Winterurlaub mit Schneegarantie - hier wird's weiß!

Schneegarantie gewünscht? Wir waren auf der Suche nach schneesicheren Winterzielen - und wurden in Frankreich, Norwegen und Österreich fündig.

Was braucht man für perfekte Winterferien? Dicke Flocken!

Und die gibt es längst nicht mehr überall. Wir waren in Serfaus, im Val d’Isère und auf Spitzbergen - denn dort kann man sich von November bis April auf eines verlassen: viel Weiß.

1. Serfaus-Fiss-Ladis, Tirol (Österreich):
Und alle sind glücklich!

So weit das Auge reicht, sieht man: sehr viel Schnee - trotz der herrlichen Sonne, die am knallblauen Himmel scheint. Es ist eine Alpen-Winterlandschaft wie aus dem Bilderbuch, denn das Skigebiet Serfaus-Fiss-Ladis ist eines der ausgemachtesten Schneelöcher Tirols, ja, ganz Österreichs. Obwohl für den Spaß auf den Pisten hier auch weniger genügen würde, schließlich führen sie über Wiesen und nicht, wie anderswo, über Felsen. Deshalb kommt man selbst mit nur 40 Zentimetern schon ganz ordentlich zurecht.

Wie gemalt: Glücklich, wer die erste Spur in den Schnee ziehen darf

Auf dem 2828 Meter hohen Masnerkopf, dem westlichsten Punkt des Skigebiets, von dem aus man bis zur Zugspitze im Nordosten und bis zum Ortler im Südwesten blicken kann, schneit es jeden Winter viele Meter, hier fährt man sogar im März noch auf Naturschnee. Herrlich ist das, und ganz schön anspruchsvoll, denn am Masnerkopf gibt es nur eine Handvoll ziemlich steiler roter Pisten und die sehr steile schwarze Abfahrt, für die man so sportlich fahren können muss, dass man sie meist für sich allein hat.

Skifahren lernen plus Würstchen und Kaiserschmarrn

Mein Mann und ich sind fast jeden Tag zum Masnerkopf, während unsere Söhne im Skikurs waren. Jeden Morgen um 10.30 Uhr und jeden Nachmittag um 13.45 Uhr haben wir sie für je zwei Stunden auf "Murmlis Kinderschneealm" abgegeben - und hatten eine Woche lang drei wirklich glückliche Jungs, die Skifahren lernten und mittags Würstchen oder Kaiserschmarrn aßen. Wir Eltern waren mindestens genauso glücklich. Weil wir die "Kinderschneealm", über der trotz der vielen begeisterten Mädchen und Jungen ein greinender Dauersound lag (Pipi! Mama! Warm! Kalt! Durst! Hingefallen!), immer sehr schnell verlassen haben, sobald die Jungs abgegeben waren. In zwei Stunden schafft man ziemlich viele Abfahrten, wenn man sich ranhält.

Und selber Skifahren macht Eltern noch viel glücklicher, als den Kindern beim Skifahrenlernen zuzusehen. Zumal wir vorher jeden Morgen auch schon einiges mitgemacht - und deshalb Erholung dringend nötig hatten. Die Diskussion zum Beispiel, ob "Fanta" als Frühstücksgetränk taugt, und warum, wenn das nicht so ist, sie dann am Buffet angeboten wird? Das Gejaule unserer Söhne auf dem Weg zur Gondelbahn, wenn sie schnell gehen mussten, weil es schon spät war. Das Wehklagen über die drückenden Skischuhe. Und der tägliche Streit in der Gondel, ob heute nun "Schneebrille, Sonnenbrille oder gar keine Brille" zu tragen sei.

