Südtirol ist für alle da! Die schönsten Tipps für euren nächsten Urlaub

Wenn ihr in die Natur wollt: Südtirol. Wenn ihr entspannen wollt: ab nach Südtirol. Wenn ihr fantastisch essen wollt: ab nach Südtirol!

Wie oft denke ich an die duftende Wiese. Ich lag zwischen Klee und Wiesenschaumkraut und war so glücklich, dass es mir fast das Herz sprengte. Weil Sommer war, weil ich das Läuten der Kuhglocken hörte, weil die Zwiebelturmkirche von Ranui auf ihrer Lichtung wie ein Stück vom Paradies aussah. Die Wiese gehörte zu Oberkantiol, einem Bergbauernhof in Villnöss. Die Sommerferien dort waren die schönsten meiner Jugend.

Seitdem ist Südtirol für mich der Inbegriff von Glückseligkeit. Nostalgische Verklärung? Keineswegs. Ich fahre immer wieder hin, wandere, kaufe Wein, setze mich in Sommerwiesen. Ich habe inzwischen sogar Schattenseiten entdeckt: die Lkw-Plage auf der Brenner-Autobahn, das Industriegebiet von Bozen, den Billig-Tourismus im Meraner Land. Mein Südtirol-Gefühl stellt sich trotzdem ein, jedes Mal wieder.

Die Südtiroler Bauernwelt ist Wellness im ursprünglichsten Sinne

Südtirol ist einfach erholsam. Diese Berge. Und was für Berge! Hohe Felstürme, mächtige Wände, bizarre Zacken. Weißgrau leuchten sie, ganz ohne die finstere Schwermütigkeit, die manche nördlichere Alpentäler beherrscht. Ich liebe es, zwischen Weinbergen und Burgruinen zu wandern, durch Kastanienwälder aufzusteigen und über Klettersteige ganz nach oben zu kraxeln. In Südtirol gibt es 20 000 Kilometer markierte Wanderwege, 300 Kilometer schlängeln sich allein über die Seiser Alm, die höchste Alm Europas. Von einigen Gipfeln sieht man so weit, dass man fast glauben könnte, da hinten glitzert das Mittelmeer.

Die meisten Einheimischen sprechen kehliges Tirolerisch und sagen "die Italiener", wenn sie ihre Landsleute meinen. Südtirol aber ist Italien. Und das macht es noch schöner. Nicht nur wegen der 300 Sonnentage im Jahr, sondern wegen der Mischung aus alpenländischem und südlichem Lebensstil. Der latte macchiato wird in den Gassen von Sterzing so kunstvoll aufgeschäumt wie in Neapel, die Pizza in den Laubengängen von Bozen ordentlich mit Büffelmozzarella belegt. Hier wirken viele kreative Geister. Das sieht man an originellen Museen, Hotels mit hohen ästhetischen Ansprüchen und einheimischem Kunsthandwerk.

Und das Essen ist einfach himmlisch!

Und erst die Küche! Wer gern isst und trinkt, hat in Südtirol himmlische Stunden. Schon beim Wandern wächst alles in den Mund: Weintrauben und Walnüsse, Feigen und Aprikosen.

Die Köche importieren frischen Mittelmeerfisch, packen Rinderfilets in Bergheu, experimentieren mit Zitronengras und köcheln so eine der besten Küchen Italiens zusammen. Und im Weinglas leuchten international anerkannte Spitzenweine von Winzern wie Alois Lageder, Martin Foradori-Hofstätter oder Elena Walch. Was fehlt da noch zum perfekten Glück?

