Gipfel der Gefühle: Skifahren mit Kindern

Skifahren mit Kindern ist ein großer Spaß, findet BRIGITTE-Mitarbeiterin Daniela Stohn - wenn auch anders als gedacht.

Aller Anfang ist schwer - und lohnt sich

Früher habe ich sehnsüchtig die kleinen Zwerge beobachtet, die angstfrei im Schneepflug die Piste hinuntersausten. Dementsprechend romantisch war meine Vorstellung von einem Skiurlaub mit Kindern: gemeinsam durch den Tiefschnee pflügen und kleine Schanzen springen, die Jungs mit roten, verfrorenen Wangen und strahlenden Augen.

Als mein Großer fünf und der Kleine drei Jahre alt sind, geht's endlich los: der erste Familien-Skiurlaub – Serfaus, wir kommen!

Erschöpft nach neun Stunden Autofahrt von Hamburg nach Tirol staunen wir in alle Richtungen: Die gewaltigen Berge um uns herum weiß betupft, rustikale Holzhäuser wie aus einer anderen Zeit und überall Menschen, die zu Fuß gehen. Autos sind in Serfaus verboten: Wer keine Lust hat, bis zur Seilbahn zu laufen, nimmt die Dorfbahn, die unterirdisch den Parkplatz am Dorfrand mit der Talstation verbindet.

Wir bummeln durch den Ort, der schon auf den ersten Blick kinderfreundlich ist: Überall werden wir mit einem Lächeln begrüßt, ernten auch dann keine bösen Blicke, wenn die Kinder mal laut sind. Es gibt Kinderhotels mit Betreuungsangeboten für Eltern, die nach Erholung lechzen. Und eine Kinderkrippe für die ganz Kleinen, die noch nicht Ski fahren können, und Skikurse für alle anderen – von der spielerischen "Sanften Geburt" für Dreijährige bis hin zu Freestyle- und Rennlaufkursen für die Größeren.

Auf dem Weg zur Talstation treffen wir auf "Murmli", das große Murmeltier im Zottelkostüm, das die Kinder begrüßt und Gummibärchen verteilt. "Mama", sagt mein Großer abends zu mir, "ich weiß ja, dass da ein Mensch drin steckt, aber ich mag Murmli trotzdem gern."

Am nächsten Morgen stürmen wir den Skiverleih. Zum Schneeanzug kommen jetzt noch Skischuhe (schwer), Skier (unhandlich), Helme (unbequem) und Brillen (cool) hinzu. Zum Glück müssen wir die Ausrüstung nicht weit tragen.

Die Gondel nach oben ist ein großer Spaß. "Können wir wirklich nicht abstürzen?", fragt mein Großer unsicher. Runde Kinderaugen schauen durchs Fenster in die weiße Weite. Die Münder, die sonst unaufhörlich plappern, schweigen. Aus Vorfreude? Oder Angst? Wer hat eigentlich gesagt, dass Dreijährige schon Skifahren lernen sollen? Waren wir zu egoistisch, weil wir nicht mehr länger warten wollten?

Als wir die Kinder am flachen Hang in der "Kinderschneealm" (so heißt der Treffpunkt der Kinderskischule an der Mittelstation) abgeben, klammern sich plötzlich links und rechts zwei Bündel an meine Beine. "Am besten gehen Sie gleich weg", rät Skilehrerin Yvonne, die die Kinder in Empfang nimmt.

Begeistert fahre ich zwei Abfahrten und genieße die Ruhe und den Ausblick, dann kann ich meine Neugier nicht länger zügeln. Ich schleiche mich an, verstecke mich hinter einer Schneewand und betrachte das Durcheinander in der Kinderskischule: Einige Kinder sitzen brüllend im Schnee. Andere kämpfen verbissen mit den Brettern unter ihren Füßen, die immer wegrutschen. Da entdeckt mich mein Kleiner, der sich tapfer zusammengerissen hatte, und sofort kullern dicke Tränen über seine Wangen. Ich renne natürlich gleich hin (Fehler!), reiße ihn in meine Arme und tröste ihn. "Mama, ich falle immer hin", flüstert er heiser in mein Ohr.

An Weggehen ist jetzt nicht mehr zu denken. Also hocke ich den ganzen Tag zwischen Zauberteppichen und Plastik-Dinos und versuche, meinen Sohn zu motivieren, noch mal auf die rutschigen Dinger zu steigen. Mein Großer dagegen fährt auf der Nebenbahn schon im Schneepflug: "Macht ein Pizzastück!", ruft der Skilehrer. Und tatsächlich, am Ende des Tages rutscht er den Berg zum ersten Mal hinunter, ohne auf dem Hosenboden zu landen.

