Kuba auf eigene Faust

Touristenghetto à la Varadero? Muss nicht sein. Wer Kuba auf eigene Faust bereist, wird reich belohnt - mit herzlichen Menschen, paradiesischer Natur und liebevoll gemixten Mojitos. BRIGITTE.de-Redakteurin Susanne Arndt war drei Wochen lang unterwegs und hat die besten Tipps mitgebracht.

Der alte Chevy-Motor röhrt, die mächtige rote Rückbank wiegt uns sanft im Takt der Bodenwellen. "Quieres un cigarro?", bieten die Frauen, die hinten sitzen, dem Fahrer Zigaretten an. Hinten, das ist da, wo einst der Laderaum war. Heute sind dort zwei winzige Holzbänke für Tramper eingebaut, denn Tramper bedeuten extra Cash für unseren Fahrer Paolo.

Mein Freund und ich haben Paolo heute morgen am Busbahnhof von Cienfuegos kennen gelernt: Er bot an, uns die 300 Kilometer nach Batabanó zu fahren - für 50 Dollar, genauso viel, wie uns die zwei Tickets für den Bus gekostet hätten. Jetzt sind wir auf dem Weg zum Fähranleger in Batabanó, wo wir zur sagenumwobenen Pirateninsel "Isla de la Juventud" übersetzen wollen.

Die Magie des Dollars

Paolo ist einer der neureichen Kubaner, die Touristen ihre Dienste anbieten, um an die begehrten US-Dollars zu kommen - illegal zwar, denn er darf keine Devisen am Staat vorbei verdienen, aber es lohnt sich. Seit der Einführung der amerikanischen Währung im Jahre 1993 gibt es vieles nur noch mit "devisas" zu kaufen. Luxusgüter wie Kosmetika und Pflegeprodukte sowieso, aber eben auch nützliche Dinge wie Baumaterial und Benzin. Der Kraftstoff ist knapp, seit der ferne Bruder hinter dem Ural seine Zuwendungen eingestellt hat - und deshalb müssen die Bauern auch wieder ihre Ochsen vor die Pflüge spannen.

Armut ja, Elend nein

Immer wieder begegnen wir Fahrradfahrer auf der "autopista", der Autobahn, die sich quer durch das Land zieht: Eine tote Ziege auf dem Gepäckträger, geräucherte Schinken an der Lenkstange, eine Hochzeitstorte auf dem selbstgezimmerten Anhänger - so ist hier mancher Kubaner unterwegs. Es herrscht wenig Verkehr, denn für Autos ist kaum Geld da, und wenn das Geld da ist, fehlen die Autos.

Die Kubaner sind nicht reich, nein, aber Elend ist nirgendwo zu sehen - anders als in anderen lateinamerikanischen Ländern, wo Ghettos und zugrundegerichtete Menschen zum Straßenbild gehören.

Bei Iraida auf der Isla de la Juventud

Gut drauf und immer hilfsbereit: Unsere Vermieterin Iraida mit ihrem Mann

Wie jeden Abend taucht die Abendsonne die kegelförmigen Marmorberge rund um Nueva Gerona in warmes Licht. In dem Maße wie der Himmel errötet, scheint das kleine Städtchen zu erwachen. Hier oben auf dem Dach unseres "Casa Particular", in dem wir uns eingemietet haben, lassen wir uns einlullen - von der Musik, die aus den Häusern dringt, dem Hämmern und Sägen, dem Grunzen der Schweine, von den Stimmen der Menschen und Fernseher, dem erbarmungswürdigen Krächzen der Hähne ... da entlässt die Glocke der benachbarten Abendschule die SchülerInnen in den Feierabend. Es ist 19 Uhr - Zeit für uns, beklommen die Wendeltreppe zur Terrasse hinabzusteigen. Denn dort wartet die allabendliche Mastkur auf uns.

