Unbekanntes Seeland

Sandstrände, Rapsfelder, sanft gewellte Hügel. Schlösser, Herrensitze und Margarette II., die auf Fredensborg und Amalienborg zu Hause ist. Seeland ist Dänemarks unbekannteste Urlaubsinsel

Und das, obwohl kein Ort weiter als 25 Kilometer vom Meer entfernt ist und an der Ostküste die Hauptstadt Kopenhagen liegt. Die Zahl der Übernachtungen ausländischer Urlauber wird wohl demnächst steigen. Denn Seeland ist keine richtige Insel mehr, seit im Juni über den Großen Belt die zweitlängste Brücke der Welt eröffnet wurde, die die größte dänische Insel mit Fünen und also dem Kontinent verbindet. Reisende brauchen seither von Korsør nach Nyborg nur noch 15 Fahrminuten statt 90 Fährminuten. Die Nähe zur Hauptstadt prägt das Leben überall auf Seeland. Das S-Bahn-Netz der Anderthalb-Millionen-Stadt reicht weit ins Ländliche, die Gärten der reichen Kopenhagener erstrecken sich bis nach Helsingør und in die Waldgebiete von Hillerød. Seit dem 16. Jahrhundert bauten Könige und Fürsten hier ihre Herrensitze, später das wohlhabende Bürgertum seine Sommerresidenzen.

Ideales Klima für die Kunst

"Kultur und Kultiviertheit", erklärt Karl Åge Riget, "sind hier so selbstverständlich, dass sie nicht einmal mehr auffallen." Der 64jährige Maler und Skulpteur, Mitglied der dänischen Künstlergruppe Grønningen, lebt seit über zwanzig Jahren in seinem selbst ausgebauten Bauernhaus am Isefjord. Auf die Nähe zu Kopenhagen mag der gebürtige Jütländer auf keinen Fall mehr verzichten: "Sie lässt die Kunst auf Seeland gedeihen." Eindrucksvoller Beweis dafür ist "Louisiana". Eine Traumlage in einem Park am Øresund und Ausstellungen von Weltgeltung locken seit fast vier Jahrzehnten Besucherscharen in das Museum nach Humlebæk. Der Begegnungsort für Publikum und moderne Kunst wurde im August 1958 in einem hundert Jahre alten Herrschaftshaus eröffnet. Seither wird alles, was in der Kunst Rang und Namen hat, in dem kleinen Küstenort nördlich von Kopenhagen präsentiert.

Skurriles im Sherlock Holmes-Museum

Dass auch eine der umfangreichsten Bibliotheken der Kriminalliteratur ausgerechnet auf Seeland entstehen konnte, dafür ist nicht der Einfluss der Haupstadt verantwortlich, sondern die dänische Staatslotterie und die Sammelleidenschaft von Bjarne Nielsen. Im Alter von 14 begann er, sich für die Geschichten Sir Arthur Conan Doyles zu begeistern, im Laufe dreier Jahrzehnte trug er eine Unmenge von Erinnerungsstücken des Krimiautors zusammen. Dann gewann Nielsen vier Millionen Kronen beim Lotto, erwarb ein geräumiges Haus in Nykøbing und eröffnete vor zwei Jahren das "Sherlock Holmes Museet".

Sanft gewellte Hügel und weite Strände

Doch der besondere Reiz Seelands liegt außerhalb seiner Städte: Die Gletscher der Eiszeit haben Lehm und Kies zu sanft gewellten Hügeln zusammengeschoben, schattige Waldgebiete gehen über in gelbblühende Rapsfelder, kleine, in kräftigen Farben gestrichene Häuser wechseln mit Bauernhöfen, die sich hinter hohen Pappelwänden verstecken. Zahlreiche weite Strände und die ständige Nähe zum Meer prägen die Stimmung - kein Ort Seelands liegt weiter als 25 Kilometer von der Küste entfernt. Und die hat es in sich: Oftmals über Kilometer erstrecken sich breite Strände, deren Sand hell und mitunter so fein ist, dass jeder Schritt ein Quietschen nach sich zieht. Die vermutlich schönsten liegen in der Bucht von Nyrup und entlang der Nordküste von Hornbæk nach Hundested. Anders als im Westen Jütlands trüben weder hohe Wellen noch gefährliche Unterströmungen das seeländische Badevergnügen.

Reiseservice

Info Dänisches FremdenverkehrsamtGlockengießerwall 2, 20095 Hamburg, Telefon 040/32 02 10, Fax 32 02 11 11. Internet: www.visitdenmark.com. Vor Ort: Touristenbüros sind über die ganze Insel verteilt, man erkennt sie am kleinen "i".

Anreise: Die Auto- und Eisenbahnfähre braucht von Puttgarden nach Rødby Havn eine Stunde. Von Rostock nach Gedser dauert es zwei Stunden, mit der Schnellfähre 70 Minuten. Infos im Internet unter www.scandlines.de. Von der Grenze bei Flensburg bis Ålborg ist die E45 Richtung Norden zur Autobahn ausgebaut. Bei Kolding zweigt die E20 nach Fünen ab, die über die Große-Belt-Brücke mit dem Autobahnnetz auf Seeland verbunden ist.

