Usedom & Co: Wellness zu zweit

Sie will ein kuscheliges langes Wochenende, er hasst es schon, massiert zu werden. Kann ein Paar eigentlich zusammen Wellness machen? Ja. Zum Beispiel auf Usedom.

Zum Wellness-Machen nach Usedom

Meine Vorstellung von Wellness ist, kurz und präzise zusammengefasst: ausschlafen. Also länger als bis sieben Uhr. Und nicht geweckt werden von einem Kind, dem ich unbedingt jetzt etwas aus "Flori Flunkerfisch" vorlesen soll.

Mein Freund und ich kennen liebenswürdige Menschen, die meinen, nach zwei Jahren als Paar mit Kind müsse man sich mal richtig was gönnen. Und darum schenkten sie uns einen Kurztrip auf die Ostseeinsel Usedom. Zum Wellness-Machen.

Eine ganz, ganz tolle Idee, finde ich. Daniel, mein Freund, sagt, dass er sich auf keinen Fall massieren lassen wird, weil er Massagen hasst, seit eine Exfreundin ihn immer massiert hat. Und dass wir doch schon mal vor vielen Jahren zusammen auf Usedom und nicht so richtig begeistert waren. Ideale Voraussetzungen für ein Kuschelwochenende zu zweit.

Jetzt sind wir hier, im Hotel "Ahlbeck" in Ahlbeck auf Usedom, und sitzen nackt im Serailbad. Das Serailbad ist wunderschön: ein kleiner runder Raum, in meerigen Grüntönen gefliest, mit winzigen Lämpchen an der Decke, die wie Sterne glitzern. Das Einzige, was nicht wunderschön ist, das sind wir. Denn wir sind von Kopf bis Fuß mit Vinoschlamm eingeschmiert. Mein Vinoschlamm besteht aus Mascarpone, Rotwein und Traubenkernöl. Normalerweise würde ich eine Masse aus diesen Zutaten eher zum Nachtisch essen, aber als Körperbedeckung soll er, im Gegensatz zum Nachtisch, straffende Wirkung haben. Der von Daniel soll entschlackend sein (warum brauche ich eigentlich nach Meinung der Kosmetikerin etwas Straffendes, der Mann aber nicht???) und sieht aus wie Entengrütze auf einem Teich.

Vom "Ahlbeck" sind es nur ein paar Schritte zum Strand

Gegenseitig haben wir uns die Pampe überall hingespachtelt und warten jetzt darauf, dass sich das Serailbad mit feuchtem Dampf füllt, der die Poren dazu ermutigen soll, sich zu öffnen und die tollen Wirkstoffe aus dem Schlamm aufzunehmen. Aber noch kommt kein Dampf. Der Schlamm ist auf unserer Haut getrocknet, so dass wir jetzt welk und alt und faltig aussehen.

Außerdem ziept das Zeug. Der grüne Mann neben mir, nennen wir ihn "Hulk" wie das tapsige grüne Riesenwesen aus dem gleichnamigen Comic, behauptet zudem, sein Schlamm stinke. "Ich kotz gleich. Ich geh jetzt raus. Hier kommt doch sowieso kein Dampf mehr. Ich geh jetzt duschen." Ich rede mit Engelszungen auf den Hulk ein, noch einen Moment auszuhalten, es hat doch schon so nach Dampf gezischt. Wir warten. Dann kommt der Dampf, sehr warm und sehr feucht. Wir sitzen, solange wir es in der Wärme aushalten, dann stürzen wir unter die Dusche. Danach fühlt sich die Haut babyweich an, wirklich unglaublich. Aber um welchen Preis! Ich bezweifle, dass ich Hulk nun noch zu einer weiteren Anwendung überreden kann.

Auf unserem Zimmer machen wir erst einmal etwas, bei dem wir nicht drüber diskutieren müssen, ob das den Namen "Wellness" verdient: Wir legen uns aufs Bett und lesen geschlagene drei Stunden lang. Ungestört. Zu unseren Füßen bullert der grandiose Gaskamin, der echtes Holz mit echtem Feuer entzündet, wenn man auf die Fernbedienung drückt. Es ist schon toll, im 21. Jahrhundert zu leben!

