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Reiseziele in Slowenien: Die schönsten Städte

Reiseziele in Slowenien: Hafenstadt Piran
© Nele Martensen / Brigitte
Kennen Sie Škofja Loka? Haben Sie schon mal von Piran gehört? Das kleine Slowenien hat traumhaft schöne historische Städte, die die wenigsten kennen. Sie stecken voller Geschichte, Patina – und Aufbruchstimmung. Unsere Autorin ließ sich durch die vier schönsten treiben. 

Es ist sieben Uhr, und die Sonne breitet ihre schrägen morgenwarmen Strahlen aus. Sie legt sich auf Arme und Beine und lässt das Meer wie Silberfolie funkeln. Ich dippe erst meine Zehen ins glitzernde Wasser, dann gleite ich hinein. Frühschwimmer, die für den "Biserov Maraton" am kommenden Wochenende trainieren, kraulen mit kräftigen Zügen an mir vorbei. Ich ziehe langsam am Ufer entlang, an der "Punta", wie die Einheimischen sagen. Dort reihen sich alte Bürgerhäuser aneinander, zwischen zweien klemmt eine Mauer aus rauen Steinen – Reste der Stadtbefestigung aus dem 7. Jahrhundert, wird mir später ein Guide erzählen. Am Ende der Punta ein Glockenturm mit Zinnen auf dem Dach und fein geschwungenen Bogenfenstern. Und ein dicker kleiner Leuchtturm. Sightseeing beim Baden.

Reiseziele in Slowenien: Frühschwimmer
Frühschwimmer in der warmen Piraner Bucht.
© Nele Martensen / Brigitte

Als ich am Hotel wieder aus dem Wasser klettere, ist Piran gerade am Erwachen. Handkarren rattern übers Kopfsteinpflaster, beladen mit Gemüse und Obst, Straßenfeger schwingen ihre Besen in den autofreien Gassen. Wie ein Labyrinth ziehen sie sich über die Landzunge, auf der Piran in der Adria liegt, dicht aneinander drängen sich die Häuser und Palazzi. Den ganzen Vormittag laufe ich durch das Straßengewirr, obwohl das Städtchen mit seinen 4000 Einwohnern ziemlich überschaubar ist. Manchmal öffnet es sich zu einem "trg", wie die Slowenen ihre Plätze nennen. Am Tartinijev trg segeln Möwen über das perfekte Oval, über eine Bronzestatue, ziegelrote Dächer, die von Säulen gehalten werden, stuckverzierte, bis zu 500 Jahre alte Fassaden. Ein Gesamtkunstwerk mit sehr viel Patina, so wie die ganze slowenische Stadt. 

Slowenien ist ein Land mitten in Europa, das nur wenige kennen. Eingequetscht zwischen Italien, Österreich und Kroatien, erstreckt es sich von den hohen Gipfeln der Alpen bis zum Mittelmeer, von den Weinbergen in der Pannonischen Ebene bis zu den Urwäldern des Koevski Rog. Ein Drittel aller Städte steht unter Denkmalschutz. Viele haben noch Sehenswertes aus dem Mittelalter vorzuzeigen, weil schon damals wichtige Handelsrouten durch die Gegend führten, die den Bewohnern Wohlstand brachten. Von Stadt zu Stadt will ich durch Slowenien cruisen, das ist mein Plan, Städte-Hopping in einem Land, das kleiner ist als Brandenburg. Ich muss aufpassen, dass ich an den Highlights nicht aus Versehen vorbeifahre.

In Slowenien sein heißt auch gut essen und trinken.

Unter zwei Pinien am Stadtrand von Piran strahlt es wie in der blauen Phase eines Künstlers. Elena Fonda sitzt auf einer blau gestrichenen Bank am blauen Meer an einem blau gestrichenen Tisch. Einem Esstisch. "In Slowenien sein heißt auch gut essen und trinken", sagt Fonda zur Begrüßung. Denn das Land hat ein breit gefächertes Erbe, aus dem es sich auch kulinarisch das Beste herauspickt. Jahrhundertelang gehörte der Landstrich zu Italien und Österreich.

