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Martinique


Eine Insel zum Rumprobieren.

George W. Bush sitzt brav unter dem Tisch und sagt kein Wort. Darf er auch nicht, denn der Herr des Hauses hat ihm befohlen, die Schnauze zu halten. Auf Martinique haben immer noch die Franzosen das Sagen, und wenn ein Hund schon George W. Bush heißt und komische Schlappohren hat, muss er erst recht gehorchen.

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Bush lebt im Busch, zusammen mit Tina und Jean-Claude Wamel, die vor fünf Jahren aus dem grauen, kalten Nordfrankreich auf die grüne, warme Insel ausgewandert sind. Ihr "Maison Rousse" ist ein Häuschen im Grünen wie kein anderes. Die Terrasse ist umwachsen von Guaven-, Limonen-, Kokosnuss-, Orangen- und Avocadobäumen, gleich hinter dem Garten beginnt der tropische Regenwald. Die zahllosen Hibiskusblüten erstrahlen in hellem Rosa, zwischen meterhohen Bambuswäldern schimmern gelbe Gummi- und Mahagonibäume.

Auf Martinique kommen viele angenehme Dinge zusammen: französische Küche, karibisches Klima, weiße Traumstrände und Luxushotels mit Verwöhnprogramm. Es gibt aber auch viele kleine Herbergen wie das "Maison Rousse", in denen wir für 42 Euro am Tag alles bekommen, was wir an Luxus im Urlaub brauchen: frische Papaya und Ananas zum Frühstück, schattige Korbstühle unter Palmen, schwüle Hitze, Urwald, nette Menschen, und das Meer ist auch nicht weit.

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Martinique ist offiziell ein französisches Departement und gehört zur EU. Deshalb zahlen wir mit Euro, bekommen an jeder Ecke guten Milchkaffee, frisches Baguette und Croissants, und der Bordeaux kostet genauso viel wie in Bordeaux. An den Rathäusern der kleinen Orte hängt die Trikolore-Flagge, und die alten Männer spielen am Nachmittag Boule. Martinique ist ein bisschen so wie Südfrankreich, nur nicht so überlaufen.

"Madinina" nannten die Arawak ihre Heimat im Atlantischen Ozean. In der Sprache der Ureinwohner hieß Martinique "Blumeninsel". Christopher Kolumbus entdeckte den 65 Kilometer langen und 30 Kilometer breiten Flecken Erde auf einer seiner Reisen, etwa 130 Jahre später ließen sich die Franzosen auf Martinique nieder. Sie legten Zuckerrohrplantagen an und verschleppten westafrikanische Sklaven auf die Insel. 1848 wurde die Sklaverei offiziell abgeschafft.

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Die ehemalige Plantage Leyritz bei Basse-Pointe im Norden ist heute eines der stilvollsten Hotels der Insel. Eine Allee aus Mangobäumen und Palmen führt zum Empfangshaus, am Horizont schimmert das karibische Meer. Frühere Sklavenhütten, kleine Häuser aus grauem Basaltstein, sind jetzt Bungalows mit Himmelbetten und geräumigen Badezimmern. Das Essen wird in der ehemaligen Zuckerraffinerie serviert. Die dicken alten Steinmauern spenden Kühle. Ein seltsames Gefühl, an die kolonialen Zeiten zu denken, während uns die Einheimischen bedienen. Zu jeder Mahlzeit - außer zum Frühstück – gehört ein Gläschen Rum, entweder in Reinform oder gemischt mit Fruchtsäften. Der Rum gilt auf Martinique als Grundnahrungsmittel und Kulturgut wie bei uns das Bier. Und der inoffizielle Nationalheilige ist ein Trunkenbold. Louis Cyparis, ein berüchtigter Alkoholiker, war am 8. Mai 1902 in der Ausnüchterungszelle von St-Pierre eingesperrt. Die Stadt galt damals als "Paris der Karibik" mit prächtigen Boulevards, einer Kathedrale, Cafés und Clubs. Um 7.50 Uhr explodierte an jenem Tag der Vulkan Mont Pelée, keine zehn Kilometer von der Stadt entfernt. Eine heiße Gaswolke raste auf St-Pierre zu und löschte innerhalb von Minuten das Leben von 28000 Menschen aus. Nur ein Einziger soll überlebt haben: Louis Cyparis. Er harrte drei Tage in seiner Zelle aus, bevor er gefunden wurde.

