Zypern mit Kindern

Claudia Münster und Sohn Max, Freundin Stephanie und Sohn Anton haben sich einen ganz einfachen Wunsch erfüllt: planschen, buddeln, bedienen lassen.

Einmal, im Garten regnete es und im Wohnzimmer stritten sich die Kinder um das Lego-Flugzeug, da sagte meine Freundin Stephanie versonnen: "Ich würde gern mal wieder richtig Urlaub machen." Und ich sagte das auch. Ihr Sohn Anton war zwei Jahre und drei Monate alt, mein Sohn Max ein halbes Jahr jünger. Nichts gegen Dänemark und seine Ferienhäuser - das war bis dahin immer eine gute Wahl gewesen. Aber "richtig Urlaub" heißt, dass jemand anderes kocht und abspült und die Betten macht. Heißt, in den Süden zu fliegen, in einem kleinen, hübschen Hotel am Pool zu liegen und für nichts zuständig zu sein als fürs Spielen und Eincremen und Windelwechseln. Als mir, wenige Wochen später, die ersten Zweifel kommen, ist es schon zu spät. Da befinden wir uns irgendwo über Prag.

Anton sitzt ruhig auf seinem Platz neben Stephanie, knabbert Kekse und vertieft sich eine halbe Stunde lang in eine Seite von "Der kleine Pirat". Max hibbelt und strampelt, kritzelt das Condor-Bordbuch voll und klaut dem Mädchen hinter uns den Teddy, während ich schwitzend versuche, unauffällig die Schokoladenflecken aus dem Polster zu rubbeln. Dann will Max rennen, von Reihe 1 bis Reihe 48, auf und ab, auf und ab. Ich muss mit. Fünf Minuten vor der Landung schläft er erschöpft ein.

Hotel am Meer - und alles ist gut

Als mir die nächsten Zweifel kommen, ist es erst recht zu spät. Da warten wir in der Ankunftshalle von Larnaca in einer Schlange am Mietwagenschalter, und als wir endlich dran sind, fallen die Herren am Tresen aus allen Wolken. Zwei Kindersitze haben wir bestellt? Und auch eine Bestätigung bekommen? Und ein zweitüriger Jeep mit 20 Zentimetern Stauraum hinter der Rückbank ist uns zu klein? Irgendwann taucht dann doch ein anderes Auto auf, wir stopfen trotzig Reisetaschen, Rucksäcke und Buggys hinein, verzurren die Kinder und fahren durch die Dunkelheit Richtung Westen. Noch zwei Stunden bis Polis. Musste das wirklich sein? Aber in tiefer Nacht sind wir endlich da. Am Hotel. Am Meer. Und alles, alles ist gut. Wir wohnen in einem ebenerdigen, sandfarbenen Seitentrakt des "Natura Beach", und die Rosmarinbüsche wachsen fast zum Badezimmerfenster herein. Am Morgen öffne ich Vorhänge und Schiebetüre, und vor uns liegt eine kleine Terrasse, dann eine tauglänzende Wiese und dahinter der Strand, mit grobem Sand und runden Steinen, flachem Wasser und weißer Gischt.

Mal richtig ausspannen

Das Meer vor der Tür

Erst mal Frühstück. Cornflakes und Rührei sind Nebensache, zwei Männlein mit Schwimmflügeln an den Armen toben rund um den Pool. Dann kommt, um das Glück perfekt zu machen, auch noch ein Engel. Mit blonden Locken und blauen Augen, sanftem Gemüt und einem großen Bruder. Franca, 6, aus Würzburg macht mit Yul, 9, und ihren Eltern auch hier Ferien. Die beiden qualifizieren sich in Windeseile als weltbeste Animateure für zweijährige Jungs. Sie schleppen sie herum und begleiten sie zur Schaukel, Yul fängt Grashüpfer auf der Wiese und erntet Bewunderung, Franca fischt unermüdlich Plastikschiff, Wasserball und Schnuller aus dem Pool und wird vergöttert. Ich hätte jetzt gern noch einen Kaffee. Unten an den Liegestühlen. Vielen Dank.

