Mauritius günstig? Geht doch!

Eine Woche Urlaub auf Mauritius kostet so viel wie ein japanischer Kleinwagen? Nicht, wenn man die großen Luxushotels links liegen lässt und sich im ländlichen Süden rumtreibt.

Kann mal jemand den Regen abstellen? Er scheppert aufs Wellblechdach der Holzremise, als würde jemand ununterbrochen seine Besteckschublade ausleeren. Neben meinem Bett bildet sich langsam eine Pfütze. Wie wäre es jetzt wohl in einem dieser teuren Luxushotels? Mit einer Lobby aus Marmor, mit Palmen und überdimensionierten Rattansofas, wie sie im Norden die Strände säumen? Über Mauritius sagt man ungefähr das Gleiche wie über Sylt: nur Reiche. Das liegt auch daran, dass hier gern englische Adelssprosse ihr Bäuche in die Sonne halten und Popsternchen den Weihnachtsurlaub verbringen, wenn sie sich nicht auf irgendeiner Yacht in der Karibik rumräkeln. Wahrscheinlich würden mir Prinz Harry oder Kylie Minogue am Frühstücksbuffet die letzten Riesengarnelen wegschnappen.

Das kann mir in diesem kleinen Landhotel in den Bergen im Südosten der Insel nicht passieren. Es gibt kein Buffet, keine Lobby und keine Riesengarnelen. Dafür guckt manchmal ein Pferd durchs Fenster. Das "La vieille cheminée" ist die mauritianische Antwort auf den deutschen Reiterhof: bodenständig, gemütlich und nicht teuer. Ich habe mich sofort verliebt. Leck im Dach hin oder her. Caroline, die 50-jährige Besitzerin, bringt ihr Motto auf den Punkt: "It's no luxury to call the room service, it's luxury to be on your own."

Wenn es so etwas wie eine grüne Partei auf Mauritius gäbe: Caroline wäre ihre Vorsitzende. Und ihre Freundin Celine die Sprecherin. Während wir zusammen ausreiten und mein Schimmel Cappuccino mich durch mannshohes Zuckerrohr trägt, fängt Celine an zu erzählen. Weil sie schneller spricht als Sarah Kuttner, verstehe ich nicht alles. Was ich verstehe, ist, dass dieses verdammte Zuckerrohr, das mich gerade so beeindruckt, mehr als die Hälfte der Inselfläche einnimmt und zulasten der ursprünglichen Vegetation geht. Und dass jeder ein ausgemachter Idiot ist, der sich nicht um den Erhalt dieser Pflanzen kümmert. Das sind zum Beispiel seltene Palmen oder Hölzer wie Makak und Ebenholz. Alles im Laufe der Jahrzehnte plattgemacht, um Geld damit zu verdienen und Platz für gewinnbringendes Zuckerrohr zu haben. Am schlimmsten waren die Holländer in ihrer Kolonialzeit. "Damn, I tell you . . . !", ruft Celine und setzt zu einem besonders langen Beschimpfungsschwall an. Die Holländer haben nicht nur die Riesenschildkröten ausgerottet, sondern auch den letzten Dodo gegessen, den Wahrzeichenvogel der Mauritianer. Eine Art schwarz-braune Gans mit Papageienschnabel. Als Entschädigung haben sie ihre gefräßigen Wildschweine ausgesetzt. "Damn, believe me . . . !"

Es sind Menschen wie Celine, Caroline und ihre Ehemänner Robert und Emanuele, denen Mauritius ein Umweltbewusstsein zu verdanken hat. Weiße Mauritianer französischer Abstammung. Natürlich sind sie auch diejenigen, die es sich leisten können, 160 Hektar Land in den Bergen zu kaufen, um ein paar Wochenendhäuser draufzustellen und tausende von Setzlingen nachzupflanzen, die vielleicht für die Kinder ihrer Kinder mal wieder einen Urwald ergeben.

Es ist wie überall auf der Welt: Weiß gleich Geld. Aber trotz einer vielfältigen Mischung von Ethnien scheint es auf dieser rund 1800 Quadratkilometer großen Insel im Indischen Ozean kaum Rassismus zu geben. Die größte Gruppe der Bevölkerung sind Inder, gefolgt von Kreolen mit afrikanischen oder europäischen Wurzeln. Michel, unser Fahrer aus Mosambik, müsste zwar ungefähr vier Monate lang arbeiten, um sich eine einzige Nacht in einem Luxus- Resort leisten zu können, aber er wirkt nicht neidisch. "Auf Mauritius kommt jeder auf seine Kosten, und jeder, der arbeiten will, findet Arbeit", sagt Michel mit buddhistischer Gelassenheit.