Die Einwohner von Martinique zogen aus der Geschichte allerdings nicht die Lehre, St-Pierre etwas weiter entfernt vom Vulkan wieder aufzubauen. Was die Menschen eher daraus folgerten: Es kann nicht so falsch sein, einfach das Leben zu genießen, mit einem Glas Rumpunsch in der Hand. Diese lässige Grundhaltung verbindet sie mit den meisten Touristen, die wegen des tropischen Klimas, des türkisfarbenen warmen Meeres und der feinen Sandstrände auf die Insel kommen. Auch in den gehobenen Restaurants herrschen karibisch entspannte Sitten, niemand erwartet, dass wir bei 30 Grad im Schatten und bei 90 Prozent Luftfeuchtigkeit in Abendkleid und Anzug dinieren.

Reise-Service

Anreise: Mit Air France nach Fort-de-France.

Unterwegs: Günstig und gut sind Sammeltaxis: Sie fahren über die ganze Insel und nehmen Gäste auf, solange sie Platz haben. Telefon: Die Vorwahl für Martinique ist 0033/569.

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Hotels: <Yathoantsa: Auf der einen Seite sieht man das karibische Meer, auf der anderen den Atlantik. Dazwischen auf einem Hügel ein Gästehaus im kreolischen Stil mit vier Zimmern. Die französischen Inhaber kochen abends für alle, zum Beispiel Quiche mit Pflaumen, Speck und Käse, und sitzen mit den Gästen an einem großen Tisch; DZ/F ab 56 Euro, (Route de Balata, 97200 Fort-de-France, Tel. 646835, Fax 646681).

Le Relais de la Maison Rousse: Pension mit vier Gästezimmern, mitten im tropischen Regenwald. Zum Frühstück gibt es Milchkaffee, Baguette und Bananen-Marmelade, und abends serviert der Patron Tunfisch in Kokosmilch, Hühnchen in Currysoße und Papaya-Auflauf auf der Terrasse; (Sentier du Canal de Beauregard, 97250 Fonds Saint-Denis, Tel. und Fax 558549, ).

La Maison Creole: kreolisches Gästehaus mit vier Zimmern, einem Gemeinschaftsraum und gemeinsamer Küche. Nur sechzig Meter vom Strand entfernt. Vier Zimmer, klein und sauber, alle mit Balkon und Meerblick; Anse Cafard-Dizac, 97223 Diamant, Tel. 764125, Fax 762889.

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Plantation Leyritz: Plantage mit Restaurant, Swimmingpool, Tennisplatz und Blick aufs Meer; Zimmer für bis zu drei Personen, stilvoll eingerichtet, teilweise mit Himmelbetten und antiken Möbeln; (97218 Basse-Pointe, Tel. 785392, Fax 789244, www.plantationleyritz.com).

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Brise Marine: kleine Anlage direkt am Strand. Von den hellblau, rosa und gelb gestrichenen Häuschen schaut man direkt aufs Meer. Die Appartements alle mit kleiner Küche und Terrasse, in das Fischerdörfchen St. Anne nur drei Minuten zu Fuß; (Gros Raisin, 97228 Sainte Luce, Tel. 624694, Fax 625717, www.brisemarine-antilles.com).

Restaurants:Le Point de Vue: unter Palmen, nur 50 Meter vom Strand entfernt, betrieben von einem netten französischen Paar. (Anse Charpentier, 97230 Sainte Marie, Tel. 690522).

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Le Fromager: hoch über dem Küstenort St-Pierre, mit Blick aufs Meer, das Dorf und den Mont Pelée. Auf der Terrasse kreolische Spezialitäten wie "Accras", in Teig ausgebackene Gemüsestücke und Meeresfrüchte (Route de Fonds-Saint-Denis, 97250 Saint-Pierre, Tel. 781907).

Cap 110: Strandlokal mit französisch-kreolischer Küche. Besonders gut: die gegrillten Langusten aus einem Bassin direkt neben der Küche - frischer geht's nicht (Anse Cafard, 97226 Diamant, Tel. 761299).

Geld: Auf Martinique wird mit Euro bezahlt. EC-Automaten gibt es in allen größeren Orten, Kreditkarten werden überall akzeptiert. Info:Maison de la France, Zeppelinallee 37, 60325 Frankfurt/M., Tel. 0190570025.

Auf Martinique: Office Departemental du Tourisme de la Martinique, BP 520, 97206 Fort-de-France, Tel. 63 79 60, Fax 736693, www.touristmartinique.com.

Text: Titus Arnu Fotos: Bethel Fath

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