Ljubljana - die Herzliche

Die Liebe steckt im Namen, die Lebenslust an jeder Ecke – lassen Sie sich mitreißen vom Charme der slowenischen Hauptstadt.

Es ist einfach herzzerreißend. Da stehen diese fünf Männer in schwarzen Hosen und weißen Hemden und singen so klar und schön, dass allen Umstehenden Tränen in die Augen schießen. Laut schluchzen möchte man, wenn da nicht dieses kleine, feine Schmunzeln wäre, das den Männern ab und zu über die Lippen huscht, bevor sie wieder salbungsvoll die Toten verabschieden. Der Friedhof Zale ist eine der großen Sehenswürdigkeiten der slowenischen Hauptstadt Ljubljana. Entworfen hat ihn der Architekt Jose Plecnik (1872–1957): mit einem imposanten Tor und vielen kleinen und großen Kapellen, die wie Häuser um einen Dorfplatz angeordnet sind. Hier entlässt man die Toten würdevoll und mit Gesang, um gestärkt und getröstet wieder in den Alltag einzutauchen.

Vor der Franziskanerkirche mit der imposanten Freitreppe hoffen sie auf einen Flirt, beobachten die Mädchen, die mit gebleichten Haaren und Designerklamotten vorüberflanieren. Mathias, der Tenor, läuft hinüber zur blau schimmernden Freiluftbar mitten auf dem Platz. Und kommt zurück mit einem Cappuccino-Eis, dem besten der Stadt, behauptet er. Mathias liebt Ljubljana und kann nicht verstehen, dass seiner Heimatstadt im Ausland der seltsame Ruf anhängt, von sozialistischer Mangelwirtschaft und dem Jugoslawien-Krieg gebeutelt zu sein. Schließlich sei Ljubljana einer der schönsten, lebendigsten und friedlichsten Orte Europas. Eine junge Stadt mit vielen Kontrasten und Überraschungen: vom luxuriösen Jugendstilhotel bis zur kuriosen Jugoslawien-Nostalgiekneipe, vom raffinierten Feinschmecker-Restaurant bis zum deftigen Brauhaus oder der coolen Bar, von der Barockkirche bis zum Rathaus im sozialistischen Stil.

Besonders sehenswert sind die Bauten von Jose Plecnik. Er ist eine Art slowenisches Architekturwunder, geliebt und geschmäht, verlacht und verehrt. Fest steht: Plecnik baute eigenwillig, schön und ein wenig kurios. Er machte Ljubljana zu einem Paradies für Fußgänger mit hübschen Promenaden, extravaganten Laternen in Säulenform, einladenden Bänken und großzügigen Parkanlagen.

Die Videokünstlerin Tanja läuft fast jeden Tag mit ihrem Einkaufskorb über Plecniks Tromostovje, die 1932 vollendete "Dreierbrücke". Die hat nur eine schmale Autospur, aber rechts und links davon schwingt sich je ein schöner Fußweg über den Fluss, flankiert von prächtigen steinernen Brüstungen und eleganten Laternen. Auf dem Markt, unter der Säulenhalle, ebenfalls von Plecnik, kauft Tanja Obst, Gemüse und Kräuter. Feilscht mit Bauern um makellos feste Steinpilze und mit Fischern um den appetitlichsten Seewolf und die frischesten Schnecken und Krebse. Abends zieht es Tanja an den Fluss Ljubljanica, wo die halbe Stadt bummelt und flaniert. Hier und da kehrt sie ein: isst eine Pizza in der rot-orangefarbenen "Romeo"-Bar, schlürft einen Tee im Café "Cajna Hisa", nimmt einen Drink im "Minimal" oder schaut in der Galerie Scuc vorbei, dem wichtigsten Ort für Avantgardekunst in Ljubljana.

Und wenn sie ein wenig wehmütig wird angesichts all der vielen schicken neuen Lokale, dann geht sie ins "Nostalgija", wo selbstironisch die Erinnerung an das alte Jugoslawien gepflegt wird. An den Wänden Fotos von Popstars und Fernsehgrößen der siebziger und achtziger Jahre und eine gerahmte Zeitung vom Mai 1980 mit der Schlagzeile "Unser Tito ist tot". So recht voran geht es mit Tanjas Künstlerkarriere noch nicht. Zu sehr hängen die Slowenen an der Tradition, zu wenig interessieren sie sich für zeitgenössische Kunst.Die italienischen Nachbarn mögen Ljubljana inzwischen fast so sehr wie die Ljubljaner selbst. Kein Wunder. Das wichtigste Wort steckt schon im Namen der Stadt: "Ljubezen" nämlich bedeutet im Slowenischen "Liebe".

Trends & Tipps

Anreise: mit der slowenischen Adria Airways z. B. von München ab ca. 400 Euro.Auto: über Österreich. Ljubljana liegt nur eine gute Stunde Fahrt von Klagenfurt entfernt.

Übernachten:Grand Hotel Union: schönes Jugendstilhaus im Stadtzentrum. DZ/F 110 Euro (Miklosiceva 1, Tel. 611254133, Fax 3081015,E-Mail: ).Hotel Slon: angenehmes Haus mit einem Rest von sozialistischem Charme, zentral. DZ/F 142 Euro (Slovenska cesta 34, Tel. 4701100, Fax 2517164, E-Mail: ).Pri Mraku: klein, gemütlich und zentral, DZ/F 85 Euro (Rimska cesta 4, Tel. 4219600, Fax 4219655, E-Mail:).

Essen und Trinken:Gostilna AS Ljubljana: schöner Garten, raffinierte italienische Küche, Ausgefallenes wie Linguine mit Seeigelfleisch(Hopova 5a).Ostarija Spajza: netter Innenhof, großes Salatbüfett, Spezialität Pferdesteak. Große Weinauswahl (Gornji trg 28).Plecnicov Hram: schöner Bierkeller mit einfachen Gerichten wie Schinkennudeln oder gebackenen Champignons. Viele Studenten (Trg Francoske Revolucije 2).Minimal: cooles In-Café ganz in Weiß (Mestni trg 4).Romeo Jugendcafé in modischem Rot-Orange (Stari trg 6).Cajna Hisa: Teestube. Beliebter Treffpunkt (Stari trg 3).Bar Nostalgija: Erinnerungen an Slowenien, als es noch zu Jugoslawien gehörte (Stari trg 9).

Nicht versäumen:Kaufhaus Centromer in üppigem Jugendstil am Presernov trg.Markthallen am Ljubljanica-Ufer.Nationalbibliothek mit 50 Meter langem Lesesaal (Presernova cesta).Drachenbrücke mit dem Wappentier Ljubljanas.

Info:Information Centre Stritarjeva, Tel. 3061215, Fax 3061204, www.ljubljana-tourism.si.

Telefon:Vorwahl für Slowenien 0386, danach die 1 für Ljubljana.

Extra-Tipp:Sommerfestival im Juli und August mit internationalen Musikern, Artisten und Theatermachern. Info unter Festival Ljubljana, Trg francoske revolucije 1–2, 1000 Ljubljana, Tel. 2526544, Fax 2521288, www.festival-lj.si.

Anja Lösel
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.