Kinderpisten mit Liebe und Fantasie

Oder wie Skilehrer Okker, Linus (4) laut und ausdauernd "Orka" rief, den halben Tag bäuchlings vor unserem Jüngsten im Schnee herumrutschte, damit der seine Ski schön in Pizzastellung hielt. Oder wie Skilehrerin Lizzy unserem Simon (6) geschätzte zehn Mal in der Stunde die Schneebrille neu auf dem Helm justierte. Unseren ältesten Sohn, Joris (8) haben wir selber kaum gesehen. Er war ab dem ersten Tag mit Skilehrer Andi, einem Hünen mit langen braunen Haaren, und den Schneezwergen im Gelände unterwegs.

Es gibt spezielle Kinderpisten in Serfaus, die über kleine Schanzen und durch Soundtunnel führen, durch einen Märchenwald und einen Tierpark. Mit viel Liebe und Fantasie wird so sichergestellt, dass die Kleinsten nicht nur Ski fahren, sondern dabei auch eine Menge über Flora, Fauna und die Sagenwelt der Alpen lernen. Was Sie deshalb bestimmt einsehen, ist, dass wir bald noch einmal nach Serfaus-Fiss-Ladis fahren müssen. Simon und Linus sind nämlich die Tierpark-Piste noch nicht gefahren. Und seien Sie bitte froh, dass Sie nicht hören müssen, wie laut die beiden geheult haben, als ihnen das auf der Rückreise im Zug bewusst wurde.

Hinkommen

  • Nachtzug: Mit dem ÖBB-"Nightjet" reist man von vielen deutschen Bahnhöfen bequem im Schlaf- oder Liegewagen bis Innsbruck. Von dort aus dauert es eine gute halbe Stunde mit dem Zug bis Landeck und dann etwa eine Stunde mit dem Bus aufs Serfauser Hochplateau. Viele Unterkünfte bieten Gästen einen günstigen Shuttleservice ab/bis Landeck. "Nightjet" z. B. ab/bis Düsseldorf nach Innsbruck ab 98 Euro. Familienabteil für bis zu 6 Personen ab 398 Euro. Wer sein Auto mitnehmen will, bezahlt dafür ab 38 Euro für Hin- und Rückfahrt (www.nightjet.com).

Übernachten

  • Hotel Bär. Die Besitzer haben das Konzept "Familienhotel" als Gründer der "Leading Family Hotels" quasi miterfunden. Hier gibt’s alles: Indoor-Spielplatz, Kino, riesiges Schwimmbad mit Wasserrutsche und Kletterhalle für die Kids, Saunalandschaft, Weinbar und Abendmenü für die Großen - während die Kinder liebevoll betreut werden. Im Schwesterhotel "Löwe" fühlen sich Familien mit unter Dreijährigen besonders wohl. DZ/VP inkl. alkoholfreier Getränke ab 246 Euro, für Familien gibt es günstige Wochen­ pauschalen (Serfaus, Herrenanger 9, Tel. 00 43/54 76/60 58, www.loewebaer.com).
  • Biopension Alpenheim. Gemütliche Pension im Zentrum von Fiss. Hübsche Zimmer mit viel Holz, kleiner Wellnessbereich. DZ/F ab 108 Euro (Fiss, Mühlenweg 4, Tel. 00 43/54 76/63 59, www.alpenheim.net).

Genießen

  • Kölner Haus. Obwohl Hütte und Terrasse zur Ski­schulpause zuverlässig bis auf den letzten Platz besetzt sind und es entsprechend hektisch zugeht, ist das Essen alles andere als Hüttenfraß, sondern aus regionalen frischen Zutaten, wirklich lecker und trotzdem nichtüüberteuert (z. B. Knödelduo ca. 12 Euro, köstlicher Kaiserschmarrn ca. 11 Euro). Abso­lut empfehlenswert und extrem familienfreundlich - es gibt sogar eine kleine Kindertoilette! Wer länger bleiben möchte: Man kann sich auch einmieten, DZ/HP ab 151 Euro (Serfaus, Komperdell 116, Tel. 00 43/54 76/62 14, www.koelner­haus.at).

