Ein Wochenende unter Segeln

Lust auf Segeln? Das geht an vielen Orten in Deutschland. Simone Lück hat es ausprobiert und verrät ein paar gute Segel-Adressen - vom Bodensee bis zur Schlei.

Ist der Horizont noch da?

Mir ist schlecht. Was treibe ich eigentlich hier? Die Yacht geht bei Windstärke sieben in Schräglage. Andreas, der Skipper, nutzt den Wind, um an Geschwindigkeit zu gewinnen. Ich nutze in der Zwischenzeit die Reling, um mich zu übergeben.

Danach setze ich mich neben die anderen und starre den Horizont an. Soll ja helfen, sich bei Seekrankheit auf einen Punkt zu konzentrieren. "Und, Simone", ruft Laura, "ist der Horizont noch dort, wo er hingehört?" Ich muss lachen. Zum Glück ist die Crew toll: meine Freundin Andrea, ihr Mann Andreas - unser Skipper - und seine Kumpels Matthias und Florian mit Laura und Vivien. Mittags sind wir in Marina Toft bei Flensburg aufgebrochen und segeln nun auf der "La Villa" Richtung Dänemark. Während ich mich auf den Horizont konzentriere, werden die anderen aktiv. "Der Wind ist abgeflaut. Das ist super, um den Spi zu setzen", ruft Andreas. Florian und Matthias gehen unter Deck, kommen mit einem bunten Vorsegel zurück und nehmen Andreas' Anweisungen entgegen. Dann bläht sich der Spinnaker vor dem Boot auf - genauso wie die stolzgeschwellten Brüste von Florian und Matthias. "17 Uhr, Spi gesetzt", trägt Andrea ins Logbuch ein. Scheint eine große Sache zu sein. Auch für mich: Durch die Ablenkung ist meine Seekrankheit verschwunden.

Wir übernachten im Hafen von Sonderborg und fahren am nächsten Morgen durch die Meerenge Als Sund Richtung Norden. Der Horizont kommt heute ohne mich klar. Ich kann also meine ersten Segelversuche starten. Andreas erklärt mir die einzelnen Schritte. Zuerst stellen wir die Höhe des Baums richtig ein. Dann löse ich den Baumniederholer und fiere die Großschot ein wenig. Anschließend kurbele ich mit der Winsch das Großfall dicht, bis das Segel steht. Man höre und staune, ich spreche Seglerisch - mit ein paar Spickzetteln: Die Namen sind alle auf Klebeband geschrieben und den Leinen zugeordnet.

"11 Uhr, Großsegel gehisst", steht im Logbuch. Und ich war dabei. Fühlt sich sportlich an. Mit nackten Füßen klettere ich auf das Vordeck und setze mich in die Sonne. Wir fahren um die Halbinsel Als herum und in den kleinen Belt, eine Meerenge zwischen Jütland und der Insel Fünen.

"Willst du mal ans Steuer?", fragt Andreas, "das ist ganz einfach, wie Autofahren." Nach anfänglichem Schlingerkurs gleiten wir schnurgerade durch die Wellen. Dann wird der Wind stärker, und ich gebe das Steuerrad und die Verantwortung an den Skipper zurück. Das Boot geht ordentlich in die Krängung, also Schieflage - bis die Reling die Wellen berührt. Mir wird schwummerig. Beiläufig erkundige ich mich, ob so ein Boot auch umkippen kann.

Andreas lacht: "Da muss sich ein Skipper ziemlich blöd anstellen. Im Notfall fiert man die Segel, und das Schiff geht zurück in die Waagerechte." Beruhigt setze ich mich zu den anderen auf die hohe Kante und lasse die Beine baumeln. So wirken wir mit unserem Gewicht der Krängung entgegen, das Boot hat weniger Widerstand und wird schneller. "Regatta!", ruft Andrea. Ich notiere in meinem imaginären Logbuch: "13 Uhr, Simone ist nicht mehr seekrank. Das ist Rock'n'Roll".

Info - Segeltörn rund um die Insel Als

Ein Wochenend-Törn auf der "La Villa" rund um die Insel Als kostet 295 Euro, plus Bordkasse (Hafengebühren, Diesel, Verpflegung).

Weitere Infos: Schoenicke Skipperteam, Grubesallee 27a, 22143 Hamburg, Tel. 040/675 40 44, www.skipperteam.de

Video - So macht man einen Seemannsknoten

Seemannsknoten sind eine Sache für sich. Damit sich niemand an Bord verheddert, zeigt BRIGITTE-Mitarbeiterin Simone Lück in unserem Videoclip, wie es geht!

Reise: Der Herr der Knoten

Vom Bodensee bis zur Schlei: Törns für Anfänger

  • Segeln auf Probe: Das geht bei der Starnberger Segelschule. Wer rausfinden möchte, ob es Spaß macht, kann bei einem Segellehrer einzelne Stunden buchen und auf den Starnberger See rausfahren. Info: Segelschule, Am Hügel 8, 82319 Starnberg, Tel. 08151/79028, www.segelschule-starnberg.de, Stunde für 55 Euro.
  • Schnuppersegeln in Glücksburg an der Flensburger Förde: Die "Hanseatische Yachtschule" bietet an vier verschiedenen Wochenenden Segeln unter Anleitung für Singles und Familien an. Info: Hanseatische Yachtschule, Philosophenweg 1, 24960 Glücksburg, Tel. 04631/60000, a href="http://www.dhh.de" target="_blank">www.dhh.de, Schnuppersegeln,/Vollpesnion 185 Euro.
  • Segelkurse am Wochenende hat die Segelschule in Überlingen am Bodensee im Programm (ab 870 Euro). Info: Kai Raschevski, Bahnhofsstr. 35, 88662 Überlingen, Tel. 07551/3218, www.segelschule-ueberlingen.de, für 44 Euro gibt es eine Probestunde mit Skipper.
  • Segeln auf der "Petrine", einem historischen See-Ewer von 1909: Das Schiff kann für eine ganze Gruppe mit bis zu 23 Personen gechartert werden, jeweils ab Kappeln an der Schlei (Preis auf Anfrage nach Gruppengröße). Wer mehr Zeit hat, kann als Einzelreisender einen längeren Törn buchen. Info: Jochen Storbeck, Wiesenweg 4, 18565 Vitte/Insel Hiddensee, Tel. 038300/60547, Törnplan unter www.petrine.de.
  • Tagesfahrten auf vielen Segelschiffen werden rund um die großen Hafenfeste angeboten. Ideal für Einsteiger. Zum Beispiel während der Hanse Sail in Rostock vom 6. bis 9. August. Mitfahjren kann man auf rund 50 Schiffen. Info: Büro Hanse Sail, Warnowufer 65, 18057 Rostock, Tel. 0381/2085226, www.hansesail.com.
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