Die Reise-Infos für Südtirol

Gemütlich übernachten und in Heu baden

Mudlerhof: Herzlich umsorgt

Diese Spannung jeden Morgen! Schon beim Gang zum Hühnerstall habe ich Herzklopfen. Vorsichtig drehe ich den Schlüssel im Schloss des quadratischen Holzkastens, auf dem "Henne Bertha" steht, und ziehe das Türchen auf. Ob mein Frühstücksei schon gelegt ist? Seit Familie Walder das "eigene Hühnernest für jede Ferienwohnung" eingeführt hat, steigen in dem prächtigen Bauernhaus im Gsiesertal auch die Morgenmuffel unter den Gästen gern aus dem Bett. Das Aufstehen lohnt sich aber auch sonst, vor allem für die Gästekinder, die Bauer Peter auf dem Traktor oder im Stall helfen dürfen und sich sonst mit Hasenstall und Spielhaus, Fahrrädern, Rollern und Stelzen amüsieren. Die Eltern genießen derweil den Blick auf die Pragser Dolomiten, radeln durch das stille Tal oder wandern mit Bäuerin Agatha auf die hofeigene Alm in 2000 Meter Höhe (Preindl 49, I-39030 Gsies (BZ), Tel. 0474/97 84 46, www.mudlerhof.it; Fewo für 2 bis 6 Personen ab 65 Euro/Tag).


Tschötscherhof: Schön schlicht

St. Oswald, ein stiller, verträumter Weiler unterhalb von Seis am Schlern, hat alles, was ein kleines Dorf braucht: eine Zwiebelturmkirche (mit gotischen Fresken) und ein Gasthaus. Ein Gasthaus? Der "Tschötscherhof" ist ein Traum von einem Gasthaus, denn die Wirtsfamilie Jaider hat unverfälschte Südtiroler Schönheit bewahrt. An der Fassade ranken Weinreben bis unters Dach hinauf. Die Zimmer - mit Holzboden, Fleckerlteppich, dicken Federbetten und Madonnenbild - sind von beinahe quäkerhafter Schlichtheit. Auf den verwitterten Holzbalkons warten ebenso verwitterte Holzliegestühle auf müde Wanderer. (St. Oswald 19, I-39040 Seis, Tel. 0471/70 60 13, www.tschoetscherhof.com; Appartement ab 59 Euro).


Hotel Heubad: Entspannung im Gras

Patrizia hat mich in vier Kilo feuchtes Heu gepackt, eine Plastikfolie über mir zusammengeschlagen und mich dann in die mit Wasser gefüllte Wanne hinabgelassen, in der ich nun schaukle, ohne nass zu werden. Dafür wird mir warm. Sehr warm. Es duftet nach Sommerwiese. Ich dämmere ein. 20 Minuten dauert das Heubad. Es entspannt, es weckt neue Kräfte, besänftigt schmerzende Knochen und Gelenke. Die Südtiroler Bauern kennen die Heilkräfte leicht gärenden Heus seit ewigen Zeiten. In Völs am Schlern wird im Hause der Familie Kompatscher seit 1903 kommerziell im Heu gebadet. Doch während die Gäste früher gruppenweise in einen großen Heuhaufen gebettet wurden, werden heute hygienisch und sittlich einwandfreie Einzelkabinen geboten. Sechs Anwendungen sollte man sich gönnen, heißt es, und zwar eine pro Tag. So lange bleibe ich aber auch aus anderen Gründen gern. Wegen Hubert Kompatschers Super-Küche zum Beispiel. Wegen der gemütlichen Stuben, in denen das Frühstück angerichtet wird. Wegen des üppig blühenden Gartens mit dem wunderschönen Freibad. Obwohl: Das Hallenbad ist beinahe noch schöner (Schlernstr. 12, I-39050 Völs am Schlern, Tel. 0471/72 50 20, www.hotelheubad.com; DZ/HP inkl. Spa-Nutzung ab 82 Euro/Person).