Erleben

  • Skifahren. 162 Pistenkilometer, alle oberhalb von 1200 Höhenmetern, 68 Lifte und als Grundprinzip: Familienfreundlichkeit. Serfaus-­Fiss­-Ladis ist nicht von ungefähr eines der beliebtesten Skigebiete Tirols. Skipass für 6 Tage ab 217 Euro (Erwachsene) und 126 Euro (Kinder). In Serfaus und Fiss gibt es jeweils ein großes Kinderskischul­-Areal mit je einem Dutzend "Zauberteppiche" und allerlei Hilfsmitteln zum Lernen. 6 Tage Kinderskikurs ab 277 Euro, für Erwach­sene ab 298 Euro (Infos: www.skischule­serfaus.com).

2. Val d'Isère, Savoyen (Frankreich):
Dreitausender und Steak tartare

Als Daniel Clarey 1982 nach Val d'Isère zog, schneite es noch gut 19 Meter in einer Saison. Heute sind es fünf bis sechs, in guten Jahren. Das reicht, um Val d’Isère zu einer der schneesichersten Destinationen der Alpen zu machen - aber es reicht nicht, um die Touristiker, die ihren Ort auch in 30 Jahren noch mit "Schneegarantie" verkaufen wollen, nachts gut schlafen zu lassen.

Weitblick: Das Zentrum von Val d'Isère, rechts der "Rocher de Bellevarde", mittig das Manchet-Tal

Um ihre Sorge zu verstehen, muss man sich die sehr alten Häuser im Zentrum ansehen, die im 17. Jahrhundert gebaut wurden, aus Feldsteinen, mit Holz und Schieferdächern: Diese Gebäude, die rund um das Kirchlein aus dem 11. Jahrhundert stehen, haben zwei Türen. Eine Sommertür im Erdgeschoss und eine Wintertür im ersten Stock. Damals nämlich hat es hier, auf 1800 Metern in den Savoyer Alpen, so viel geschneit, dass man der Massen ohne Schneepflug nicht Herr wurde. Und weil das Schaufeln mit bloßen Händen zu anstrengend war, baute man den Häusern lieber eine zweite Tür. Dann war es egal, wenn das Erdgeschoss im Weiß versank.

Winterurlaub mit Schneegarantie

In den 60er-Jahren beschloss man, diese unbarmherzigen, langen Winter zu Geld zu machen. Auf staatliche Anordnung wurden Skistationen gebaut, bisweilen aus dem Nichts wie in Tignes, bisweilen in gewachsenen Dörfern wie Val d’Isère. 28000 Gästebetten zählt der Ort heute, auf 1600 feste Einwohner. Allerdings macht sich die weiße Pracht mittlerweile manchmal rar. Und genau deshalb ist der "Schneezüchter" Daniel Clarey hier auch einer der wichtigsten Männer.

Gemeinsam mit seinen Kollegen bringt er jeden Winter fast 1,5 Millionen Kubikmeter auf die Pisten von Val d’Isère. "Wir schaffen bis zu 8000 Kubikmeter in der Stunde, wenn die Bedingungen ideal sind", erklärt er. Fünf bis sieben Euro kostet ein solcher Kubikmeter künstlichen Schnees, der aus knapp einem halben Kubikmeter Wasser und viel kalter Druckluft entsteht. Genau genommen sind es kleine Eiskügelchen, die von den Schneekanonen produziert und dann mithilfe von Ventilatoren auf die Pisten geblasen werden oder aus etwa 15 Meter hohen Schneelanzen herabrieseln. Clarey und seine Kollegen sind stolz auf die "Schneegarantie", die sie den Gästen von Val d’Isère von Ende November bis Ende April geben können - auch für die Abfahrten in den Ort.

Schneesicher in über 2500 Metern Höhe

Mir persönlich gefällt es hier vor allem deshalb besonders gut, weil der größte und absolut schneesichere Teil des Skigebiets über 2500 Metern liegt. Nie zuvor hatte ich beim Skifahren einen so spektakulär weiten Blick: auf 30 Dreitausender ringsum. Immer mal wieder sehen wir sogar den Mont Blanc in der Ferne, den 4810-Meter-Giganten zwischen Frankreich und Italien. Viele der Pisten sind herrlich steil, darunter die Olympia-Abfahrt von 1992, die berüchtigte "Face de Bellevarde": 959 Meter Höhenunterschied auf knapp drei Kilometern Länge.