Hotels und Pensionen

Pension Bondehuset (Sørupvej 14, Box 6, Sørup 3480 Fredensborg, Tel. 00 45/48 48 01 12, Fax 48 48 03 01; DZ ab 755 DK). Reetdachhaus am Esrum-See. 18-Loch-Golfplatz, Bade- und Angelmöglichkeiten, Fahrrad- und Ruderbootverleih. www.bondehuset.dk/.

Svogerslev Kro (Hovedgade 45, Svogerslev 4000 Roskilde, Tel. 00 45/46 38 30 05, Fax 46 38 30 14; DZ ab 575 DK). Reetgedeckter Gasthof in einem parkähnlichen Garten. www.svogerslevkro.

Søbakkehus (Hornebyvej 8, 3100 Hornbæk, Tel. 00 45/49 70 00 33; DZ ab 500 DK inkl. Frühstück). Ruhiges Hotel, Eldorado für Sportangler am Øresund.

Hotel Kirstine (Købmagerade 20, 4700 Næstved, Tel. 00 45/55 77 47 00, Fax 55 72 11 53; DZ ab 755 DK). Alter Fachwerk-Bauernhof im Süden Seelands mit gutem Restaurant. www.hotelkirstine.dk.

Ferienhäuser

Auf Seekand sind Ferienhäuser preiswerter als an der dänischen Westküste und haben in der Regel einen hohen Standard. Alle Großvermittler (DanCenter, Dansommer, Sonne und Strand, Novasol) hat der Hamburger Ferienhaus-Spezialist InterIscandia (Tel. 040/600 47 70, Fax 601 90 09) im Programm. Am preisgünstigsten sind die dänischen Touristenbüros vor Ort, deutschsprachige Kataloge zu bestellen bei Odsherred Turistbureau (Svanestræde 9, 4500 Nykøping/Sjælland, Tel. 00 45/59 91 08 88, Fax 59 93 00 24) und Turistinformation Helsinge/Tisvilde (Gadekærvej 17, 3200 Helsinge, Tel. 00 45/48 79 51 66, Fax 4879 63 66).

Essen und Trinken

Gilleleje Havn (Havnevej 14, 3250 Gilleleje, Tel. 48 30 30 39). Erstklassige Fischgerichte, Sitznischen mit Blick auf den Hafen. Zu späterer Stunde Live-Musik im Pub nebenan.

Schweizerhuset (Herthadalen, 4320 Lejre, Tel. 46 48 01 57). Deftiges Essen in der Nähe von Schloss Ledreborg. Geöffnet Anfang Mai bis Ende September 11-17 Uhr, im Juli bis 21 Uhr.Sletten Kro (Gamle Strandvej 137, 3050 Humlebæk, Telefon 49 19 13 01). Sehr gutes Essen mit Blick auf den Øresund und den Hafen, donnerstags Live-Musik.

Den gyldene Hane (Vester Havenvej 34, Sjællands Odde, Telefon 59 32 63 86). Spitzenrestaurant, besonders empfehlenswert der Kabeljau. Im ersten Stock mehrere Gästezimmer.

Kongskilde Friluftsgård (Skælskørvej 34, 4180 Sorø, Telefon 53 64 92 00). Alter Mühlenbauernhof mitten im Tystrup-Bavelse-Naturpark, gute dänische Küche.

Kultur

Louisiana (3050 Humlebæk, Gammel Strandvej 13, Telefon 49 19 07 19; tgl. 10-17, Mi bis 22 Uhr). Dänemarks schönstes Museum für moderne Kunst mit wechselnden Ausstellungen. Skulpturen von Miró, Moore, Calder im Park am Øresund.

Sherlock Holmes Museet (Algade 3, 4500 Nykøbing, Telefon 59 93 22 21; Mi bis Fr 10-16, Sa 10-13 Uhr). Bibliothek und Antiquariat für Krimifans. Unzählige Erinnerungsstücke an den Sherlock-Holmes-Erfinder Sir Arthur Conan Doyle. www.sherlockiana.net/

Karen Blixen Museet (Rungsted Strandvej 111, 2960 Rungsted, Tel. 45 57 10 57; Mai bis September tgl. 10-17 Uhr). Das frühere Wohnhaus der dänischen Schriftstellerin, weltbekannt geworden durch die Verfilmung ihres Romans "Out of Africa" - "Jenseits von Afrika", wurde samt den Originalmöbeln zum Museum umfunktioniert.

Lejre Versuchszentrum (Slangealleen 2, 4320 Lejre, Telefon 46 48 08 78; Di bis So 10-17 Uhr, bis 13. September geöffnet). Nachgebautes Dorf aus der Stein- und Eisenzeit: Lehmhäuser, mit Fellen ausstaffiert, und Felder, die noch mit Ochs und Pflug bestellt werden. An Wochenenden Vorführungen für Besucher: Konzerte mit vorgeschichtlichen Instrumenten, Bogenschießen, Schafschur. www.lejre-center.dk.

Vikingeskibshallen (Strandengen, 4000 Roskilde, Tel. 46 35 65 55; April bis Oktober 9-17, November bis März 10-16 Uhr). Sechs restaurierte Wikingerboote, fast tausend Jahre alt, die im Fjord von Roskilde ausgegraben worden sind. www.vikingeskibsmuseet.dk.

Text: Dirk van Versendaal Fotos: Tom Krausz
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