Hotel Drei Zinnen: Grandiose Lage

Vor dem Zweiten Weltkrieg, als ein ordentliches Dolomitenhotel noch seinen eigenen Skilehrer beschäftigte, hatte natürlich auch das "Drei Zinnen" in Sexten einen solchen unter Vertrag. Die Wirtsfamilie Watschinger erzählt gern von ihm: Es war Heinrich Harrer, der später als erster die Eiger-Nordwand durchkletterte und dessen Autobiografie "Sieben Jahre in Tibet" verfilmt wurde. Andererseits: Wen interessiert schon Harrer, wenn das Haus selbst eine Berühmtheit ist? 1930 vom Wiener Architekten Clemens Holzmeister im Stil der "Tiroler Moderne" erbaut und vom Künstler Rudolf Stolz mit Fresken verziert, gilt der massige Bau mit seinen klaren Linien, großzügigen Räumen und der grandiosen Lage vor dem Sextener Dolomiten als eines der schönsten Hotels im Alpenraum (St.-Josef-Str. 28, I-39030 Sexten/Hochpustertal, Tel. 0474/71 03 21, www.hotel-drei-zinnen.com; DZ/HP ab 98 Euro/Person).


Hotel Bad Schörgau: Frühstück mit Bergblick

Von Bozen führt eine Straße nach Sarnthein hinauf, die mehr Tunnel und Kurven hat, als uns ungeübten Salonsüdtirolern lieb sein kann, weshalb wir in der Regel mit brausendem Kopf und leichtem Schwindelgefühl in den weiten Gründen des hoch gelegenen Sarntales eintreffen. Aber es lohnt sich, denn gleich links der Straße wartet ein kleines Paradies auf uns. Seit vielen Jahren schon ist das "Hotel Bad Schörgau" eine gute Adresse - ein gemütliches Haus mit kreativer Küche. Jetzt hat Familie Wenter die Ärmel hochgekrempelt und ein paar Attraktionen hinzugefügt, die wir aus vollem Herzen begrüßen. Das Bauernbadl zum Beispiel, wo wir in Holzzubern sitzen und in den mit Kräutern angereicherten schwefel- und mineralhaltigen Wassern einer nahe Quelle plantschen. Die sehr schönen Zimmer im Neubau, von denen manche eine gemütliche Schlaf-Empore haben. Das helle, luftige Bistro mit Bergblick, in dem das Frühstück gleich doppelt so gut schmeckt (I-39058 Sarnthein, Tel. 0471/62 30 48, www.bad-schoergau.com; DZ/F ab 230 Euro).

Genießen: Wo Weinkeller Schatzkammern sind und in der Küche gezaubert wird

Pretzhof: Speisen im Olymp

Ulli Mair hat klare Vorstellungen von ihrer Küche. Der "Pretzhof" ist eine Landwirtschaft mit jeder Menge Vieh: Zweimal in der Woche wird geschlachtet, und wenn dann keine Kalbsleber mehr da ist, dann schickt Ulli Mair nicht etwa ihren Mann Karl los, um neue zu kaufen. Nein, dann nimmt sie sich eben die Milz vor. Und während die fleißige Ulli in der Küche Bärlauchknödel rollt, den Kalbsbraten begießt und die Mohnkrapfen aus dem Rohr zieht, kümmert sich der baumlange Karl in seiner Bistro-Schürze um die Gäste und trägt das aktuelle Angebot vor. Alles immer superfrisch und vom Speck über den Graukäse bis hin zum Fichtenzapfenhonig möglichst aus eigener Herstellung. Am allerbesten schmeckt es übrigens draußen an den Holztischen mit dem schönen Blick ins sanfte Pfitscher Tal (Wiesen im Pfitschtal, Tel. 0472/76 44 55, www.pretzhof.com; Montag und Dienstag geschlossen). 