"Wer bei uns ins Restaurant geht, kann als ersten Gang Risotto essen, als zweiten T-Bone-Steak vom slowenischen Rind und das Ganze mit einem Apfelstrudel abschließen." Die 44-Jährige lacht und streift sich ihre braunen Haare aus dem sonnengebräunten Gesicht, als sie mir ihre Spezialität auftischt: Wolfsbarsch, eine edle Delikatesse, Elena Fonda zieht ihn möglichst natürlich im Golf von Piran, genauer im Nationalpark "Pirankse Soline". Nach einer Bootstour zu ihrer Meeresfarm legt sie den rohen Fisch als Carpaccio auf Scheiben von Baguette, toppt ihn nur mit Olivenöl und ein bisschen Fleur de Sel – er zergeht auf der Zunge, ich esse still vor mich hin, während vom Meer eine laue Brise herüberweht.

Wie bei Heidi auf der Alm

Es riecht nach frisch gemähtem Gras, als ich das nächste Mal aus dem Auto steige. Eigentlich will ich nach Škofja Loka, aber vor lauter alten, schützenswerten Gemäuern gibt es dort keine Hotels. Nun bin ich im Heidi-Land, Wiesen steigen an Bergflanken auf, die ersten 2000er der Alpen zeichnen sich am Horizont ab. Und hinter mir muht eine Kuh. Beti Porenta, die Chefin von "Pri Marku", einem Bauernhof mit Ferienzimmern, empfängt mich mit einem Glas selbst gemachtem Kirschsaft. An einer Holzbank vorm Haus lehnt mein Mountainbike. Warum nicht die paar Kilometer vom Dorf Crngrob nach Škofja Loka mit dem Rad fahren?, hatte ich gedacht.

Reiseziele in Slowenien: Frau auf Fahrrad
Autorin Joost saust durch das weitgehend autofreie Škofja Loka.
© Nele Martensen / Brigitte

Ich stelle den Sattel auf die richtige Höhe ein und sause mit dem E-Bike los. Vorbei an der Dorfkirche Mariä Verkündung – sie ist innen mit Fresken aus dem 14. Jahrhundert bemalt (ist hier eigentlich alles uralt?), durch Wald und über Felder. Bis ich einen rauschenden, grün schillernden Fluss überquere und mitten in Škofja Loka lande.

Kann man eine Überdosis von alten Gemäuern bekommen?

Wäre die Stadt das passende Zuhause für eine Schauspielerin, müsste hier Helen Mirren wohnen. Kopfsteinpflastergassen ziehen sich wie zarte Runzeln durch den Ort, die nötige Grandezza verpasst dem Ensemble das 500 Jahre alte Bischofspalais, es thront wie eine Burg auf einem kleinen Berg über den Dächern der Altstadt. Langsam radle ich über den Mestni trg, den Marktplatz, der eher eine lang gezogene, wunderschöne Straße ist, nur ohne Autoverkehr. Kinder fahren auf ihren Rollern hin und her, Jugendliche auf ihren E-Rollern. Platanen sorgen für Schatten, während die Sonne vom Himmel knallt. Im "Café Homan", unter einer großen, mächtigen Linde, trinke ich einen Bela Kava, einen Milchkaffee, und genieße die Kulisse. Das Homan-Haus, ein gotisches Palais, die Häuser aus der Barockzeit mit ihren Fresken, die Torbögen, Türmchen und Erker – vermutlich die besterhaltene mittelalterliche Altstadt des Landes. Kann man eine Überdosis von Gemäuern mit Patina bekommen?

Mittelalterliches Flair

Auch Ajda Krajnc hat sich in Škofja Loka verliebt. Sie arbeitet im Center DUO, im Zentrum für Kunsterziehung und Handwerk. Das Zentrum, natürlich in einem Haus aus dem 16. Jahrhundert, wird mit Geldern von der EU unterstützt – so wie drei andere in Slowenien und Österreich, um altes Handwerk am Leben zu erhalten. In und um Škofja Loka gibt es noch viele Frauen und Männer, die traditionell arbeiten. Alt sehen ihre Sachen aber nicht aus, sondern superschön.