Draußen ist es diesig und trübe, das Meer liegt grau und schlapp herum. Vom Meer sehen wir, wenn wir auf den Balkon treten, ein Stückchen, denn wir haben laut Katalog "seitlichen Seeblick". Wir haben die Vorhänge zugezogen und genießen, so weich und samtig wie nie zuvor im Leben, die uns geschenkte Zeit. "Flori Flunkerfisch" ist ganz weit weg, vielleicht irgendwo da draußen, seitlich im grauen Meer.

Dass sanfte Hände unheimlich gut tun, kann selbst ein Wellness-Skeptiker nicht leugnen

Natürlich ist das Meer in Wirklichkeit in jeder Farbe schön. Nach dem Frühstück gehen wir an den Strand. Ahlbeck ist eines der drei so genannten Kaiserbäder, die nebeneinander an Usedoms Westküste liegen und hauptsächlich aus prächtigen Jahrhundertwende-Hotels bestehen. Bei unserem ersten Besuch vor vielen Jahren waren die Hotels ziemlich heruntergekommen, inzwischen sind sie so gut wie alle renoviert und herausgeputzt. Auch unser "Ahlbeck" in der ersten Reihe hinterm Strand, ganz nah bei der zauberhaften Seebrücke mit ihrem weißen Aufbau voller Türmchen und spitzer grüner Dächer, hat die renovierte Fassade eines Traditionshotels. Ansonsten ist es komplett modernisiert und um Anbauten erweitert.

Am Strand sieht zu dieser Jahreszeit alles vollkommen unwirklich aus. Ein dicker weißer Nebel, der unmöglich echt sein kann, verschluckt nach ein paar Metern den Blick, man fühlt sich wie in einer Kulisse. Warum vergessen wir nur immer, wie einzigartig das Meer im Winter ist? Ein paar Boote liegen da, eines heißt "Wirbelwind", aber mit Wirbeln ist jetzt nichts.

Ich habe Sprotten eingesteckt, um die Möwen zu füttern, allerdings habe ich nicht mit ihrem Enthusiasmus gerechnet: Ich habe das Lunchpaket noch nicht mal richtig ausgepackt, da stürzen sie sich hitchcockesk auf mich. Ich kreische und hüpfe und schmeiße Fischstückchen und habe einen Heidenspaß und bin hinterher froh, das überlebt zu haben.

Schon, weil ich wirklich sehr ungern von dieser Welt gegangen wäre, ohne vorher eine Hot-Stone-Massage bekommen zu haben. Parallel zu meiner Behandlung mit heißen Lavasteinen soll Daniel eine so genannte Kräuterstempel-Massage kriegen - wenn er überhaupt hingehen wird. Tatsächlich nörgelt er vorher ein wenig herum, betritt dann aber den Massageraum mit gewinnendem Lächeln, schon um kein Spielverderber zu sein. Die Kräuterstempel sind mit Kräutern gefüllte Säckchen, mit denen der Rücken abgeklopft und massiert wird. Ob er hinterher wieder meckern wird, etwa über stinkendes Kraut?

Ich auf meiner Liege kriege vor der Behandlung erst mal einen kleinen warmen Stein in jede Pfote. Die halte ich fest, wie ein Kind, das zwei besonders schöne Kiesel gefunden hat und die auf keinen Fall wieder hergeben wird. Cindy Ahrens, die Kosmetikerin, massiert mich erst mit warmem Öl und dann mit den Steinen, die heiß und hart sind, was sich unglaublich belebend anfühlt. Wenn eine Körperpartie zu Ende massiert ist, werden heiße Steine draufgelegt, und das ist so warm und wohlig, dass ich zerfließen möchte. Auf den Fußsohlen fühlt es sich an, als liefe man an einem heißen Tag im Freibad barfuß über den aufgeheizten Boden. Und das, während draußen klamme fünf Grad herrschen.

Daniel hat glasige Augen und schwärmt von einem "ständigen Wechsel von warm und kalt". Jawohl: schwärmt! Ich stichele und frage, ob Massiertwerden etwa doch nicht so schlimm ist? "Das war ja schließlich keine richtige Massage, das war Öl und Kräuter und heiß und kalt." Ach so. Na, Hauptsache, alle sind zufrieden.