Osteria Plazores: Ladinische Spezialitäten

Die belastende "Was koche ich heute?"-Frage kannten ladinische Bäuerinnen nicht. Die kochten, was der Bauernkalender vorschrieb - heute Panicia (Gerstensuppe), morgen Cajinci (Käsenocken) und am Vorabend eines Festes Tultres, in Öl gebackene Teigtaschen. Traditionsreiche Gerichte, die in ihrer Schlichtheit so wohlschmeckend sind, dass das junge Wirtspaar Uli und Roman Ties sie zur Basis ihrer Speisekarte machten. Die beiden haben das Wohnhaus aus dem 13. Jahrhundert in St. Vigil in Enneberg geerbt und in einen Gasthof umgewandelt. Mit seinen tief in die dicken Mauern eingelassenen Fensterchen, den Stuben, dem gotischen Gewölbe und der klaren, unverkitschten Einrichtung bietet das Haus genau den richtigen Rahmen für die ladinische Küche. Im Sommer sitzt man im großen Garten rund um den alten Brotofen und sieht zu, wie Roman das Lammfleisch grillt. (Via Plazores 14, St. Vigil in Enneberg, Tel. 0474/50 61 68; Montag geschlossen, es werden auch zwei Ferienwohnungen vermietet, www.plazores.com).


Kuppelrain: Regionale Feinheiten

Wo echte Vinschger Marillen, Kastelbeller Schlossspargel und die Vernatschtrauben reifen, dort liegt der kleine elegante Gasthof "Kuppelrain" der beiden jungen Wirtsleute Sonja und Jörg Trafoier in Kastellbell, gleich gegenüber vom Schloss. Beim Chef und Sterne-Koch kommen nur lokale Produkte in den Topf: Kräuter aus dem eigenen Garten, frisches Gemüse und Obst vom Biohof im Nachbardorf, und für Vinschgauer Spezialitäten wie Lamm, Zicklein und Hirschkalb sorgt der langjährige Hausmetzger. Chefin Sonja ist Expertin für Vinschger Weine und perfekten Service. Zudem ist sie geprüfte Schnaps-Verkosterin, die Auswahl an Grappe und Frucht-Destillaten ist reichlich. Im Weinkeller, der Schatzkammer des Hauses, ruhen über 650 verschiedene Weine, darunter 250 Südtiroler wie die wenig bekannten Weißen Blaterle oder Fraueler. Daneben stehen, handgemacht vom Patron, Konfitüren aus Marillen und Beeren, Holunderblütensirup und Kompotte aus alten Obstsorten wie der Palabirne oder dem Calville-Apfel in den Regalen. (Bahnhofstraße 16, Kastellbell, Tel. 0473/62 41 03, www.kuppelrain.com; Sonntag und Montag Mittag geschlossen).


La Stüa de Michil: Wo der Champagner tanzt

In Michil Costas Restaurant in Corvara sitzt der Gast im prachtvollen Ambiente zweier 400 Jahre alter, mit Kronleuchtern, steinernen Messerbänkchen und Votivbildern dekorierter Stuben aus Lärchenholz und kann einem ganz besonderen Schauspiel zusehen: Der Gastgeber, statt in seiner Eigenschaft als Sommelier gemessenen Schrittes in die Tiefen des Weinkeller hinabzusteigen, saust lieber blitzschnell an einer Feuerwehrstange hinunter. Doch keine Sorge: Beim Beraten nimmt sich das Energiebündel Michil dann sehr viel mehr Zeit. Weine sind seine große Leidenschaft; 1400 Etiketten hat er zusammengetragen, und zu jedem einzelnen könnte er eine Geschichte erzählen. Zum Beispiel über den Sassicaia, dem er im Keller einen Tempel eingerichtet hat, wo sich zu atonalen Schönberg-Klängen ein Tabernakel öffnet und den Blick auf eine Flasche des superedlen Toskana-Weins freigibt. Verrückt? Nein, nur inspiriert. Michil Costa ist Ladiner, und die Ladiner sind Künstler. Dass in der Küche mit Arturo Spicocchi ein Mann aus den Marken waltet, hat der "Stüa" allerdings auch nicht geschadet. Seine auf lokalen Produkten basierenden Gerichte (zum Beispiel den herrlichen Apfel-Sellerie-Risotto mit gebratener Gänseleber) hat der strenge Michelin-Führer mit einem Stern prämiert. (Im Hotel "La Perla", I-Corvara/Alta Badia, Tel. 0471/83 10 00; mittags und Montag geschlossen, www.laperlacorvara.it).


