Schutz von oben: Schutzheilige im Urlaub

Ein guter Reiseveranstalter sorgt dafür, dass in den Ferien alles glatt läuft. Wer sicher gehen will, sucht zusätzlich noch himmlischen Beistand: beim Schutzheiligen seines Urlaubslandes.

Italien: Katharina von Siena

Alter: knapp 700 Jahre

Vita: Als vorletztes von 25 Kindern eines Wollfärbers in Siena geboren. Schon mit sechs oder sieben hatte sie ihre erste Gotteserscheinung und legte ein Keuschheitsgelübde ab. Mit 17 trat sie den Dominikanerinnen bei, kümmerte sich um Arme und Kranke, machte durch Visionen und Wunder von sich reden. Sie lebte von Brot, rohem Gemüse und Wasser, später ließ sie auch noch das Brot weg. Heute würde man sie bei dieser Diät wegen Magersucht beraten – damals holte man sich Rat von ihr. Und zwar politischen: In Briefen unterwies sie weltliche und geistliche Persönlichkeiten. Sie wurde nur 33, genauso alt wie Jesus – und starb in Rom, nachdem sie zuletzt nicht mal mehr Wasser zu sich nahm.

Bestes Wunder: Hochzeit mit Jesus: An einem Karfreitag erschien eine hochkarätige Partygesellschaft in ihrer Zelle – Jesus, Maria, Johannes der Täufer, die Heiligen Paulus und Dominikus. Vor versammelter Mannschaft soll Jesus ihr einen Ring angesteckt und sich mit ihr vermählt haben. Den Ring trug sie ihr Leben lang. Außer ihr konnte ihn aber keiner sehen.

Berufsoutfit: Nonnentracht und Dornenkrone; in den Händen hält sie ein Herz, aus dem Flammen oder ein Kreuz wachsen.

Nebenjob: Schutzpatronin von Europa, Rom, der Sterbenden und Wäscherinnen

Jubiläum: 29. April

Spanien: Jakobus der Ältere

Alter: etwa 2000 Jahre

Vita: Einer der zwölf Apostel. Jakobus soll in Spanien, Samaria und Jerusalem gepredigt haben, bis er von Herodes Agrippa enthauptet wurde. Der Legende nach wurden seine Gebeine von einem Schiff ohne Besatzung nach Spanien transportiert und dort 820 wiederentdeckt, was zur Gründung der Wallfahrtstätte Compostela führte. Wissenschaftler bezweifeln, dass die Knochen je nach Spanien geschippert wurden. Tausende Pilger, die auf dem legendären Wallfahrtsweg wandeln, sind da aber anderer Ansicht. Glaube versetzt eben nicht nur Berge, sondern auch Heilige.

Bestes Wunder: Ließ ein Brathähnchen vom Teller eines Richters fliegen – zum Beweis dafür, dass Tote lebendig werden können.

Berufsoutfit: Pilger mit breitkrempigem Hut, Mantel, Pilgerstab, umgehängter Tasche, Flasche.

Nebenjobs: Schutzheiliger des spanischen Militärs, der Wallfahrer, für das Wetter und Innsbruck.

Jubiläum: 25. Juli

Schweiz: Niklaus von Flüe

Alter: etwa 600 Jahre

Vita: Als Bauer geboren, machte dann Karriere als Ratsherr, Richter und Truppenführer. Mit 50 trat er plötzlich von allen Ämtern zurück, ließ seine Frau und seine zehn Kinder sitzen und zog allein in eine Klause in der Ranftschlucht. Zwar riecht die Aktion aus heutiger Sicht nach der Midlife-Crisis eines bindungsunfähigen Typen – sie hatte aber ihr Gutes: Als "ruder Klaus" beriet er fortan Besucher in Glaubens- und Lebensfragen; und verhinderte 1481 sogar einen Bürgerkrieg in der Schweiz, indem er zwischen den zerstrittenen Eidgenossen vermittelte. Noch heute pilgern Tausende zu seiner Einsiedelei im Ranft und zu seinem Grab in der Pfarrkirche von Sachseln.

Bestes Wunder: Briefing für Konrad Adenauer: Der Ex-Bundeskanzler soll, bevor er 1955 in Moskau die Heimkehr deutscher Kriegsgefangener aushandelte, eine Nacht am Grab von Bruder Klaus verbracht haben.

