Mallorca von A bis Z

Welche Restaurants sind gerade angesagt, und wie finden Sie zu den versteckten Traumbuchten? Wir haben die Insel auf den Kopf gestellt und jede Menge Geheimtipps mitgebracht.

Aia

So nannte der Weinbauer Miquel Oliver zärtlich seine Frau Anna Maria, als sie noch jung waren. "Aia" nannte ihre Tochter Pilar, 29, den ersten Wein, den sie selbst kreierte. Ein kräftiger, dunkler Merlot, im Barrique ausgebaut, mit dem sie die Silbermedaille beim Internationalen Weinsalon in Madrid gewann. Die studierte Önologin pflanzt hier diese, da jene Trauben an, wartet, welche wo am besten gedeihen. Lässt den Wein so lange im Eichenfass, bis er ihr und der Familie schmeckt. Ihr "Aia" - rund 15 Euro die Flasche - ist nur ein Beispiel dafür, dass die Weine der Insel immer besser werden. Neben dem schon ehrwürdigen kontrollierten Anbaugebiet Binissalem gibt es ein aufstrebendes zweites, die Pla i Llevant im Osten.

Unser Vorschlag für eine kleine Weintour: zur "Bodega Oliver", dann zu Jaume Mesquida in Porreres. Jaume war der erste der jungen wilden Winzer auf Mallorca. Mit ein paar Flaschen seines Cabernet 2000 (rund 11 Euro) im Gepäck weiter nach Algaida, zu Andreu Oliver und seiner Bodega "Can Majoral". Andreu hält sich beim Keltern streng an den Mondkalender und produziert Öko-Weine ab 4,50 Euro, zum Beispiel den Rotwein "Butibalausi". Woher er den Namen hat? "Von den Arabern. Den haben sie dieser Gegend gegeben."

Natürlich kann man diese Weine auch auf Mallorca in Weinläden kaufen. Und wer dort auf Namen wie Miquel Gelabert (Manacor) oder AN Negra (Felanitx) stößt, kann ebenfalls zugreifen: Auch diese Winzer der Pla i Llevant gehören zu den international anerkannten Shooting-Stars aus Mallorca.

Bodega M. Oliver, Font 26, Petra (mitten im Ort, ausgeschildert), Tel./Fax 00 34/971/ 56 11 17, www.miqueloliver.com

Bodega Jaume Mesquida, Carrer Vileta 7, Porreres, Tel. 00 34/971/ 64 71 06, Fax 16 82 05, www.jaumemesquida.com

Can Majoral, Calle Campanar, Algaida (schwer zu finden, aber jeder Einheimische kennt die Bodega), Tel./Fax 00 34/971/66 58 67, www.canmajoral.com

Calas und Platjas - unsere Geheimtipps

Weit mehr als 100 Buchten und Strände gibt es auf Mallorca - unsere Geheimtipps: Ses Roquetes ganz im Süden der Insel. Pudriger, schneeweißer Sand, türkisfarbenes Wasser wie in der Karibik, Sie blicken auf die Inselchen des Cabrera-Archipels und können in den Dünen liegen, den Duft der Kiefern in der Nase. Aber Sie müssen sich den Strand erwandern. Und zwar über den Strand Es Dolç, ein paar Gehminuten östlich des Hafens von Colònia Sant Jordi. Auch schon eine schöne, sanft geschwungene Bucht, am Anfang noch mit Schirmen und Liegen. Einfach immer weitergehen, Ses Roquetes kommt nach einer halben Stunde. -

Die kleine Cala S'Amonia im Südosten. An der spitz eingeschnitten Bucht, umsäumt von Felsen und Pinien, liegen ein paar Bootsschuppen, das Ufer ist felsig, das Wasser dafür wunderbar klar, gegenüber gibt es einen winzigen Sandstrand. Wenn Sie links an den Häusern vorbeigehen und das bewachsene Plateau überqueren, taucht tief unten die hinreißende Cala de sa Comuna auf, beschützt von Steilklippen. Mit einigermaßen festem Schuhwerk klettern Sie die Böschung hinab. Der Sand wie Seide und das Wasser ein Traum, ein Stück weiter draußen gibt es Riffe und Höhlen zum Schnorcheln. Anfahrt über die Straße Santanyí-Cala Llombards, kurz vor dem Ortsschild rechts in einen betonierten Weg (das einzige Hinweisschild), im Zickzack zu einem Parkplatz, danach über 100 Treppenstufen hinuntersteigen. -

Im Nordosten, Richtung Cap Ferrutx, liegen die "verlorenen Strände" von Artà: wild, unbebaut, naturbelassen. Erst die Cala Torta, mit Kiosk und wie die kleineren, dahinter liegenden Calas Mitjana und Estreta sogar noch mit dem Auto zu erreichen. Dünen, Pinien und Felsen rahmen die Buchten ein, der Sand ist nicht ganz fein und hell.

