Wien mit Kindern

Stadturlaub mit Kindern - in Wien ein königliches Vergnügen.

Städtereisen mit "Star Wars"-Fans und Harry-Potter-Jüngern sind ja so eine Sache. Wien jedoch, so hieß es vom dortigen Tourismusverband, Wien sei nicht nur kindergeeignet. Wien sei nachgerade kinderfreundlich, Wien sei sogar die ideale Großstadt für Urlaubsreisen mit Kindern. Um das zu prüfen, reisten meine Frau, Söhne Henri und Hannes mit mir in Österreichs Hauptstadt.

Quartier bezogen haben wir im Hotel "Erzherzog Rainer" in der Mozart-Gasse, zwei Straßenbahnstationen von der City entfernt.

Der Portier stimmt uns mit seinem näselnden "Gnä Frau" und "Bitt schön, die Herrschaften" sofort mächtig wienerisch ein. Aber lange hält es uns nicht im Hotel. Die Sonne scheint, und wir stürmen raus und erleben die tollste und vor allem billigste Sightseeing-Tour, die man in Wien machen kann: nämlich eine Fahrt mit der Straßenbahn Nr. 1 auf der so genannten Ringlinie. Man lässt die Wiener Kernstadt einfach in Ruhe an sich vorbeiziehen: die wunderschöne Staatsoper, die grüne Idylle des Burggartens, die imposanten Gebäude des Naturhistorischen und des Kunsthistorischen Museums, Hofburg, Burgtheater und Rathaus.

Mit der Pferdekutsche mitten durch die Hofburg.

Tierfreund Hannes sind natürlich sofort die vielen offenen Pferdekutschen voller Touristen aufgefallen, die ebenfalls den Ring befahren. "Das wollen wir jetzt auch machen", befiehlt er. Ein teurer Spaß. Die billigste Fiakertour kostet 40 Euro und dauert schlappe 20 Minuten. Dafür können wir mit unserem Zweispänner mitten durch die Hofburg fahren. Ein Ehrfurcht erweckender, weitläufiger Gebäudekomplex, der einen sofort daran erinnert, dass hier bis 1918 das Herz einer Weltmacht schlug.

Henri und Hannes in historischen Kostümen

In den nächsten Tagen erkunden wir die Highlights rund um den Dom. Zum Beispiel eines der Wohnhäuser Mozarts, heute ein kleines, feines Museum, in dem man Musik hören und viel sehen kann. Danach besuchen wir das nahe gelegene "Haus der Musik": Riesen-Stimmung! In den wunderschön gestalteten Räumen lernen Henri und Hannes viel über klassische Komponisten, experimentieren in einem aufwändigen Multi-Media-Bereich mit Klängen und dirigieren die Wiener Philharmoniker auf einer Videoleinwand. Wer den Takt nicht hält, wird von den Musikern beschimpft. Die Kinder finden’s klasse.

Auch das legendäre "Museumsquartier". Auf diesem riesigen Areal, einem der größten Kulturviertel der Welt, gibt es mehr zu gucken, als man in einem Urlaub schaffen kann. Und mittendrin eine ganz besondere Service-Stelle: In der "wienXtra-Kinderinfo" erfahren wir von netten Leuten alles über das aktuelle Kinder-Freizeitangebot in der Stadt.

Gleich gegenüber: das Zoom-Kindermuseum. Die Jungs können hier bauen, malen, klettern, fühlen, riechen, hören und auch ausruhen. Und dann erst das Zoom-Lab! Das ist ein multimediales Studio, in dem man u. a. Trickfilme drehen kann. Mit zehn anderen Kindern werden Henri und Hannes unter fachkundiger Anleitung zu Regisseuren.

Das Naturkundemuseum am Rande des Museumsquartiers ist ein erhabener Bau mit einer großen Kuppel. Drinnen finden wir in 36 Sälen jede Menge toller Sachen: Fossilien, Mineralien, Meteore, Saurierskelette, Säbelzahntiger und ein großes Vivarium mit lebenden Tieren. Ein echter Knaller, dieses Museum, das unsere Jungs in einen wahren Begeisterungstaumel versetzt.