Berufsoutfit: Bart, knöchellanger Rock, barfuß, Rosenkranz, Krückstock oder Kreuz

Nebenjobs: Politikberater: neben Adenauer konsultierten ihn Obrigkeiten aus Deutschland, Schweiz und Österreich.

Jubiläum: 21. September

Irland: St. Patrick

Alter: etwa 1600 Jahre

Vita: Gelehrte streiten, ob der Heilige in Frankreich oder Großbritannien geboren wurde. Letztlich ist das aber egal: Mit sechzehn Jahren wurde er von Piraten verschleppt, als Sklave nach Irland verkauft und musste dort Tiere hüten. Zum Glück träumte er eines Tages von einem Boot, das an der Küste auf ihn warte. Wieder erwacht, flüchtete er mit diesem Boot – wohin, ist mal wieder umstritten, jedenfalls wurde er dort erst Priester, dann Bischof. Anschließend hatte er schon wieder einen Traum: Diesmal flehten ihn die Iren an, er möge zurückkommen. Jahrzehntelang christianisierte er daraufhin die Insel. Sein Grab ist in Downpatrick, 20 Meilen südlich von Belfast – er teilt es sich mit dem heiligen Columba und der heiligen Bridget.

Bestes Wunder: Vielleicht war ihm ja nur kalt, weil es in Irland mal wieder regnete. Er soll jedenfalls 40 Tage lang so hitzig gebetet haben, dass seine Knie einen Abdruck im Gestein hinterließen – auf dem Berg Croagh Patrick in der Grafschaft Mayo. Berufsoutfit: Hirtenstab

Nebenjob: Hirte und Schützer des Viehs

Jubiläum: 17. März

Frankreich: Dionysius von Paris (St. Denis)

Alter: etwa 1700 Jahre

Vita: Papst Fabian schickte ihn als Bischof nach Gallien. Dort wurde St. Denis der erste Bischof von Paris. Sein großes Engagement für den Glauben ließ ihn jedoch etwas kopflos werden – im wahrsten Sinne des Wortes: Er wurde enthauptet. Bestes Wunder: Nach der Enthauptung soll er seinen Kopf genommen und ihn vom Richtplatz auf dem Montmartre dorthin getragen haben, wo er begraben werden wollte. Später entstand an dieser Stelle die Abtei Saint-Denis.

Berufsoutfit: Bischofsrobe; außerdem hält er seinen Kopf in den Händen oder trägt ihn auf einem Buch.

Nebenjobs: hilft gegen Kopfschmerzen

Jubiläum: 9. Oktober

Deutschland: Bonifatius

Alter: etwa 1300 Jahre

Vita: Als Sohn eines Adeligen in Wessex geboren, wurde er erst Mönch, machte dann aber schnell Karriere: Er missionierte in Friesland, Hessen und Thüringen, organisierte die Kirche dort neu und bekleidete zahlreiche Ämter – Bischof, Erzbischof und päpstlicher Vikar für das deutsche Missionsgebiet, päpstlicher Legat für das Frankenreich, Erzbischof von Mainz. Das alles hinderte eine Räuberbande nicht daran, ihn bei Dokkum in Friesland zu erschlagen. Offensichtlich ein Intellektueller, versuchte er, den Schwerthieb mit einem Buch abzuwehren. Wie die Sache ausging, kann man sich denken. Die Leiche ist im Fuldaer Dom begraben, die Grabstätte ein bekannter Wallfahrtsort.

Bestes Wunder: Zerhieb im hessischen Geismar eine Eiche, die dem Donnergott Donar geweiht war. Die Heiden erwarteten daraufhin die Rache ihrer Gottheit; als diese ausblieb, glaubten sie an die Übermacht des Christengottes. Der Heilige Bonifatius war durch die Aktion doppelt fein raus: Er hatte nicht nur neue Anhänger – sondern auch Bauholz für seine Kapelle.

Berufsoutfit: Bischofskleidung, in der Hand ein Buch, von einem Schwert durchbohrt.

Nebenjobs: Patron des Bistums Fulda und Partyveranstalter der katholischen Deutschen Bischofskonferenz: Seit 1867 trifft die sich jährlich an seinem Grab.

Jubiläum: 5. Juni

Text: Elke Michel; Fotos: Wikipedia.org, iStockphoto.com

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