Stroblhof: Schlemmen unter Glyzinien

Lust auf Nocken und Knödel - mit Spinat, mit roter Bete, mit Parmesan? Ideale Station für solche Genüsse ist der "Stroblhof", ein Weinhof aus dem 16. Jahrhundert, oberhalb von Eppan (Appiano) mitten in der Natur gelegen. Der "Stroblhof" wurde schön renoviert, ist ein komfortables Hotel mit nettem, persönlichen Service. Unübertroffen: der großzügige Innenhof, wo man auf der Terrasse unter alten Glyzinien oder im Biergarten sitzt und es sich gut gehen lässt. Denn hier schmeckt nicht nur das Essen vorzüglich, der "Stroblhof" glänzt auch mit Weinen vom eigenen Weingut (z. B. dem Weißburgunder "Strahler"). Zum Hotel gehört eine moderne Enoteca, wo man die renommierten Südtiroler Weine glasweise probieren kann. Noch eine gute Nachricht für Familien: Kinder fühlen sich hier pudelwohl - zum Haus gehören ein kleines, modernes Hallenbad, ein Dampfbad, eine Kräutersauna und eine traumhafte Liegewiese mit Naturfreibad. Wanderwege durch Eppans Weinberge beginnen gleich vor der Tür, und auch der kurze Weg zu den berühmten "Eislöchern" lohnt sich. (Hotel-Weingut Stroblhof, Familie Hanny, Pigenoerstr. 25, I-39057 St. Michael/Eppan, Tel. 0471/66 22 50, www.stroblhof.it; DZ/HP ab 60 Euro/Person).


Gasthof Haidenhof: Schöne Rast

Ihre Stammkunden begrüßt sie mit einem herzhaften Kuss. Wenn jemand geht, sagt sie leise "Vergelt's Gott". Maria Erb hat einen stattlichen Leibesumfang, rote Wangen und trägt meistens ein kariertes Kleid mit weißer Schürze. Wer in ihren Buschenschank kommt, kann sicher sein, dass er hier keine Pommes bekommt, dafür aber herrliche selbst gemachte Speckknödel, gebratene Schweinsrippchen und zum Nachtisch etwa Kaiserschmarrn mit Preiselbeeren. Im Sommer sitzt man draußen zwischen Dahlien, Rosen und Sonnenblumen und sieht im Tal inmitten von Weinfeldern die Stadt Meran. Seit mehr als 30 Jahren führt Maria Erb ihr idyllisches Lokal, und da sie ein guter Mensch ist, liegt ihr nicht nur das Wohl ihrer Gäste, sondern auch das ihrer Hühner am Herzen: "Auf zwei Hennen kommt bei mir ein Gockel. Da soll mal einer sagen, dass es die Hühner hier nicht gut haben." (Lebenbergstr. 17, Tscherms, Tel. 0473/56 23 92, www.haidenhof.it).


Bierkeller in Latsch: Jause im Schatten von Fichten

Hähnchen vom Grill, Kaminwurz oder ein Speckteller mit Vinschgauer Bauernbrot - was gibt es schöneres nach einer Wanderung? Dazu ein frisch gezapftes Bier und Schatten von hohen Fichten. Die Jausenstation liegt an einem der Südtiroler Waalwege, sie führen vorbei an Weinfeldern und Obstplantagen und hinauf in die Berge. Diese schmalen, kilometerlangen Kanäle, aus hohlen Stämmen oder aus dem Fels geschlagen, dienten früher der Bewässerung der kargen Felder - teilweise bewässern sie noch heute Wiesen und Rebstöcke und leiten jetzt Spaziergänger durch herrliche Landschaften und in zünftige Jausenstationen (Tel. 0473/62 32 08; Montag geschlossen, www.bierkeller-latsch.com).