Von der Cala Estreta geht es nur zu Fuß weiter. Nach einer halben Stunde liegt Es Matzoc vor Ihnen: eine halbmondförmige Sandbucht zwischen Felsen, dahinter dichter Pinienwald. Anfahrt zur Cala Torta: ab Artà Richtung Capdepera, bis zur Tankstelle und Bar Sa Taulera, dort am Hinweisschild links einbiegen, 10 km durch schöne Landschaft, aber auf sehr schlechter Piste.

Epifanio

...kannte vor 100 Jahren in Artà jeder. Als armer Mann war er, wie so viele aus dem Dorf, nach Südamerika ausgewandert, als reicher Textilhändler kehrte er zurück. Und ließ sich gleich unterhalb der Wallfahrtskirche ein stattliches Jugendstil-Palais errichten. Als er starb, verwaiste das Haus. Heute heißt ein Teil davon wieder "C'an Epifanio" und ist das Restaurant des Kölners Christophorus Heufken und seiner Frau Britta. Es passt zum Stil ihres Hotels "Sant Salvador" im anderen Teil des Gebäudes: gastfreundlich, nicht überkandidelt, fantasievoll und mediterran, mit Einflüssen aus der ganzen Welt. Die Gäste schwärmen von der Rhabarber-Chili-Suppe des Küchenchefs Sacha Fuchs, von den Hummer-Ravioli mit Safranbutter, von den Lavendelblüten in Soße zum Drachenkopf oder von der Crema Catalana mit Erdbeergelee und Waldmeisterjoghurt. Die Karte wechselt ständig.

Menü 40 bis 50 Euro; Calle Castellet 7, Artà, Tel. 00 34/971/82 95 55

Ferne Planeten

...rücken im neuen Planetarium von Costitx ganz nah. Wie aus einer anderen Welt wirkt dieser futuristische Bau auf einer Anhöhe ein wenig außerhalb des Dorfs. Drinnen, unter der 14 Meter hohen Metallkuppel, projiziert der Skymaster mit höchster Genauigkeit 6000 Sterne. Bitte zurücklehnen, und los geht die Reise in den Himmel über Mallorca, zu den Sternbildern, zu Asteroiden, Galaxien, Nebelgeflechten. Das Allerbeste: Nach der Show kann man draußen unterm echten Sternenhimmel in Kapseln einsteigen und durch enorme Teleskope zum Beispiel die Ringe des Saturn sehen. Das Planetarium ist an ein Observatorium angeschlossen, in dem Wissenschaftler arbeiten. Vielleicht entdeckt ja bald jemand wieder einen neuen Stern, so wie "Costitx", der auch von hier aus aufgespürt wurde.

Observatorium und Planetarium, Camí de l' Observatori s/n, Costitx, Tel. 0034/971/51 33 44 (von 9.30-13.30 Uhr), Fax 87 60 22, www.mallorcaplanetarium.com; frühzeitig anrufen, dann kann man sich einer Gruppe anschließen, 5 Euro/Person; Einzelbesucher, die nur die Show sehen wollen (in der Regel Mo.-Fr. um 18 und 19 Uhr), zahlen 7 Euro

Heilkräfte des Wassers

Thalasso und Thermalbäder - das interessierte auf Mallorca bis vor kurzem niemanden. Schwimmen im Meer, meinte man, tut gut genug. Doch nun kommt kein gehobeneres Hotel mehr um einen Spa-Bereich herum. Meist fallen sie mickrig aus. Zwei Wellness-Tempel, in denen es vor allem ums Wasser geht, halten auch verwöhnten Ansprüchen stand: Das "Altira-Spa" im Hotel Mardavall vor Palma, spezialisiert auf Thalasso, ist das exklusivste und schönste auf der Insel und gehört zu den besten in Europa. Luxuriös das Ambiente, mit Teebar, Mosaikwannen, Sole-Bassin, Edelstein-Caldarium und ätherischen Düften in den Behandlungszimmern. Eine Pipeline versorgt das achteckige Becken mit frischem Salzwasser. So konzentriert, dass man wie ein Korken darauf herumdümpelt. Nie mehr aufstehen, denkt man später, wohlig ruhend auf dem Wasserbett im japanischen Garten. -

