Australien: Buntes Byron Bay

Ein seltsamer Ort, dieses Byron Bay ganz im Osten Australiens. Hier werden Wünsche wahr, heißt es. Tatsache ist, dass hier jeder etwas für sich findet.

"Was ist dein Lebensziel?" Priyas Frage erstaunt mich, wir kennen uns erst zehn Minuten. Und eine Antwort suche ich, grob geschätzt, seit meinem Abitur. Ich gehöre zu jenen Menschen, die immer nur vorläufige Entscheidungen treffen und spontan Pläne und Ziele ändern. Priya ist 38 und stammt aus Deutschland. Wir stehen zusammen auf einer Klippe am östlichsten Punkt Australiens, dem Cape Byron.

Meine Zufallsbekanntschaft erwartet offensichtlich keine Antwort, sondern erzählt selbst: dass sie schon an fast allen Orten dieser Welt war, die den Ruf haben, den Kopf frei und die Seele "happy" zu machen. In Byron Bay, der Küstenstadt in New South Wales, 800 Kilometer nördlich von Sydney hat sie schließlich eine Sushi-Bar eröffnet und begonnen, Bilder zu malen. "Überlege dir gut, was du wirklich erreichen willst", sagt sie beim Abschied. "Hier werden Wünsche wahr." Das war vor drei Jahren.

Ich war auf eigene Faust unterwegs in Australien, und mein Reiseführer hatte das Städtchen als Berühmtheit angepriesen. Ich empfand Byron Bay als fast unwirklich schön. Aber dass ich im Jahr darauf wiederkam, lag eher an Priya. Irgendwie hatten ihre Worte mich erwischt.

Die Leichtigkeit des Seins

Lebenskunst: Ornamente in den Fels geritzt

Vermutlich habe ich mich einfach in Byron Bay verknallt. Vielleicht, weil sich das Leben hier so leichtfüßig anfühlt. Meine Beine fliegen jedes Mal geradezu am Strand entlang. Das subtropische Byron ist 25 bis 30 Grad warm, zumindest zwischen November und März. Das ist auch die Zeit, in der sich die Stadt von ihrer buntesten Seite zeigt, ein bisschen eigenwillig und verrückt ist sie immer.

Hier gibt es mehr Ökoläden als Supermärkte, und die 70er Jahre haben hier anscheinend eine Nische für die Ewigkeit gefunden: Rucksackreisende machen Trommelkurse am Strand. In den Wäldern ringsherum leben die "Ferals", die Wilden - Australiens jüngste Hippie-Generation. Selbstfindung, Selbsterfahrung, all das zieht sich wie ein roter Faden durch die Byron-Gesellschaft. Dabei bleiben alle immer schön "laid back", das ist die Lieblingsvokabel der Australier für einen entspannten Lebensstil.

Die Frau neben mir im Strandcafé "Swish" bestellt "LSD" – Kaffee mit Sojamilch. Der ist Kultgetränk im gesundheitsbewussten Byron, obwohl er ziemlich fad schmeckt. Die Frau ist eine der bekanntesten Schriftstellerinnen Australiens: Di Morrissey, 54. "Wer hier in Byron lebt", sagt sie, "hat das Gefühl, hergeführt worden zu sein." Und etwas gesucht. Neue Kraft oder Kreativität, den Sinn des Lebens oder mehr Sinnlichkeit. Krisen, der Partner oder Boss hätten diesen Menschen einen Fußtritt verpasst, einen so kräftigen, dass sie aus ihrem Alltag purzelten, sagt Di. Sie selbst wollte Abstand zu ihrer kaputten Ehe gewinnen. Schreiben, vergessen. Ihr Roman "Heart Of The Dreaming" (deutsch: "Der Duft der roten Erde") machte sie berühmt.

Chill-out am Strand, allein. Der Himmel spannt sich mit 400 Millionen Sternen über der Bucht, dickeren Sternen als in Deutschland. Da ist der helle Pfeil des Nordens, dort die blinzelnde Milchstraße, keine Spur vom Kreuz des Südens. Wie war das? An diesem Ende der Welt werden Wünsche wahr? Im Moment will auch mir beim besten Willen keiner mehr einfallen.

Reise-Infos Byron Bay

Reisezeit: Sommer ist von Dezember bis Februar, dann wird es bis 38 Grad heiß. Beste Reisezeit von Februar bis Ende April, dann ist es ruhiger und preiswerter, die Temperaturen liegen zwischen 26 bis 30 Grad, die Wassertemperatur 25 bis 27 Grad. Im Winter häufiger Regen.

Übernachten

Arcadia Guesthouse: geleitet von einem deutsch-australischen Paar. Liebevoll eingerichtete, großzügige Zimmer mit Bad, Telefon und TV in einer romantischen Villa am Ortsrand, zehn Minuten zum Strand; DZ ab 100 Euro (Cowper St. 48, Tel. 66 80 86 99, http://www.arcadiahousebyron.com.au).

The Cape Beach House: mediterrane Oase mit Atrium-Innenhof. Fünf stilvoll designte Räume mit Bad; DZ/F ab 100 Euro (Lawson Street 94, Tel. 66 85 58 36, Fax 66 80 87 22, www.thecape. com.au).

