Ein feines Nest an der Peene

Gutshaus Stolpe liegt kurz vor Usedom an der Peene. Rund um das Anwesen sagen sich Adler und Biber gute Nacht – und ein Sternekoch macht das Essen.

Gutshaus Stolpe im Sommer

Nicht die allerbesten Voraussetzungen für eine Landpartie: Der norddeutsche Winter zeigt sich von seiner tristesten Seite, als ich die Kopfsteinpflasterallee zum Gutshaus hinauffahre. Es ist eisig und trüb, die kahlen Bäume im Park recken sich in einen schmutzig weißen Himmel, meine Nase ist dicht und mein Hals kratzt.

Aber drinnen ist’s gleich furchtbar gemütlich. Als ich eintrete, empfängt mich eine schöne Wärme vom Kamin und am Empfang eine sehr nette Dame. Eine weiße, geschwungene Treppe mit rotem Teppich führt mich nach oben in mein Zimmer.

Frühlingsidylle im Park

Aber da hält es mich nicht lange. Mit einem heißen Tee und einem Bildband über die Region setze ich mich in den Salon, der wie ein großes Wohnzimmer ist: mit seinen Sesseln und Sofas, den alten Gemälden, den Kerzen und dem Fischgrätparkett, das sich durchs ganze Erdgeschoss zieht. Alle Antiquitäten hat die Besitzerfamilie Stürken eigenhändig mit viel Stilgefühl ausgewählt.

Das Gutshaus steht im Naturpark „Flusslandschaft Peenetal“, so lese ich, und der ist derart naturbelassen, dass man an dem einstigen Grenzfluss zwischen Schweden und Preußen noch Biber, Adler und Kraniche zu Gesicht bekommt. Einen Haufen Schwäne habe ich bei meiner Anreise schon gesehen.

Badespaß vor der Haustür

Aber ich komme kaum raus. Es regnet und die Kälte tut mir nicht gut. Also: Wellness und noch mehr Lesen. Meine Stunden im „Hexenhaus“ mit Saunen, Dampfbad und dem schönen Ruheraum im Wintergarten sind ungezählt. Und wohltuend. Statt auf eine schnöde Liege kuschele ich mich auf dicke Polster und schaue den Holzbottichen draußen beim Dampfen zu. Selbst von der Sauna aus habe ich einen Blick in die bemoosten Bäume im Park.

Alles ist sehr angenehm, aber ich kann mir den Gedanken nicht verkneifen: Wie schön muss es hier in Frühling und Sommer sein! Wenn die Magnolien und die Veilchen blühen. Wenn man die Liege unter eine schattige Kastanie im Park ziehen oder sich ein Fahrrad schnappen kann, um zur Ostsee zu radeln. Wenn man seine Torte auf der Terrasse essen kann. Wenn man vom hauseigenen Steg in die Peene springen oder rudern gehen kann. Wenn man sich vom alten Fährmann über den Fluss bringen lassen kann, um durch Birkenwälder zum Wasserschloss Quilow zu laufen. Um hinterher auf der Terrasse des 350 Jahre alten „Fährkrugs“, der ebenfalls zu Gut Stolpe gehört, einen pommerschen Bodenzander zum gekühlten Weißwein zu verspeisen. Der Dichter Fritz Reuter war hier Stammgast.

Kulinarisch wird man bestens versorgt

Aber immerhin: Im Winter ist das Haus das perfekte Nest. Und das sensationelle Sauerampfereis von Sternekoch Björn Swanson tut sein Übriges, um vom Grau draußen abzulenken. Es lässt den Entschluss in mir reifen: Ich werde im Sommer wiederkommen und ein Eis am Fluss essen.

Ideal für: Ruhesuchende, Paare, Freundinnen, Singles Ambiente: Sehr gepflegtes Gutshaus mit 24 Zimmern voller Antiquitäten, drumherum ein Park mit Steg an der Peene Wellness-Angebot: Finnische Sauna, Infrarot-Sauna, Dampfsauna, Hot Tubs; Massagen nach Absprache Umgebung: Das Gutshaus liegt am Ortsrand von Stolpe, rund 30 Minuten von Usedom entfernt. Auch die Müritz, das Stettiner Haff, Stralsund, Rügen und der Darß sind nicht weit. Preise: DZ inkl. Frühstück ab 145 Euro Hinkommen: Gutshaus Stolpe, Peenestraße 33, 17391 Stolpe bei Anklam, Tel. 0 39 72 1 55 00, www.gutshaus-stolpe.de

Susanne Arndt

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