Wandern: Wo Murmeltiere euch begleiten und der Rundblick am schönsten ist

Meraner Höhenweg: kein Zuckerschlecken

Der Meraner Höhenweg - nicht zu verwechseln mit den Tappeinerweg oder einer der anderen Meraner Kurpromenaden - ist mühsam und mitunter steil. 80 Kilometer lang führt er rund um die Texelgruppe, das Meraner Hausgebirge. "Auf durchschnittlich 1400 Meter Höhe", wie der Wanderführer vermerkt, aber was besagen schon Durchschnittswerte, wenn es zum Eisjöchl auf knapp 3000 Meter streng nach oben geht? Hans Kammerlander, der Extrembergsteiger, soll den Höhenweg in 24 Stunden geschafft haben. Genusswanderer nehmen sich fünf bis sechs Tage Zeit, übernachten auf Berghütten und in Frühstückspensionen, rasten viel und genießen die Aussicht. Denn der Weg führt durch die schönsten Gebirgslandschaften. Durch schroffe, hochalpine Felswelten, in denen Steinbock und Murmeltier leben. Durch blühende Almwiesen mit wirklich glücklich wirkenden Kühen. Durch Bergdörfer, in denen die Bauernkinder noch barfuß laufen, an wild rauschenden Bächen entlang und über dicke Heidelbeerteppiche. Ein Hochgenuss, den wir uns von dem bisschen Muskelkater doch nicht verderben lassen (www.meranerhoehenweg.com)!


Zunderspitze: Keiner der prominenten Alpengipfel, dafür aber einer mit Aussicht

Einen sensationellen 300-Grad-Blick hat man von der 2452 Meter hohen Zunderspitze, in die umliegenden Täler des nördlichen Südtirols und auf die weiß schimmernden Gletscher der Stubaier Alpen. Drei bis vier Stunden dauert der Aufstieg zum Gipfel. Start ist am Feuerwehrhaus zwischen Ridnaun und Maiern, im Ridnauntal westlich von Sterzing. Der Weg führt erst durch dichten Fichtenwald, später über Bergwiesen und an bizarren Felsriffs vorbei zum Gipfelkreuz. Ein einfaches Bergvergnügen bis zur Gewingesalm, 40 Minuten unterhalb des Gipfels, wo man sich bei einer Speckbrotzeit stärken kann. Für das letzte Wegstück braucht es dann Trittsicherheit (www.ratschings.info).


König-Laurin-Weg: Sagenhaft

Wenn wir unserem Sagen-Wanderbüchlein trauen dürfen, dann war die zerklüftete Felswand, die steinig und still über uns in den Himmel ragt, nicht immer nur eine Felswand. Sie war einmal das Reich des Zwergenkönigs Laurin und ein herrlicher Rosengarten, denn Laurin hatte tausende von Rosen gepflanzt, die das ganze Jahr über blühten. Dann aber verliebte sich der kleine Monarch in eine Menschenprinzessin. Er raubte sie und sperrte sie ein in sein felsiges Zwergenreich, wo sie ganz krank vor Heimweh dahindämmerte, bis ihr Bruder angaloppiert kam und sie befreite. Außer sich vor Wut ließ der geschlagene Laurin seine Rosenpracht durch einen Zauberspruch für immer verwelken. Den Namen Rosengarten aber hat die Felswand behalten, und auf dem König-Laurin-Weg, der am Nigerjoch startet und mit der Nummer 7 markiert ist, kommen wir dicht an sie heran. Erst geht es am rauschenden Bach entlang durch einen Bergwald hinauf, dann durch üppige Wiesen weiter. Die eigentliche Überraschung wartet abends auf uns, wenn die bleichen Felswände flammendrot erglühen (https://eggental.com/Rosengarten).