Ein großes Thermalschwimmbad mit Innen- und Außenbereich ist das Herzstück des "Holistic- Lifestyle-Spa" im Marriott-Golfhotel Son Antem in Llucmajor. Mit Blütenbädern, Beautybehandlungen, Kräuter-Bio-Sauna, Wassermeditation, Eisbrunnen, Ottomanen-Dampfbad, Körperpackungen und Massagen östlichen wie westlichen Stils. Das ganze aufwändig und fantasievoll wie im arabischen Märchen gestaltet.

  • "Altira-Spa" im Hotel Mardavall, Angebot exklusiv für BRIGITTE-Leserinnen: "Thalasso Advanced Hydrating Treatment" von eineinhalb Stunden inkl. freiem Zugang zum Spa für 66,50 Euro; normalerweise kostet ein Aufenthalt im Wellness-Bereich 75 Euro, eine Anwendung 95 Euro. Passeig Calviá s/n, Costa d'en Blanes-Calvia, Tel. 00 34/971/62 96 00, Fax 62 96 02, www.mardavall-hotel.com/spa
  • "Holistic- Lifestyle-Spa" im Marriott-Golfhotel Son Antem; ein Tag im Spa-Bereich kostet 35 Euro, von 18 bis 21 Uhr die Hälfte, eine Anwendung zwischen 60 und 70 Euro, der Eintritt ins Spa ist dann frei. Carretera de Llucmajor, km 3,4, Tel. 00 34/971/12 92 10, Fax 12 92 11, www.marriotthotels.com/pmigs

Impresionante

...sagte König Juan Carlos immer wieder begeistert. So "beeindruckend" fand er das Museum "Es Baluard" für moderne und zeitgenössische Kunst in Palma, das er am 30. Januar in Begleitung der Königin eröffnete. Ein Museum, das so genial mit Tradition und Moderne spielt, gibt es sonst nirgendwo in Spanien: Das avantgardistische Gebäude aus kalkweißem Beton, Glas, Stahl, Innenbalkonen und Rampen ist mit den groben Steinmauern der Renaissance-Festungsanlage im alten Fischerviertel Sant Pere verflochten. Bekannte mallorquinische Künstler wie Joaquím Mir oder Santiago Rusiñol i Prats sind genauso vertreten wie Werke von Picasso, Miró, Magritte, Hans Hartung, Yves Klein, Georg Baselitz. Im Haus der Dadaisten, Kubisten und Surrealisten tritt man dann nach draußen, spaziert entlang der alten Wehrmauer. Und dort eröffnen sich noch nie gesehene Ausblicke auf den Hafen, die Kathedrale, das Gewirr der Altstadt und das Tramuntana-Gebirge.

Es Baluard, Plaça Porta de Santa Catalina, www.esbaluard.org, tägl. außer montags 10 bis 20 Uhr, Eintritt 6 Euro, Kinder unter 12 Jahre frei

Jules Verne

...war begeistert von der "Hölle", und mit ihm Victor Hugo und Alexandre Dumas. Gemeinsam schritten die drei Schriftsteller am 15. September 1877 hinein in diesen düsteren Saal der Tropfsteinhöhlen von Artà. Den infernalischen Namen tragen sie wegen ihrer bizarren Steinformationen: Wie Dolche, scharf, spitz und ein bisschen bedrohlich, ragen die Stalaktiten und Stalakmiten in den Raum. Jules Verne berichtete später, dass der Besuch ihn zu seinem Roman "Reise zum Mittelpunkt der Erde" angeregt habe. Wenn Sie selbst in den Untergrund möchten: In den Höhlen von Artà gibt es inzwischen kitschige Beleuchtung und bombastische Orchestermusik.

