Fernreisen: Keine Angst vor Ungeziefer!

Sie müssen jetzt ganz stark sein: Es gibt kein Paradies. Im schönsten Beach Resort, in der feinsten Dschungellodge verbringen nicht nur Sie gern Ihren Urlaub - nein, auch viele kleine Krabbeltierchen. Welches Ungeziefer Sie in welchen Ländern antreffen, welche Insekten, Spinnen und Schlangen wirklich gefährlich sind, und wie Sie sich alles vom Leib halten: Das verrät unsere Weltkarte.

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Grafik: Theresa Rundel/Per Rabe; Text: Susanne Arndt; Fachliche Beratung: Dr. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des Centrum für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf.

Skorpione

Wie sie aussehen: Weiß jeder. Aber wussten Sie auch das? Je größer die Scheren eines Skorpions, desto weniger Gift hat er im Stachel. Skorpione werden zwischen 9 Millimeter und 21 Zentimeter lang.

Wo sie hausen: Auf allen Kontinenten, vorzugsweise in trockenen Gebieten, also in Wüsten und Halbwüsten. Aber auch im Mittelmeerraum, in den Subtropen und Tropen kommen sie vor. Sie mögen dunkle Orte, krabbeln gern in Schuhe, unter Steine und in Baumstümpfe.

Was sie machen: Skorpione attackieren keine Menschen, sie stechen nur in Notwehr. Ihr Stich ist für Erwachsene normalerweise nicht tödlich, kann Kindern aber gefährlich werden. Er ist schnell sehr schmerzhaft und tut tagelang weh. Übrigens: Es sterben mehr Menschen am Schreck (Herzinfarkt) als am Gift! Dasselbe gilt für Schlangenbisse, wie eine australische Studie gezeigt hat.

Was wir machen: Abstand halten! Falls sich ein Skorpion in Ihr Zimmer verirrt, am besten Personal zu Hilfe holen, ansonsten selbst vorsichtig unschädlich machen und entfernen. Und: In entsprechenden Regionen immer Schuhe ausklopfen, bevor man reinschlüpft. Falls es Sie trotzdem erwischt: Betroffene Gliedmaßen ruhig stellen, den Biss möglichst großflächig mit einem straffen Verband bandagieren, also den ganzen Unterarm oder Unterschenkel. So wird der Gifttransport im Körper wird verlangsamt. Schmerzmittel (z.B. Paracetamol) nehmen, ruhig bleiben und hinlegen. Bei sehr starken Schmerzen sollte man versuchen, in eine Klinik zu kommen, ein Kind sollte in jedem Fall schnell in eine Klinik. Dort kann ein Gegengift verabreicht und der Kreislauf stabilisiert werden. Bitte nicht: Stich ausbrennen, ausschneiden oder abbinden!

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Bettwanzen

Wie sie aussehen: Kleines, flaches Insekt mit sechs Beinen, wird bis zu vier Millimeter lang.

Wo sie hausen: Bettwanzen leben auf der ganzen Welt in kälteren Klimaten; am liebsten sitzen sie in den Nähten von Bettzeug, Matratze und Kleidung. In welchen Betten sie es sich in den USA und Kanada gemütlich gemacht haben, verraten Reisende unter http://bedbugregistry.com.

Was sie machen: Lauern im Bett auf Beute. Durch menschliche Körperwärme werden sie aktiv, stechen und saugen Blut. In seltenen Fällen übertragen Wanzen Krankheiten von anderen Wirten. Dank wachsender Hygienestandards sind Wanzen für Reisende aber nur noch selten ein Problem.

Was wir machen: Bei Verdacht Matratze und Bettwäsche nach Wanzen absuchen – eventuelle Funde an der Rezeption melden. Kleider und Wäsche mit dem Insektizid Permethrin einsprühen.

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Flöhe

Wie sie aussehen: winzig, bräunlich, ohne Flügel. Man erkennt sie daran, dass sie hüpfen - leider sind sie deshalb auch nur schwer zu kriegen.

Wo sie hausen: Die für Urlauber relevanten Arten machen es sich auf der ganzen Welt in Betten und Polstern gemütlich.