Der Tisch, neben dem ein russischer Kühlschrank lautstark seine Dienste tut, biegt sich unter Tellern mit Gurken- und Krautsalat, Reis, schwarzen Bohnen, Fleisch, Früchten, Malanga und Yuka. Es hilft nichts: Auch wenn wir jeden Abend Unmengen stehen lassen und immer wieder betonen, dass es zwar köstlich aber viel zu viel war - es gibt keine Gnade. Ob die kubanische Regierung den Betreibern der Privatpensionen auferlegt, den ausländischen Gästen Überfluss zu demonstrieren, wissen wir nicht. Die Kubaner jedenfalls geben sich mit einem Teller Reis und Bohnen zufrieden.

Da kommt auch schon Iraida anmarschiert, freudestrahlend Törtchen und Eis balancierend: Wie jeden Tag hat sie eine "Überraschung" für uns zum Nachtisch aufgetrieben. Kuchen oder Erdbeereis zum kleinen schwarzen Kaffee - oder eben beides. Denn so viel ist sogar bis nach Kuba durchgedrungen: Deutsche essen gern Kuchen zum Kaffee ...

Kurzinfo Isla de la Juventud

Die für Kuba typischen Königspalmen spenden beim Wandern Schatten. Hier halten sich leider auch die Moskitos am liebsten auf...

Robert Louis Stevenson ließ sich von den Aktivitäten der Piraten auf der "Isla" zu seinem Roman "Die Schatzinsel" inspirieren. Wer hier nach Schätzen sucht, muss auch nicht weit gehen: Zu Fuß kann man von Nueva Gerona aus den Norden der Insel entdecken - die Zuckerrohr-Felder, die Haine aus den für Kuba typischen Königspalmen, idyllisch anmutende Agrar-Gemeinschaften und die tropisch bewachsenen Marmorhügel. Oder Sie fahren ein paar Kilometer - am besten mit dem Fahrrad oder viel romantischer mit dem Pferdewagen, den man für zehn Dollar am Tag samt Kutscher mieten kann. Auf dem Weg zum "Playa Paradiso" sollten Sie unbedingt das Museum "Presidio Modelo" anschauen: Ein gigantisches Gefängnis aus der Batista-Ära, in dem einst auch Castro und seine Genossen einsaßen.

Der südliche Teil der Insel ist Naturschutzgebiet. Diesen kann man nur im Rahmen einer organisierten Tour besuchen: Um die Höhle "Cueva de Punta del Este" anzuschauen, die unter Archäologen als Sixtinische Kapelle der karibischen Indianer gehandelt wird. Und um am einsamen Strand die sanften Wellen zu genießen. Hinkommen: Mit der Fähre (6 Stunden) oder dem Schnellboot "Kometa", 2 Stunden mehrmals täglich von Surgidero de Batabanó. Wahlweise mit dem Aerotaxi täglich ab Havanna und Varadero.

Wohnen: "Villa Felicidad" Iraida Hernandez Calle 36 zwischen ("entre") 35 und 37, Nr. 3504 Nueva Gerona Tel. (61 für die Insel) -2 10 47 Iraida vermietet ein großzügiges Doppelzimmer. Nueva Gerona liegt im Norden der Isla und ist ein guter Ausgangspunkt.

Kurzinfo Trinidad

Tageserwachen in der einstigen Stadt der Zuckerbarone

1988 wurde die ehemalige Zuckerhauptstadt Trinidad zum Weltkulturerbe erklärt. Entsprechend restauriert sind die anderswo verfallenden Kolonialbauten der einstigen Zuckerbarone. Ein beschauliches Städtchen zwischen Hügeln und Meer - mit Kopfsteinpflaster, Pferdewagen und vielen amerikanischen Straßenkreuzern.

Zahlreiche Paladares (Privatrestaurants), Casa Particulares (Privatpensionen), ein Internet-Café und ein Dollar-Supermarkt machen dem müden Urlauber das Leben leicht. Die zahllosen Son- und Salsa-Bands, die hier zu Hause sind, spielen überwiegend für Touristen. Sehr schön ist das nahe gelegene Valle de los Ingenios (Tal der Zuckerrohrmühlen). Tagestouren mit Taxi oder Bus zum Playa Ancón (vier Kilometer palmenloser Strand mit guten Tauchmöglichkeiten) sind möglich. Hier gibt es auch ein paar wenig einladende Hotels.

