Herbstreise durch Masuren

Weite, hügelige Landschaften, stille Seen, wilde Tiere und köstliches Essen - in der polnischen Region Masuren ist der Herbst am schönsten.

Stilles Glück: Bootsfahrt vom Pozezdrzezum Stregiel-See

Sachte ziehen wir unsere Paddel durch das Wasser, langsam und geräuschlos bewegen wir uns fort und versuchen, die wunderbare Stille, die hier herrscht, nicht zu stören. Einen Tag lang sind wir jetzt schon mit dem Kanu auf der Sapina unterwegs und treffen dabei keinen einzigen Menschen. Nur mit Schwänen, Wasserläufern und Seerosen teilen wir die Flussoberfläche. Wir gleiten durch ein vorherbstliches Masuren, sind allein mit der Natur. Der Fluss schlägt immer wieder Haken: Er führt durch einen einsamen Wald, öffnet sich plötzlich zu weiten Seen, in denen das Wasser fast steht, um direkt danach wieder zu einem engen, schmalen Kanal zu werden, rasch und sprudelnd fließend.

Masuren, das "Land des Wassers": Unzählige Seen durchziehen das Gebiet - auf drei- bis viertausend wird ihre Zahl geschätzt. Viele sind nur ein "Z . abie Oko", ein "Froschauge", viele aber sind weit über einen Hektar groß. Viel Platz für Kanuten, Segler, Paddler - und Menschen wie uns, die diese fantastische Landschaft zur schönsten Zeit des Jahres genießen wollen: im Herbst.

Ein zotteliger Bewohner des Wisent-Geheges Wolisko

"Ermland und Masuren", eine Art Bundesland im Nordosten Polens, ist im Sommer voll, laut und lebendig. In dieser Jahreszeit kommen die Familien und Paare nach Giz . ycko, einem der beliebtesten Ferienorte der Region. Sie treffen sich im Yachthafen bei Open-Air-Konzerten und ausgelassener Feierstimmung, machen Lagerfeuer im Garten der Vier-Sterne-Hotels und beobachten die Störche, die am Himmel vorbeifliegen.

Kutschfahrt um den Goldopiwo-See bei Jeziorowskie

Doch jetzt, im Herbst, ist dieser Ansturm vorbei. Die Luft hat angenehme 20 Grad, die Sonne scheint vorsichtig auf uns herab, als wir nach unserer Paddeltour durch einsame Gegenden wandern, die die Eiszeit zu einer flachen Hügellandschaft geformt hat. Die Erhebungen reihen sich endlos aneinander, nachts kann man die Wölfe heulen, morgens eine Nachtigall singen hören. Und immer wieder: Alleen, die von Dorf zu Dorf führen. Die Blätter ihrer Bäume sind gefärbt, golden und rot in allen Schattierungen, die man sich nur vorstellen kann. Die Natur ist hier sich selbst überlassen, es gibt kaum Industrie, und Masuren ist dünn besiedelt.

Bei einem Ausflug mit der Pferdekutsche fahren wir durch kleine Städtchen, in denen wir nur wenige Menschen auf der Straße treffen. Die meisten, die hier leben, haben nicht viel, wohnen in notdürftig geflickten Häusern und halten ein paar Schweine und Hühner.

Wir treffen eine ältere Frau, die sich ihren Lebensunterhalt im Bialowieski-Nationalpark, einem der ältesten Europas, verdient: Sie füttert eine Gruppe Wisente, europäische Bisons, die hier gezüchtet werden - Anfang des 20. Jahrhunderts waren sie fast ausgestorben.

Sie nimmt uns mit an ein riesiges eingezäuntes Gehege mitten im Park und klopft mit einer Blechschüssel an das Gatter, um die zotteligen Riesen anzulocken. Wie urzeitliche Ungetüme kommen die Tiere herbeigerannt - schließlich wissen sie genau, was dieses Geräusch zu bedeuten hat: Es gibt Futter.

Den Rest des Bialowieski-Parks, der berühmt ist für seinen ungeheuren Reichtum an Pflanzen- und Tierarten, besichtigen wir mit einem Führer. Er zeigt uns die anderen Bewohner des Parks, die die Unberührtheit Masurens zu schätzen wissen: Biber, Fischotter, Kraniche, Wölfe, Elche, Wildwaldpferde, See- und Fischadler.