So schön es auf meinem Ponyhof auch ist: Ich will weiter an die Südküste. Dort gibt es Strände ohne Hotelburgen, wenig Touris und viel Natur. Ein Zuckerfabrikant (und Carolines "first kiss", wie sie mir verrät) hat dort ein Hotel aufgemacht, das sie mir empfiehlt: die "Lodge d'Andrea". Auch hier gilt das "Zurück zur Natur"-Konzept. Die Bungalows an der Steilküste haben riesige Fensterfronten, und das Meer davor spielt Nordsee. Nichts mit lieb und türkis hier. Riesige Wellen brechen sich an schwarzen Felsen. Vor drei Jahren hat die Firma Amazon hier 200 Leute eingeflogen und eine riesige Party gefeiert. "This place is just Wow!" hat jemand ins Gästebuch geschrieben. Recht hat er. An diesem Teil der Südküste erinnert wenig an das durchgestylte Bounty-Werbespot-Panorama des restlichen Mauritius. Es ist felsig, steil und wild. Ich fahre durch verschlafene Ortschaften mit einem Mix aus Bungalows und Holzvillen im Karibikstil. Hier gibt es günstige Appartements oder Häuser zur Miete. An den Straßen stehen Inder mit ihren Rikschas und bieten für ein paar Cent Samosas, Pakoras, Roti und Curry an.

Im "La Vanille Crocodile Park" bei Rivière des Anguilles sind nicht nur Nilkrokodile zu sehen, sondern auch die mittlerweile größte Riesenschildkröten-Zucht der Welt. Etwas mitleidig beobachte ich die Tagesausflügler, die hier aus ihren Hotel-Shuttles gekippt werden. Es macht Spaß, die Küste auf eigene Faust zu erkunden und einfach irgendwo anzuhalten. In Riambel zum Beispiel, einem dieser langen Strände, an denen sich auch viele Einheimische treffen. Übrigens: Der heimliche mauritianische "Nationalsport" ist Picknicken am Strand. Plötzlich steht Dina neben mir. Woher ich komme und was ich hier mache, will sie wissen. Keine fünf Minuten später sitze ich auf ihrer Decke und knabbere an einem Hähnchenschenkel, bestaunt von ihrer sechsjährigen Nichte Estair. Dina kommt von Madagaskar, aber dort gibt es kaum Jobs. Wir plaudern ein wenig, und als ich mich verabschiede, muss ich versprechen, Dina in dem China-Restaurant in Grand Baie zu besuchen, wo sie als Kellnerin jobbt.

Grand Baie ist das Kampen von Mauritius. Hier stehen die exklusivsten Hotels, und mit etwas Glück laufen einem Stephanie von Monaco oder Natalie Imbruglia über den Weg. The place to be heißt "Royal-Palm-Hotel". Ob wir mal reingucken dürfen, frage ich den Pförtner am monströsen gusseisernen Tor. "Non, Madame." Keine Chance ohne "permission". Wahnsinnig wichtig sind die hier im Norden alle. Nur leider sehen die Bars im Ort aus wie überall in Touristenorten. Nichts für mich. Ich will wieder in die Berge. Oder das, was sie hier Berge nennen.

Der Berg der Mauritianer heißt Le Morne Brabant und liegt im äußersten Südwesten der Insel. Er ist 556 Meter hoch und ungefähr das, was der Ayers Rock für die Australier ist: heilig, mysteriös und unantastbar. Um ihn zu besteigen, braucht man den richtigen Wanderführer. Unserer heißt Yan und ist ziemlich richtig. Er ist der Einzige, der auf den Le Morne darf und macht auch sonst eine ausgesprochen gute Figur. Man mag kaum glauben, dass er vier Jahre lang im Kloster in Frankreich war, bevor er beschloss, seine guten Gene doch der Welt nicht vorzuenthalten. Wer mit Yan den Berg erklimmen will, muss früh aufstehen (wegen der Hitze) und gute Nerven haben (wegen des Abgrunds). Die Hälfte des Weges verbringt man hängend an Seilen, die er selbst angebracht hat, und versucht, sich über Pfade, die diesen Namen nicht verdient haben, an felsigen Wänden hochzuziehen. Höhenangst nicht ausgeschlossen. Als ich aber endlich oben am Gipfelkreuz stehe, ist es atemberaubend! Yan verteilt Bestechungskekse für den Abstieg und versichert uns, dass er die Seile wirklich regelmäßig kontrolliert. Und dieser Mann wollte schließlich mal Mönch werden . . .

