Extremadura: Das Herz von Spanien

Grüne Wellen bis zum Horizont, Wälder und Seen. Mittelalterliche Städte und Paläste zum Übernachten - eine Reiseroute durch das Herz von Spanien.

Das Land der Entdecker

Eine Woche werden wir mit dem Auto durch die Extremadura fahren. Sie war vor 2000 Jahren das Zentrum der römischen Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel. Dann herrschten jahrhundertelang die Mauren, bevor in der "Reconquista" christliche Ritterheere das Land in blutigen Kämpfen Burg für Burg zurückeroberten. Später zogen Hunderte junger Abenteurer von dort los, um auf der anderen Seite des Ozeans die Neue Welt in Besitz zu nehmen. Die Extremadura selbst geriet in Vergessenheit. Und das Land der Entdecker wartet jetzt darauf, wiederentdeckt zu werden.

Auf der "Ruta de la Plata", einer römischen Handelsstraße, wollen wir Richtung Cáceres vordringen. Je weiter wir in die Ebene nach Süden fahren, desto karger, trockener und heißer wird es werden. Links und rechts der Straße erstrecken sich lichte Haine immergrüner Stein- und Korkeichen bis zum Horizont. In der Ferne verliert sich das Land in flirrendes Licht.

Picknick unter Steineichen

Bevor wir den Parador von Cáceres sehen, hören wir ihn: Auf dem gotischen Turm, dem ältesten Teil des Stadtpalais, klappern Störche mit ihren Schnäbeln. Die ganze Altstadt von Cáceres besteht aus wehrhaften Palästen wie dem der Familie Torreorgaz, in dem sich unser Hotel befindet. In dem Lebensmittelladen um die Ecke kaufen wir ein. Auf der Suche nach einem Picknickplatz fahren wir durch die parkartige Landschaft. Im Schatten einer mächtigen Steineiche breiten wir schließlich unser Tischtuch aus. Es riecht nach Lavendel und Rosmarin.

Flanieren unter Arkaden

Als die Sonne sich dem Horizont nähert, sind wir wieder auf der Straße. Wie das Wrack eines alten Schiffes liegt Trujillo inmitten dieser weiten, uferlosen Landschaft. Die Stadt ist berühmt, weil allein von dort 634 Eroberer in die Neue Welt aufbrachen. Ihre Bewohner sind freundlich und zurückhaltend. Wir sitzen am Brunnen, in der Mitte der arkadengesäumten Plaza Mayor, wo sich jeden Abend die ganze Stadt trifft.

Im Süden der Extremadura liegt Zafra. Hier hängen Geranien schwer von reichverzierten Balkonen, Palmen schauen aus versteckten Gärten, Mauersegler stürmen mit Gekreisch um die Iglesia de Santa Marina. Der Parador von Zafra heißt "Hernán Cortés", nach dem Eroberer von Mexiko, der hier für seine Expedition Kräfte sammelte. Wir besorgen uns einen Schlüssel und erklimmen den alles überragenden Rundturm.

Unbegrenzt liegt das sanft gewellte Land vor uns. Und plötzlich kann ich verstehen, warum so viele Männer die Extremadura verließen: Die Weite weckt eine Sehnsucht nach Ferne. Und den Wunsch zurückzukehren - mit einem klangvollen Namen, Taschen voller Gold und unglaublichen Geschichten.

Reise-Infos Extremadura

Beste Reisezeit: Frühjahr und Herbst.

Richtig verbunden

Ländervorwahl 00 34 erst noch die 9 und dann die entsprechende weitere Vorwahl und Anschlussnummer wählen.

Schlafen mit Ambiente

Paradores: "Carlos V" in Jarandilla de la Vera ist in einer Burgfestung aus dem 14./15. Jahrhundert untergebracht. Schwimmbad im Garten, Kinderspielplatz, Tennis-Court. Tel. 00 34/27/56 01 17.

Der Parador von Cáceres, mitten in der Altstadt, erstreckt sich über zwei Häuser: den Palast von Torreorgaz und die sogenannte Casa de Ovando Mogollón. Tel. 00 34/27/21 17 59.

Klösterliche Abgeschiedenheit bietet das Haus "Via de la Plata" in Mérida, obwohl es nur fünf Minuten von der Plaza de España entfernt ist, auf der abends das Leben tobt. Schwimmbad im Garten. Tel. 00 34/24/31 38 00.

Der Parador "Hernán Cortés" in Zafra gehört zu den schönsten des Landes: ein prunkvoller Palast aus dem 15. Jahrhundert mit maurischen und christlichen, wehrhaften und dekorativen Elementen. Schwimmbad im Garten. DZ ab ca. 210 DM. Tel. 00 34/24/55 45 40.