Rae’s on Watego’s: sehr exklusiv. Die marokkanisch inspirierte Architektur hat Preise gewonnen, Stars wie Kate Winslet, Milos Forman oder Meg Ryan residierten hier. Penthouse, Suiten mit Art-déco-Stilelementen und 60 Zimmer mit balinesischen Antiquitäten. Traumadresse für Honeymooner, die am Leuchtturm geheiratet haben. Das Restaurant gilt als eines der besten im Land; DZ ab 400 Euro (Marine Parade, Watego’s Beach, Tel. 66 85 53 66, www.raes.com.au).

Crystal Creek Rainforest Retreat: moderne Designhäuser mit Küche, Holzböden, Spa-Bad, versteckt im Regenwald. Trekkingwege rund um das Anwesen. Meditativ still und schön, 60 Minuten mit dem Auto von Byron; Haus ab 295 Euro (PO Box 69, 2484 Murwillumbah, Tel. 66 79 15 91, www.crystalcreekrainforestretreat.com.au). Ferienhäuser oder Apartments vermitteln und zeigen die ortsansässigen Makler; pro Woche ab ca. 320 Euro, www.byronbayfn.com.au).

First Sun Holiday Park: Campingplatz direkt hinterm Main Beach. Keine schattigen Bäume, aber saubere sanitäre Anlagen; Campsites ab 15 Euro, Holzhütten ab 35 Euro pro Nacht (Lawson Street, Tel. 66 85 65 44, http://firstsunholidaypark.com.au).

Stayz: mehr als 30 000 Adressen in ganz Australien, individuelles Suchsystem (http://www.stayz.com.au).

Genuss

The Pass Café: frühstücken und das lokale "Echo" lesen, sehr relaxt; täglich Frühstück und Lunch, Do. bis Sa. auch abends ab 18 Uhr (Brooke Drive 1, Tel. 66 80 80 28, http://thepasscafe.com.au).

Swish: gute Pancakes mit Ahornsirup und frische Säfte, kreative vegetarische Küche (Childe Street, Belongil Beach, Tel. 66 85 71 44).

Sushi Wave: Auf einem Zug rollen Sushi und Sashimi am Tresen entlang, einfach zugreifen; tgl. ab 12 Uhr (Lawson Street, Tel. 66 80 90 44).

Boomerang Grill: Krokodilfilets oder Straußen-Carpaccio? Die kanadischen Brüder servieren neben internationalen Speisen auch moderne Australienküche. Sehr kreativ, sehr gut. Di. bis So. ab 18 Uhr (Middelton St. 4/14, Tel. 66 85 57 07).

Ausflüge

Leuchtturm: Cape Byron ist der östlichste Punkt Australiens und Logenplatz für Frühaufsteher, wenn die ersten Sonnenstrahlen den Kontinent treffen.

Mount Warning: Wer ein Auto hat, findet den Weg mit Karte problemlos. Am besten um zwei Uhr morgens die Trekkingschuhe schnüren und den Regenwaldpfad zum Berg hochstiefeln.

Obstplantage: "Tropical Fruit World" bietet nahezu jede exotische Frucht dieser Welt an. Spannend sind Führungen, köstlich die Fruchtseminare. Für Kinder gibt es einen Entertainment-Park mit Tieren und Boots-Trips auf dem Kanal (Duranbah Road, Duranbah NSW 2487, Tel. 66 77 72 22, www.tropicalfruitworld.com.au).

Schwimmen mit Delfinen: im Meer vor Clarks Beach. Sind die Delfine zu weit von der Küste entfernt, paddelt man mit einem Kajak hinaus. Preis: 20 Euro (dreistündige Touren mit Dolphin Kayaking Byron Bay, Tel. 66 85 80 44, oder Byron Bay Sea Kayaks, Tel. 66 85 58 30).

Wassersport

Tauchen: blaue Brassen, Oktopusse und harmlose Haie am Julian Rocks, einem grandiosen Revier. Open-Water-Kurse und Tauchgänge z. B. bei Sundive, Tel. 66 85 77 55. Viertägiger Einführungskurs ca. 275 Euro.

Surfen: Anfänger buchen für ca. 50 Euro einen Einführungskurs bei Byron Surf School, Tel. 18 00 70 72 74, oder bei Black Dog Surfing (weibliches Team), Tel. 66 80 98 28.

Lesen

"Australien Ostküste" (Lonely Planet, 22,99 Euro).

Infos

In Deutschland: Australian Tourist Commisson, Neue Mainzer Str. 22, 60311 Frankfurt/ M., Tel. 069/274 00 60, www.australia.com. Aussie Helpline,Tel. 069/ 95 09 61 73, für allgemeine Auskünfte und zur Anforderung von Broschüren.

Vor Ort: Byron Visitor Centre (Jonson St., Tel. 66 85 80 50, www.visitbyronbay.com, Informationen zu allen Angeboten und Reservierung für Übernachtungen.

Telefon

Vorwahl für Australien 0061, Ortsvorwahl für Byron Bay 02 (bei Anrufen aus dem Ausland die 0 weglassen).

Text: Andrea Lepperhoff Fotos: Antonina
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