Wohnen: Belkis und Rolanda Calle José Marti Nr. 331 Tel. (419 für Trinidad) -4398 Schöne Zimmer und ein Innenhof voller Pflanzen und Vögel. Das Essen ist gut, die Leute sind nett. Sehr zentral gelegen.

Kurzinfo Cienfuegos

Abendstimmung an der Bucht: Blick vom Palacio de Ferrer auf den Parque José Martí

Sehr viel weitläufiger als Trinidad ist Cienfuegos, auch "Perle des Südens" genannt: Breite Prachtstraßen statt enger Gassen, große Plätze und mehrstöckige Gebäude. Die kolonialen und neoklassizistischen Gebäude sind auch hier relativ gut erhalten. Die Stadt liegt in einer schönen Bucht, auf der Landzunge "Punta Gorda" haben einst spanische und französische Aristokraten residiert.

Wohnen: Nach dem zweifelhaften Genuss von sechsbeinigen "Gewürzen" in der Suppe, möchten wir Ihnen unsere Unterkunft nicht empfehlen ... Die schönsten Casa Particulares liegen - allerdings etwas abgelegen - in Punta Gorda. Dafür gibt es ganz im Süden der Landzunge exzellente Mojitos, die sich besonders bei Sonnenuntergang genießen lassen (Insektenschutz mitbringen!).

Kurzinfo Havanna

Zeugen einstigen Reichtums: Villa im Vedado

Die vielen Sehenswürdigkeiten und Museen der Karibikmetropole sind an einem Tag nicht zu bewältigen. Touristen bewegen sich vor allem in La Habana Vieja (Altstadt), Habana Centro und dem Vedado. Ein Klassiker ist natürlich auch der Malecón, Havannas berühmte Strandpromenade, die entgegen gängiger Klischees weniger karibischen als sozialistischen Charme versprüht. Hier steht auch das seinerzeit glamouröse Hotel Riviera, das US-Gangster Meyer Lansky in den 50er Jahren im Las Vegas-Stil erbauen ließ.

Wohnen: Am entspanntesten ist es im Vedado, dem einstigen Residenzviertel Havannas, wo sich nach 1898 vor allem Amerikaner niederließen. Wen es nicht stört, dass sich der Putz von den einst prächtigen Villen schält und die Wurzeln der Urwaldriesen die Gehwegplatten sprengen, kann sich hier gut von der Hektik der Altstadt ausruhen. Tipp: Francisco Rodríguez Sánchez Calle 17, zwischen C und D, Nr. 558 Vedado Tel. (7 für Havanna) -32 5003 Eine der wenigen restaurierten Villen im Vedado, mit einem Schatten spendenden Baum im Hinterhof.

Kurzinfo Viñales

Das Tabakanbaugebiet rund um Viñales ist wunderschön: Bizarre Kalksteinkegel ("mogotes"), ähnlich wie in Südchina, erheben sich in der fruchtbaren Gegend. Wie überall in der Provinz Piñar del Rio gibt es Palmenhaine, Tabak- und Malanga-Felder, dazwischen kleine Bauern- und Trockenhäuser, in denen die Tabakblätter getrocknet werden.

Die Attraktion der Villa Odalys sind die Bewohner: Odalys' Vater Tonio (links) wird Sie mit enthusiastisch gemixten Mojitos beglücken

Man kann einfach vom Ort aus loslaufen, sich treiben lassen oder eine der zahlreichen Höhlen besuchen. Fahrräder und Mopeds gibt es auch zu mieten. Auch ein Strandausflug zur Cayo Jutías, einer winzigen Insel nördlich von Viñales, lohnt sich. Am weißen Sandstrand kann man wunderbar alleine sein und das türkisblaue Meer genießen. Die Insel ist durch einen Damm mit dem Festland verbunden. Viñales selbst ist nicht viel mehr als eine Dorfstraße.