Was sie machen: Flöhe sind unbedenklich, aber lästig: Die kleinen Parasiten stechen und saugen Blut. Flohstiche werden typischerweise in Serie gesetzt und haben einen leicht blutigen Aspekt.

Was wir machen: Flöhe lassen sich beim Duschen abspülen. Textilien mit dem Insektizid Permethrin einsprühen.

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Kakerlaken

Wie sie aussehen: Rotbraun, platt und länglich, die Männchen haben Flügel. Je feuchter das Klima, desto größer sind sie – manchmal sogar handtellergroß.

Wo sie hausen: Leider auf der ganzen Welt, gern in Häusern, Abflüssen, Küchen.

Was sie machen: Menschen erschrecken. Dabei sind Kakerlaken absolut harmlos, was die Übertragung von Krankheitserregern angeht.

Was wir machen: Bei Kakerlaken im Hotelzimmer kann man wenig machen. Auch wenn man sie totschlägt, wird man sie nicht los. Immerhin: Entgegen landläufiger Annahme geben die Weibchen beim Sterben keine Eier ab! Da Kakerlaken sehr lichtscheu sind, einfach nachts das Licht anlassen, wenn man im Hellen schlafen kann. Dann bleiben sie in ihren Verstecken. Ist der Ekelfaktor zu groß: neue Bleibe suchen.

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Giftspinnen

Wie sie aussehen: Entgegen dem Mythos, der von Gruselschockern wie "Tarantula" oder "Mörderspinne" gespeist wurde: Vogelspinnen sind nicht giftig! Je größer und haariger eine Spinne, desto harmloser ist sie. Dem Menschen gefährlich werden die kleineren Arten, wie die unauffällige Loxosceles: Die bräunliche Spinne wird höchstens zwei Zentimeter groß. Die Schwarze Witwe, deren Gift für Kinder lebensbedrohlich ist, hat eine Körperlänge von maximal 15 Millimetern - und keinerlei Haare.

Wo sie hausen: Die Schwarze Witwe lebt vor allem draußen, u.a. im Mittelmeerraum und in den USA, gern in den Plumpsklos der Nationalparks. In den Tropen und in Australien leben die für den Menschen unangenehmen Wolfsspinnen und Bananenspinnen. Spinnen der Gattung Loxosceles kommen in wärmeren Gebieten vor, in den Tropen, in den USA und in Südamerika; sie halten sich gern in Häusern und Städten auf.

Was sie machen: Spinnen sind aggressive Jäger, sie wollen beißen, töten und verdauen - anders als die meisten Schlangen und Insekten, die sich nur selbst schützen wollen. Den Biss selbst spürt man meist nicht, wie bei Giftschlangen treten die Symptome mit einer zeitlichen Verzögerung von 30 bis 60 Minuten auf: starke Schmerzen an der Bissstelle, Kreislaufprobleme, Fieber, Schwindel und schnelle Atmung. Spinnengifte sind normalerweise nur für Kinder lebensbedrohlich.

Was wir machen: Bei Symptomen möglichst in eine Klinik fahren – dort kann ein Gegengift verabreicht und der Kreislauf stabilisiert werden. Vor allem Kinder sollten nach Möglichkeit ins Krankenhaus!

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Blutegel

Wie sie aussehen: Der Egel ist mit dem Regenwurm verwandt, was man ihm auch ansieht; allerdings ist sein Körperdurchschnitt oval und nicht rund. Blutegel werden einen halben bis 30 Zentimeter lang, bestehen aus einer Vielzahl von Ringen und tragen Zeichnungen auf dem Rücken.

Wo sie hausen: In tropischen Regenwäldern und Gewässern, vor allem in der Regenzeit.

Was sie machen: Beim Menschen saugen sie sich gern an Knöcheln und Fersen fest, um Blut zu saugen. Unappetitlich, aber absolut harmlos.

Was wir machen: Es gibt keinen wirklichen Schutz. Beim Dschungeltrekking kann man sich Tabak und Salz in die Strümpfe stopfen, was aber nur bedingt wirksam ist. Hat man sich einen Blutegel eingefangen, einfach abziehen und am besten nicht weiter drüber nachdenken.