Schöne Alternative: die kleinen nicht so überlaufenen Tropfsteinhöhlen Coves de Campanet (an der Straße Palma- Alcudia, km 39, Tel. 00 34/971/51 61 30, Führungen täglich von 10 bis 18 Uhr, im Sommer bis 19 Uhr, Erwachsene 8 Euro)

Kapern

...aus Mallorca schmecken intensiver und besser als andere. Es sind die Knospen von kreisrunden, auf den Boden geduckten Büschen. Je kleiner, desto feiner. Blühen die Kapernsträucher, kann man nur ihre filigranen weißen bis violetten Blüten bewundern. "Für die Ernte sind sie dann verloren", sagt Maria Adrover - seit 43 Jahren geht sie von Juni bis August in ihre Kapernbüsche in Campos. Im Morgengrauen ist sie schon dort. "Dann sind die Kapern schön hart, und die Dornen stechen nicht so, weil die Pflanzen noch schwach sind." Für ein Kilo bekommt sie zehn Euro, dafür muss sie zwei Stunden sammeln, immer in gebückter Haltung. Noch vor 20 Jahren verkaufte halb Campos seine Kapernernte und verdiente damit gut. Vorbei. Aber Maria steht noch auf dem Markt im Landstädtchen Santanyí, jeden Mittwoch und Samstag, und bietet im Sommer neben ihrem Gemüse die raren Knospen an. Zwei Stände weiter, bei Catalina Cifre, gibt es Kapern das ganze Jahr über eingelegt zu kaufen. Die 84-Jährige erntet sie eigenhändig, legt sie dann in Salzwasser ein, das sie nach ein paar Monaten wegschüttet, und füllt sie mit Essig auf. "So halten die Kapern mindestens zwei Jahre", sagt Catalina.

Marger

Das ist ein eigener, überaus angesehener Beruf auf Mallorca: Margers bauen die Mauern aus Trockensteinen, mit denen Wege begrenzt und Terrassen der Olivenhaine abgestützt werden. Sebastia Martorell ist sogar ein Mestre, ein Meister. Dabei, sagt er, habe er mit seinen 31 Jahren eigentlich noch zu wenig Erfahrung. "Ein alter Meister sieht die Mauer schon, wenn die Steine noch im Chaos herumliegen. Und natürlich hat er gleich den Neigungswinkel des Geländes miteinbezogen. Er weiß sofort, wo welcher Brocken hingehört. Behauen muss er dann nur wenige Steine." Sebastia hat auf der Mauerbauschule in Sóller die fast ausgestorbene Kunst von Grund auf gelernt, in Theorie und Praxis.

Seinen derzeitigen Arbeitsplatz auf dem "Camino de Muleta", dem alten Verbindungsweg zwischen Sóller und Deià, erreicht er erst nach 40 Minuten Kraxelei in Gebirgslandschaft. Sebastia und sein Team müssen den Weg neu abstützen, Teil der "ruta de pedra en sec", eines neuen, 150 Kilometer langen Fernwanderwegs im Westen der Insel. Meißel, Hammer, Hebel, Schubkarren liegen herum. Ohne Maschine und ohne Bindemittel werden die Mauern errichtet, sie halten zusammen nur durch das Eigengewicht der Steine. Schwere Plackerei. "Ich liebe sie", sagt Sebastia. "Dafür habe ich gern mein Jura-Studium geschmissen. Wo gibt es das schon noch: Arbeiten ohne Hektik in freier Natur, du kannst dir deine Zeit einteilen, und es wird nie stumpfsinnig, weil die Steine immer wieder neu herausfordern."

Naranjas

Beim Reinbeißen spritzt der Saft. Und erst der Geschmack! So süß sind nur die Orangen von Sóller. 50 000 Orangenbäume stehen in dem engen Tal, jeder von ihnen trägt pro Ernte 30 Kilo pralle Früchte. Und warum sind sie in Sóller so besonders gut? Josep Oliver, Chef der Kooperative San Bartolomé, die 260 Plantagen-Besitzer vertritt, kann es erklären: "Unser Tal, umgeben von den hohen Gipfeln, ist besonders geschützt. Das Klima relativ konstant das ganze Jahr, mit 300 Sonnentagen, milden Wintern, nicht zu heißen Sommern, dazu fächelt der Wind Feuchtigkeit vom Meer her. Unsere Bäume wachsen auf kleinen Terrassenfeldern, wir helfen nicht nach, damit die Orangen schneller reifen, als die Natur es will."