So könnte das ewig weitergehen. Tage, die nicht in kleine Scheiben geschnitten sind. Nur im Sand buddeln und im Pool planschen, dann ein ausgedehnter Mittagsschlaf und später vielleicht noch mal an den Strand und Steinchen in die Wellen werfen. Zugegeben: Das alles hätten Anton und Max in Dänemark auch haben können. Aber wir, ihre Mütter, wir strecken alle viere von uns, genießen den Duft von Oleander und Lavendel, die vertrödelte Stimmung und den Service. Morgens kommt eine nette Frau aus der Küche und bringt ein angewärmtes Milchfläschchen. Mittags sind die Zimmer aufgeräumt, und während die Kinder schlafen, haben wir nur zwei Möglichkeiten: auch schlafen. Oder Buch lesen. Abends müssen wir uns nur noch an den gedeckten Tisch setzen: für gebackene Auberginenscheiben, für Kleftiko - butterzartes, würziges Lamm aus dem Lehmofen - und Baklava - sirupsüßes Blätterteigdessert mit einer Füllung aus Honig und Mandeln. Und dann mit dem netten Würzburger Paar eine schöne Flasche Rotwein leeren.

Doch was unternehmen?

Ja, so könnte es ewig weitergehen. Nach drei Tagen aber flackert das pflichtbewusste Urlaubergewissen auf, ganz wie früher: Man muss doch mal was unternehmen! Man kann doch nicht immer nur rumhängen! An dem Morgen regnet es auch noch. Perfekt fürs Kulturprogramm. Nach Paphos! Hafen anschauen! Ausgrabungen besichtigen! Los, Kinder, fertig machen! Es ist dann so wie immer: Anton findet seinen Schaf-Rucksack nicht. Max entdeckt ausgerechnet jetzt, dass er auf den Nachttisch klettern und von da aus den Lichtschalter betätigen kann. Das übt er ungefähr 100-mal. Anton braucht ein Pflaster an der Ferse, die Badeschuhe haben gescheuert. Max will auch eins. Anton muss nun endlich mal in Ruhe das Buch "Der Fuchs sucht seine Socken" anschauen. Max' zweite Sandale ist verschwunden. Und dann strömt ein Geruch aus einer Windel. Kurz: Der Aufbruch verzögert sich, und eigentlich wäre schon bald wieder Zeit für den Mittagsschlaf. Endlich in Paphos, erklimmen wir die alte Hafenfestung und blicken übers Meer, zum Horizont, wo die Wolken aufreißen. Auf der Hafenpromenade steuern Anton und Max zielstrebig die Vitrine eines Restaurants an, in der Langusten mit ihren langen Fühlern winken, während der Kellner in perfektem Deutsch versucht, ihnen den Mund wässrig zu machen: "Schmeckt lecker. Gibt auch Pommes dazu!" Das Wort "Pommes" ist in ihrem Wortschatz aber noch nicht so verankert.

Auf dem riesigen Ausgrabungsgelände spazieren wir zwischen den Fundamenten römischer Wohnhäuser, Tempel und Theater umher; die Mütter bestaunen den Mosaik-Fußboden im "Haus des Dionysos", den ein kunstsinniger Weinkenner vor 2000 Jahren mit Szenen aus dem Leben des Weingottes und anderer Begebenheiten der antiken Sagenwelt legen ließ. Anton möchte durch die tiefsten Pfützen platschen und darf nicht und auf den schönen bunten Steinchen herumlaufen und darf nicht. Und schon liegt er bäuchlings im Lehm und brüllt, und Max lässt aus Versehen den Lolly in den Staub fallen und brüllt, und die Sonne kommt raus, und plötzlich wird es furchtbar warm und drückend. Da fahren wir lieber schnell wieder zurück ins Hotel. Man muss doch mal was unternehmen? Gar nichts muss man. Wir jedenfalls schränken für die weiteren Unternehmungen unseren Radius ein, streichen die Tour zum Kloster im Troodos-Gebirge, nehmen uns nur noch Ziele vor, die in Sichtweite unseres Hotels liegen. Der öffentliche Strand mit dem Spielplatz in Laatchi. Die Orangenhaine direkt neben dem Hotel, wo die Früchte reif und ungespritzt in den Bäumen hängen. Anton pflückt, Max schmatzt. Der Picknickplatz unter duftenden Pinien in den Hügeln der naturgeschützten Akamas- Halbinsel, eine Viertelstunde mit dem Auto. Oder Polis, das entspannte Städtchen, einen Spaziergang entfernt. Dort geraten wir in eine Parade. Schulkinder, Pfadfinder, Jugendliche, alle sind auf den Beinen, in Uniform und weißen Röckchen, mit Pauke und Querflöte, Trompete und Triangel. Max muss sich vor Ergriffenheit auf den Kantstein setzen. Dann gehen wir frischen Orangensaft trinken; in der kleinen Fußgängerzone gibt es Cafés unter schattigen Bäumen und einen Friseurladen, in dem ein alter Mann einem anderen alten Mann weißen Schaum um den Mund schmiert. Anton will sofort ein Eis.