Das endgültige Paradies liegt nicht weit vom Le Morne entfernt im "Lakaz Chamarel". Hier in Chamarel habe ich meine Reise begonnen; hier höre ich auch wieder auf. Chamarel ist eine Insel auf der Insel. Ein gemütliches, kleines Dorf, in dem der Reggae noch lebt. In der Lodge von Virginie und ihrem Mann Jean-Marc finde ich die perfekte Mischung aus Natur, Stil und ein klein bisschen Luxus. Das Haupthaus ist ein offenes Gebäude im balinesischen Stil, die Gäste werden in einzelnen Holzbungalows untergebracht, teilweise mit eigenem Mini-Pool.

Zum Glück habe ich schon etwas von der Insel gesehen, denn aus dem "Lakaz" mag ich kaum noch fort. Die einzige Frage ist: Welcher Platz ist am schönsten? Die hölzernen Liegen am Pool, an dessen Rand ein steinerner Buddha Wasser speit? Der Sessel auf der Veranda mit Blick auf den angelegten Teich? Das Sofa in der Bibliothek, die an eine Safari-Lodge erinnert? Oder die Terrasse, auf der ich abends bei Kerzenschein das Drei-Gänge-Menü mit einem köstlichen Sancerre genieße? Ich weiß es nicht.

Nur noch ein einziges Mal entferne ich mich, um am einige Kilometer entfernten Strand von Le Morne schnorcheln zu gehen. Ein Muss auf Mauritius. In dem weißen Motorboot, das uns raus ans Riff bringt, treffe ich Urs aus der Schweiz. Ich bin beeindruckt von den vielen bunten Fischen, aber noch beeindruckter bin ich von Urs. Er ist der erste und einzige Flitterwöchler, den ich auf meiner Reise treffe, und er erzählt mir von seinem "Honeymoon-Frühbucher-Rabatt" durch den er sich die Woche hier leisten kann. Einziger Haken: Er musste schon ein Jahr vor der Hochzeit buchen. Zurück im "Lakaz" setze ich sofort meine Suche nach dem schönsten Platz fort. Es ist nicht leicht. Ich werde wohl einfach noch ein bisschen bleiben müssen.

Reise-Infos Mauritius

Mauritius ist grundsätzlich keine Billig-Destination, aber mit unseren Tipps kann man hier erschwinglich urlauben

Reisezeit Ganzjährig, von November bis April sehr heiß (30 Grad), von Mai bis Oktober gemäßigter (20 Grad), von Dezember bis Februar ist mit mehr Regen zu rechnen, Zyklonzeit.

Anreise Über Frankfurt mit Condor ab 734 Euro (www.condor.com).

Telefon Die Vorwahl von Mauritius ist 002 30.

Unterwegs Es gibt ein gutes öffentliches Bussystem, sonst kann man sich trotz Linksverkehr abseits der sehr befahrenen Hauptstadt Port Louis problemlos mit dem Mietwagen bewegen. Neben den bekannten Firmen gibt es günstige private Vermieter, z. B. Bon Car Co, Tag ab 25 Euro (Jean-Claude Boncoeur, 37, C Poivre Street, Beau Bassin, Tel. 465 28 01, E-Mail: bon-car@intnet.mu"). Auch Bungalow-Vermietung und Airport-Transfer.

Übernachten Da es auf der Insel nicht so viele Restaurants gibt und die meisten abends geschlossen haben, bieten fast alle Unterkünfte Halbpension an. Ein gutes Drei-Gänge-Menü zum Dinner ist Standard.

Ein kleines Paradies: das "Lakaz Chamarel"

La vieille cheminée. Charmante Holzunterkünfte bis zu acht Personen, umgeben von viel Grün. Wer will, kann hier auch reiten; DZ/F ab 90 Euro, Reiten 35 Euro/zwei Std. (Chamarel, Tel. 686 50 27, www.lavieillecheminee.com).

