Grafikerin gaukelt auf Facebook Scheinwelt vor

Türkisblaue Scheinwelt: Die Grafik-Designerin Zilla van den Born postet auf Facebook inszenierte Schnappschüsse aus ihrem Asienurlaub. Tatsächlich sitzt sie sechs Wochen lang in ihrer Amsterdamer Wohnung.

Die Story

Bunte Fische umkreisen sie beim Schnorcheln, ein Mönch kniet neben ihr in einem Tempel - keine Frage: Zilla van den Born reist durch Asien. Oder etwa nicht?

Die 25-jährige Grafikerin postete während ihrer angeblichen Urlaubsreise auf Facebook, was Photoshop so hergibt: endlose Strände und türkisblaues Meer. Mitten drin: Zilla.

Die Botschaft

Alle haben es geglaubt

Während Familie und Freunde sie in Laos, Kambodscha oder Thailand vermuteten, saß die Niederländerin für ihr Uni-Projekt 42 Tage lang in ihrem Zimmer in Amsterdam - Hausarrest vor dem PC. Zillas Botschaft: Eine Illusion bleibt eine Illusion, selbst wenn sie bei Facebook oder Instagram zu sehen ist. Bilder, Posts und Nachrichten entführen uns in eine Scheinwelt.

"Auf Facebook oder anderen Social-Media-Diensten manipulieren wir tagtäglich unser eigenes öffentliches Bild", sagt sie. "Wir kreieren virtuell eine Idealwelt, inszenieren eine Show für unsere 'Freunde" und Follower'. Mein Ziel war es, aufzuzeigen, wie normal die verzerrte Wahrheit mittlerweile geworden ist."

Making Of

Raum ist in der kleinsten Amsterdamer Hütte. Selbst für einen Tempel...

Die junge Grafik-Designerin setzte alles daran, jedes Detail so echt wie möglich aussehen zu lassen: Die Tauchfotos wurden in einem niederländischen Schwimmbad aufgenommen. Da es dort kaum exotische Fische gibt, hat sie die Bilder später entsprechend bearbeitet. Für Gespräche mit Freunden via Skype baute Zilla in ihrer Amsterdamer Wohnung ein thailändisches Hotelszenario auf. Für das Beweisfoto aus dem Tempel musste ein Mönch in safrangelber Kutte her (und jede Menge Devotionalien). Außerdem bestellte die Niederländerin verlockendes, asiatisches Seafood, fotografierte es und stellte auch die Bilder von den Krustentieren bei Facebook ein. Jeder "post" ein Indiz: Der Urlaub ist große Klasse.

The End

Photoshop macht's möglich

Bei jeder einzelnen Veröffentlichung hatte sie ein Auge auf die Zeitverschiebung. Auf diese Weise schuf sie die perfekte Illusion, sechs Wochen lang fiel keinem ihrer Freunde auf, dass sie gar nicht vor Ort war. Auch die Familie hat ihr die Geschichte abgekauft. Obwohl die Eltern Postkarten aus Thailand bekamen, die in Amsterdam gestempelt waren...

Nachdem etwas Zeit verstrichen war, hat Zilla van den Born den Schwindel bewusst auffliegen lassen und die Reaktionen gefilmt: Einigen Familien-Mitgliedern blieb der Mund offen stehen, manche Freunde haben sich köstlich amüsiert, nur eine Hinters-Licht-Geführte war richtig sauer: Oma. Das könne man mit einer alten Dame doch nicht machen!

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