Vier Gänge plus Raki

Wenn wir, zusammen mit unseren neuen Ferienfreunden Franca, Yul und Co., abends manchmal der Hotelküche untreu werden, liegt das an Avgia Georgiou. Die 35-Jährige ist Wirtin der Taverne "Vomos", ein paar hundert Meter, also einen schönen Spaziergang, vom Natura Beach entfernt. Im Gastraum läuft der Fernseher, in der Ecke sitzt ihr Onkel, im Regal steht ein Paket Windeln, am Fenster das Körbchen mit Cristina, fünf Monate alt und die jüngste ihrer fünf Töchter. Resolut stopft Avgia ihre Strickjacke unter Max' Po, so dass seine Nasenspitze gerade über die Tischplatte ragt, und serviert, das Handy am Ohr, zypriotische Meze. Tahina (Sesampaste), Talattouri (Joghurtcreme mit Gurken und Knoblauch), Taramosalata (ein Püree aus Fischrogen und Kartoffeln), gebratene Sardinen, Kebab, gefüllte Weinblätter, Calamaris, nach Zimt duftendes Stifado, Hühnchen, Schafskäse, eingelegte Walnüsse... Immer neue Platten und Schälchen landen auf dem Tisch. Nach vier Gängen (darunter Pommes) haben sich Franca und Yul, Anton und Max zum Toben auf die Terrasse abgesetzt. Am Ende bringt der Onkel seine Rakiflasche ins Spiel. Da schläft Max schon längst friedlich in seinem Buggy, zugedeckt mit Avgias Strickjacke.

Einmal mieten wir uns in Polis Räder und machen eine kleine Tour ins Chrysochous-Tal, das hinter der Stadt ins Landesinnere führt. Erstens sind dort Schotterwege, also kaum Verkehr - ein wichtiger Aspekt auf einer Insel, auf der es kaum Radwege gibt. Außerdem ist das Gelände relativ eben, was mit Kindersitz und 12 bis 14 Kilo Kind auf dem Gepäckträger ein ebenso wichtiger Faktor ist. Links blüht der Tabak, rechts hängen Feigen, da vorn werden die Oliven reif. Auf einem Acker mit vereinzelten Grashälmchen steht ein Schäfer mit seiner Herde. Da muss Max hin. Und Anton hinterher. Die Schafe glotzen. Der letzte Tag. Noch mal schnell in den Pool. Und von einem der dicken Rosmarinbüsche einen Zweig abbrechen. Urlaubsaroma für die Küche zu Hause. In wenigen Stunden werden wir im Flugzeug sitzen. Anton wird knabbern, Stephanie wird lesen, Max wird hibbeln. Na und?

Infos

  • Vamos Eltern-Kind-Reisen, Eichstr. 57 a, 30161 Hannover, Tel. 05 11/400 79 90, Fax
  • 31 31 09, www.vamos-reisen.de.
  • Fremdenverkehrszentrale Zypern, Kaiserstr. 50, 60329 Frankfurt, Tel. 069/25 19 19, Fax 25 02 88.
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