenpastete mit Kirschwasser. Dazu ein Gewürztraminer. Und zum Nachtisch Apfeltarte, mit Karamell glasiert. Wir sind im Schlaraffenland, offiziell auch Elsass genannt. Die Berge sehen aus wie Pistazieneis, und die Dörfchen scheinen aus Lebkuchen gebaut. Eine Woche wollen wir durch die Hügelkämme zwischen Schwarzwald und Vogesen trödeln.

Von Auberge zu Auberge ziehen, alte Fachwerkstädtchen erkunden und in die Kochtöpfe schauen. Gourmetführer ließen zwar zahlreiche Sterne auf Straßburg und Colmar regnen, doch die wahren Sternstunden erleben wir in den Höhenlagen, auf den Fermes Auberges, den einsam liegenden Bauern- und Berggasthöfen im Elsass, wo die Küche zünftig und günstig ist. Denn die Zutaten kommen aus dem eigenen Garten oder aus dem nahen Wald. Oder von der Wiese.

Morgensonne pinselt das Munstertal in Rot und Gold. Wir tauschen die Wanderschuhe gegen einen Wagen ein. In gemächlichem Tempo bummeln wir über die berühmte Weinstraße, wo die Rebstöcke bis zum Horizont wachsen und sich der Weg nach Niedermorschwihr schlängelt, ein scheinbar im Tiefschlaf liegendes Örtchen. Hier zaubert Christine Ferber die besten Konfitüren zwischen Straßburg und Paris. Die weiße Haube ist ihr in die Stirn gerutscht, die Hände sind vom Fruchtsaft besprenkelt. Zehn junge Frauen entkernen hinter der Backstube Pfirsiche, schneiden schmale Scheiben, schütten sie in einen Kupferkessel, bis es dampft und fruchtig riecht. Etwa 200 Sorten werden hier hergestellt: Gelee, in dem echte Rosenblättchen schwimmen. Französische Zwetschen mit einem Hauch von Vanille und Honig. Knackige Süßkirschen mit Minzblättchen und einem Schuss Pinot Noir.

Ein Hoch auf den guten Geschmack

Philippe Donato, der Nachbar, schaut täglich vorbei, stärkt sich mit Weinbergpfirsich und Vanilleeis, bevor er wieder in seine Werkstatt verschwindet, wo Schränke, Stühle und Anrichten restauriert werden. Sein Geschäft ist in Colmar. Die Vorzeigestadt des Elsass wirkt wie aus der Augsburger Puppenkiste, vor allem am Markttag, wenn Käselaibe über die Wege rollen; Sonnenblumen leuchten vor den Fachwerkhäusern mit ihren Erkern, Holzgalerien und Treppentürmen.

Stau im Gerberviertel von Colmar. Hobbyfotografen tänzeln über die Steinbrücke des dekorativen Flüsschens Lauch. Trauerweiden tätscheln das Wasser, Gondeln gleiten an Fachwerkfassaden vorbei. Wir verschwinden in einem efeuberankten Haus. Gugelhupfformen an der Decke und Flammkuchen auf dem Teller. In unseren Gläsern glänzt ein würzig-süßer Muscat. Ein typischer Elsässer Wein, den auch Jean Bernhard Siebert anbaut. Eine alte Klostermühle bei Wolxheim ist seine Winzerei. Nur 50 000 Flaschen produziert er im Jahr.

Pinot Blanc und Noir, Riesling, Silvaner, Tokay oder Muscat. Das reicht ihm. "Lieber das Leben hier und jetzt genießen." Hört sich ziemlich französisch an. Protest! "Ich bin kein Franzose, ich bin ein Elsässer, und wir sind den Schwaben viel ähnlicher: schaffe, schaffe, Häusle baue... der Elsässer ist fleißig, aber auch ein Genussmensch." Wir auch: Im Kofferraum klirren Marmeladengläschen, es duften die Patés aus Colmar. Wir schieben, stopfen, drängeln. Es wäre doch gelacht, wenn nicht noch einige Weinkisten reinpassen würden.

Wir rollen weiter ins Tal von Natzwiller. Viele Kurven führen hoch zur Ferme Auberge du Segersthal. "Wo bleibt ihr denn?" Marie und Dominique begrüßen uns wie alte Freunde. Vor zwei Jahren hat das junge Paar den Berggasthof übernommen. In unserem Zimmer wölben sich dicke Plumeaus, und karierte Gardinen schmücken die kleinen Fenster. In der Stube wird hauchzartes Entenleber-Carpaccio und geschmortes Kaninchen mit Tannennadelsoße serviert. Die Sonne verabschiedet sich aus dem Tal, Grashüpfer zirpen, Lichter funkeln, und Störche klappern in der Ferne. Wir fühlen uns kugelrund und setzen uns auf die Holzbank vor dem Haus. Was für ein herrliches Leben! Die Zeit scheint zu schleichen. War da nicht auch von einer Feigensabaione die Rede?