Im Schwimmbecken zieht der Mann gegen Abend kraftvoll seine Bahnen, während ich noch ein wenig in der Sauna herumlümmele. Hinterher kuscheln wir uns auf den Liegen am Pool in unsere großen weißen Bademäntel und plaudern faul und träge darüber, wie es sein kann, dass man ein Hotel mit einem geschmackvollen Wellness-Bereich ausstattet und gleichzeitig abscheulich gemusterte Teppiche im Speisesaal und in den Fluren verlegt. "Ein reizvolles Aufeinanderprallen der Gegensätze", murmelt mein Freund und denkt vermutlich noch an seine Massage der Gegensätze, die ja eigentlich gar keine war.

Wonne in der Sandkiste

Eine andere interessante Frage ist: Wer denkt sich eigentlich diesen ganzen Wellness-Kram und das dafür notwendige Zubehör aus? Zum Beispiel die große Sandkiste, in der man die so genannten "Dünenträume" träumt. Das geht so: Man, also in diesem Fall: wir, legt sich in einen Sandkasten im Doppelbett-Format. Unter uns erwärmt sich der Sand, und gleichzeitig gehen über uns mit einem explosionsartigen Krachen sehr starke Lampen an, die Sonnenlicht simulieren, ohne ein Solarium zu sein. Wer bitte braucht so einen Quatsch? Nun: wir! Aneinandergeschmiegt liegen wir im heißen Sand, tanken Sonnenlicht- Ersatz und denken an richtig schöne Ferien ganz weit weg - die Presqu'île bei Cassis, weißt du noch? Hmmmm. Und nicken ganz langsam und wohlig ein.

Wie wir an unserem letzten Morgen nach all dem Wohlergehen beim Frühstück aussehen? Entspannt und überglücklich? Ich fürchte eher, alle tuscheln, ob wir die ganze Nacht gestritten haben. Denn ich sehe definitiv nach durchgeheulten Stunden aus. Bindehautentzündung. Muss wohl ein bisschen viel Seewind abbekommen haben. "Du wirkst, als ob du Urlaub gebrauchen könntest", sagt mein Freund über seinem Spiegelei. "Mach doch mal Wellness. Mit, hm, einer ganz lieben Freundin. Ich hab gehört, dass Frauen das total gern zusammen machen. Soll ein Frauending sein, echt." Und dabei sieht mir der Typ unverschämt erholt in die entzündeten Augen.

Das Hotel

Hotel "Das Ahlbeck". DZ/F ab 88 Euro. Partner-Arrangement im Private-Spa mit Entspannungsbad, Massage 190 Euro, www.das-ahlbeck.de. Über TUI (Katalog Vital) im Reisebüro oder www.tui-vital.de.

Text: Stefanie Hentschel Fotos: Christina Körte; look; Ostkreuz Heft 01/2010

Österreich: Wechselbad der Gefühle

Jungbrunn: sehr gemütlich

Draußen im warmen Solewasser schwimmen, die klare Winterluft tief einatmen, ringsum schneebedeckte Berge und Tannen, deren Zweige unter der weißen Last wippen. Nur ein Highlight im alpinen Resort "Jungbrunn" im Tannheimer Tal in Tirol. Im Wellness-Bereich gibt es diverse Saunen und Dampfbäder, 30 verschiedene Aktiv- und Entspannungsprogramme und Spa-Suiten zu zweit, in denen man z. B. "Magic Moments" oder einen "Hauch der Karibik" erleben kann.

Jungbrunn. DZ/HP ab 248 Euro. Arrangement Schneeflockentage: vier Ü/HP ab 1260 Euro (für zwei), inkl. Skipass, Teilmassage, Fußreflex (Jungbrunn, A-6675 Tannheim, Tel. 00 43/56 75/62 48, Fax 6544, www.jungbrunn.at). Anna M. Löfken

Ostsee: Das Meer macht mit

Von der Strandsauna rennen wir im Bademantel zur Brandung, kühler Sand quillt durch heiße Zehen. Dann der Kälteschock! Bis das Meer wie Champagner auf der Haut prickelt. Der anschließende Tee im Bett ein Spektakel: Dank Panoramafenster schauen wir der Ostsee dabei zu, wie sie die Sonne löscht. Nichts irritiert den Blick - das weiße Strandhotel ist das einzige im rauschenden Dünenwäldchen. Zum Spa gehören ein Pool, verschiedenen Saunen, Massage- und Kosmetik-Angebote.

