Ile d'Yeu: Das Radlerparadies

"Wir fahren nach Frankreich", sagen die älteren Leute noch heute, wenn sie das Boot zum Festland nehmen, zur Küste südlich von Nantes im Department Vendée.

Siebzehneinhalb Kilometer trennen die Insel Ile d'Yeu von der französischen Atlantikküste. Genug, dass sich die 4800 Bewohner zuerst mal als "Islais" fühlen und erst an zweiter Stelle als Franzosen.

Wer den umgekehrten Weg kommt und in den Hafen von Port Joinville, dem Hauptort der Insel, einläuft, dem fallen zuerst mal die vielen Fahrrad-Vermietungen auf. Die Inselbewohner haben zwar fast alle ein Auto in der Garage stehen, aber im Sommer treten auch sie meistens in die Pedale. Bei knapp zehn Kilometern in der Länge und nicht mal vier in der Breite muss man nicht unbedingt motorisiert sein. Darum ist die Ile d’Yeu überzogen von Radwegen, von asphaltiert bis zu handtuch-schmalen Trampelpfaden. Sie führen durch die wenigen Orte der Insel, vorbei an Kiefern- und Eichenwäldchen, schlängeln sich durch wilden Farn und enden immer wieder am Meer. Im Osten strecken sich weiße Sandstrände, an der Westküste dagegen glaubt man sich fast in der Bretagne, so felsig-zerklüftet liegt sie da und lässt die Atlantikwellen gegen sich klatschen.

Der Bilderbuch-Hafen von La Meule schneidet hier in die Felsen, in der engen Bucht schaukeln bunte Boote, und über allem thront die schneeweiße Kapelle Notre Dame de Bonne Nouvelle. Die im Namen beschworenen guten Nachrichten erhofften sich die Familien der Seeleute, wenn sie hier für deren glückliche Heimkehr beteten. Seit Votivgaben aus der Kapelle geklaut wurden und Unholde dann auch noch ins Weihwasserbecken gepinkelt haben, bleibt die Tür allerdings außerhalb der Gottesdienste verschlossen.

292 Fischer leben auf der Insel. Türen und Fensterläden der niedrigen, weiß gekalkten Häuschen etwa werden traditionell mit der gleichen Farbe gestrichen wie im Frühjahr die Fischerboote. Blau ist zur Zeit schwer in Mode, aber man sieht auch Gelb, Rot, Grün, Orange und Türkis. Dazwischen wuchern dotterfarben Ginster und Mimosen, und wenn man Glück hat, strahlt über allem ein knallblauer Himmel. Farben, die man mitnimmt, wenn man längst wieder auf dem Boot dem Festland entgegen schaukelt.

Reise-Infos Ile d’Yeu

Telefon Vorwahl für die Ile d’Yeu: 0033/251.

Anreise Boote zur Ile d’Yeu fahren von Fromentine, La Fosse, Saint-Gilles-Croix–de-Vie und Les Sables d’Olonne. Die Abfahrtszeiten richten sich nach den Gezeiten und sind darum jeden Tag anders. Unbedingt reservieren, auch in der Nebensaison! (Compagnie Yeu-Continent, www.compagnie-yeu-continent.fr).

Übernachten Es gibt nur wenige Hotels auf der Insel, die meisten Besucher kommen in Privatunterkünften unter. Liste beim Office de Tourisme, s.u. Hotel Le Flux: am Ortsausgang von Port Joinville, Richtung Saint Sauveur. Altes, zweistöckiges Gebäude mit großem Garten, kleiner Privatweg direkt zum Sandstrand. 15 Zimmer, im 1. Stock auch mit Meerblick. Ruhig, mit Restaurant. Geschlossen Mitte November bis Mitte Januar. DZ ab 47 Euro (27 rue Pierre Henry, Port-Joinville, Tel. 583625, www.fluxhotel.fr). Camping: Camping Municipal, 140 Plätze unter Pinien, im Sommer reservieren (Pointe Gilberge, Tel. 583420).

Essen und Trinken Restaurant Le Joinville: Kleines, kuscheliges Lokal im Ortskern, das alteingesessene Ehepaar serviert mit berechtigtem Stolz inseltypische Hausmannskost, viel Fisch, mit Liebe zubereitet (Rue du Courseau, Port-Joinville, Tel. 260161).

Extra-Tipp Hübsches Mitbringsel: "Min Min", Sahnebonbons aus Dörrpflaumen und gesalzener Butter, 1998 ausgezeichnet als "Bestes Bonbon Frankreichs". In den Patisserien und Läden.

Info Office de Tourisme de l'île d'Yeu www.ile-yeu.fr

Office de Tourisme Frankreich www.tourisme.fr

Maison de la France http://fr.franceguide.com

Text: Stefanie Hentschel
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