Highlight der Skiwoche: Das Rennen für die Kleinsten

Am zweiten Morgen wieder Tränen. "Das ist normal", beruhigt mich ein Skilehrer, "lassen Sie ihn einfach hier." Also fahre ich mit meinem Mann in den entlegensten Teil des riesigen Skigebiets, um jedes Risiko auszuschließen, wieder zur besorgten Übermutter zu werden. Großartig: Am Masnerkopf pflügen wir neben der Piste durch den Pulverschnee, außer uns sind nur fünf weitere Skifahrer auf der Piste. Dann wagen wir uns ins Gelände. Herrlich weich fühlt sich das an, bis mich ein Ast von den Skiern holt. Vorsichtig bewege ich Arme und Beine. Glück gehabt, alles noch dran.

Wir erkunden das Skigebiet und entdecken den Dinopark und den Murmlitrail, durch den die Kinder mit Skiern fahren und dabei Tiere (natürlich keine echten!) anschauen können. Schanzen laden zum Springen ein, eine lange Rodelstrecke zum Familienrennen. Das Beste aber ist das Skigebiet selbst. Für jeden ist etwas dabei: schwarze Pisten, breite Autobahnen, steile Schussstücke und Abhänge für Tourengänger. Bei 160 Pistenkilometern und 67 Liftanlagen schafft man es aber auch in einer Woche nicht, alle Hänge abzufahren.

Zehn Minuten zu früh stehen wir am Abholpunkt und warten auf unsere Kinder. Piep, piep, eine gelbe Pistenraupe wälzt sich den Berg hinauf. Heraus purzeln 30 kleine Stöpsel mit bunten Helmen und strahlenden Gesichtern. Ein Skizwerg mit orangefarbenem Helm und gelber Brille torkelt auf mich zu und fällt mir in die Arme. "Murmli war heute da und hat mit uns gesungen!", erzählt er begeistert. Nach dem Skifahren frage ich lieber nicht.

Am letzten Tag ist das große Skirennen. Mein Kleiner steht am Start und saust im Schuss durch die Ziellinie. Das Pizzastück ist wohl erst im nächsten Jahr dran. Macht nichts, er wird Erster und hält stolz seine Medaille in den Händen. Für uns steht fest: Wir kommen wieder.

Reise-Infos Serfaus

Unterkünfte Angerhof: Das familiär geführte Appartmenthaus bietet gemütliche, moderne Ferienwohnungen und einen großen Gemeinschaftsraum. Gekocht wird selbst, ein Bäcker ist unten im Haus. 4-Personen-Wohnung in der Hauptsaison ab 1090 Euro (Dorfbahnstraße 23, 6534 Serfaus, Tel. 0043 54 76 623 80, www.angerhof-serfaus.at).

Kinderhotels Löwe + Bär: Ganz auf die Bedürfnisse von Familien sind diese beiden Kinderhotels zugeschnitten, mit Familiensuiten, Vollpension, Kinderbetreuung, Spaßbad und Wellness. 1 Woche in der Familiensuite um die 4100 Euro (Herrenanger 9,?6534 Serfaus. Hotel Löwe: Untere Dorfstraße 5, 6534 Serfaus. Tel. 003 54 76 60 58, www.loewebaer.com.

Hotel Barbara: Kleines, gemütliches Hotel im Ortskern. Familienzimmer für 4 Personen mit Halbpension ab 77 Euro/P, Kinder ab 25 Euro (Gänsackerweg 6,?6435 Serfaus, Tel. 0043 54 76 62 170, www.barbara.at).

Restaurants Madatschen: Tolles Ausflugsziel für Wanderer und Spaziergänger. Die Hütte bietet einen Abenteuerspielplatz, die Grillabende gehören zu den kulinarischen Highlights in Serfaus: Tiroler Spezialitäten, Serfauser Berglamm, Rind und Wild gibt's direkt vom Holzkohlegrill, der in der Mitte der Hütte steht (Madatschen 1, 6534 Serfaus, Tel. 0043 5476 681 80, www.madatschen.at).

Praemontan: Wer‘s ein bisschen schicker mag, bekommt im Praemontan traditionelles österreichisches und internationales Essen, gute Weine und Cocktails (Dorfbahnstr. 79, 6534 Serfaus, Tel. 0043 5476 200 77, www.praemontan.at).

Nudel & Co: Einfache, leckere italienische Küche - schmeckt nicht nur Kindern! (Tel. 0043 54 76 201 41).

Leithe Wirt: Das rustikale Restaurant direkt an der Abfahrt zur Königsleithebahn serviert traditionelle Tiroler Küche und lädt zum Après-Ski ein. Mit überdachter Sonnenterrasse und Erlebnisspielplatz (Tel. 0043 5476 620 37 02).

Skischulen

Skischule Serfaus (Dorfbahnstraße 79, 6534 Serfaus, Tel. 0043 5476 62 68, www.skischule-serfaus.com.

Skischule Fiss-Ladis, Seilbahnstraße 40, 6533 Fiss, Tel. 0043 5476 67 57, www.skischule-fiss-ladis.at.

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