Patrick Ortlieb hat hier mit 1:50,37 Gold geholt - wir brauchen fast eine Viertelstunde, und mir zittern danach ganz ordentlich die Knie. Trotzdem würde ich am liebsten sofort noch einmal starten. Doch das Gebiet ist so groß, dass sich ranhalten muss, wer es in einem Tag durchqueren will. Wir fahren Richtung Süden, zum Pissaillas-Gletscher und ziehen auf einem Eisfeld in 3400 Meter Höhe frische Spuren in den Pulverschnee. Vor uns recken sich bizarre, rötlich-helle Felstürme, wir umkurven Canyons und Gletscherspalten – hier fühlt sich Skifahren wie eine Expedition an.

Leckere, französische Küche

Mittags genieße ich es, dass man auf französischen Berghütten keine Wiener Würstchen und matschigen Spaghetti serviert, sondern Drei-Gänge-Menüs mit Lachspastete, Steak tartare und Rohmilchkäse. Und selbst den Après-Ski mag ich hier - ganz ohne "Rotes Pferd" oder "Anton aus Tirol", dafür mit Live-Rockbands und Gastauftritten weltberühmter Elektro-DJs. Darum hoffe ich sehr, dass Daniel Clarey und seine Kollegen ihre Schneezüchter- Künste weiter verfeinern. Damit sie für die Abfahrten nach Val d’Isère noch viele, viele Jahre eine Schneegarantie geben können.

Hinkommen

  • Val d’Isère liegt zweieinhalb Autostunden südlich von Genf. Nach Genf gibt es von den meisten deutschen Flughäfen Direktverbindungen. Von dort verkehren Shuttle-Busse in die französischen Skistationen, genauso wie von Bourg Saint-Maurice, das man via Lyon mit dem TGV erreicht (Fahrzeit gut 3 Stunden).

Übernachten

  • Tsanteleina. Traditionshaus im modernen Alpen-Style mit Fellen, Filz und viel Holz, Schwimmbad und exzellenter Küche im Restaurant "La Table des Neiges" (Vier-Gänge-Menü für 58 Euro). DZ/F ab 240 Euro (www.tsanteleina.com).
  • Résidences La Daille. Wie eine Festung aus Holz, Metall und Beton ragen die bis zu zwölfstöckigen Häuser zwischen steilen Felswänden am Tal-Eingang empor. Die Hochhäuser mit Ferienwohnungen an der Talstation in La Daille stammen aus den 60er-Jahren. Lange wurden sie als Architektursünde geschmäht - neuerdings gilt es wieder als hip, hier zu wohnen. Die trutzigen Mauern und schiefergrauen Metalldächer erinnern an felsige Berge. Appartement für 7 Nächte ab 420 Euro (über www.pierreetvacances.com oder www.fewo-direkt.de).

Genießen

  • L’Atelier d’Edmond. Abends kocht Benôit Vidal in seinem Restaurant Menüs, für die er zwei Sterne im "Guide Michelin" errang. Mittags öffnet das Bistro im Erdgeschoss, nur wenige Meter von der Talstation der Gondel in Le Fornet entfernt. Dort gibt es ein täglich wechselndes Drei-Gänge-Menü für 29 Euro, serviert in kleinen Kasserollen und Einmachgläsern auf einem Holzbrett (Le Fornet, Tel. 00 33/479 00 21 42, www.atelier-edmond.com).
  • Cocorico. Die Après-Ski-Location in Val d’Isère, genau dort, wo alle Pisten im Zentrum enden. Garantiert keine Schlager, dafür rockige Live-Musik und große Mengen frisch gezapftes Bier (Place du Rond Point des Pistes, www.cocoricovaldisere.com).
  • Patîsserie Chevallot. Seinen Titel "Meilleur Ouvrier de France" für herausragendes Handwerk trägt Patrick Chevallot mit Stolz. Seine Törtchen und Schokoladen sind optisch und geschmacklich eine echte Wucht. Und wer ein wirklich gutes Sandwich sucht, mit Rohmilchkäse, bestem Aufschnitt und knackigem Gemüse (ab 4 Euro), ist hier ebenfalls richtig (Place André Degouey, www.chevallot.com).