Hintergrathütte: Hilfe vom Sessellift 

Wie schafft man es, mit der ganzen Familie durch hochalpines Ortler-Ambiente zu steigen, ohne die Kinder allzu sehr zu erschöpfen oder gar in Gefahr zu bringen? Mit einem kleinen Trick, und der heißt Langenstein-Sessellift. Von Sulden schaukelt er einen gemütlich auf 2350 Meter Höhe hinauf. Von der Bergstation aus geht es in knapp 90 Minuten recht bequem über schotterige Bergrücken zu der 300 Meter höher gelegenen Hintergrathütte, und hier sieht die Bergwelt auf einmal recht dramatisch aus. Gewaltig und eisbedeckt ragen Königspitze und Ortler in den Himmel; der Ortler ist mit 3900 Metern der höchste Südtiroler Berg, und die Hintergrathütte ist sein Basislager. 80 Schlafplätze hat sie; um halb vier werden die Bergsteiger geweckt, denn es ist ein langer und gefährlicher Aufstieg. Familien stärken sich lieber mit dem knusprigen Kaiserschmarrn, den Wirt Ulf nach einem Geheimrezept seines Vaters herstellt, und machen sich dann an den Abstieg. Der führt hintenrum über die Moränen des Suldenferners und über den Ertl-Weg, der sich als steile Treppe die Legerwand hinunterwindet. Gerade so anspruchsvoll, dass die Kinder nachher das Gefühl haben, wirklich im Gebirge gewesen zu sein. (Info-Büro Sulden, I-39029 Sulden, Tel. 0473/61 30 15; Hintergrathütte, Tel. 0473/61 31 88, geöffnet Ende Juni bis Anfang Oktober. Die passende Familienunterkunft: Suitehotel Gampen, I-39029 Sulden, Tel. 0473/61 30 23).

Erleben: Wo ihr Bauernwelt und Kultur der Südtiroler kennenlernt 

Ultental: Wie in alten Zeiten

Ein stilles, lang vergessenes Tal ist das Ultental. Steil fallen seine Wiesenhänge ab. Jahrhundertealte Bergbauernhöfe krallen sich darin fest. Doch das Bergbauernleben ist hart, und viele Ultener ziehen weg von hier. Die, die hier bleiben, kann man unterstützen, indem man sie auf den Höfen besucht und die traditionell von ihnen hergestellten Produkte kauft: Butter oder Wolle, Filzarbeiten oder Gewürze. Viele Ultener Bauernprodukte kann man außerdem bei Traudl Schwienbacher kaufen; im obersten Stock ihres Erbhofes in St. Walburg gibt es Handgewebtes, Naturkosmetik und pflanzengefärbte Wolle (Wegleithof, Tel. 04 73/79 53 86, Dienstag und Donnerstag 16 bis 18 Uhr). Wer danach nicht mehr weiterfahren mag, übernachtet im Gasthof Eggwirt in St. Walburg, einer soliden, gutbürgerlichen Adresse mit Charme und Geschichte (I-39016 St. Walburg, Tel. 04 73/79 53 19, www.eggwirt.it). Info im Tourismusbüro (I-39016 St. Walburg, Tel. 0473/79 53 87, www.ultental.it).