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Ameisen

Wie sie aussehen: Weiß jedes Kind. Die aggressiven, rötlich gefärbten Feuerameisen sind größer als unsere einheimischen.

Wo sie hausen: Weltweit u.a. in menschlichen Behausungen, wenn dort Essensreste herumliegen. Die besonders unangenehme Feuerameise stammt ursprünglich aus Südamerika, hat aber bereits den Süden der USA besiedelt und macht sich zurzeit auch in Spanien und Südfrankreich breit.

Was sie machen: Beißen. Die Bisse der Feuerameisen werden feuerrot, brennen stark und bilden Pusteln.

Was wir machen: Lebensmittel wegräumen, Ameisenstraßen mit dem Insektizid Permethrin einsprühen.

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Sandflöhe

Wie sie aussehen: Winzig und kugelig. Nicht zu verwechseln mit Sandflies (Schmetterlingsmücken).

Wo sie hausen: Weltweit, vor allem in Brasilien. Sie leben in trockenen Gebieten, im Sand und an Stränden, aber auch an Flussläufen.

Was sie machen: Die Weibchen bohren sich in die menschliche Haut, gern am Übergang zum Nagel oder zwischen den Zehen. Sie werden dicker, legen Eier ab, und bilden dabei kleine weiße Knötchen mit schwarzem Zentrum. Der Nagel wird angehoben, Nagelbettentzündungen sind eine häufige Folge.

Was wir machen: In stark betroffenen Gebieten ist es ratsam, auf Füße und Schuhe insektizidhaltige Cremes, Sprays oder Lotionen aufzutragen. Obwohl die Weibchen irgendwann absterben, sollte man sie entfernen oder von einem Arzt entfernen lassen.

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Sandflies (Schmetterlingsmücken)

Wie sie aussehen: Sind so mini, dass man sie nicht sehen kann. Deswegen werden sie auch "no-see-them" genannt. Nicht zu verwechseln mit Sandflöhen.

Wo sie hausen: In trockenen Gebieten im Mittelmeerraum, aber auch an tropischen Stränden.

Was sie machen: Piekende, quälende Stiche. In seltenen Fällen übertragen tropische Schmetterlingsmücken die Krankheit Leishmaniose - eine Infektion mit Parasiten, die sich in der Haut und in den Organen ausbreiten können.

Was wir machen: Mückenschutz auftragen. Wird man trotzdem gestochen: Auf die stark juckenden Stiche einprozentige Cortisonsalbe auftragen. Möglichst nicht aufkratzen, Infektionsgefahr!

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Schlangen

Wie sie aussehen: Weiß jeder.

Wo sie hausen: Oft in dunklen Verstecken wie Baumstümpfen, Gemäuer, Wäldern.

Was sie machen: In über 50 Prozent der Fälle beißen Giftschlangen trocken, also ohne ihr kostbares Gift abzugeben - sie heben es lieber für echte Beute auf. Das Wichtigste bei einem Schlangenbiss: Keine Panik kriegen – wie bei Spinnenbissen gibt es auch bei Schlangenbissen mehr Todesfälle durch Herzinfarkte als durch das Gift selbst. Ein Biss kann zu Lähmungen, inneren Blutungen und Kreislaufschock führen. Wie beim Spinnengift treten die Symptome aber erst nach rund 30 Minuten auf.

Was wir machen: Schlangen haben wenig Interesse an Menschen, sie gehen weg, wenn man sie in Ruhe lässt. Deshalb: Finger nicht in Baumstümpfe stecken, Schlangen nicht reizen. Wird man trotzdem gebissen, ruhig bleiben und 30 Minuten abwarten. Tritt keine Reaktion auf, ist alles gut. Ansonsten wie beim Skorpionbiss: betroffene Gliedmaßen ruhigstellen, Biss möglichst großflächig mit einem straffen Verband bandagieren, also den ganzen Unterarm oder Unterschenkel. Dadurch wird der Gifttransport im Körper verlangsamt. Schmerzmittel (z.B. Paracetamol) einnehmen, ruhig bleiben und möglichst eine Klinik aufsuchen. Meist kann dort ein Gegengift verabreicht und der Kreislauf stabilisiert werden. Bitte nicht: Schlange versuchen einzufangen, um sie dem Arzt zu zeigen. Dabei riskiert man nur noch einen Biss.