Erleben

  • Skifahren. Ein Skigebiet der Superlative inmitten von 30 Dreitausendern: zwei Gletscher, 300 Pistenkilometer, 1900 Meter Höhenunterschied auf 10000 Hektar. Es gibt 26 schwarze und 40 rote Pisten, im neu gestalteten "Solaise"-Bereich kommen aber auch schwächere Fahrer in spektakulärem Höhenpanorama sehr gut auf ihre Kosten. Skipass für 6 Tage ab ca. 256 Euro (www.valdisere.com).
  • Schneefabrik. In zwei kurzweiligen Stunden im "Atelier de Neige" lernt man, wie sich Wasser und Luft in Schnee verwandeln lassen. Gratis nach Anmeldung (Tel. 00 33/479 06 06 60, www.valdisere.com).

3. Spitzbergen (Norwegen):
Wenn die Arktis das Licht anknipst

Die Hunde bellen nicht, sie heulen nicht, sie schreien regelrecht. So laut, dass wir Menschen uns mit Handzeichen verständigen müssen. Drei Wochen seien sie jetzt schon nicht draußen gewesen, hatte Guide Lara uns vorbereitet. Die Tiere, die sie und ihr Kollege Michael aus dem umzäunten Gehege holen, wo jedes vor einer kleinen Holzbox angekettet ist, lärmen vor Erwartung, die anderen vor Wut, dass sie zurückbleiben.

Als unser Gespann komplett ist, gibt Michael das Kommando, leicht zittrig löse ich die Bremse, die Hunde legen los - und schlagartig wird es still. Sobald die Tiere in Bewegung sind, verstummen sie. In großem Bogen ziehen sie den Schlitten auf die weite baumlose Ebene hinaus, über deren unberührter Schneedecke ein gigantischer Sternenhimmel funkelt. Dies ist nur einer von vielen magischen Momenten auf meiner Reise ans Ende der Welt. Denn genau das ist die Inselgruppe Svalbard - ihre deutsche Bezeichnung Spitzbergen ist eigentlich nur der Name der Hauptinsel.

Zwischen Norwegen und Nordpol

Die Insel gehört zu Norwegen, liegt aber fast 1000 Kilometer vom Festland entfernt, etwa die gleiche Entfernung trennt sie vom Nordpol. Nur weil der Golfstrom zumindest etwas Wärme in diesen Teil der Arktis bringt und die Temperaturen deswegen selten unter minus 20 Grad fallen, kann man hier überhaupt dauerhaft wohnen. Abgesehen von ein paar Forschungsstationen ist Svalbards Hauptstadt Longyearbyen mit gut 2000 Einwohnern die nördlichste Siedlung der Welt.

Der Winter hat hier zuverlässig im Wesentlichen zwei Farben: Weiß - etwa ab November und bis Anfang Mai ist darum der Schneescooter das wichtigste Transport- und Fortbewegungsmittel, die meisten Familien haben mehrere, über 4000 gibt es auf ganz Svalbard – und Schwarz. Wir landen mitten in der Nacht, aber auch am nächsten Morgen wird es nicht hell. Noch weitere 84 Tage wird es so dunkel bleiben, ist auf dem Monitor in der Hotellobby nachzulesen.

