Von Melbourne über die Great Ocean Road

Küsten, Wasserfälle, Eukalyptuswälder - und Kängurus, die ins Fenster gucken: Ulla Ackermann ist im Wohnmobil von Melbourne über die Great Ocean Road und in die atemberaubende Wildnis des Grampians-Nationalparks gefahren.

Melbourne

In den Glasfassaden der Wolkenkratzer spiegeln sich viktorianische Backsteinhäuser sowie die einstigen Opiumhöhlen und Bordelle Chinatowns aus den 1850er Jahren, als der Goldrausch das Land geradezu besinnungslos machte vor Amüsierlust. Die britische Boheme lebte rund um die Bourke Street, in einstöckigen Villen mit schmiedeeisernen Zäunchen vor schmalen Vorgärten. Efeu klettert zu den rot gedeckten Dächern hoch.

Heute mischen Designer-, Bio- und Secondhandläden die Szenerie auf. Gepiercte junge Leute mit irren Frisuren flitzen auf Inline-Skates und Kickboards zur Arbeit in den Central Business District am Yarra River. Auf den Uferwegen schwitzen Jogger unter grellbunten Kopfhörern. Wir sind sichtbar fremd, als wir im trägen Wohnmobil durch diese sportliche, atemlose Stadt kurven.

Auf zur Great Ocean Road!

Langsam rollen wir aus der Stadt. Immer weniger Häuser, größere Gewerbegebiete, kaum noch Ampeln oder Kreuzungen. Schließlich ist die Straße nur noch ein fliehendes Band. Wir wollen an der Küste entlang nach Westen fahren, auf der Great Ocean Road, eine der spektakulärsten Küstenstraßen der Welt. Wir geben uns dem Sog der Ferne hin.

Zweispurig windet sich die Great Ocean Road zwischen hoch aufragendem Fels und dem in der Tiefe brodelnden Ozean. Sabine lenkt uns durch die Klippen, sie ist ein Sicherheitsrisiko am Steuer: Immer wieder schweift ihr Blick ab, zu den Gipfeln, in Abgründe, zu Akazien und Kiefern, die sich an die schroffen Felsen klammern.

Wir rangieren unser Wohnmobil auf einen Campingplatz mit Meerblick. Und genießen das Rauschen der Brandung beim Einschlafen.

Känguru-Kontakt

Das Känguru läuft uns über den Weg, als wir nur mal eben anhalten müssen, weil ich nach dem Frühstück vergessen hatte, die Gasflasche abzudrehen. Aufrecht und gut zwei Meter groß steht das rotbraune Tier an der offenen Tür, lugt rein und ist so nah, dass ich seine beneidenswert dichten Wimpern zählen kann. Mein einziger Gedanke: Gleich haut es mich. Ich schimpfe so lange und lautstark, bis es sich hoheitsvoll abwendet und mit einem Satz über den Straßengraben springt.

Im Grampians-Nationalpark

Die Grampians-Bergkette im Norden nimmt immer eindrucksvollere Formen an. Sabine ködert mich mit ihrem Wissen über feine Weinfarmen dort oben. In der Region um Ararat wachsen hervorragende Cabernet Sauvignons, Chardonnays und Merlots. Auf dem Padthaway Wine Estate machen wir eine Weinprobe. Lecker!

Im Osten fallen die über tausend Meter hohen Berge als schroffe Klippen ins Nichts. 160 Kilometer Wanderwege durchziehen den Grampians National Park. Da muss man doch ein Stück spazieren gehen! Bäche plätschern im Unterholz, die Gischt von Wasserfällen zaubert Regenbögen in die klare Bergluft. In uralten Eukalyptusbäumen sitzen Koalas, mümmeln ihr Kilo Eukalyptusblätter pro Tag und riechen vom Duft der ätherischen Öle wie Hustenbonbons.

Dann ist der Traum vorbei: Wir müssen zurück nach Melbourne, um unseren Flug nach Sydney zu bekommen - und haben so gar keine Lust, unser Wohnmobil wieder herzugeben, das uns so gut gefahren und beherbergt hat. Wir schwören uns: We'll be back!

Reise-Infos Australien

Melbourne: Hotels City Limits Hotel: Das "City Limits Hotel" liegt in der Nähe von Bahnhof, Chinatown und Central Business District, umgeben von Restaurants, Theatern und Bars. Schöne Studio-Apartments ab 85 Euro (20-22 Little Bourke St, Tel. 96 62 25 44).

Bei Airbnb finden sich schöne Unterkünfte von Privatpersonen. Melbourne: Essen und Trinken Becco: super italienisches Essen aus frischesten Zutaten, tolle Weine (11-25 Crossley Street, Tel. 96 63 30 00).

Colonial Tramcar Restaurant: Die alte, zu einem Restaurant umgebaute Straßenbahn startet ungefähr um 18 Uhr an der Ecke Level 1/City Road und fährt ihre Gäste während des exzellenten Dinners durch die Stadt.

Laurent Patisserie: Die Kuchen sind viele Sünden wert (306 The Causeway/Little Collins Street).

Der Süden im Wohnmobil

Unterwegs: Wohnmobile z. B. über Explorer Fernreisen. Einen Campingführer gibt's an der Mietstation gratis dazu.

Unterkommen: Campingplätze sind so zahlreich, dass außerhalb der australischen Ferienzeit zwischen Dezember und Ende Januar Vorausbuchungen nicht nötig sind.

Text: Ulla Ackermann
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