"Zurbarán" im Wallfahrtsort Guadalupe wurde nach dem berühmten Maler benannt, dessen strenge Mönchsporträts im gegenüberliegenden Kloster zu besichtigen sind. Das ehemalige Pilgerhospiz hat einen wunderbaren Innenhof, in dem es nach Jasmin duftet. Schwimmbad im Garten. DZ ab ca. 200 DM. Tel. 00 34/27/36 70 75.

Bei Ibero-Tours (Unter Goldschmied 6, 50667 Köln, Tel. 02 21/20 59 092, Fax 20 59 09 09) können Paradores und auch Rundreisen gebucht werden.

Essen und Trinken

In den Restaurants der Paradores wird gehobene regionale Küche gepflegt. Die Speisesäle sind stilvoll eingerichtet, der Service freundlich, die Preise vernünftig. Hier weitere Vorschläge: "Torre de Sande" in Cáceres hat sich auf traditionelle Gerichte spezialisiert. Im Sommer werden die Tische unter einem großen Sonnensegel im Garten gedeckt (Calle de los Condes, 3, Tel. 927/21 11 47).

In der "Casa Piquiqui" in Cáceres kommen Lamm und Ziege in allen Variationen auf den Tisch. Große Auswahl an Wildgerichten(Orellana, 1, Tel. 927/24 20 44).

Das "Rufino" in Mérida mit regionaler Kost (Plaza Sta. Clara, 2, Tel. 924/ 31 20 01). Auf den ersten Blick sieht "El Paraíso" in Almendralejo aus wie ein Motel im Westen der USA. Dabei gehört es zu den hundert besten Restaurants von Spanien. Spezialität: gebratener Schinken im eigenen Saft. Im Süden des Ortes, direkt an der N-630 Gijón-Sevilla, km 652 (Tel. 924/ 66 10 01).

"Hospedería del Real Monasterio" in Guadalupe: In der beliebten Klosterherberge pflegen Franziskanerpadres eine preiswerte Volksküche (Plaza Juan Carlos 1, Tel. 927/36 70 00).

Kultur

Von Ende Juni bis Anfang August finden im Römischen Theater von Mérida die Sommerfestspiele mit Tanz und Theater statt. Informationen über das Programm beim Spanischen Fremdenverkehrsamt in Frankfurt, Myliusstr. 14, 60323 Frankfurt am Main, Tel. 069/72 50 33, Fax 72 53 13.

Die genaue Reise-Route

Von Madrid auf der A V, später N V an der Keramikstadt Talavera de la Reina vorbei nach Casar de Talavera, dort auf die 502 Richtung Norden, durch das landschaftlich reizvolle Tiétar-Tal bis Arenas de San Pedro, dann auf der 501 in westlicher Richtung durch sehr hübsche Dörfer (besonders lohnend: Villanueva de la Vera und Valverde de la Vera) nach Jarandilla de la Vera.

Weiter auf der 501, bei Cuacos de Yuste rechts ab auf die schmale Straße zum Monasterio de Yuste, dann über das malerische Dorf Garganta la Olla zurück auf die 501 bis zur Bischofsstadt Plasencia (Kathedrale mit prachtvoller Renaissancefassade). Auf der 630, der "Ruta de la Plata", nach Cáceres. Auf der 521 in östlicher Richtung nach Trujillo, dann auf der 524 Richtung Norden in den Naturpark Monfragüe. Phantastischer Blick vom Castillo de Monfragüe, Informationszentrum mit Wanderkarten im Dörfchen Villareal de San Carlos, denselben Weg zurück nach Cáceres. Auf der 630 in südlicher Richtung nach Mérida (römische Brücke über den Guadiana, Amphitheater). Weiter Richtung Andalusien auf der 630 bis Almendralejo. Dann Umweg auf der 423 in westlicher Richtung zu den drei Burgen von Nogales, Salvatierra de los Barros und Feria. Auf der 432 bis Zafra.

Zurück nach Mérida (630), weiter auf der N V in nordöstlicher Richtung, beim Abzweig Miajadas auf die 401 zum Wallfahrtsort Guadalupe. Weiter auf der 401 bis La Nava de Ricomalillo, auf der 502 bis Talavera de la Reina, auf der N V zurück nach Madrid. Karten: Euro-Regionalkarte Spanien 5: Zentralspanien. Salamanca, Madrid, Toledo; Spanien 7/8: Costa del Sol, Andalusien, Costa de la Luz (RV-Verlag).

Buchtipp

Kenntnisreich und schnörkellos der DuMont-Führer "Extremadura".

Text: Christiane Röhrbein
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