Reiseservice

Telefon: Vorwahl von Frankreich 0033.

Info: Comité Régional du Tourisme d'Alcace, 6, Avenue de la Marsellaise, BP 219, F-67005 Strasbourg, Tel. 03 88/25 01 66, Fax 52 17 06; www.tourisme-alsace.com.

Weinstraße im Elsass: Mitten im Herzen von Europa gelegen, steht die Weinstraße im Elsass bei Kurz- und Langzeiturlaubern auf der Hitliste ganz oben. Unter www.weinstrasse-im-elsass.de gibt es mehr als 400 Übernachtungsadressen aus der Region. Das Angebot reicht von der Ferienwohnung auf dem Lande über Bed & Breakfast bis zu Hotels aller Kategorien. Dazu gibt es Informationen zu regionalen Festen, touristischen Highlights und landschaftlichen Besonderheiten

Schöne Hotels

Hotel les Têtes, 19, Rue des Têtes, F-68000 Colmar, Tel. 03/89 24 43 43, Fax 89 24 58 34. Hotel in dem alten Weinhandelshaus von Colmar. Komfortable, große Zimmer mit Blick auf den weinbelaubten Innenhof.

Hostellerie La Cheneaudière, F-67420 Colroy-La-Roche, Tel. 03/88 97 61 64, Fax 88 47 21 73. Edles Haus am Waldrand mit Kamin, Schwimmbad unter Fachwerkbalken, Wellnessbereich und einem guten Restaurant.

Trödel und Antiquitäten

Philippe Donato, Antiquités, 14, Rue des Tanneurs, Colmar, Tel. 03/89 41 40 06. Spezialität: elsässische Möbel, insbesondere Schränke aus Nussholz und Eiche. Renaissancestühle oder Gemälde aus der Biedermeierzeit.

Antiquités Brocante Fontaine, 26, Rue des Marchands, Colmar, Tel. 03/89 23 95 87. Jugendstilkronleuchter, barocke Stühle, aber auch alte Blechautos.

Antiquités Brocante Pfeiffer,5, Rue des Marchands, Colmar, Tel. 03/89 41 95 97. Wunderbarer Trödel sowie barocke Schliffspiegel und Rahmen, hohe Messingleuchter und französisches Porzellan.

Arcana, Antiquités-Tableaux, Chantal Cahn, 13, Place de l'Ancienne Douane, Colmar, Tel. 03/89 41 59 81. Möbel verschiedener Stilrichtungen aus Frankreich.

Antiquités, Brocante No 20, Guy Caffard, 56, Rue des Marchands, Colmar, Tel. 03/89 23 79 66. Mit etwas Glück findet man hier elsässische Kleinmöbel wie Nachttische oder Sessel, aber auch alte Nachttöpfe, Kronleuchter, alte Puppen.

Brocante du Kronthal, 5 RN 4 Marlenheim, Tel. 03/88 87 73 76. Von außen ein kleines Fachwerkhaus mit Waagen, Leiterwagen und alten Gartenmöbeln vor der Tür, dahinter eine riesige Halle mit allerherrlichstem Trödel und guten Antiquitäten von Gründerzeittischchen bis zu Barocksesselchen, Kachelöfen und Ballkleidern.

Philippe le Monuir, Antiquités, 4, Place du Marché aux Poissons, Strasbourg, Tel. 03/88 75 52 95. Elsässer Möbel aus dem 18. Jahrhundert.

Antiquités-Brocante Circé, 24 b, Rue des Orfèvres au fond de la Coeur, Strasbourg, Tel. 03/88 22 43 15.

Jeden ersten und dritten Freitag im Monat findet in Colmar im Quartier des Tanneurs ein kleiner Trödelmarkt statt, vor allem antiquarische Bücher, viele davon sogar auf Deutsch. Mittwochs und samstags Trödel- und Antiquitätenmärkte in Straßburg direkt unterm Münster, am Place du Vieil-Hopital. Morgens gegen acht Uhr sind die besten Schnäppchen zu machen.

Essen und Trinken

L'Auberge de L'Ill, 2, Rue des Collonges in Illhaeusern, Tel. 03/89 71 89 00. Reservierung notwendig, Montag und Dienstag geschlossen. Gourmets aus der ganzen Welt pilgern in das kleine Dorf zu Jean-Pierre und Paul Haeberlin. Ihre Kreationen: z. B. Trüffeln in Kartoffelkruste, auf Heu gebratene Aale.