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Moskitos (Stechmücken)

Wie sie aussehen: Schlanker Körper, lange, feingliedrige Beine, bis 15 Millimeter groß.

Wo sie hausen: Weltweit in der Nähe von Wasserstellen.

Was sie machen: Die Stechmücke ist das mit Abstand gefährlichste Tier für den Menschen. Es sterben mehr Menschen an den Folgen von Mückenstichen als durch den Kontakt mit anderen Tieren. Moskitos können beim Blut saugen potenziell tödliche Krankheiten wie Dengue-Fieber, Malaria oder Gelbfieber übertragen.

Was wir machen: Vor einer Fernreise unbedingt darüber informieren, welche Krankheiten vor Ort durch Mücken übertragen werden können. Besteht die Gefahr der Übertragung von Krankheitserregern, Mückenschutz bitte ernst nehmen, und zwar tagsüber und nachts! Haut und Kleidung einsprühen, nachts unters Moskitonetz schlüpfen. Gegebenenfalls Prophylaxe-Medikamente einnehmen.

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Zecken

Wie sie aussehen: Zecken haben acht Beine und gehören zu den Spinnentieren. Sie werden fünf Millimeter groß, im mit Blut vollgesogenen Zustand bis zu drei Zentimeter. Die ebenfalls Blut saugenden Larven sind nur einen Millimeter groß.

Wo sie hausen: Zecken sind weltweit verbreitet, sie mögen feucht-warmes Klima und werden ab sieben Grad Celsius aktiv. Sie leben in Wiesen, Büschen, Gärten, Wäldern und an Waldrändern. Einige afrikanische Arten leben in Ritzen von Hütten.

Was sie machen: Blut saugen. Dabei können sie mit ihrem Speichel u.a. FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) und Borreliose übertragen. Besonders gefährdet sind Freizeitsportler, Wanderer und Camper. Zecken "fallen" übrigens nicht von den Bäumen, sondern halten sich in niedrigem Bewuchs auf, wo sie vom Menschen abgestreift werden. Borreliose kommt in den gemäßigten Klimazonen der Nordhalbkugel (auch in Deutschland) und Australien vor. FSME in Süd- und Ostdeutschland, Österreich, Schweiz, Skandinavien, Osteuropa und im Baltikum. In den USA wird auch das Rocky Mountain Spotted Fever übertragen - die mit Fieber und Hautausschlag beginnende Erkrankung kann zu einer Hirnentzündung führen. Die Aufsteigende Zeckenlähme wird in Nordamerika und Australien übertragen: Ist die Atemmuskulatur betroffen, kann sie zum Tod führen.

Was wir machen: In betroffenen Gebieten geschlossene Kleidung tragen, Insektenschutzmittel auftragen, Körper nach dem Aufenthalt in der Natur nach Zecken absuchen: Kniekehlen, Achseln, Bauchnabel, Bauchfalten, Genitalien, hinter den Ohren und bei Frauen unter der Brust. Bei Kindern wegen der geringeren Körpergröße zusätzlich Kopf- und Halsbereich absuchen. Bei verdächtigen Symptomen einen Arzt konsultieren.

Schutz vor FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis): FSME-Erkrankungen können zu Hirnentzündungen und Todesfällen führen. Da FSME nicht behandelt werden kann, kann eine Schutzimpfung sinnvoll sein. Aktuelle Risikogebiete unter www.zecken.de.

Schutz vor Borreliose: Die Bakterien werden erst nach mehrstündigem Saugen in die Wunde abgegeben. Deshalb ist es wichtig, Zecken schnell zu entfernen, um eine Infektion zu vermeiden!

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Text: Susanne Arndt; Fachliche Beratung: Dr. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des "Centrum für Reisemedizin" (CRM), Düsseldorf

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