Auf Schloss Schönbrunn, die Sommerresidenz der Habsburger, machen wir eine spezielle Führung für Kinder, für die Henri und Hannes sogar historische Kostüme aus der Zeit Maria Theresias anziehen dürfen. Beide tragen einen Dreispitz auf dem Kopf, Leibchen mit Jabot und verzierte Brokatjacken. Hannes gibt sich den Namen Kaiser Fips, Henri wird zum Herzog.

Um eine Sache kommt man nicht herum: Der Jahrmarkt auf dem Prater muss sein. Die Kinder kriegen beim Anblick von Karussells, Schießbuden und Zuckerwatte sofort glückliche Gesichter. Auf die Fahrt mit dem alten Riesenrad verzichten wir wegen akuter Höhenangst der Eltern. Dafür müssen wir mit jeweils einem Kind an der Seite siebenmal im Auto-Scooter frontal miteinander zusammenstoßen...

Reise-Tipps Wien

Die Top-Ten von Henri und Hannes

Stephansdom und Katakomben: (Stephansplatz, tägl. 6 bis 22 Uhr, Katakomben nur mit Führung, Mo. bis Sa. 10 bis 11.30 Uhr und 13.30 bis 16.30 Uhr) Zoom-Kindermuseum: (Museumsquartier, Tel. 522 67 48, www.kindermuseum.at, Mo. bis Fr. 8 bis 16 Uhr, Sa. und So. 9.30 bis 15.30 Uhr. Ausstellung, Zoom-Lab, Atelier und Kleinkinderbereich "Ozean") Haus der Musik: (Seilerstätte 30, Tel. 516 48 10, tägl. 10 bis 22 Uhr), www.hdm.at. Schloss Schönbrunn: (Tel. 811 13-239, www.schoenbrunn.at, Kinderführungen inkl. Kostümprobe, Sa., So. und an Feiertagen 10.30 und 17 Uhr. Mozart-Erinnerungsräume: (Domgasse 5, Tel. 513 62 94, Di. bis So. 9 bis 18 Uhr). Naturhistorisches Museum: (Maria-Theresien-Platz, Tel. 521 77-0, tägl. außer Di. 9 bis 18.30 Uhr, Kinderführungen Sa. 14 Uhr, So. 10 und 14 Uhr), www.nhm-wien.ac.at. Spanische Hofreitschule: (Michaelerplatz 1, Info-Hotline 533 90 31. Morgentraining Di. bis Sa. 10 bis 12 Uhr. Karten nur am Eingang erhältlich), www.srs.at. Tiergarten Schönbrunn: (Tel. 877 92 94-0, November bis Januar tägl. 9 bis 16.30 Uhr), www.zoovienna.at. Wiener Sängerknaben: "Die Messe ist nicht so gut für Leute, die zappelig sind." Sonn- und feiertags 9.15 Uhr, Kartenbestellungen nur schriftlich sechs bis acht Wochen im Voraus, Hofmusikkapelle, Hofburg, A-1010 Wien, oder Fax 533 99 27 75). Prater: (Öffnungszeiten richten sich nach dem Wetter, Freiluftattraktionen sind im Winter geschlossen).

Literatur "Wien – Stadtführer für Kinder": hübsch illustrierter Band mit Geschichten und Infos aus der Kinderperspektive (Picus, 10,90 Euro). Für die Erwachsenen: "Wien"-Reisetaschenbuch, ganz aktuell und fundiert (Dumont, 12 Euro. Telefon Vorwahl für Wien 0043/1 Info Österreich-Information, Albert-Roßhaupter-Straße 73, 81369 München, Tel. 089/666 70 100, Fax 66 67 12 01. Vor Ort: Tourist-Info, Albertinaplatz, Tel. 245 55, Fax 24 55 56 66, www.wien.info

Text: Kester Schlenz Fotos: Gerald Hänel Stand: März 2010
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