Natürlich kommt auch das beste Orangeneis der Insel aus Sóller. Täglich wird es in der kleinen Eisfabrik "Fabrica de Gelats" aus dem Saft der Canoneta-Orange frisch zubereitet und ist herrlich cremig. Das Eis gibt es offen und abgepackt in ganz Mallorca unter der Marke "Fet a Sóller". Man kann es aber auch direkt im Garten des Manufaktur-Shops am Plaça Mercat probieren - und dazu 50 weitere Eissorten.

Orient

Ein bizarrer Name für dieses abgeschiedene Dörfchen zwischen Alaró und Bunyola. Es sieht hier eher so aus wie in der Südschweiz. Dicht an dicht stehen die alten Natursteinhäuser auf einer Anhöhe, inmitten von Apfelplantagen zu Füßen der bewaldeten Sierra D'Alfabia. Mallorca scheint Orient vergessen zu haben, so still ist es in den Gassen. Wenn nicht gerade Sonntagsausflügler kommen, Radler oder Wanderer. Einer der schönsten Wanderwege führt von hier zum Castell Alaró: durch Olivenplantagen, über kühle verschlungene Waldpfade hinauf zur Sonnenseite des Bergs, vorbei an einem Waldparkplatz mit Picknickplätzen, weiter über Pflasterwege und Treppen zur halbverfallenen Burgruine auf dem 800 Meter hohen Gipfel. Dort oben liegt einem nach knapp zweistündigem Aufstieg ganz Mallorca zu Füßen.

Tipp: ein Abstecher in den urigen Gasthof "Es Verger", das einzige allein stehende Haus auf der Südseite unterhalb der Burg. Rückweg über Alaró (ausgeschildert) nach Orient, insgesamt 6 Stunden, kürzer der Weg über den Waldparklatz und dann wieder zurück. Wer danach in Orient gepflegt essen will: Im gemütlichen "Mandala" (Calle Nueva 1, Tel. 00 34/971/61 52 85) kocht die Schweizer Chefin vorzügliche französische und asiatische Gerichte.

Queso

1000 Liter Milch geben die 85 Kühe der Familie Burguera täglich. Daraus machen die Eltern und die zwei Söhne 100 Kilo Käse. "Mehr geht nicht", sagt Chef Jaime. Der kleine Hof liegt zwischen Campos und Colònia Sant Jordi direkt an einem Kreisverkehr. Nicht gerade idyllisch. Aber es lohnt sich, anzuhalten und ein Stück Käse mitzunehmen. Weil er delikat schmeckt und weil es überhaupt nur noch vier Käsereien auf Mallorca gibt. Die Burgueras stellen ihn so her wie zu alten Zeiten. Sie pressen die geronnene Milch in quadratische Laibe. Und die pinseln sie mit einer Mischung aus Paprikapulver und Olivenöl ein. Das hilft gegen Schimmel, konserviert und gibt dem Käse eine orangene Farbe. Einen Monat ruhte der mittelreife "semi curat" (6,50 Euro/Kilo), fünf bis sogar zehn Monate der reife "curat" (9 Euro). Und der "requeson", der Rahmquark (4,50 Euro), ist sowieso eine Seltenheit.

Fromatges Burguera, an der Straße Campos - Colònia Sant Jordi, km 7, Tel./Fax 971/65 54 35, geöffnet 8 bis 11.30 und 14.30 bis 19 Uhr

Rosmarin

...und Fenchelkraut, Zitronenverbene, Wacholder, Orangenblätter, Mandarinenblüte, Myrte, Minze: Mindestens sieben Kräuter gehören in einen "Hierbas", den grüngoldenen Likör, der nach dem Essen als Verdauungshelfer in fast jedem Lokal auf den Tisch kommt. Es können aber auch andere Aromen in der Flasche stecken. Einzige Bedingung: Die Pflanzen müssen auf der Insel wachsen. Mönche im Mittelalter kreierten den Trank und empfahlen ihn als Lebenselixier. Viele Mallorquins setzen ihn selbst nach überlieferten Rezepten an. Auch in der kleinen Destillerie "Herbes Mallorquines" in Llucmajor kennen nur die Chefs Antonio und sein Sohn Damian Oliver das Geheimnis seiner Zusammensetzung. Wie in einer Hexenküche sieht es in dem Raum aus, wo die Kräuter lagern. Sie quellen aus Holzkisten, liegen geschichtet in Einmachgläsern, schwimmen in bauchigen Gläsern in Alkohol. Ein Jahr lang geben die Heilpflanzen Geschmack und Farbe ab. Dann wird die Flüssigkeit in große Holzfässer mit Anislikör gefüllt. Bevor sie den "Hierbas" in Flaschen abfüllt, steckt Mitarbeiterin Catalina ein paar Kräuterzweiglein hinein.