Wohnen: Villa Odalys Carretera Cementerio Nr. 24 A Viñales

Reise-Infos Kuba

Reisezeit: Die angenehmste Reisezeit ist von November bis April. In der Trockenzeit herrschen tagsüber durchschnittlich 27 Grad, abends kann es im kubanischen Winter etwas kühl werden. In den Weihnachtsferien ist allerdings Hochsaison - die Preise steigen und viele Orte sind überfüllt. Einreise: Europäische Touristen benötigen neben dem Reisepass mit noch mindestens 6-monatiger Gültigkeit eine "Touristenkarte". Sie ist in Reisebüros erhältlich. Viele Reisebüros knüpfen den Verkauf der Karten an eine Hotelbuchung - suchen Sie sich eines aus, das davon absieht. Die Immigrationsbehörden in Kuba können jedoch Ärger machen, wenn Sie auf der Touristenkarte kein staatliches Hotel als Reiseziel angegeben haben. Tragen Sie einfach ein beliebiges ein, das Sie in Ihrem Reiseführer finden. Und dann geht's mit dem Taxi zum nächsten Casa Particular ...

Sprache: Wer auf eigene Faust durch Kuba reist, sollte unbedingt etwas Spanisch können. Kaum jemand spricht Englisch, ein paar wenige, die in der ehemaligen DDR gelebt haben, sprechen Deutsch.

Geld: Es gibt drei Währungen - den Peso, den Peso Convertible und den US-Dollar. Generell bezahlen Touristen mit US Dollars oder dem gleichwertigen Peso Convertible. Einzige Ausnahme: Eis, Pizzen und Säfte an Straßenstränden. Es gibt noch keine Bankautomaten, die Gebühren für Traveller Cheques sind recht hoch. Am besten viel Bargeld, wenig Traveller Cheques (keine amerikanischen!) und eine Kreditkarte (dito) mitnehmen: Durch die omnipräsenten Zivilpolizisten ist es sehr unwahrscheinlich, bestohlen zu werden.

Wohnen: In jeder Hinsicht zu empfehlen sind die "Casa Particulares" (Privatpensionen), die mit einem blauen Dreieck an der Tür gekennzeichnet sind. Verpflegung als auch Unterkunft sind hier in der Regel besser und günstiger als in den staatlichen Hotels und Restaurants. Für die Kubaner ist die Zimmervermietung sowohl Chance als auch Risiko. Unabhängig von der Nachfrage müssen sie hohe Steuern bezahlen - andererseits bietet die Vermietung Zugang zu den begehrten Devisen.

Rumkommen: Am praktischsten aber auch teuersten ist es, ein Auto zu mieten, da der öffentliche Nah- und Fernverkehr nicht sehr gut ausgebaut ist. Stellen Sie sich aber darauf ein, dass statt der anderswo üblichen Wegweiser Propaganda-Schilder die Straßen säumen. Für kubanische Arbeiter gibt es Trucks, die aber keine Ausländer mitnehmen, viele Einheimische trampen. Wer sich gegen einen Mietwagen entscheidet, kann aber überall Taxen, Privatautos, Pferdewagen, Fahrräder oder Mopeds mieten - für Abstecher an die Strände oder ins Umland.

Strände: Wer vor allem wegen der Strände nach Kuba reist, sollte eine Pauschalreise buchen. Die schönsten, nämlich palmengesäumten Strände sind meist in der Hand von Hotelketten, die für Individualtouristen sehr teuer sind (ab 110 US $ aufwärts). Die Strände, die für Kubaner zugänglich sind, sind oft weniger schön. Dennoch gibt es einige schöne unbewohnte Strände für Tages- oder Campingtrips.

Orientierung: Die Kuba-Karte von www.lonelyplanet.com bietet einen ersten Überblick über die Insel. Der englischsprachige Reiseführer "Cuba" von Lonely Planet ist sehr zu empfehlen. Wer lieber an einer organisierten Reise teilnimmt, wird beim Spezialreiseveranstalter www.cubastartravel.com fündig.

Text und Fotos: Susanne Arndt

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