Pflegerhof: Rein biologisch

Was duftende Kräuter anbelangt, so hatte Martha Mulser einfach den richtigen Riecher. Vor 20 Jahren, als man in Italien das Wort "biologisch" noch kaum zu buchstabieren wusste, fing sie bereits an, auf ihren Wiesen unterhalb von Seis am Schlern, gleich neben der Burgruine Aichach, in biologischem Anbau Kräuter und Gewürze anzupflanzen. Heute wachsen auf 7000 Quadratmetern knapp 80 verschiedene Heil- und Würzkräuter, darunter so kuriose Gewächse wie Frauenhaar und Winterheckenzwiebel. Man kann sie im Topf kaufen oder getrocknet, gemischt und abgepackt, z. B. als "Gute-Laune- Tee" (Goldkerze, Himbeerblätter, Zitronengoldmelisse) oder als erfrischenden "Hexenzauber" (Kastanienblüten, Pfefferminze, Brombeerblätter) (St. Oswald bei Seis am Schlern, Tel. 0471/70 67 71, www.pflegerhof.com).


Archeopark Schnalstal: Ötzi und seine Zeit

Was Ötzi als letztes gegessen hat, wohin er unterwegs war, woran er gestorben ist, weiß heute praktisch jeder. Denn der Mann aus dem Eis, dessen mumifizierte Reste im Bozener Archäologiemuseum zu besichtigen sind, ist bestens erforscht. Doch wer weiß, wie die Menschen in der Jungsteinzeit lebten? Im Archeopark im Schnalstal kann man es sogar ausprobieren. Zwischen Holzhäusern, Anpflanzungen alter Getreidesorten und einem Lehmkuppelofen kann man bogenschießen, Wolle zu Filz walken und Roggenbrot backen (Unser Frau 163 in Schnals, Tel. 0473/67 60 20, www.archeoparc.it).


Museum Ladin: Langeweile ausgeschlossen

Am besten gefiel uns das kleine Theaterstück, in dem die Geschichte des Gran Bracul erzählt wird, des Gadertaler Edelmannes, der den Drachen tötete und am Ende selbst gemeuchelt wurde. Dargestellt von Schattenfiguren, schaurig-schön und gleichzeitig so komisch, dass wir vor Lachen fast von der Bank fielen. So soll es sein im Museum, so lernen wir gern etwas über die Geschichte und Kultur der Ladiner, jener dritten Südtiroler Bevölkerungsgruppe, die in fünf Dolomitentälern zuhause ist und sich bis heute ihre direkt vom Latein abstammende Sprache bewahrt hat. Wer sich hier langweilt, dem ist wirklich nicht zu helfen (St. Martin in Thurn/Gadertal, Tel. 0474/ 52 40 20, www.museumladin.it; 10 bis 18 Uhr, Eintritt 8 Euro).


Einkaufen in Bozen: Taschen, Drachen und Keramik

Früher liefen Einkaufsbesuche in Bozen immer gleich fade ab. Erst waren wir gezwungen, das Auto in Ermangelung an Parkplätzen in abseitigen Vororten abzustellen. Nach längerem Fußmarsch trafen wir dann auf dem berühmten Obstmarkt ein, wo wir im touristischen Gedrängel die bunt leuchtenden Obst- und Gemüsestände bestaunten. Am Schluss kauften wir ein Kilo Äpfel oder Weintrauben, als Wegzehrung für den Rückweg zum Auto. Viel mehr war nicht drin in Bozen. Früher.

Jetzt hat Bozen eine Universität, immer mehr junge Leute laufen durch die alten Gassen, die ganze Stadt ist bunter und spannender geworden. Heute parken wir gleich unter dem Waltherplatz, leihen uns beim kommunalen Fahrradverleih (Bahnhofsallee) gratis ein Rad und erkunden erst mal die Rauschertorgasse, wo wir uns bei Rossobordeaux (Nr. 13) an Taschen, Tüchern und Schuhen in den schönsten Farben berauschen. Schräg gegenüber gibt's im Tonhaus (Nr. 28) originelle Gebrauchskeramik von unterschiedlichen Künstlern und nebenan bei Creativ (Nr. 24) herrliche Drachen und wunderschöne Spielsachen.

 
Telefon Vorwahl für Italien: 0039.

Weitere Infos unter www.suedtirol.info

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Annette Rübesamen
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