Erleuchtung: Die traditionellen Sami-Zelte im Brattlidalen sind das Ziel eines Polarlicht-Auslugs mit dem Schneemobil

Ende November, steht die Sonne zudem so weit unter dem Horizont, dass wir nicht mal eine Dämmerung erleben. Das mag abschreckend klingen, ist es aber nicht, denn die Arktis hat ihr eigenes Licht - und ihre eigene Faszination. Immer wieder rennen wir deswegen nach draußen und starren hinauf. Meist beginnt es mit einem blassen Flackern, das schnell wieder verschwindet. "War da was?", fragen wir. "Einfach weiterschauen", raten die Einheimischen. Und dann plötzlich bauscht sich über uns ein Vorhang auf, aus Grün und Blau, schwingt minutenlang über uns. Und ja, Polarlicht ist bloße Physik, aber für einen Moment stehe ich einfach nur verzaubert da.

Willkommen in der Wildnis!

Natürlich kann die Arktis auch anders. Am Ortsausgang von Longyearbyen steht ein Verkehrsschild mit einem Eisbären darauf - und das ist definitiv mehr als nur ein Fotomotiv für Touristen: Ab hier beginnt die Wildnis, ab hier ist das Tragen einer Waffe Pflicht. Etwa 3000 Tiere leben auf Svalbard. Die meisten draußen auf dem Eis, wo sie Robben jagen, doch immer wieder kommen sie dem Menschen nahe. "Bleibt dicht zusammen", heißt es, wann immer wir außerhalb der Stadt unterwegs sind. Man gewöhnt sich daran, auch an die Waffen der Guides.

Und man gewöhnt sich an die Dunkelheit. Schon am zweiten Tag werden die Sinne schärfer, und immer mehr Konturen treten aus ihr hervor. Am Ende der Reise stapfen wir durch ein Tal, der überfrorene Schnee knackt unter den Spikes, der Wind beißt in Augen und Gesicht, hinter den Silhouetten der gewaltigen Tafelberge ringsum huscht wieder das Nordlicht. Und plötzlich wird es ganz still in mir, die Kälte ist weg und die Magie wieder da: Inmitten dieser menschenfeindlichen Eiswüste fühle ich mich tatsächlich einen Moment völlig geborgen.

Hinkommen

  • SAS fliegt von vielen deutschen Flughäfen nach Oslo und von dort nach Longyearbyen, Flugzeit ab Oslo ca. drei Stunden. Tickets ab 350 Euro (www.sasfly.com).

Übernachten

  • Radisson Blu Polar Hotel. Im Zentrum von Longyearbyen unweit der Fußgängerzone, mit Outdoor-Jacuzzi und einer Bar, in der sich auch Einheimische treffen. DZ/F ab 180 Euro (Tel. 00 47/79 02 34 50, www.radissonblu.com/en/hotel-spitsbergen).

Genießen

  • Coal Miners’ Cabins, Bar & Grill. Diese Gebäude entstanden in den 1940er-Jahren im "Vorort" Nybyen für die Minenarbeiter und bieten in der alten Messe eine gemütliche Bar und im Restaurant sehr leckere Burger vom Kohlegrill (Menü mit Pommes 20 Euro). Übernachten kann man auch, DZ/F ab 95 Euro (über Hurtigruten Svalbard, Tel. 00 47/79 02 63 00, www.hurtigrutensvalbard.com).

Erleben

  • Camp Barents-Abend. Die Hütte außerhalb von Longyearbyen ist dem Winterlager des Spitzbergen-Entdeckers Willem Barents nachempfunden. Zu deftigem Rentier-Eintopf vom offenen Feuer gibt es Abenteuergeschichten (drei Stunden 116 Euro, über Hurtigruten Svalbard, Tel. 00 47/79 02 61 00, www.hurtigrutensvalbard.com).
  • Hundeschlitten-Tour. Vier Stunden auf dem Schlitten, Ausrüstung wie Thermoanzug, Mütze und Stirnlampe werden gestellt (137 Euro, über Hurtigruten Svalbard, Tel. 00 47/79 02 61 00, www.hurtigrutensvalbard.com).
BRIGITTE 25/17

Wer hier schreibt:

Anja Haegele
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