"Herbes mallorquines", Carrer de l'Esplai 1, Llucmajor (in der Nähe der Kirche). Öffnungszeiten: 8 bis 12 und 15 bis 17 Uhr

Tipp: Der trockene "Herbes seques" für 7,90 Euro hat am wenigsten Zucker und den meisten Alkohol und macht auch bei mehreren Gläschen nicht so einen dicken Kopf wie der "dulce" oder der halbtrockene "semi".

Trend-Viertel

Es ist noch nicht lange her, da war Santa Catalina das Viertel der kleinen Leute. Ein kleines traditionsreiches Dorf außerhalb der Stadtmauer und doch gerade mal zwanzig Minuten zu Fuß vom Zentrum Palmas entfernt, direkt am Uferboulevard in Höhe des Yachthafens. Mit niedrigen, weiß getünchten Häusern, verschlungenen engen Gassen, Treppen, an manchen Stellen ganz schön morbide. Inzwischen eröffnet fast jeden Monat eine neue Bar oder ein Restaurant für die junge, anspruchsvolle, kreative Szene.

Japanisch-kosmopolitisch gestylt mit langer Bar das "Top Sushi" (Plaça Progrès 11, Tel. 971/22 12 17), wo Profikoch Mathias Nitschke die frischesten Häppchen rollt, die mittlere Platte plus Bier für 18 Euro.

Im mediterranen Bistrostil wie das lichte "Fabrica 23" (das ist auch die Adresse, Tel. 971/45 31 25).

Leger und mit baskischen Tapas wie gegenüber das "Txakoli" (Carrer Fabrica 12, 971/45 76 82).

Cross over wie das "Gusto" (San Magin 53, Tel. 971/22 13 57). Dort erlebten wir, was das Essen angeht, die größte Überraschung auf Mallorca. Das Interieur ganz einfach, ohne Tischdecke, viel Holz. "Die Qualität des Essens ist wichtiger", sagt der junge Chef Francesco Javier Bonet Jimenez. Er stammt aus dem Viertel und hat zehn Jahre in England, Italien und Japan bei den besten Köchen gearbeitet. Bonet bietet nur zwei Menüs an, die er ständig wechselt, für 24 und 36 Euro. Ein Geschmackserlebnis. Zum Beispiel eine Art Rettich mit süßem Stockfisch, Kürbissuppe mit Entenleber und Amaretto-Keksen, Steinbutt mit grüner Paprikapanade und Kokossoße, Spanferkel mit Kräutern und Topinambur, Brownie mit weißer Schokolade und Baileys. Und nach all diesen Gängen fühlt man sich überhaupt nicht schwer.

Unter Geiern

Manchmal kann man sie beobachten, wenn sie über dem Massiv des Puig Major segeln, den höchsten Gipfeln der Serra de Tramuntana, oder ein Stück tiefer über dem Cúber-Stausee. 90 Mönchsgeier leben wieder auf der Insel, davon zehn Brutpaare (Geier bleiben ein Leben lang zusammen). Die größten Greifvögel Europas, mit einer Flügelspannweite von fast drei Metern. Ihre Nester bauen sie an den entlegensten Hängen der Steilküste in die Kronen von Kiefern, jedes Jahr an die gleiche Stelle.

Dass es die Geier überhaupt noch gibt, ist der Erfolg einer europaweiten Naturschutzstiftung. "Vor rund 20 Jahren waren sie fast ausgestorben", sagt die Biologin Evelyn Tewes. Zwei Küken sind in der neuen Station zum Schutz der Geier untergebracht. Besucher können sich ihnen nähern, ohne dass sie aufgebracht mit den Flügeln schlagen. Ihr schokobraunes Gefieder glänzt wie geölt, die fedrige Halskrause sieht wirklich aus wie der Teil einer Mönchskutte. In den anderen Volieren werden wilde Mönchsgeier aufgepäppelt, die krank, verletzt oder schwach auf dem spanischem Festland aufgefunden wurden. Danach werden sie wieder in die Freiheit entlassen, auch in Frankreich, wo die Mönchsgeier schon ganz ausgestorben waren.