Strandhotel Fischland. DZ/F ab 130 Euro. Arrangement Lust auf Sinnlichkeit: zwei Ü/HP 722 Euro (für zwei) inkl. Spa-Suite mit Peeling und Ganzkörpermassage (Ernst-Moritz-Arndt- Straße 6, 18347 Ostseebad Dierhagen Strand, Tel. 03 82 26/520, Fax 529 99, www.strandhotel-fischland.de). Susanne Arndt

Nordsee: Fit wie ein Fisch

Das "Nakuk" ist frei von Etepetete-Ambiente. Hier herrscht eine unangestrengte Atmosphäre: friesisch, bodenständig, aber auf 4-Sterne-Niveau. Das passt perfekt zur Naturnähe des flunderplatten Marschlandes und überzeugt selbst Wellness-Skeptiker wie mich. Hier habe ich sogar mal eine Fußreflexzonenmassage ausprobiert. Prädikat: besonders wohltuend. Im so genannten Recreativum des Hotels kann man in zwei Saunen schwitzen oder sich bei unterschiedlichen Massagen, Bädern und Farblichtbestrahlungen entspannen.

Nakuk. DZ/F ab 120 Euro. Arrangement Wohliger Winter: vier Ü/HP ab 938 Euro (für zwei), inkl. Ganzkörper-, Fuß-, Kopf- und Nackenmassage, La-mer-Pflegepaket. Nichtraucherhotel. Betriebsferien: 4.-28. Januar 2010 (Wiardergroden 22, 26434 Horumersiel, Tel. 044 26/90 44 00, Fax 90 44 29, www.nakuk.de).Christian Schuldt

Schweiz: Hochgradig zurückgezogen

GuardaVal: schön puristisch

Im Kaminzimmer knistert das Holz, draußen tanzen die Schneeflocken ins Tal, und das ganze Haus strahlt Wärme aus. Der Charme uralter Balken in einem Engadiner Haus aus dem 17. Jahrhundert ist im Boutique- Hotel "GuardaVal" in Scuol (Unterengadin) mit dem neuesten Komfort und Styling verbunden. Wer's traditionell mag, nimmt ein Engadiner Zimmer. Das Motto "Klein, aber fein" zieht sich durchs ganze Haus, vom Gourmet-Restaurant bis hin zum Wellnessbereich mit Sauna, Dampfbad und Massageraum. Ein toller Rückzugsort auf über 1200 Meter Höhe mit Anschluss an Skipisten und den Schweizerischen Nationalpark.

GuardaVal. DZ/F ab 153 Euro. Arrangement Winterzauber: drei Ü/HP ab 1016 Euro (für zwei), inkl. Skipass, Teilkörpermassage, Nutzung der externen Bäder- und Saunalandschaft Bogn Engiadina und eines Fitnesscenters in Scuol. Nichtraucherhotel (Vi 363, CH-7550 Scuol, Tel. 00 41/81/861 09 09, Fax 861 09 00, www.guardaval-scuol.ch).Christine Schmid

Tegernsee: Geht doch!

Eigentlich wollte ich nur am Tegernsee in einem ländlich eingerichteten Hotel wohnen. Dass das "Landhaus im Stein" ein Wellness-Hotel ist, war mir egal. Ich hatte nicht vor, Wellnessbereich, Pool, Sauna, Dampfbad, Beauty- und Massage-Angebote zu nutzen. Aber neugierig ausprobiert habe ich dann doch einiges. Wie herrlich knuspriges Landbrot und Rühreier schmecken, wenn man vorher im Schwimmbad einige Bahnen zieht! Wie gut eine Fußmassage tut, wenn man zu lange mit den falschen Schuhen gewandert ist!

Landhaus am Stein. DZ/F ab 160 Euro. Arrangement Verwöhntage für sie & ihn: zwei Ü/F ab 490 Euro (für zwei), inkl. Gesichtsbehandlung und -massage, Aromabad, Rückenmassage. Nichtraucherhotel (Im Sapplfeld 8, 83707 Bad Wiessee, Tel. 0 80 22/984 70, Fax 835 60, www.landhausamstein.de).Katrin Schmiedekampf

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