Hoch hinaus: Urlaub im All

Die Welt ist uns nicht genug: Bei der Firma Virgin Galactic, die im kommenden Jahr erstmals Weltraumreisen anbieten will, sind bereits heute 270 Touristentrips ins All komplett bezahlt - obwohl ein Flug zwischen 150.000 und 200.000 US-Dollar kostet. Fragen und Antworten zum Weltraumtourismus.

Sind Reisen in den Weltraum bald für jedermann möglich?

Es ist ein uralter Menschheitstraum: die Reise zu den Sternen. Science-Fiction-Schriftsteller wie Jules Verne, der schon 1865 "Von der Erde zum Mond" schrieb, manifestierten diese Sehnsucht. Jules Verne und viele nachfolgende Autoren nahmen in ihren Fantasiegeschichten intuitiv die später realisierte Technik vorweg.

In den vergangenen 60 Jahren sind wir der Erfüllung unseres Traums tatsächlich näher gerückt: Kosmonauten und Astronauten eroberten im Namen der Menschheit ein kleines Stückchen der unendlichen Weite. Und ja, es gibt ihn schon: den Weltraumtourismus - für Millionäre.

Als dessen Geburtsstunde gilt die Reise von Dennis Tito 2001 zur Internationalen Raumstation ISS. Acht Tage war der US-Amerikaner im Weltall. Der Multimillionär war damit der erste Weltraumtourist. Rund 20 Millionen US-Dollar kostete der Flug mit dem russischen Raumschiff Sojus. Nach Tito reisten vier weitere Weltraumtouristen zur ISS. Für Oktober 2008 hat sich wieder ein Besucher bei den Astronauten im Orbit angesagt.

Für Weltraumtouristen gibt es zurzeit zwei Angebote: eine Reise in die Erdumlaufbahn oder den Besuch der Internationalen Raumstation. Die US-Firma Space Adventures plant in Zusammenarbeit mit Russland aber auch Flüge um den Mond. Die sollen schon in drei Jahren möglich sein. Das Universum als exklusive Urlaubsdestination ist offenbar im Kommen.

Der erste Weltraumbahnhof und Space-Hotels

Der erste private Weltraumbahnhof wird gerade in New Mexico errichtet."Spaceport America" soll er heißen. 31 Millionen Dollar ist er der Firma Virgin Galactic wert. Damit die betuchten Weltraumfans sich hier angemessen empfangen fühlen, wurde Stararchitekt Norman Forster (Reichtagskuppel in Berlin, Millenium Bridge in London) engagiert. 2010 soll hier der erste Privatshuttle starten können. Neben Trainingszentren zur Vorbereitung auf die Schwerelosigkeit bietet der Space-Bahnhof riesige Lagerhallen für Shuttles und ist mit umweltfreundlichen Energiesystemen ausgestattet.

1998 hat der Aufbau der ersten Internationalen Raumstation im Orbit begonnen. Geplant ist, an der ISS irgendwann auch Übernachtungsmodule anzudocken. Voraussetzung für die Nacht im All ist jedoch die Verfügbarkeit eines wieder verwendbaren, Raumtransporters, der Passagiere zu erschwinglichen Preisen in den Orbit befördern kann. Mit diesem Space-Hotel ist daher erst in rund 20 Jahren zu rechnen. Ein Weltraumhotel mit 64 Gästekapseln mit künstlicher Schwerkraft hat der japanische Konzern Shimizu geplant. Bis zum Jahr 2017 soll die kreiselförmige Herberge, die sich alle 20 Sekunden um die eigene Achse dreht, fertig sein Dadurch werden 70 Prozent der irdischen Schwerkraft erzeugt. In einer Erdumlaufbahn in 450 Kilometern Höhe soll das Space-Hotel schweben. Shimizu schätzt den Preis für eine Reise ins Weltraumhotel derzeit auf etwa eine Million Euro.

Doch kann man ernsthaft von Tourismus sprechen, wenn die Privatreisen ins Weltall derzeit nur für Multimillionäre erschwinglich sind? Glaubt man diversen Anbietern, die sich bereits auf dem Markt tummeln und um Kunden buhlen, dann sollen sich bereits in einigen Jahren auch weniger gut Betuchte eine Reise ins Weltall leisten können.

Unternehmen, die Touristen ins All bringen wollen

ab-in-den-urlaub.de

ab-in-den-urlaub.de ist das erste deutsche Internetreisebüro, bei dem man Weltraumreisen buchen kann. Den Parabelflug gibt es ab 7.300 Euro, den Fkug zur ISS ab rund 25 Millionen Euro.

Space Adventures

Space Adventures hat bisher alle Weltraumtouristen ins All befördert. In Zusammenarbeit mit dem russischen Unternehmen RKK Energija will Space Adventures ab 2011 Flüge um den Mond anbieten. Das Angebot soll rund 100 Millionen US-Dollar kosten.

Virgin Galactic

Dem britischen Unternehmer Richard Branson gelang mit seiner Firma Virgin Galactic im Juni 2004 ein Rekord in der bemannten Luftfahrt: Sein "SpaceshipOne" durchbrach als erstes privates Flugzeug die Grenze zum Weltraum in 100 Kilometer Höhe. Ab 2009 will Branson auf Basis der Technologie des "SpaceShipOne" Linienflüge ins Weltall anbieten. Nach Angaben des Unternehmens haben sich bereits 85.000 Interessenten angemeldet. Das Angebot: Fünfzehn Minuten lang die Erde aus dem Weltall betrachten. Die Flüge in den Weltraum sind für rund 200.000 US-Dollar zu haben und sollen später deutlich billiger werden. LINK zum INterview

Astrium Space Transportation

Die Astrium Space Transportation, eine Tochter der European Aeronautic Defence and Space Company (EADS), arbeitet an einem Raumschiff, das einem Jet ähnelt. 2012 sollen Passagiere damit in 100 Kilometer Höhe transportiert werden. Der Flug soll 90 Minuten dauern, drei davon in Schwerelosigkeit. Ticketpreis: zwischen 150.000 und 200.000 Euro. Das Angebot soll im Reisebüro buchbar sein. Allerdings werden laut eines Unternehmenssprechers zur Realisierung dieses Unterfangens noch Investoren gesucht.

Bigelow

Die Firma Bigelow Aerospace arbeitet an der Entwicklung eines Weltraumhotels, das 2015 fertig sein soll.

SpaceDev

Diese Firma gehört James Benson, einem Computergenie, der mit seinem Suchprogramm reich geworden ist. 2020 will er mit Raumgleitern, die Platz für sechs Personen bieten, Asteroiden umrunden. Außerdem ist eine Tourism Space Station geplant, die bis spätestens 2015 ihren Betrieb im All aufnehmen soll.

Text: Daniela Barth Foto: Fotolia.com
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