Lodge d'Andrea. Moderne Bungalows am Meer, mit Pool direkt an den Klippen; DZ/HP ab 120 Euro (Rivière des Anguilles, Tel. 576 05 55, www.relaisdeslodges.mu).

L'exil. Dependance von "Lodge d'Andrea". Holzhütten in den Hügeln mit Blick auf einen Wasserfall; DZ/HP ab 120 Euro (siehe oben).

Lakaz Chamarel. Traum-Lodge in einem tropisch angelegten Garten mit verschieden großen Bungalows; teilweise sogar mit eigenem Pool, abends gibt's ein großartiges Menü; DZ/HP ab 149 Euro (Piton Canot, Tel. 483 52 40, www.lakazchamarel.com).

Auberge Aquarella. Zimmer und Appartements direkt am Meer; ab 75 Euro/Tag (6, rue Sivananda Mahebourg, Tel. 631 27 67, www.aquarellamu.com).

Les Lataniers - Le Morne. Anlage mit acht Studios in Strandnähe; ab 72 Euro/Tag (Tel. 450 52 99, latanier@intnet.mu).

Genießen La bonne chute. Kreolische und französische Küche, Hauptgerichte ab 8 Euro (Route Côtière, Tamarin).

Le patio. Nettes Café in Port Louis mit leckerem Kuchen (Le Caudan, Waterfront).

Sunset Café.Direkt am Hafenbecken von Grand Baie, Blick auf teure Yachten; frischgepresste Obstsäfte! (Sunset Boulevard).

Le Bistrot. Gemütliches Abendlokal, viele Fleischgerichte z. B. Mixed Grill oder Lamm, Hauptgerichte ab 10 Euro (Tamarin).

Le Chamarel. Offene Loggia auf 400 Meter Höhe, Blick übers Meer, nur tagsüber geöffnet. Hauptgerichte ab 10 Euro, Spezialität: gegrillte Riesengarnelen (am Ortsanfang von Chamarel, Tel. 483 64 21).

Barbizon. Einfaches Restaurant in Chamarel, Hauptgerichte z. B. gegrillter Fisch ab 7 Euro (Sainte Anne Road).

Bistro Anvers. An der südlichen Küstenstraße; Spezialitäten Fisch/ Lobster, Gerichte ab 8 Euro (Perraquot Lane, Bel Ombre).

Aktiv Yanature. Yan bietet entlang der Westküste zehn verschiedene Wandertouren an, circa drei/ vier Stunden lang, 40 Euro pro Person, auch kurzfristig vor Ort buchbar (Tel. 785 61 77, www.yanature.com).

Indian Resort. Große Hotelanlage unterhalb des Berges Le Morne Brabant. Treffpunkt für Wassersportfreaks, toller Sandstrand. Hier befindet sich der Surf- Club Mistral, 2 Stunden Surfen inkl. Equipment kosten 45 Euro. Schnorcheln/Wasserski/ Laser kosten 7 Euro/Std. Anmeldung auch direkt vor Ort (www.indianresorthotelmauritius.accommodation.io).

La Vanille Crocodile Park. Nettes Ausflugsziel, um Krokodile, Vögel, Affen und freilaufende Riesenschildkröten anzugucken (Rivière des Anguilles, Tel. 626 25 03, www.lavanille-reserve.com).

Einkaufen Equateur. Junges mauritianisches Modelabel mit Läden in Grand Baie und Port Louis. Schön, schlicht, gute Qualität (Grand Baie, Sunset Boulevard; Port Louis, Le Caudan, Waterfront).

Curepipe. In diesem Ort mitten auf der Insel kann man günstig Kleidung kaufen. In der Floréal Road sind verschiedene Läden (Magasin Floreal, Shibani Knitting), die besonders Strick anbieten.

Port Louis. In der riesigen Markthalle des Marché Central gibt es alles! Mo. bis Sa. 6 bis 18 Uhr.

Lesen Merian-live!: Mauritius (126 S., 9,95 Euro).

Info Aviareps Tourism, Sonnenstr. 9, 80331 München, Tel. 089/ 23 66 21 39, Fax 23 66 21 99, www.news-plus.net

Text: Nikola Haaks Fotos: Frederik Röh Illustration: Katja Spitzer Ein Artikel aus der BRIGITTE 08/09
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