Lanzarote

Feuerberge und Farbenpracht - die Kanareninsel wird jedes Jahr von unzähligen Touristen besucht - und doch ist das Land hinterm Strand weitgehend unbekannt und unberührt geblieben.

Die Fähre hält auf Playa Blanca zu, den Ort im Süden Lanzarotes. Rechts der helle Papagayo-Strand, den Lavazungen, die vor Jahrhunderten ins Meer flossen, in Buchten unterteilt haben. Backbord voraus schließlich ein bunter Hafen mit Bars und Restaurants, hinter dem sich weiße Ferienbungalows den Hang erobert haben - Playa Blanca!

Wildes Spiel der Farbkontraste

Die Straße nach Norden. Rechts taucht Yaiza auf, ein Dorf am Rande der Hölle. Und Yaiza leuchtet! Es leuchten die schneeweißen Häuser mit ihren flaschengrünen Fensterrahmen; grün strahlen Dattelpalmen und Drachenbäume, und rot flammt der Hibiskus. Es ist dieses wilde Spiel der Kontraste, das Lanzarotes Charakter ausmacht.

Lanzarote hat kaum Grundwasser. Und Regen fällt so selten wie auf Fuerteventura. Doch diese Insel hat Wein, viel Wein. Schon Shakespeares Falstaff besoff sich an Lanzarotes schwerem Malvasier. Denn früh hatten die Lanzaroteños entdeckt, dass das Picón ihnen beim Anbau hilft. Picón nennen sie hier die feinkörnige Lava, die bei den Vulkaneruptionen weit über die Insel verteilt wurde. An den porösen Steinchen kondensiert der Tau und sickert ins Erdreich. Also gruben die Campesinos Löcher in die asphaltfarbene Schicht, bis sie auf fruchtbaren Boden stießen. In den setzten sie die Pflanzen - jede in einen eigenen Trichter.

Der Sonnenuntergang vergoldet die Stadt

Teguise, älteste Stadt der Kanarischen Inseln, liegt nur ein paar Kilometer entfernt. Stille. Ein paar Touristen nur, ein paar alte Männer vor einer Bar. Das Weiß der Häuser und der Kirchen reflektiert die Nachmittagssonne und blendet die Augen. Die Stadt ist ganz im andalusischen Stil erbaut, anders als Arrecife, die Hauptstadt, anders auch als Haría im Norden. Teguise könnte auch in Mexiko liegen oder im Süden Kaliforniens.

Am nächsten Tag verabrede ich mich mit Mario Perdomo in Arrecife. Der 38jährige Journalist ist Mitglied im Vorstand von "El Guincho", der wichtigsten Kultur- und Umweltschutz-Organisation auf Lanzarote. Zu deren Begründern zählte vor über zehn Jahren auch der Maler und Bildhauer César Manrique, der das Gesicht der Insel prägte wie kein zweiter.

Die Insel als Gesamtkunstwerk

Es war Manriques Idee, diese Insel der Kontraste durch menschlichen Eingriff zum Gesamtkunstwerk werden zu lassen. Er schuf den Aussichtspunkt an der Meerenge zwischen Lanzarote und La Graciosa, beeinflusste die Inselarchitektur, baute Restaurants und Hotels in einem Stil, der der grandiosen Landschaft angemessen war; und an jeder wichtigen Straßenkreuzung stehen seine Windspiele. Das größte nahe der Ortschaft Tahiche, wo Manrique 1992 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. César Manrique war der ungewollte Vater jenes Massentourismus, der in Puerto del Carmen, Playa Blanca und Costa Teguise das Land gefressen hat.

Auf den Spuren des Vulkans

Die Hölle von Timanfaya: Ab 1730 brüllten 6 Jahre lang auf Lanzarote die Vulkane, begruben 14 Dörfer und ein Gebiet von 200 Quadratkilometern unter ihrem Magma. Auf schnurgerader Straße fahre ich durch schwarzes, gewalttätiges, feindliches Land. Man vermeint noch, die Hitze und das Feuer zu spüren, die seinerzeit über die Menschen hereinbrachen. Vor mir die Montañas del Fuego, die Feuerberge. Sie erstrahlen in allen nur denkbaren Rot- und Gelbtönen. Es sind die Farben von Tod und Verderben.

Die Sonne brennt, und der Sturm erstickt in dieser Landschaft jedes Wort. Am Aussichtspunkt Islote de Hilario, an dem Manrique das Restaurant "El Diablo" baute, steige ich in einen Bus um. Langsam fährt er durch Hohlwege aus erstarrter Schlacke bis an den Kraterrand des Timanfaya. Dazu Musik von Beethoven und zum Finale Richard Strauss' "Zarathustra" - eine Untermalung für ein bizarres Farbspiel der Natur, für eine wunderschöne Tragödie.

Reiseservice

Wohnen: Hotel "Meliá Salinas", Luxushotel, für das César Manrique den dschungelartigen Innenhof und die traumhafte Pool-Landschaft gestaltete. Zwei erstklassige Restaurants. Es gilt als eine der besten Herbergen Spaniens.

Essen und Trinken

"El Amanecer", c/ Garita in Arrieta, Tel. 0034-28-83 54 84: kanarische Küche, Fischspezialitäten.

"La Canada", c/ Cesar Manrique 3 in Puerto del Carmen, Tel. 0034-28-51 21 08: gehobener Stil, fangfrischer Fisch, Lamm- und Kaninchengerichte.

"El Moreno", c/ Quintero 24 in San Bartolomé, Tel. 0034-28-52 03 87: rustikal und landestypisch, große Portionen, speziell Spießplatte, Krabben in Knoblauch.

"El Bar del Club" im Yachthafen von Puerto Calero, schöner Blick, Super-Service, freitags Barbecue mit Live-Musik. "LagOmar" in Oasis de Nazaret, unterhalb der Casa Omar Sharif, Tel. 0034-28-84 56 65: traumhafte Anlage mit Kratersee und Wasserfall, erstklassige Küche.

Urlaubslektüre

Der Roman "Océano" von Alberto Vázquez-Figueroa spielt Ende der vierziger Jahre und ist der erste Teil einer Trilogie über das Schicksal der lanzaroteñischen Fischersfamilie Perdomo (Goldmann-Taschenbuch).

Text: Jürgen Bischoff
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.