Auf Regalen und in Vitrinen des DUO liegen Lesezeichen aus Leder, in die mit Holzformen Muster gedruckt wurden, Schmuck aus Glas, schmiedeeiserne Pfannen. Schals, aus Filz und Tüll genäht, legen sich wie fein gesponnene Wellen um den Hals. Ajda Krajnc verkauft die Ware, organisiert den Nachschub und veranstaltet Workshops mit den Kunsthandwerker*innen. Seit einem Jahr arbeitet die Ethnologin hier. Noch wohnt die 39-Jährige in der 25 Kilometer entfernten Hauptstadt Ljubljana, aber sobald sich eine Möglichkeit ergibt, will sie umziehen.

Ich bin immer wieder überrascht, wie viel Leben in den mittelalterlichen Städten Sloweniens steckt. Sie schlafen nicht weltfern, vergessen und vernachlässigt unter der Sonne des Südens – ganz im Gegenteil: Zähe, ambitionierte Menschen drücken ihnen ihren Stempel auf, nutzen ihre Erfahrungen und schubsen sie vorwärts, in die Gegenwart. Die Piranerin Elena Fonda etwa ist keine Provinzlerin, sie arbeitete zehn Jahre als Molekularbiologin in Ljubljana und forschte an biologischen Heilmitteln gegen Krebs, bevor sie angefangen hat, aus der Fischfarm ihres Vaters einen weit über Piran hinaus bekannten, ökologischen Vorzeigebetrieb zu machen.

Ich genieße die  Stimmung, die als freundliche Wolke über Allem schwebt.

Auch Tina Krajnc, die ich in Maribor kennenlerne, studierte erst in Wien Marketing, bevor sie nach Slowenien zurückkehrte und sich als Holzdesignerin selbstständig machte. In ihrem Shop Slovenska verkauft sie Handtaschen, Ohrringe, Fliegen, Haarspangen, selbst Krawatten aus Holz – natürlich alles eigenhändig aus heimischer Eiche oder Buche hergestellt. Letzte Woche war sie mit ihrer Kollektion in New York, die Fashion Week hatte sie eingeladen. Aufregend, ja, natürlich, und New York eine tolle Stadt, "aber in Slowenien ist das Leben wirklich gut, viel entspannter", sagt die 32-Jährige in ihrem kleinen Laden, in dem sie gern mit ihrer Kundschaft schwatzt.

Barbara Švrljuga Hergovich ist keine Rückkehrerin, sie ist eine Einwanderin. Maribor, mit gerade mal 150000 Einwohnern Sloweniens zweitgrößte Stadt, hat ihre eine Chance geboten. Barbara – gebürtige Kroatin mit Wohnsitz in Wien – ist seit vier Jahren künstlerische Leiterin des "Festival Maribor", eines international bekannten Events der klassischen Musikszene. Heute Abend wird das Haydn-Philharmonieorchester der Stadt mit dem berühmten Cellisten Nicolas Altstaedt spielen, aber nun läuft Barbara Švrljuga Hergovich mit mir durch die Straßen ihrer zweiten Heimat. "Maribor ist so viel persönlicher und wärmer als Wien", sagt die 40-Jährige mit einem breiten Lächeln im schmalen Gesicht. Ich folge ihren weißen Sneakers, mit schnellen Schritten gehen wir an den üblichen Highlights einer slowenischen Stadt vorbei: Schloss, Renaissance-Rathaus, Domkirche...

Reiseziele in Slowenien: Boutique
Shoppingparadies. Barbara Švrljuga stöbert in der Boutique "E2RD" in Maribor.
© Nele Martensen / Brigitte

Ich genieße die Stimmung, die wie eine freundliche, mediterran angehauchte Wolke über allem schwebt. Auf den Plätzen, wo sich Cafés und Restaurants mit ihren Tischen breitmachen, sitzen schon morgens überall Leute in der Sonne. Ein Straßenmusiker spielt Akkordeon, eine Katze huscht an meinen Beinen vorbei. Als Barbara wieder ins Büro geht, beschließe ich, den Rest des Tages einfach zu vertrödeln. Ich entdecke kleine Upcycling-Läden, die aus alten Stoffen Kleider und Röcke nähen. Spaziere in den Park mit ehrwürdigen Bäumen und Wasserschildkröten in den Teichen. Schließlich lande ich an der – laut Guinness-Buch der Rekorde – ältesten Rebe der Welt, sie wächst mitten in der Stadt am Fluss Drava. Dicke blaue Trauben hängen über einem 450 Jahre alten Stamm. Selbst der Wein hat Patina.