Windmühlen!

...rufen die Touristen als erstes, wenn sie beim Landeanflug auf die Insel aus dem Fenster schauen. In der Gegend um den Flughafen stehen besonders viele. Die meisten allerdings sind nur noch hohle Stümpfe, andere lassen die Flügel hängen, verrostet, skelettiert. Von Jahr zu Jahr drehen sich jetzt wieder mehr, und sie produzieren sogar Strom fürs öffentliche Netz. Dafür sorgen private Initiativen und ein Rettungsprogramm der Inselregierung mit Geldern der EU. Rund 100 der historischen Windkraftanlagen sind bisher restauriert worden.

Bereits Anfang des 13. Jahrhunderts hatten die Araber Getreidemühlen auf der Insel gebaut. Der große Boom kam Mitte des 19. Jahrhunderts: Nach dem Modell eines holländischen Ingenieurs stellten die Mallorquins 2500 von Windkraft betriebene Wasserpumpen in die Sumpfgebiete um Palma, Sa Pobla und Campos, um den Boden trockenzulegen und in fruchtbares Ackerland zu verwandeln.

Tipp: Radtour der Windräder von Port d'Alcúdia über Muro und Sa Pobla an den Strand von Alcúdia (40 km). In Port d'Alcúdia in der Verlängerung der Hafenpromenade ein Rad mieten (Vandrell, Avda. Reina Sofia, gegenüber Spar, 8,50 Euro/Tag). Erst müssen Sie die touristische kilometerlange Küstenstraße hinter sich bringen, bevor Sie am Ende des Feuchtgebiets S'Albufera hinter dem Campingplatz rechts und gleich wieder rechts Richtung Muro abbiegen und ins ländliche Mallorca radeln. Vorbei an Gehöften und vielen Windrädern. Im ruhigen Muro lohnt ein Abstecher ins "Museo de Mallorca", ein altes, authentisch eingerichtetes Herrenhaus. Danach geht es über Sa Pobla und die flache Huerta-Ebene wieder am Rande des Naturparks S'Albufera entlang zurück zum Strand von Alcúdia.

Die mallorquinische Regierung will die Radwege der Insel weiter ausbauen, 235 Kilometer sollen es werden, und bis Ende dieses Jahres sollen 17 Dörfer mit Radwegen verbunden sein.

Yachting

Was tun, wenn man keine Yacht besitzt und nicht mal segeln kann? Anheuern, für einen Tag. Von Port de Pollença geht's los Richtung Cap de Formentor. Die Crew: ein erfahrener Skipper und drei Paare, die am letzten Tag ihres Segelkurses zeigen wollen, was sie gelernt haben. Sie sind auf der Suche nach ihrem Traumstrand. Die Zehn-Meter-Yacht gleitet vorbei an der wilden Landschaft des Kaps, an schroffen, spärlich bewachsenen Felsen, übers blaue, manchmal türkis schimmernde Meer. Manöver in die geschwungene Cala Murta. Ein Haus, zwei Boote, sechs Bräunende. Zu voll. Weiter. In der nächsten Bucht bläst der Wind zu stark, die übernächste hat ungemütliche Felsen. Endlich: ein hübscher Strand, einsamer geht's nicht. Der Anker fällt. Das Wasser ist noch klarer als am Ufer, mit Sicht bis auf die Gurken auf dem Grund. Ein Sprung. Und beim Schnorcheln kitzeln silberne Fische mit schwarz umrandeten Augen die Füße.

Sail & Surf Pollenca, Paseo Saralegui 134, Port de Pollença (ein gutes Stück weg vom Hafen Richtung Alcúdia), Tel. 00 34/971/86 53 46, Fax 86 59 53, www.sailsurf-pollenca.de. Auch Kurse und längere Turns. Tagestörns finden immer samstags statt (nach Absprache) und kosten 50 Euro/Person

Text: Nicole Schmidt Stand: Mai 2004

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