Der Goldopiwo-See in Masuren, vom Herbstlicht verzaubert

Am Ende eines langen Tages, nach so viel frischer Luft und Bewegung, kann man sich in Masuren noch auf etwas anderes freuen: das Essen. In unserer Pension "Zabie Oko", die nicht viel größer ist als das "Froschauge", an dem sie liegt, kocht uns Wirtin Maria auf ihrem alten gusseisernen Herd "Bigos", einen deftigen Eintopf mit Sauerkraut. Dazu gibt es Piroggen, mit Fleisch gefüllte Teigtaschen, und selbst gebackenes Brot. Immer wieder füllt Maria die Schüsseln auf, obwohl wir längst schläfrig-satt abwinken. Wir lauschen der Musik aus einem kleinen Radio, lassen uns vom knisternden Kaminfeuer wärmen und gehen früh zu Bett. In Masuren gehen die Uhren eben noch ein bisschen anders - tut das gut!

Reise-Infos

Telefon Vorwahl nach Polen 00 48, danach die Ortsvorwahl ohne die Null. Anreise Um vor Ort mobil zu sein, empfiehlt sich die Anreise mit dem Auto; von Berlin aus braucht man etwa acht bis zehn Stunden bis nach Olszytn. Alternativ: Fliegen mit Lot von Hamburg oder München nach Danzig oder Warschau ab 133 Euro (www.lot.com), anschließend weiter mit dem Mietwagen.

Unterkommen

Die Pension Zabie Oko liegt an einem Teich. Hier kann man angeln und den Fang in der Gästeküche gleich verarbeiten

Zabie Oko. Familiär geführte, hübsche Pension am Rande der Borecka- Heide. Mit sehr guter, regionaler Küche, Garten und einem Kaminzimmer. DZ/F ab 20 Euro (Jasieniec 9, PL-11612 Kruklanki, Tel. 506/08 31 33, www.zabieoko.pl).

Schloss Hotel Karnity. Malerisch gelegen, in einem etwa 17 Hektar großen Park und direkt am See. Ideal für Wassersportler und ausgedehnte Fahrradtouren. DZ/F ab 56 Euro (Karnity 10, PL 14140 Milomlyn, Tel. 89/647 34 65, Fax 647 34 64, www.karnity.pl).

Genießen

Karczma Warmiñska. Restaurant mit hervorragender traditioneller Küche zwischen Olsztyn und Ostróda. Während man auf das Essen wartet, kann man sich eine Sammlung von alten Haushaltsgeräten und Werkzeugen, die früher in den ermländischen Dörfern benutzt wurden, anschauen (Gietrzwald 32, 11036 Gietrzwald, Tel. 89/512 34 23, www.karczma.pl). Pensjonat Nautic/Dolce Vita. Fangfrischer Fisch, direkt aus den masurischen Seen, kommt hier auf den Teller. Von der Terrasse aus blickt man auf den Mamry- See, und im kleinen Hafen nebenan kann man auch mit einem eigenen Boot ankern (ul. Slowackiego 14, Wegorzewo, Tel. 87/427 20 80, Fax 427 45 08, www.nautic.pl).

Pauschal

Reisepaket "Goldener Herbst in Masuren". Sechs Übernachtungen mit Halbpension in der Pension "Zabie Oko", einschließlich Kutschfahrt, Brotbacken, Besichtigung einer einheimischen Fischräucherei und Mietfahrrad ab ca. 125 Euro/Person im Doppelzimmer. Über welcome2masuria, Asbeckweg 9, 48161 Münster, Tel. 02 51/20 31 88 93, Fax 20 31 88 94.

Lesen

DuMont Reise-Taschenbuch Masuren. Dieser Reiseführer von Tomasz Torbus bietet einen guten Überblick über die Seenplatte, den Naturpark Suwalki, das Frische Haff, Danzig und die Marienburg (12 Euro, DuMont Reiseverlag). Masuren. Ein Land wie eine Melodie. Marika Hildebrand und Peter Ernszt fangen in ihrem Bildband nicht nur die großartige unberührte Natur Masurens ein, sondern auch die vielen unterschiedlichen Stimmungen der Gegend (28,50 Euro, Tecklenborg Verlag). Masuren. Ostpreußens vergessener Süden. Andreas Kossert erzählt vom historischen und kulturellen Erbe der preußischen Grenzlandschaft zwischen Deutschland und Polen. Von den Menschen, die hier wohnen, vom Lebensalltag der Bauern und von der Faszination Ostpreußens (12,90 Euro, Pantheon Verlag).

Text: Juliane Gringer Fotos: Markus Altmann BRIGITTE Heft 22/07
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