Reiseziele in Slowenien: Weinreben
Weintrauben gedeihen in und außerhalb der Stadt.
© Nele Martensen / Brigitte

Winzer Bojan Kobal nimmt die Kappe vom Kopf und reibt sich die müden Augen. Gerade ist Lese, und er hat gestern bis zwei Uhr nachts im Weinberg geschuftet. Jetzt schenkt er mir ein Glas Šipon ein, eine Art trocken-würzigen Tokajer. Maribor und Umgebung sind berühmt für elegante Weißweine, Kobals Weinboutique liegt in Ptuj, in der – sorry, ich muss es sagen – ältesten Stadt des Landes. Arkaden, Laubengänge und verwinkelte Höfe durchziehen den schönen Ort. Das Haus des 42 Jahre alten Winzers hat noch römische Fundamente, in die Backsteinwände darf kein Nagel getrieben werden, die Fotos und Bilder in der Probierstube stehen auf Podesten. Als Weinberater arbeitete Bojan Kobal jahrelang in Österreich und Kroatien und heimste viele Preise ein, vor fünf Jahren kaufte er seine eigenen Weinberge rund um Ptuj. "Es ist so charmant und friedlich hier", sagt er, während ich meinen Weißwein trinke. Stimmt. Ich freue mich, Slowenien für mich entdeckt zu haben.

Reise-Service Slowenien

... und seine schönsten unentdeckten Städte (Infos: slovenia-historic-towns-com).

Hotel Piran

 Die Zimmer? Geschmackssache. Die Lage am Meer und das historische Gebäude: sensationell. DZ/F ab 130 Euro, hotel-piran.si

Fritolin pri Cantini "Take away or take it easy" steht im Logo. Beides ist hier super: Fisch und vegetarische Gerichte, gegessen und getrunken wird an den Tischen in der Bar. Trg Maja 10.

Fonda Bootstouren durch die Edelfischfarm und Verkostung von frischem Wolfsbarsch. Zwei Stunden 25 Euro (ab 4 Personen) fonda.si

Piranske Soline Gibt's nur hier: Meersalz in hübschen Säckchen, aus dem Golf von Piran gewonnen. Tartinijev trg. soline.si

ŠKOFJA LOKA

Pri Marku Hübscher Bauernhof mit einfachen Zimmern im nahen Dorf Crngrob. DZ/F 70 Euro, pri-marku.si

Center DUO Wunderschönes Kunsthandwerk aus der Region, von echten Könnern gefertigt. Mestni trg 34.

Café Homan Berühmt für seine Torten, besonders schön sitzt man auf dem Marktplatz unter einer großen linde. Mestni trg 2.

Pr' Pepet Neues Restaurant mit frischer, schmackhafter Küche, Kuchen und Bergkräutertees. Kopališka ulica 1, prpepet.si

Hotel City Maribor 

Modern und gemütlich die Zimmer, die große Dachterrasse mit Blick über den Fluss Drava. DZ/F ab 115 Euro, hotelcitymb.si

Hotel Maribor Zwei Häuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Metall, Glas und viel unbehandeltes Holz geben Wärme und Style. DZ/F ab 99 Euro, Apartment/F ab 139 Euro, hotelmaribor.si

Gostilna Maribor Hier gibt's kleine und große Gerichte in ausgezeichneter Qualität, auf dem Platz Glavni trg nahe dem Rathaus. gostilnamaribor.si

Slovenska Taschen, Fliegen, Krawatten, alles handgefertigt aus Holz und sehr schick von Tina Krajnc. Slovenska uliza 13, moimoimoi.eu

B&B Silak 

Haus aus dem 16. Jahrhundert, an der Drava gelegen, nette Zimmer, sehr freundliche Atmosphäre. DZ/F ab 60 Euro, rooms-silak.com

Vinoetk Kobal Bojan Kobal ist einer der bekanntesten Winzer der Weinbauregion Podravje. Besonders gut: Šipon, eine Rebsorte der Regino, kobalwines.si

Gostilna Grabar Bestes Restaurant weit und breit, Chefköchin Mazera Tomaz zaubert Köstlichkeiten auf den Teller. Drei-Gänge-Menü ab 25 Euro, gostilnagrabar.si

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