Au Crocodile, 10, Rue de l'Outre, Strasbourg, Tel. 03/88 32 13 02, Fax 88 75 72 01. Emile Jung ist ein Meister der kreativ-französischen Küche und Sommelier ersten Ranges.

Le Caveau St-Pierre, 24, Rue de la Herse in Colmar, Tel. 03/89 41 99 33. Es gibt wenige Restaurants, die so romantisch an der Lauch liegen. Auf der Karte elsässische Küche wie Sauerkraut mit Kasseler und Würstchen. Winstub, La Petite Venise, 4, Rue de la Poissonnerie in Colmar, Tel. 03/89 41 72 59. Hausgemachter Zwetschenkuchen und kleine Gerichte wie Tarte, Salat oder Quiche.

Caveau Morakopf, 7, Rue des Trois-Epis, Niedermorschwihr, Tel. 03/89 27 05 10, Fax 89 27 08 63. Knusprige Paté du vigneron (Fleischpastete), Bratkartoffeln mit Munster und Feldsalat mit geröstetem Speck.< Winstub au Tire Bouchon, 29, Rue du Général de Gaulle, Riquewihr, Tel. 03/89 47 91 61, Fax 89 47 99 39. Hier gibt's Choucroute garni: Sauerkraut mit Kasseler, Würstchen und Speck.

L'Ami Fritz, Rue des Chateaux, Ottrott, Tel. 03/88 95 80 81, Fax 88 95 84 85. Wachteln auf Linsen, Sauerkraut und Kalbsnierchen unter großen Platanen.

Au bon Pichet, 10, Place du Marchè-aux-Choux, Sélestat, Tel. 03/88 82 96 65. Köstliche Gänseleber, Kräuterschnecken und Kalbsnierchen.

Souvenirs

Wein vom Winzer Jean Bernhard Siebert, Le Moulin in Wolxheim, Tel. 03/88 38 43 92, Fax 88 54. Besuch und Einkauf auf Voranmeldung.

Hugel et Fils, 3, Rue de la Première Armée in Riquewihr, Tel. 03/89 47 92 55. Besonders gute Spätlesen im Angebot.

Konfitüren von Christine Ferber, Patisserie Ferber, 18, Rue des Trois-Epis in Niedermorschwihr, Tel. 03/89 27 05 69.

Pasteten vom Traiteur Glasser, 18, Rue des Boulangers in Colmar, Tel. 03/89 41 23 69, Fax 89 23 55 93. Außerdem Kräuterwürstchen und hausgebeizter Lachs.

Käse aus La Fromagerie Saint-Nicolas Sarl, 18, Rue Saint-Nicolas in Colmar, Tel. 03/89 24 90 45. Von Munster bis Ziegen-Rohmilchkäse - Pralinen in der Patisserie Jean, Place de L'École, Colmar, sowie Trüffel, Früchtebrot, Anismakronen, Zimtplätzchen, Mousse-Törtchen.

Märkte

Jeden Donnerstag von 8 bis 13 Uhr in den Markthallen an der Rue de la Poissonnerie in Colmar. Im Zentrum stehen die Stände der Fermes Auberges, die hier frischen Ziegenkäse, Nussbrot, selbst gemachte Patés oder Kräuter aus biologischem Anbau verkaufen.

Buchtipps

"Das Elsaß, das ich meine. Kleine Philosophie aus der Provinz" , (DNA-Edition). Die Kabarettistin Huguette Dreikaus beschreibt elsässische Befindlichkeiten. "Die Gedanken sind frei. Meine Kindheit im Elsaß" Diogenes). Skizzen, zeitgenössische Dokumente, Bilder und Erinnerungen des Cartoonisten Tomi Ungerer an die Zeit der deutschen Besetzung. "Die Elsässer" (Wunderlich-Verlag). Eine Familiensaga von Henri de Turenne, François Ducher. Drei Kriege, drei Frauenschicksale. Das Buch erzählt über das Leben im Elsass ab 1870.

"Elsass" aus der DuMont-Reihe Richtig Reisen. Ein kompetenter Begleiter durchs Land.

"Elsass" Landhotels & Restaurants; Weingüter, Einkaufen (DuMont). Zahlreiche Adressen für Hotels, gutes Essen und hübsche Souvenirs am Wegesrand. - Informativ auch das ADAC-Reisemagazin "Elsass". "Von Ferme zu Ferme in den Vogesen" (Grosse-Verlag). Handlicher Führer, der die gesamten Fermes Auberges inklusive Wegbeschreibungen auflistet.

Inken Herzig (Text) Melanie Dreysse (Fotots)
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.